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seinem Tode, und erst auf unablässiges Drängen seines Freundes AugustReichensperger herausgab.
Eichendorff gehört als Literaturhistoriker zu unfern besten Schrift-stellern und bietet eine eigenthümliche interessante Erscheinung. SeineBücher gehören ohne Zweifel zu den lehrreichsten und geistvollsten ihrerArt und gewähren eine außerordentlich anziehende Lectüre. Aber ihrenZweck erfüllen sie doch nur bedingt, gewiß thut es die Geschichte derpoetischen Literatur Deutschlands nicht. Eichendorff verschmäht allesbiographische und bibliographische Material, er ist nicht gewissenhaft inder chronologischen Reihenfolge und zeigt nirgend das Bestreben nachwenigstens relativer Vollständigkeit. Dem gelehrten Bedürfniß genügenseine literatur-historischen Schriften daher nicht, aber sie geben das Abbildeines sehr bedeutenden Geistes und somit eine werthvolle Ergänzung jederandern Literaturgeschichte.
Mehr wollte Eichendorff auch nicht; wissenschaftliche Werke zu liefernlag nicht in seiner Absicht, er wollte nur feine Gedanken über die Haupt-richtuugen der Literatur und 'deren Vertreter zum Ausdruck bringen.So sagt er selbst: „Unsere ganze neuere Geschichte ist durchaus revolu-tionair, ein Kampf des Alten und Neuen. In diesem idealen Kampfeum die Zukunft ficht die Literatur im Vordertreffen: Gedanken, gleich-viel ob gesunde oder verkehrte, sind ihre Schwerter, ihre Macht die ewigschwankenden, leicht bestimmbaren Massen. Nun wird aber Der amwenigsten über den Gang eines Krieges sich orientiren können, den manmitten in das Getümmel und den Pulverdampf hineinstellen wollte. Eswird mithin auch hier weder auf ängstliche Jahreszahlen, nochauf die ästhetische Bravour Einzelner, sondern vielmehr darauf an-kommen, mit möglichster Beseitigung des bloßen Pulverfutters, die durchhochmüthige Schulweisheit, moderne Vorurtheile und willkürliche Systemeaufgewirbelten Staubwolken zu theilen, welche die Hauptrichtungenund Evolutionen verschleiern."
Die Richtungen in der Literaturgeschichte mehr zu betonen als diePersonen, ist mehrfach Brauch geworden. So faßt sie der Eine vielleichtim Zusammenhänge auf mit der politischen Entwickelung eines Volkes.Dadurch treten von vornherein die Personen in den Hintergrund, dieErscheinungen der Literatur ordnen sich von selbst zu zusammengehörigenGruppen, die sich als von der Politik bezw. dem Zeitgeist beeinflußtdarstellen. Ohne Zweifel gewinnt dadurch das vom Literaturhistorikerzu entwerfende Bild an Vielseitigkeit und Bedeutung. Eichendorff da-gegen findet den Urgrund aller geistigen Bewegungen im Leben einerNation in der Religion. „Alle Poesie," sagt er*), „ist nur der Aus-
y Poct. Litteratur, I 112.