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Genie und Irrsinn in ihren Beziehungen zum Gesetz, zur Kritik und zur Geschichte
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180 Genie und Irrsinn.

wohnliche Gemüter weit über den Durchschnittsmenschenzu erheben vermag.

Das Charakteristische dieser vom Wahnsinn geschaffenenDichter liegt meistens in einem Geistesfluge, der durchausin Widerspruch steht mit ihrer früheren Lebensstellung undBildung. Allerdings äußert sich diese Thätigkeit des Geistesim unaufhörlichen Knattern der Epigramme, Wortspieleund Assonanzen, die in der Welt allerdings Lob findenund geistreich genannt werden, deren häufiges Vorkommenin Irrenhäusern jedoch niemanden Wunder nehmen darf; essind meistens Verneinungen der Wahrheit und der Logik.Diese Tendenz oder die Neigung zur Alliteration und zumReim tritt in allen Arbeiten der Irrsinnigen, selbst in denProsaschristen derselben hervor. — Nicht selten aber findetman unter den Geisteskranken auch Plötzlich entstandene 'Philosophen. Die Systeme der Positivisten, Epicurs, ,Comtes, treten in blendendem Glanz vor das Auge desWahnsinnigen, und dieser durchschaut die Grundwahrheiten,von welchen die Lehren jener Philosophen ausgingen.

Die meisten jedoch find Dichter oder, besser gesagt,Bersemacher; ihre hervorstechende Eigenschaft ist die Ori-ginalität, welche oft sogar in das Abgeschmackte überschlägtund aus einer von der Logik und dem gesunden Verständenicht mehr gezügelten Einbildungskraft entspringt; und esist sehr natürlich, daß der schwächste oder am meisten zer-rüttete Verstand in diesem Sinne die bedeutendsten Aus-schreitungen begeht, was eben bei Kindern zutrifft: zumBeweise erinnern wir hier nur an die vermeintlichen Ver-wandlungen und Wanderungen der Seele der P. vonSiena*) und an die Schriften des M. von Pesaro, welcherdurch unaufhörliches Gräcifieren eine neue Sprache erfundenhatte, in der xlrinin (Kies) zu litiuti, nmrs (Meer) zu

*) Siehe Anhang: Lagebücher der Irrenhäuser und Gedichte vonWahnsinnigen.