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das Eine als auch das Andere zu sehen, d. h. in diesem Fallnicht nur das wirkliche Leben, sondern zugleich das, was nichtin dieser Weise lebendig und gerade deshalb mehr als Leben ist.
Daraus entsteht kein Widerspruch, der die Welt selbst anti-nomisch macht. Wir erkennen zwar nicht an, daß es ein „phili-ströses Vorurteil“ bedeutet, wenn man glaubt, alle Problemeseien dazu da, um gelöst zu werden, denn ohne dies Vorurteiloder dies ,,a priori“ gibt es keine Wissenschaft, also auch keinePhilosophie, und der Philosoph ist nicht notwendig ein Philister.Wohl aber müssen wir es für möglich halten, daß die Meinung,nur das monistische Denken, das alles auf ein letztesPrinzip zurückführt, vermöge Probleme zu lösen, sich als einunbegründetes theoretisches Vorurteil, eventuell sogar als vor-gefaßte Meinung des Bildungsphilisters erweist.
Der Biologismus neuester Richtung weigert sich, das Leben-dige aus dem Toten abzuleiten. Damit hat er gewiß recht.Muß er darum den Versuch machen, das Tote aus dem Leben-digen zu verstehen? Das erscheint nicht zwingend. Gibt esnicht beides, Totes und Lebendiges, und können wir die Weltanders denken, als daß sie aus beidem besteht? Hört nichtwenigstens der Begriff des Lebendigen auf, Begriff zu sein,ohne den des Toten, und läßt umgekehrt das Wort tot sichnoch verstehen, falls wir nicht auch an das Andere des Todes,an das Leben denken?
Was aber für den engeren Lebensbegriff gilt, könnte auchfür den weiteren zutreffen. Es gibt zwar Leben gewiß nichtdann allein, wenn das Leben selber mehr als Leben ist, denndas wäre ein Widerspruch. Aber vielleicht gibt es Leben nur,wenn außer ihm etwas Anderes besteht, das mehr als Lebenist, und es gibt umgekehrt vielleicht mehr-als-Leben nur, wennwir daneben das bloße Leben in seiner Selbständigkeit unange-tastet lassen. Dann müßten wir sagen: das Leben ist der eineTeil der Welt, das überlebendige Mehr-als-Leben der andereTeil. Erst beide zusammen machen die ganze Welt aus, undes bedeutet gerade für den wissenschaftlichen Menschen einvergebliches und sinnloses Beginnen, aus den beiden Begriffen,die sich dann allein denken lassen, wenn es zwei Begriffe sind,einen Begriff zu machen, der alles umfassen soll, und der, ge-