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Die Philosophie des Lebens : Darstellung und Kritik der philosophischen Modeströmungen unserer Zeit
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Niedergehen des andern eminent wertvoll sein. Das Leben alsdas im Sinne der Biologie „Lebendige“ ist genau ebensowenigein Wertbegriff wie das erlebte „Erlebnis“. Auch wenn man sichauf menschliches Leben beschränkt, was übrigens biologischschon ein Akt der Willkür wäre, kommt es doch allein auf dieArt des Lebens an. Daß jeder Mensch in allem, worin er lebendigist, Wert habe, kann niemand im Ernst behaupten.

Das läßt sich noch deutlicher zum Ausdruck bringen, wennwir statt „Leben“, an dem mancherlei unkontrollierbare Ge-fühlstöne haften, „Vegetieren“ sagen. Dazu haben wir in diesemZusammenhänge ein gutes Recht, denn bloßes Leben oder nur le-bendig sein ist nichts anderes als Vegetieren. Freilich kann auchdas Vegetieren Wert erhalten durch die Lust, die damit verbundenist, und es wäre unrecht, irgend einem Menschen die Freude,die er an seinem bloßen Leben hat, ohne Not zu verkümmern.Aber einmal handelt es sich dabei um subjektive und individuelleWertungen, die nicht zur Grundlage für Kulturwerte gemachtwerden können: die Freude am bloßen Leben ist eine Privat-angelegenheit dieser oder jener Stunde. Und außerdem wird inder Lebensfreude doch nicht das Leben selbst, sondern die Lustgewertet, die an ihm haftet. Daß beide immer zusammenfallen,kann niemand glauben, noch läßt sich sagen, welch ein Quantumvon Unlust der Lust des vegetativen Daseins gegenübersteht,um so eventuell Lust und Unlust gegen einander abzuschätzenund dadurch einen Lebenswert herauszurechnen. Jedenfallswird man zugeben: das Vegetieren ist der Güter höchstes nicht.Dann aber sollte man auch einsehen, daß das Leben als solchesnoch nicht als Gut gelten kann. Es bedeutet gar nichts, wennich bloß lebendig bin. Der Wert meines Lebens hängt alleinvon der Art meines Lebens oder von der Besonderheit meinerErlebnisse ab.

Damit aber müssen dann auch alle jene Behauptungen ver-schwinden, die darauf hinauslaufen, daß der Wert der Wahrheit,der Sittlichkeit und der Schönheit und dementsprechend dieBedeutung der Kulturgüter, an denen diese Werte haften, alsoder Wissenschaft, der Kunst und des sozialen Lebens auf Lebens-werte zurückzuführen oder alle Kulturwerte nur Steigerungen und

Verfeinerungen der Lebenswerte seien. Wenn die bloße Lebendig-it i c k e r t , Philosophie d. Lebens. 2. Auf!. 9