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Joseph von Eichendorff : sein Leben und seine Dichtungen ; zur hundertjährigen Geburtstagsfeier am 10. März 1888
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des Studenten; die Muse, die er oft gar nicht kannte, war seine Daine;der Philister der tausendköpfige Drache, der sie schmählich gebunden hielt,und gegen den er daher, wie die Malteser gegen die Ungläubigen, mitFaust, List und Spott beständig zu Felde lag" fl. In Halle blühte dasstudentische Leben besonders, und Eichcndorff gab sich ihm innerhalb ver-nünftiger Grenzen gern hin. Seinen Umgang suchte er nur unter seinenschlesischen Landsleuten und bildete mit ihnen eine kecklustige Gesellschaftin dem Wirthshaus zu den drei Königen in der Ulrichsgasse. Mit ihnenmachte er weite Ausflüge, theils zu Fuß, theils zu Pferde, und lernteso die nahe und weitere Umgebung von Halle aus eigener Anschauungkennen. Den Landsmannschaften, welche sich durch ein wüstes Treiben aus-zeichneten, hielt er sich fern, und ohne ein Kopfhänger zu sein, widmeteer sich eifrig seinem Berufsstudium, wie auch seinen litterarischen Nei-gungen. Beides konnte er in Halle in genügender Weise, weil die dor-tige Universität zu jener Zeit zu den besuchtesten in Deutschland gehörteund weil an ihr sehr hervorragende Gelehrte, wie Friedrich August Wolf,der scharfsinnige Philologe, der Philosoph Schleiermacher und der ver-götterte Naturphilosoph Steffens, thätig waren. Wolf wurde Eichen-dorfffs beliebtester Lehrer, von dessen Vorträgen er keinen versäumte.Ebenso besuchte er häufig die Vorlesungen des Philologen Schütz unddes Philosophen Kayßler, ohne jedoch sein Hauptstudium zu vernach-lässigen.

Von besonderer Bedeutung für Eichendorff's Entwickelung als Dichterwar der Besuch der Vorlesungen von Hendrik Steffens, indem er von denLippen dieses bedeutenden und merkwürdigen Mannes die erste begeisterteAufklärung über den neuen Geisterfrühling, die Romantik, empfing.

Die Romantik war eine naturnothwendige Reaction des deutschenGeistes gegen die Ueberschätzung der Antike, den seichten Rationalismusder Aufklärung und das Kosmopolitenthum, wie sie das letzte Vierteldes 18. und noch den Beginn unseres Jahrhunderts auf allen Gebietenbeherrschten. Der politische und geistige Zustand Deutschlands war eindurchaus unerfreulicher. Deutschlands Machtstellung war gebrochen, eszählte kaum noch zu den europäischen Großstaaten. Die Begeisterungfür Deutschland und deutsches Wesen, welche Klopstock hervorgerufen undGoethe durch seinen Götz von Berlichingen genährt hatte, war bald ver-schwunden; die großen Geister der Nation und an ihrer Spitze die größtenDichter, die berufenen Wahrer der echten Vaterlandsliebe, huldigteneinem allumfassenden Weltbürgerthum, dessen am wenigsten rühmlicherVertreter der größte deutsche Dichter war. Dann tauchte Napoleon's

fl Verm. Schriften, V 294.