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standen. Solche Gedanken allein sind wahr, mit denen wir ambequemsten die Welt denken oder uns am leichtesten in ihrorientieren. Der logische Imperativ ergibt sich daraus leicht.Es gilt, die Wirklichkeit mit einem möglichst einfachen Systemvon Begriffen zu überspinnen, in dem alles, was von ihr zu wissenwichtig ist, seinen Platz findet. Damit wird, wie Richard Ave-narius ] ) schon 1876 lehrte, die Philosophie zum „Denken derWelt gemäß dem Prinzip des kleinsten Kraftmaßes“.
Vom Darwinismus abhängig brauchen allerdings solche Ideennicht zu sein. Schon Kant meinte, man möchte vielleicht glau-ben, die Bildung von Gattungsbegriffen „sei ein bloßer öko-nomischer Kunstgriff der Vernunft, um sich so viel als möglichMühe zu sparen“. Zugleich wies er jedoch eine solche selbst-süchtige Ansicht noch zurück, da die Vernunft hier nicht bettle,sondern gebiete. Erst im Zeitalter des Biologismus haben diepragmatistischen Theorien viele Anhänger gefunden, und ihream meisten zugespitzte Form zeigt sich wohl in der Auffassungder Naturgesetze. Diese sind wahr, weil sie viele einzelne Fällegleichmäßig umfassen und so mit einem Schlage eine große Fülleder Ereignisse begrifflich zu beherrschen gestatten. Wir machenalles gleich, um es sparsam zu denken. Wer das gelernt hat,wird im Lebenskampf sich am leichtesten erhalten. Alle andereWahrheit ist nicht mehr als Aberglaube. —
Ins Breite über alles Leben hin ist das demokratische Massen-sparsamkeitsprinzip in der „energetischen“ Kulturphilosophieausgedehnt 1 2 ). Sie sucht durch ein quantitatives Verhält-nis von Energiemengen zu bestimmen, worin das Prinzip desKulturfortschritts besteht. Je sparsamer die Lebewesen mitder Energie umgehen, um so höher wird die Kultur ragen.
1) Philosophie als Denken der Welt gemäß dem Prinzip deskleinsten Kraftmaßes. Prolegomena zu einer Kritik der reinenErfahrung, 1876. Die Schrift sollte jeder kennen, der sich für dieEntwicklung der biologistischen Philosophie interessiert. Sie ge-hört zu den frühesten Kundgebungen dieser noch immer sehrlebendigen Bewegung.
2) Ihr Vertreter ist der bekannte Chemiker Wilhelm Ost-wald. Vgl. Max Webers Kritik: „Energetische“ Kultur-theorien, 1909. Archiv für Sozialwissenschaft und Sozialpolitik.Bd. XXIX, S. 575 ff.