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Joseph von Eichendorff : sein Leben und seine Dichtungen ; zur hundertjährigen Geburtstagsfeier am 10. März 1888
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er es für das größte Glück betrachte, in diese Stellung versetzt zu sein.„Fern von allem bureaukratischen Schematismus, mit staatsmännischemBlick und Tact, umsichtig und wohlwollend, gewissenhaft die Pflichtengegen Staat unv Kirche abwägend, wußte Eichendorff die ihm anver-traute Aufgabe in der glücklichsten Weise zu lösen. Sie hatte an Be-deutung noch dadurch gewonnen, daß gerade damals in Folge der päpst-lichen Bulle cks salnts aniirmrum die katholisch-kirchlichen Verhältnissein Preußen einer neuen durchgreifenden Reorganisation unterzogen wer-den mußten- Die Resultate seiner Wirksamkeit fanden denn auch seitensdes Gouvernements die vollste Anerkennung, und bereits unter'm 5. Sep-tember 1821 war Eichendorff durch Patent des Königs zum Regierungs-rath ernannt und in seinen Functionen definitiv bestätigt worden."*)Der Dichter lebte sich so sehr in sein Amt ein und gewann eine solcheFreude an seiner Wirksamkeit, daß er in den letzten Monaten des Jahres1822, angeregt durch den Minister Altenstein, eine Denkschrift über dieVerbesserung des katholischen Kirchenwesens in Westpreußen verfaßte, vonwelcher Altenstein lobend sagte, daß sie mit vieler Sachkenntniß undOffenheit geschrieben sei. Die „Offenheit" bezieht sich ohne Zweifel aufdie Meinungsäußerung Eichendorff's über gewisse Maßnahmen der preu-ßischen Regierung, welche ihm, dem Katholiken, ungerechtfertigt Vorkommenmochten. Der Biograph Eichendorff's fügt indessen hinzu, daß der jungeRegierungsrath an dem Minister stets einen bereiten Förderer der vor-geschlagenen Reformen gefunden habe. Eichendorff's Stellung warschwierig. Er war Beamter und als solcher dem Staat verpflichtet; erwar aber auch Katholik und gehörte nicht zu. denen, welche dem laisssrxas86r huldigen, sondern er trat überall thatkräftig für die Rechte derKirche gegenüber dem Staate ein. ' Daß er es maßvoll that, ersehen wiraus der Haltung Altenstein's. Aber auch katholische Würdenträger er-kannten mit großem Dank seine segensreiche Thätigkeit an. So schriebihm der Bischof von Ermland, Prinz Joseph von Hohenzollern, mit wel-chem er, nachdem amtlicher Verkehr sie bekannt gemacht hatte, bald ein herz-liches Freundschaftsbündniß schloß: „Wie Ihr edeles frommes Herz fürGottes Sache glüht, wie gern Sie an der Erweiterung des Reiches Jesuarbeiten und wie treu Sie an unserer heiligen katholischen Kirche hangen,ist mir ja sattsam bekannt."

Sehr erleichtert wurde unserm Dichter seine schwierige amtlicheThätigkeit durch sein vertrautes Verhältniß zu dem OLerpräsidenten derProvinz, Freiherrn Heinrich Theodor von Schön. Schön war einhervorragender Staatsmann, der auf die Geschicke der preußischen

's Sämmtl. Werke, IV 508.