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Joseph von Eichendorff : sein Leben und seine Dichtungen ; zur hundertjährigen Geburtstagsfeier am 10. März 1888
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daß der König ihn beauftragte, den schriftlichen Nachlaß des Ministerszu ordnen. An die Spitze des Kultusministeriums trat nunmehr Eich-horn, welchem Eicheudorff kein Vertrauen entgegenzubriugen vermochte.„Das Verhältniß wurde," heißt es in der Biographie st, „kälter, als derMinister das Ansinnen stellte, Eichendorff möge die Angriffe, welche daspreußische Gouvernement in Bezug auf seine Behandlung der kirchlichenAngelegenheiten durch die Tagespresse erfuhr, in geeigneter Weise aufdemselben Wege widerlegen, Eichendorff aber sich dessen weigerte, weil erzu solcher Art literarischer Thätigkeit durchaus keinen Beruf fühlte."In dieser Zumuthung Eichhorn's lag die versteckte Aufforderung, ähn-lichen Aufträgen dadurch aus dem Wege zu gehen, daß er seinen Ab-schied forderte. Wie Eichendorff in kirchlichen Dingen dachte, wie ent-schieden er die Forderungen der katholischen Kirche vertrat, wußte Eich-horn und mußte deshalb einer Weigerung entgegensehen. Die Angriffegegen das Ministerium konnte Eichendorff nicht widerlegen, weil er mitden Absichten, in denen sie erfolgten, einverstanden war. Hatte die Köl-ner Angelegenheit doch zunächst einen Erfolg, den Niemand freudiger be-grüßte als er. Er sagt darüber"): „An dem Kölner Ereignis; sich be-sinnend, in der herben Schule des Hohnes und der Verfolgung seitdemerwachsen und gestählt, erstand überraschend eine unsichtbare Macht, etwas,das Niemand erfunden, geführt oder geordnet, das die Romantiker träum-ten und selbst nicht hatten — eine katholische Gesinnung."

So sah Eichendorff ein, daß seines Bleibens nicht mehr war inpreußischen Diensten. Unangenehme Berührungen mit Eichhorn, unver-diente Zurücksetzungen verleideten ihm seine Stellung so sehr, daß erseine Entlassung nachsuchte. Vorher scheint er mit dem Minister eineheftige Unterredung gehabt zu haben; wenigstens bemerkt die Biographie,daß Eichendorff ihm vorgehalten habe, er (Eichendorff) habe sich längstalles Ehrgeizes begeben; allein zwischen diesem und der Ehre sei einescharfe Linie, die er nicht verlassen werde.

Dem König war es durchaus nicht angenehm, daß Eichendorff mitEichhorn nicht in ein erträgliches Verhältniß zu gelangen vermochte, under suchte den Dichter, welchen er gern dem Staatsdienst erhalten sah, inanderer Weise zu beschäftigen. Veranlassung dazu bot ihm Eichendorff'salter Freund, Freiherr von Schön, welcher dem König den Wunsch ans-gedrückt hatte, daß eine Geschichte des Schlosses Marienburg und seinerWiederherstellung geschrieben werde. Friedrich Wilhelm IV. ging mitgroßem Interesse aus den Gedanken ein und übertrug die Ausführungdem von ihm hochverehrten Dichter, dessen warme Theilnahme für das

st IV 548. — st Gesch. der Poet. Litt., II 230.