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Die Philosophie des Lebens : Darstellung und Kritik der philosophischen Modeströmungen unserer Zeit
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ums Dasein besser fortkommen als die religionslosen, und damitschien der Wert der Religion als Waffe im Lebenskampf er-wiesen.

Doch braucht das nicht näher ausgeführt zu werden. Dieältere biologistische Lebensphilosophie ist schon jetzt so weitcharakterisiert, daß über die Hauptsache kein Zweifel mehr be-stehen kann. Grundlegend wird der demokratische Massen-begriff der Lebensökonomie, und er entspringt aus dem mecha-nistischen, antiteleologischen Prinzip, nach welchem dieLebewesen um ihre Nahrung kämpfen und sich durch Anpassungim Dasein erhalten. Dagegen hat die neue Richtung desBiologismus sich gewendet, und sie ist jetzt als die eigentlichzeitgemäße zu verstehen. Sie vor allem beherrscht die Mode.

Ihr Prinzip läßt sich leicht klar legen. Sie richtet sich, ob-wohl sie im allgemeinen den Gedanken des naturalistischen Evo-lutionismus, der durch Darwin einflußreich geworden ist, bei-behält, doch gerade gegen die Punkte, die wir als charakteristischfür Darwins Biologie hervorheben mußten: erstens gegen dasMoment, das mit den Theorien von Malthus zusammenhängt,ferner gegen die mechanistische Tendenz und drittens endlichgegen das Ideal der Lebensökonomie. —

Echtes Leben ist nach ihr nicht bloßes Dasein, d. h. Leben,das sich lediglich erhält. Zumal die Art Anpassung, die zurDaseinserhaltung führt, bildet kein Lebens prinzip, das diesenNamen verdient. Sie kommt nur ausnahmsweise in einer Not-lage vor, und diese ist nicht für das Leben überhaupt charakte-ristisch. In der Meinung, daß Lebewesen aus Not sich anpassen,steckt eine ungerechtfertigte Uebertragung physikalischer Be-griffe, wie Trägheit und Beharrung, auf das biologische Gebiet.Sie bedeutet daher Mechanisierung und Tötung. Eine Philo-sophie des lebendigen Lebens kann auf dem Boden diesesPseudo-Lebensprinzips nicht erwachsen. Sie bedarf einer anderenbiologischen Grundlegung. Das lebendige Leben geht, wenn esechtes Leben ist, jnit sich selbst verschwenderischum. Es will sich nicht im Sein erhalten, sondern immermehr wachsen, sich reicher, kräftiger, lebendiger entfalten.Dadurch steht es im schroffen Gegensatz zur mechanischen Be-wegung, die nur passive, tote Ortsverschiebung kennt. Des