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Genie und Irrsinn.
< inan die Thaten ihrer Vorfahren bezweifelt oder be-streitet," sagt Ellis in deni eben angegebenen Werke. —Und wie im alten Indien so im mittelalterlichen Europa.Montucla spricht von einer in gebundener Rede verfaßtenund im dreizehnten Jahrhundert erschienenen mathematischenAbhandlung. Ein Engländer schrieb in Versen über denCodex des Justinian und ein Pole über Heraldik.
Die eigentlichen Geschichtsbücher, wenngleich sie in Prosageschrieben waren, standen, was die Phantasie und die zahl-reichen Wortspiele anbetrifft, den Dichtungen nicht nach. Indenselben wird Trohes von Troja, Nürenberg von Nero,Sarazene von Sarah abgeleitet und Mohammed als einKardinal bezeichnet. Neapel soll auf Eiern entstanden sein.Nach einigen Stegen der Türken hieß es, daß diese anstattmit zweiunddreißig, mit zwei- oder dreiundzwanzig Zähnengeboren wurden. Turpin, der Macaulay seiner Zeit, er-zählt in seiner Chronik, daß die Mauern Pamplonas zu-sammenbrachen, sobald das Gefolge Karls des Großen zumGebete niederkniete. Ferrantte*) war zwanzig Ellen groß;sein Gesicht allein war eine Elle lang. Kurz dies sind dieFabeln unserer Stallknechte, denen man nur einen neuen^ Beweis für die allgemeine menschliche Dummheit entnehmenkann. Je unwissender der Mensch ist, desto rückhaltsloserwirst er sich der Phantasie in die Arme. Es ist kindisch,daß unsere Philologen an so unwürdige Gegenstände so-viel Mühe und Zeit wenden.
Daß die gebundene rhythmische Sprache geeigneter ist,um eine anomale psychische Erregung anszudrücken, könnenwir schon ans den poetischen Neigungen trunkener Men-schen und aus dem eignen Geständnisse geisteskrankerNaturpoetcn schließen.
') Siehe Ariosts Rasender Roland.