Print 
Die Philosophie des Lebens : Darstellung und Kritik der philosophischen Modeströmungen unserer Zeit
Place and Date of Creation
Page
15
Turn right 90°Turn left 90°
  
  
  
  
  
 
 

15

Betrachtung sich wenigstens der Absicht nach nicht beschränken.Wieviel sie vermag, ist eine andere Frage.

Sehen wir nun, wieweit die Lebensphilosophie im Besonderensich als Philosophie in dem angedeuteten allgemeinen Sinn dar-stellt, so ist zunächst zu konstatieren, daß sie sich in einigen ihrerGestalten in der Tat auf das Ganze der Welt richtet, und alsechte Lebensphilosophie Alles unter den einen Begriffdes Lebens zu bringen sucht. Was es überhaupt gibt, muß Aeuße-rung des Lebens sein. Wie das zu denken ist, haben wir bereitsgesehen, als wir darauf hinwiesen, daß auch das Tote sich alsProdukt des Lebens fassen läßt und so das Leben zum übergreifen-den Band für Tod und Leben wird. Führt man dies für alle Ge-biete der Welt konsequent durch, so erscheint das Leben als Welt-allprinzip, und insofern ist sein Begriff zur Grundlage der Philo-sophie als der universalen Wissenschaft geeignet. Was nichtlebendig ist, hat keinen Bestand. Das wird besonders in derMetaphysik des Lebens zum Ausdruck gebracht.

Zugleich müssen sich auf dem Lebenswege nicht allein dieSeinsprobleme, sondern auch die Wert probleme in Angriffnehmen lassen. Ist die Welt in ihrem tiefsten Grunde All-Leben,dann kann es auch im Leben der Menschen allein auf das Lebenankommen. Vom Leben her ist demnach nicht nur das Weltobjektin seiner Totalität, sondern ebenso der ganze Mensch zu ver-stehen oder der gesamte Sinn des menschlichen Daseins zu deuten.Damit muß sich Klarheit auch über unsere Ziele und Aufgabenverbreiten. So kann nur die Philosophie des Lebens uns im Lebenden Halt geben, den wir suchen. Sind aber Weltanschauungund Lebensanschauung gleichmäßig im Leben verankert, dannerscheint auch unter diesem Gesichtspunkt die Philosophie desLebens als echte Philosophie.

Ferner muß sich der Gegensatz des Zeitlichen unddes Zeitlosen oder Ewigen durch den Lebensbegriff über-winden und damit das vielleicht schwierigste philosophischeProblem lösen lassen. Falls alles in der Welt Leben ist oderdas Leben den umfassendsten Rahmen darstellt, innerhalb dessenjede zeitliche Lebens Veränderung vor sich geht, dürfen wir voneinemewigen Leben reden, das keinen Anfang und kein Endebesitzt und zwar alle Zeit erfüllt, zugleich aber seinem allgemein-