Am einheitlichsten und besten durchgearbeitet in der Geschichte derpoetischen Litteratur Deutschlands ist die Abhandlung über die romantischeSchule, welche mit voller Beherrschung des umfangreichen Materialsgeschrieben ist. Die Genesis der Romantik findet allerdings eine nuroberflächliche Darstellung, aber die Portraits der romantischen Größensind mit vieler Liebe ausgemalt, ohne daß den Originalen geschmeicheltwird. Indessen zeigt sich doch an vielen Stellen, ja, es durchzieht dasGanze wie ein rother Faden die Liebe und Bewunderung für diese kurzeErneuerung des deutschen christlichen Geistes, durch welche eine scharf-sinnige Kritik nicht eben begünstigt wird. „Eichendorff war," meintIff Baumgartner'), „so will uns scheinen, zu sehr selbst Romantiker undtrug den Hauch der Poesie zu sehr in Leben und Kritik hinein, um dasinnere Wesen der Romantik maßvoll nach nüchterner Objectivität dar-stellen zu können."
Eine ausgezeichnete Arbeit haben wir jedoch in dem Werke über dendeutschen Roman des 18 . Jahrhunderts. Das Material ist ein weit-schichtiges und umfaßt nahezu vollständig alle bedeutendem Erscheinungenauf dem Gebiete des Romans, welche das genannte sehr schreibseligeJahrhundert zeitigte. Der innere Zusammenhang ist fest, die Gruppirungübersichtlich und gut geordnet, so daß wir ein anziehendes Bild desKampfes zwischen Aufklärung und Christcnthum erhalten, der die zweite'Hälfte des 18 . Jahrhunderts durchtobte. Dagegen erscheint „Zur Ge-schichte des Drama's" mehr als eine Sammlung von einzeln verfaßten, Aufsätzen.
Es dürfte wenige litteraturhistorische Werke geben, welche ihrenStoff mit mehr Geist, mit mehr Einsicht in das Wesen der Poesie undder dichterischen Production behandeln, als die in Rede stehenden.Eichendorff gibt eine Fülle von tiefsinnigen Betrachtungen über die Dicht-kunst, über ihr Verhältniß zu Religion und Politik wie über den Dichterund seine Stellung zu den höchsten Fragen der Menschheit, Betrachtungen,welche den Gegenstand hell beleuchten und neue Anschauungen in unserwecken. Ueberall gibt sich eine hohe Vorstellung von der Aufgabe desDichters kund, welchem Eichendorff im geistigen Leben der Völker einewichtige Stellung zuweist. Nicht minder bedeutend und fruchtbar für diePoetik sind Eichendorff's Bemerkungen über die Arten der Dichtkunst,welche er in die Besprechung der hervorragendsten Dichtungen verwebt.Sie sind freilich stets allgemeiner Natur und dringen nicht in das Tech-nische der Dichtkunst ein; das beeinträchtigt ihren Werth jedoch nicht.Jungen Dichtern mit christlicher Gesinnung dürfte nichts eindringlicher
ff Stimmen aus M. Laach, XIII 471.