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eine mannhafte und stets offene Gesinnung einzuflößen. Obgleich er, derdie Universität besucht und einige Jahre Bildungsreisen gemacht hatte,durch große wissenschaftliche Kenntnisse nicht glänzte, übertraf er dochmanchen an Bildung über ihm Stehenden durch die Schärfe seines Urtheilsund einen ungemein praktischen Blick. Sein Hauswesen war durchdrungenvon einer innigen Frömmigkeit, welche den unbekümmerten Lebensgenußnicht im mindesten beeinträchtigte. Er hielt ein offenes Haus und liebtefrohe, glänzende Feste und lustige Gesellschaft, obgleich er selbst ein Mannvon den bescheidensten Ansprüchen war. Von den schönen Künsten undnamentlich von der Poesie hielt er nicht viel; sich für die Schöpfungeines genialen Dichters zu begeistern, wäre ihm nicht möglich gewesen.Nun müßte von Rechtswegen nach Goethe's bekanntem Spruch es dieMutter gewesen sein, welche als gütige Fee nnserm Dichter die Kunstzu fabuliren in die Wiege legte; leider trifft aber auch das nicht zu,denn Eichendorff's Mutter war zwar eine lebhafte und frohe Natur,aber eine „eigentlich poetische idealistische Richtung" war auch ihr ver-sagt ^). Sie war eine schöne, geistvolle Dame, der Mittelpunkt der heiternGeselligkeit, welche auf Schloß Lubowitz nach altem Herkommen in großemMaßstabe gepflegt wurde, und eine musterhafte Gattin und Mutter.Das feste Band der gegenseitigen Liebe und Achtung, eine seltene Har-monie der Seelen verband die beiden Gatten und gestaltete ihr Lebenzu einer ununterbrochenen Kette reinen Glücks.
In dieser wohlthuendeu, gesunden Atmosphäre wuchs Eichendorff,welcher noch einen Bruder und eine Schwester hatte, heran und genoßeine Jugend, wie sie nur wenigen großen Geistern beschieden ist. Geistund Körper fanden eine harmonische Ausbildung, und alle schädlichenEinflüsse wurden der kindlichen Seele sorgfältig ferngehalten. Schon derrege Verkehr im elterlichen Hause, wo viele durch Rang und Kenntnissehervorragende Männer sich allwöchentlich ein Stelldichein gaben, mußteauf den lebhaften, lernbegierigen Knaben bildend einwirken. Da vernahmer, wie man im fernen Frankreich die Monarchie gestürzt und den Königselbst auf das Schaffst geführt hatte; er hörte von dem siegreichen An-rücken der fanatischen französischen Freiheitshelden, bald auch von denfabelhaften Kriegserfolgen des kleinen Corporals, und die Schrecken desKrieges lernte er kennen aus den Schilderungen manches vornehmenFlüchtlings, der auf Lubowitz theilnahmvolle Aufnahme fand. In all'diese Erzählungen und Schilderungen aber fielen häufig genug leiden-schaftliche Erörterungen über die Berechtigung der neuen von jenseits desRheines herübergekommenen Ideen, über die Grundlagen eines geordneten
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