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und unmittelbarer „Erscheinungen“ bedeutet. Es ist bei ihrmehr an Goethes Urphänomen als an Hegels Phänomenologiezu denken.
Das ungetrübte Erfassen der originär gegebenen Phänomeneist der Sinn der phänomenologischen Einstellung. In Einheitund Eigenart sollen wir „das vor Augen Stehende sehen“ lernen,nicht umwallt und umhüllt von dem Nebel, den die wissenschaft-lichen Theorien, besonders der üblichen Psychologie, davor aus-gebreitet haben. „Das unmittelbare „Sehen“, nicht bloß dassinnliche, erfahrende, sondern das Sehen überhaupt als originärgebendes Bewußtsein welcher Art immer, ist die letzte Rechts-quelle aller vernünftigen Behauptungen“ x ). Dies Nächste dürfenwir nicht vergessen über den Begriffen, die nur das abgelöste,umgriffene und dadurch entfernte Sein enthalten.
Das ist der Kernpunkt der Wesensschau nach phänomeno-logischer Methode, wenn wir sie den allgemeinen Strömungender Zeit einordnen, und dies Dringen auf Unmittelbarkeit ver-bindet Husserl, obwohl nicht nur die Schlagworte der Zeit beiihm fehlen, sondern er im tiefsten Grunde auch etwas völliganderes will, doch mit der Lebensphilosophie nicht nur Bergsons,sondern auch Diltheys, der sich nicht ohne Grund für diese Be-strebungen lebhaft interessierte.
Bedürfte es für die sachliche Verwandtschaft noch einesBeweises, so wäre zu beachten, daß Max Scheler als An-hänger Husserls sich ausdrücklich dazu bekannt hat, er erhoffevon dieser Philosophie auf dem Boden des Lebens „erst die v oll eNutzung der großen Antriebe, die Nietzsche, Dilthey und Bergsonunserem Denken erteilt haben“. In geradezu feierlicher Weiseweist er auf die Phänomenologie als auf die Erfüllung hin undverlangt mit charakteristischen Worten eine „vom Er-leben derWesensgehalte der Welt“ ausgehende Philosophie, die eine neueEpoche bedeutet 1 2 ).
Beiträge zu einer solchen Philosophie des Lebens hat Schelerselbst besonders in seinem Buch über den Genius des Kriegesgegeben, in dessen grundlegenden, eigentlich philosophischen
1) Vgl. Husserl, Ideen zu einer reinen Phänomenologieund phänomenologischen Philosophie, 1913, S. 36.
2) Vgl. Scheler, Abhandlungen und Aufsätze, 1915, II.S. 227.