Sehr befreundet wurde Eichendorff auch mit dem Prediger Dr. Knie-wel, der, ein musikalisch hochgebildeter Manu, viele von seinen Liederncomponirte. Der heitern Geselligkeit blieb der Dichter nun nicht mehrso fern wie in den Breslauer Tagen; er verkehrte viel in der DanzigerLiedertafel, für welche er drei sehr populair gewordene „Tafellieder"dichtete. Am bekanntesten von diesen ist: „Viel Essen macht viel breiter",welches zuerst im .Gesellschafter', Jahrgang 1825, abgedruckt wurde.
Die Sommermonate verbrachte Eichendorff regelmäßig auf einemhübschen kleinen Landhause, Silberhammer benannt, welches nicht weitvon Danzig belegen war. Hier, in lauschiger Einsamkeit, in idyllischerUmgebung, fern vom Weltgeräusch, schuf er eine Reihe schöner Gedichte,und vor allem die Novelle, welche seinen Namen in weitesten Kreisenbekannt und geliebt gemacht hat: „Aus dem Leben eines Tauge-nichts". Vorher ließ er, und zwar im Jahre 1823 in Schall's undHoltei's „Deutschen Blättern für Poesie, Kunst und Theater", und 1824als Buch das „dramatische Märchen in fünf Abenteuern Krieg denPhilistern" erscheinen, welches für unsere Zeit eine höhere Bedeutungnicht besitzt, weil uns zahlreiche satirische Anspielungen auf gewisse Zu-stände in Staat, Wissenschaft und Litteratur verloren gehen. Indessenerkennen wir noch jetzt aus vielen Einzelheiten, eine wie reiche satirischeund komische Ader Eichendorff besaß, die ihn bei weiterer Pflege gewißbefähigt hätte, unsere Litteratur um lebensfähige Lustspiele zu bereichern.„Krieg den Philistern" ist eine Variation des Thema's, welches Tieck inseinem phantastischen Lustspiel „Prinz Zerbino" angeschlagen. Der Alt-meister der Romantik zog in seiner Komödie alle antipoetischen Elementeseiner Zeit vor sein satirisches Gericht; Aufklärung, ästhetische Kritik,engherziges Gelehrtenthum u. s. w. wurden von ihm in ergötzlicher Weiseverspottet. Eichendorff steht ihm nicht nach. Die Poetischen eröffneneinen Krieg gegen die Philister, welcher die letztern in arge Beklem-mungen bringt. Am Ende aber läßt der Dichter in grausamer Selbst-ironie sowohl die Philister wie die Poeten untergehen. Ein innerer Zu-sammenhang, der mit zwingender Nothwendigkeit die einzelnen Bilderbezw. Abenteuer verbindet, fehlt; lose reiht sich die eine Scene an dieandere, und eine lange Liste von Personen löst einander in blitzartigemVorüberhuschen ab. Nur Weniges bleibt in unserm Gedächtniß haften,weil uns der Schlüssel für die innere Bedeutung von Personen undScenen fehlt. Goedeke *) meint, das Lustspiel sei fast nur noch als Zeng-niß für die innere Entwickelung des Dichters von Bedeutung ; Gottschallsieht in ihm heiter-drollige Genrebilder; Schölls aber sagt in seiner etwas
ff Grundriß, III 297. — ff Die deutsche Nat.-Litt., I 427. — ff A. a. O., 301.