sein väterliches Schloß in Brand nnd findet selbst nnter den zusammen-stürzenden Mauern sein Ende. Guiscard aber, den Robert als einenTodten betrauert hatte, war seinen Wunden nicht erlegen. Die schöneMaria, Tochter des Gärtners von seinem väterlichen Schlosse, war ihmliebebefangen in männlicher Kleidung gefolgt und hatte den Verwundetenin Sicherheit gebracht. Sie wird, nachdem er genesen, seine Gattin.
Das bedeutendste der drei epischen Gedichte haben wir in „Lucius",welches 1857, wenige Monate vor des Dichters Tode erschien. Wirsind im alten Rom. Die schöne Tänzerin Julia, welcher die hervor-ragendsten Geister ihre glühenden Huldigungen darbringen, sieht vonihrem Schlosse aus unter einer Schaar heimkehrender siegreicher Kriegerihren frühem Geliebten Lucius wieder, welcher an der Spitze seinesFähnleins reitet. Er erkennt sie und fragt sich erstaunt, wie sie aufjenes Schloß gekommen. Auch sein Kampfgenosse Nerva hat sie gesehenund ist von ihrer Schönheit wie geblendet. Einem dritten Genossenwird bei ihrer Ankunft in Rom ein bitterer Empfang bereitet: Stephanmuß sehen, wie sein Christ gewordener Sohn auf Befehl des KaisersDomitian im Circus sein junges Leben aushaucht. Lucius erkundigt sichsofort nach seiner Ankunft in Rom nach Julia und hört zu seinemSchmerze, daß sie der Schande anheim gefallen. Julia fühlt, daß siejetzt auf die Liebe des kühnen Heerführers nicht mehr rechnen dürfe unddaß sie seine Verachtung auf sich geladen — so wandelt sich ihr kurzerSchmerz in bittern Haß um, und sie gibt dem um ihre Liebe flehendenNerva zu verstehen:
„Erst wenn die Todesschaucr ihn umnachten,
Kehr' über seine Leiche du zurück,
Der Kühnste nur gilt fortan meinem Herzen,
O süßer Wahnsinn, wilde Lust der Schmerzen."
Nerva ist wie erstarrt ob dieser Worte und stürzt besinnungslos fort.In der Nacht wird Domitian von Stephan's Hand erschlagen, und Lucius,der Nerva die Nachricht bringt, läßt diesen schwören, daß er nicht nacheitler Ehre streben wolle, sondern daß sie vereint dahin wirken möchten,Rom's strenge Tugend wieder herzustellcn. Am andern Tage aber hatNerva, eingedenk der verführerischen Worte Julia's, seinen Schwur ver-gessen: er wird vom Volke zum Kaiser ausgerufen und bestimmt Luciuszu seinem Mitregenten. Lucius kann die Würde nicht übernehmen, dennNiemand weiß ihn zu finden.
Julia hat inzwischen allen Schmuck abgelegt und alle Gesellschaftverbannt, da die Reue in ihr wieder die Oberhand erhalten. In ein-fachem Gewände mischt sie sich unter das Volk und hört zu ihrem Ent-setzen immerfort den Namen ihres einstigen Geliebten rufen und gleich-