nennenden „Lebenswert“. Auf ihn läßt sich kein Biologismusals Weltanschauung stützen. Nicht einmal das ist richtig, daßein besonders lebendiges Leben Bedingung einer besonders hohenKultur ist. Wer daher das Leben als Bedingung preist, entferntsich damit von jeder biologistischen Lebensphilosophie, d. h. erverzichtet darauf, Kulturwerte als bloße Lebenswerte zu ver-stehen.
So wird vollends klar: wer nur lebt, lebt sinnlos. Alleindie Möglichkeit, auf Grund von Eigenwerten, die nicht Lebens-werte sind, dem Leben Wert zu verleihen, bleibt übrig. Geradeweil das Leben Bedingung aller Verwirklichung von Güternmit daran haftenden Werten äst, kann es keinen Eigenwert haben.Es erhält Wert immer erst dadurch, daß wir mit Bücksicht aufin sich ruhende Eigemverte aus ihm ein Gut machen.
Im praktischen Leben mag man das vergessen. Da gilt derSatz, daß erst das Fundament und dann das Haus zu bauenist. Es wird daher Zeiten geben, in denen für den Praktiker dieFrage nach der Lebendigkeit des Lebens alle andern Fragenin den Hintergrund drängt. Die Philosophie aber will theoretischüber das Leben nachdenken, und sobald sie das tut, muß sienach jenem „Anderen“ fragen, um zu wissen, in den Dienstwelcher Zwecke das Mittel des gesunden, frischen und ursprüng-lichen Lebens tritt. Sie sucht Klarheit über den Plan des Flauses.Von hier aus ist erst zu beurteilen, wie das Fundament be-schaffen sein muß, damit es das Haus zu tragen vermag. Dassollte auch denen deutlich werden, die die Jugendbewegung undandere Bestrebungen wegen ihres Betonens der Ursprünglichkeitund der Lebendigkeit des Lebens lieben. Mit der Frage nachdem theoretischen Wert der Lebensphilosophie hat das nichtszu tun.
Man muß sogar noch einen Schritt weiter gehen. Lebendig-keit ist ein Minimum, das wir verlangen, wenn wir uns rechtverstehen, nicht das Maximum, und nur wo das Minimum be-droht ist, tritt es in den Vordergrund des Interesses. Von hieraus begreifen wir die Ueberschätzung des bloßen Lebens viel-leicht am besten als geboren aus einer Lebens not. Aus ihr darfman keine philosophische Tugend machen. Das aber hat Nietzschegetan. Seine persönliche Lebensliebe hatte ihre tiefste Wurzel