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Die Philosophie des Lebens : Darstellung und Kritik der philosophischen Modeströmungen unserer Zeit
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wohl darin, daß er selbst schwer krank war und unsäglich aniLeben litt. Nur scheinbar ist das paradox. Dem Kranken mußtees als heroisch gelten, das Leben zu bejahen. So wurde fütihn die Lebendigkeit zum Gut aller Güter. Er pries den Willenzur Macht, weil er selbst so wenig Macht hatte.Unsere Mängelsind die Augen, mit denen wir das Ideal sehen. Dies Worttrifft auf keinen mehr zu als auf Nietzsche selbst. Sollte allemoderne Lebensbegeisterung und Vitalitätsverherrlichung sichvielleicht als Symptom der Lebensschwäche enthüllen? Schätzenwir vielleicht nur deshalb das bloße Leben so hoch, weil wires bedroht sehen und instinktiv fühlen, daß mit dem Fundamentauchdas Andere in Gefahr ist, das wir darauf bauen wollen?

Es ist nicht notwendig, diese Gedanken weiter zu verfolgen.Schon jetzt muß klar sein: auch der engere Lebensbegriff desBiologismus ist noch immer viel zu weit und unbestimmt, umzur Grundlage einer Lebensanschauung zu taugen. Das Gras,welches auf der Düne emporwächst, unterscheidet sich von demSand, aus dem es entsteht dadurch, daß es kräftig und lebendiggedeiht, während Weizen dort verkümmern würde. Die Qualle,die im Meer schwimmt, hebt sich ebenso vom Wasser ab, indem sie sich bewegt, und gedeiht prächtig, während der Menschdort elend zugrunde gehen müßte. Ist darum das Wachsen desGrases und die Bewegung der Qualle, bloß weil sie lebendiges,sich entwickelndes, sich ausdehnendes Leben sind, unter denBegriff der Lebensgüter zu bringen? Kein Mensch wird dasbehaupten. So aber ist jede bloße Lebendigkeit nicht deswegenerstrebenswert, weil sie Lebendigkeit im Sinne von Lebens-steigerung und Machtentfaltung ist. Diese einfache Wahrheitversetzt dem Wertprinzip des modernen Biologismus wissenschaft-lich den Todesstoß. Wo wir zum Leben Stellung nehmen,kennen wir immer noch etwas anderes, das nicht aus dem bloß :aufsteigenden Leben selber kommt.

So bleibt es dabei: das Leben ist der Güter höchstes nicht.Freilich sind solche Zitate mit Vorsicht zu gebrauchen. Mankann ihnen andere entgegenstellen. Goethe sagt:Es kommtoffenbar im Leben aufs Leben und nicht auf ein Resultat des-selben an. Daraus scheint ein Glaube an das Leben zu sprechen,der keinAnderes zur Lebensrechtfertigung braucht. Da wir

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