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Joseph von Eichendorff : sein Leben und seine Dichtungen ; zur hundertjährigen Geburtstagsfeier am 10. März 1888
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jedem Auftritt, und der Dichter verfährt noch willkürlicher, als Shakespearees thut.

So sind Eichendorff's Dramen in keiner Weife bühnengerecht undkaum für eine Aufführung zuzurichten. Das ist zu bedauern; denn diesezum Theil rein technischen Mängel können nicht verhindern, daß derunbefangene Urtheiler in beiden Dramen einen großen tragischen Zugund ein echt dramatisches Leben empfindet. Schon die Wahl der Stoffeist bezeichnend für Eichendorff's Begabung und die Größe seiner Auf-fassung. Ezzelin sowohl wie Heinrich von Plauen, der letzte Held vonMarienburg, sind Gestalten von echt tragischer Bedeutung. Elfterer, dertreue Diener seines Herrn, unterwirft dem Kaiser wiederum das auf-ständische Italien. Als sein Schwert sich siegreich erweist, wird ererfaßt von den eigenen hochfliegenden Plänen, welche ihn zum Verrätherwerden lassen an seinem Herrn. Auf sein eigenes Haupt möchte er dieKrone drücken, welche zu schützen sein kaiserlicher Herr ihn beauftragthat. Darin mußte er untergehen. Geächtet und gebannt sieht er alleseine Unternehmungen gescheitert und die besten Männer sich gegen siewenden. Schwer verwundet und im Kerker schmachtend, reißt er selbstden Verband von seiner Wunde und verblutet.Es ist der Betrachtungwürdig," sagt Schöllst,wie dieser Held im Gefühl überlegener Kräfteund Zwecke'sich über seine Zeit hinaussetzt, erst mit festem Willen dienöthigen Opfer einfordert, dann mit erhitztem Geist sich für die Wetter-flamme des göttlichen Zornes hält, und bald gegen alles, was seinenAbsichten, wenn auch ohne Schuld, im Wege steht, wie gegen ausgemachtesVerbrechen wüthet." Wir haben in Ezzelino also die Tragödie der ab-soluten Schuld. Aus Ehr- und Herrschsucht wird der Held zu einem Ver-brecher in großartigem Maßstab, der Gesetz und Recht für nichts achtetund in eigensüchtiger Verblendung nur seine Persönlichkeit in den Vorder-grund schiebt.

InDer letzte Held von Marienburg" zeigt sich uns der geradeGegensatz. Heinrich von Plauen vertritt den Orden in seiner schönstenund reinsten Gestalt; er ist unwandelbar den hehren wenn auch strengenGrundsätzen ergeben, welche den Orden groß und gefürchtet machten undimmerdar die Wurzeln seiner Kraft bilden mußten. So wie er denkenaber nur noch einige wenige Edele, und er, der Ordensmeister, empfindet esdeshalb als seine Pflicht, die Genossenschaft zu reinigen und zu beleben.Er läßt wieder beten, im Chor singen, Kranke pflegen christlicheUebungen, welche längst außer Gebrauch gekommen waren. Das behagtden Wenigsten. Bald kommt es zu offenem Bruch. Mit Polen hat

r) A. a. O., 306.