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Die Philosophie des Lebens : Darstellung und Kritik der philosophischen Modeströmungen unserer Zeit
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bringen wir sie zunächst in einen umfassenderen Zusammenhang,d. h. begreifen sie als besonderen Fall eines allgemeinen philo-sophischen Typus. Ein Schema für den Ablauf geistiger Be-wegungen sei zu diesem Zweck angedeutet.

Die wissenschaftliche Arbeit der Philosophie verliert ihrenSinn, falls es nicht möglich ist, aus dem Chaos der Erlebnissetheoretisch einen Kosmos herauszuarbeiten, und das setzt vor-aus: unabhängig von unserer Satzung gilt für die Welt einSystem von Urteilen und Begriffen, das wir auffinden können. DerWeg jedoch, der vom Chaos zum Kosmos führt, ist für uns Menschennicht der kürzeste. Wir sind geschichtlich bedingte Wesen, undnur auf mannigfach verschlungenen Umwegen nähern wir unsallmählich dem Ziel der Wissenschaft, ohne es jemals ganz zuerreichen. Für die Stadien dieses Weges läßt sich hie und daeine Art Rhythmus verfolgen, der ein Auf und Nieder bedeutet.Immer von neuem wird der Versuch gemacht, das Ganze derWelt begrifflich zu erfassen, und immer von neuem zeigt dieKritik, daß der Versuch unvollständig war, also noch einmalunternommen werden muß. So bauen wir in der Tat Systemeund zerstören sie wieder. Wer die Geschichte der Philosophiephilosophisch zu verstehen vermag, kann darin kein sinnlosesSpiel erblicken. Die Systematiker lernen von ihren Vorgängernund kommen trotz mancher Umwege weiter. Die Menschheithat eben Gedächtnis, soweit sie Kulturmenschheit ist. Davonwar schon die Rede.

Doch dies verfolgen wir hier nicht weiter. Etwas anderesist uns wichtig an dem Weg, der zur Wahrheit führt. Außerden schöpferischen Philosophen gibt es Scharen kleiner Geister,die auf der Meister Worte schwören, auch dann, wenn derenSysteme in ihrer Totalität sich nicht mehr halten lassen, weilsie von der Entwicklung bereits überwundene Vorstufen be-deuten. So entsteht ein mit Recht starr zu nennender Dog-menglaube, der etwas völlig anderes ist alslebendige Ueber-zeugung von selbst errungener Weltanschauung. Ihn mag mantot schelten, weil er wissenschaftlich unfruchtbar bleibt. Ja,er schädigt die voranschreitende Philosophie. Indem seine An-hänger gedankenlos wiederholen, was bereits vorliegt, stehen sieder Gewinnung einer umfassenderen Ansicht vom Weltall im Wege.