191
Genie und Irrsinn.
seine Hand über die Wände und ließ die anmutigstenLimen und Arabesken entstehen (Frigerio). — Ein Kano-nicus, welcher nicht die geringsten Kenntnisse in der Bau-kunst besaß, begann, nachdem er ein Opfer des Trübsinnsgeworden, aus hartem Papier Tempel und Amphitheaterzu bauen, deren harmonische Großartigkeit allgemeine Be-wunderung erregte. — Ein Schmied und ein Ledergerber,beide aus Perugia, der eine der Trunksucht, der andereder Megalomanie ergeben, bildeten aus Kreide Männer-köpfe, Blätter und Blumen, und fertigten zugleich' einegroße Anzahl der seltsamsten Zeichnungen an, welch' letztereallein auf die Geistesstörung, an welcher beide litten, hin-deuteten und sich durch ihren eigentümlichen Charakter aus-zeichneten.
Betrachten wir nun näher die Eigentümlichkeiten dieserMalereien und Zeichnungen.
1. Viele lassen sich von ihrem Übel in der Wahl desGegenstandes leiten. Ein Trübsinniger schnitzt unaufhör-lich und immer wieder von neuem einen Mann, der seinenKopf in der Hand trägt. Eine an Megalomanie leidendeFrau läßt jeden Augenblick Gott in ihren Stickereien er-scheinen. Die Monomanen zeichnen meistens Anspielungenan ihr eignes eingebildetes Unglück, welches sie unter deneigentümlichsten Symbolen darstellen. In meinem Besitzebefindet sich eine Schinähschrift, welche von einem BeamtenVogheras verfaßt ist; der Unglückliche glaubte sich vomPräfekten*) mit Schmähungen verfolgt und zeichnete aufeiner Seite des Manuskriptes den Haufen seiner vermeint-lichen Feinde, auf der andern die Gerechtigkeit, welche ihn,den Verfolgten verteidigt. — Ein Frauenzimmer, G. B.,dessen Geist vom Verfolgungswahnfinn und zugleich vonerotischen Ideen getrübt wurde, zeichnet ein Bild der
°) Der höchste Negierungsbeamte der italienischen Provinz.