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Joseph von Eichendorff : sein Leben und seine Dichtungen ; zur hundertjährigen Geburtstagsfeier am 10. März 1888
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pfindlicher, als das Manuscript der Sammlung schon längst zum Druckabgegangen und, sollte dieser Beitrag noch ausgenommen werden, eineschnelle Nachsendung nöthig war. Was war nun das fernere Schicksaldes Gedichtes? Am andern Tage kam ein mit Maultrommeln, Arm-bändern und Fingerringen handelnder Tiroler zu mir, und siehe da, icherblickte das Blatt um eine dieser kleinen Maaren gewickelt. Schnellfrug ich ihn: wo fandest du denn dieses Papier? worauf er mir erzählte,daß er es bei Kaisersbach, eine Stunde von Welzheim, aus einemblühenden Flachsfelde gesunden und diesen Fingerring darein gewickelthabe. Daß ich ihm sehr vergnügt, das Papier behaltend, ein Dutzendseiner Maultrommeln, meiner Lieblingsinstrumente, entnommen, ist be-greiflich."

Der Zauber dieser Lieder, welche mit Recht zu den Perlen unsererlyrischen Dichtkunst gezählt werden, veranlaßte Fouque, den Verfasserzahlreicher, viel gelesener Ritterromane, dem Dichter, dessen wahrenNamen er festgestellt hatte, durch Löben's Vermittelung einen poetischenGruß nebst verschiedenen neuen Poesieen zuzusenden, in dem es hieß:Süße Thränm sind geflossenMir vom Aug' bei deinem Klang,

Jubelnd nah' ich dem Genossen,

Freu' des Kranzes mich, entsprossenDeinem Minn- und Rittersang.

Eichendorff, den es mit großer Genugthuung erfüllen mußte, daßein so berühmter, von ihm selbst hochgeschätzter Dichter ihm die Bruder-hand reichte, antwortete mit einigen Sonetten, von denen drei in dieSammlung der Gedichte ausgenommen sind.

Zwischen beiden Dichtern entspann sich ein inniger Verkehr, obgleichsie persönlich erst einige Jahre später zusammenkamen. Beide warenhinsichtlich ihrer geistigen Bestrebungen verwandte Naturen, und Beidenwohnte ein echt ritterlicher Geist inne; an poetischem Talent aber ver-mochte der gefeierte Verfasser derUndine" (1811) und desZauber-rings" (1812) sich mit Eichendorff nicht im entferntesten zu messen.Fouque war längst ein todter Mann als er starb, Eichendorff's Ruhmdagegen wuchs bis an sein Lebensende. Es ist bezeichnend für die Ge-walt eigenartiger Richtungen in der Litteratur, daß auch Eichendorffdem Banne der Fouque'schen Muse verfiel und ein eifriger Verehrerdes Dichters wurde. Wenn auch später seine Begeisterung sich merklichabkühlte, so gehörte er doch nie zu den Vielen, welche ihr früheres Idolmit Hohn und Spott übergossen. Fouque war es auch, welcher einigeJahre später den mehrfach erwähnten Roman seines jungen Freundesbevorwortete ein Zeugniß für die Stellung, welche Jener damals inder deutschen Litteratur einnahm.