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Die Philosophie des Lebens : Darstellung und Kritik der philosophischen Modeströmungen unserer Zeit
Entstehung
Seite
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durch natürliche Auslese Schritt für Schritt das Vernünftigeaus dem Unvernünftigen hervorbringen.

Aber das ist nur die eine philosophische Seite dieses na-turalistischen Biologismus, seine seinswissenschaftliche. Die an-dere hängt damit eng zusammen. Auch die We r t e , an die derMensch glaubt, und die Ziele, die er seinem Leben und Handelnsteckt, hatten bisher keinen Zusammenhang mit der natür-lichen Wirklichkeit. Sie schwebten also haltlos in der Luft. Ja,man mußte das natürliche Leben geradezu herabsetzen, umüberhaupt einen Sinn des Lebens zu gewinnen: das natürlichegalt als das böse Prinzip. Der Mensch steht unter dieser Vor-aussetzung als trauriger Fremdling in der ihn umgebenden Welt.

Jetzt hat das Prinzip der natürlichen Auslese auch in dieserHinsicht Wandel geschaffen. Wir erkennen, daß die ewigenGesetze, die im Kampf ums Dasein das Unvollkommene aus-merzen, die Welt mit Notwendigkeit ihrem wahren Ziel zu-führen und immer vollkommener gestalten. Das Naturgesetz istzugleich das Gesetz des Fortschritts. Die natürliche Entwick-lung bedeutet Entwicklung zum Guten. Lassen wir nur die Aus-lese ungestört walten, dann muß immer das entstehen, was seinsoll. Wir brauchen daher die alten Werte nicht mehr, an dieder naturfremde Mensch sich klammerte, um seinem Leben Be-deutung zu verschaffen. Der mechanistische Biologismus hatuns die köstliche Gewißheit gegeben, daß die Natur oder dasLeben selbst uns mit sicheren Händen zu immer höheren StufenderVollendung trägt. Nur das Angepaßte erhält sich, ja alles Ange-paßte muß sich erhalten. Das Unzweckmäßige, das stört, wirdimmer mehr ausgeschaltet, und die natürliche Entwicklungtreibt daher von selbst einem Zustand der Harmonie und desAusgleichs zu. Leben ist ein sich selbst regulierender Mecha-nismus. Es ist zweckmäßig, weil es mechanisch ist wie eineMaschine.

Jetzt ist, damit wir das Prinzip des älteren Biologismusganz verstehen, nur noch nötig, das Naturgesetz, das zugleich dasFortschrittsgesetz darstellt, so zu formulieren, daß es auch einepraktische Anwendung ermöglicht oder zur Norm für denWillen wird.

Wenn das Angepaßte allein sich erhält und so das Zweck-