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Die Philosophie des Lebens : Darstellung und Kritik der philosophischen Modeströmungen unserer Zeit
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schlechtliche Leben stören, die kräftigsten Individuen in den bestenJahren von der Zeugung fernhalten, sie der Prostitution zu-treiben, sie unfruchtbar machen usw. Stets handelt es sichdarum, daß die moderne Kulturentwicklung den Ausleseprozeßhemmt und deswegen vom biologischen Standpunkt zu verurteilenist. Das mag genügen, um die sozialistisch-demokratischen Idealedes Biologismus zu charakterisieren.

Die Demokratie hat keinen leidenschaftlicheren Feind gehabtals Nietzsche, aber wie eng hängt auch sein radikal-aristokra-tisches und individualistisches Ideal des Uebermenschen nichtnur mit dem allgemeinen Lebensprinzip überhaupt, sondern auchmit der modernen Biologie im Besondern zusammen. Man lesedie wenigen Verse des Zarathustra, mit denen die Lehre vomUebermenschen eingeführt wird. Dann sieht man, wie der Ge-danke eines über den Menschen hinaus sich entwickelnden Wesens,den man übrigens als Hoffnung aufSupravertebraten auch beidem bekannten Biologen Ramon y Cajal finden kann, mit bio-logischen Gedanken in Verbindung steht. Auch führte schon derjunge Nietzsche gegen die von Strauß mit der Biologie noch fürverträglich gehaltene Humanitätsideale ausdrücklich und bewußtbiologische Begriffe ins Feld, um seine aristokratische Lebens-auffassung zu rechtfertigen, und an diesen Ideen hat er fest-gehalten.

Der Stärkere soll über den Schwächeren herrschen, so willes die Natur, unsere Lehrmeisterin. Die natürliche Ungleich-heit ist das Vehikel alles Fortschritts, und jede Sklavenmoral,die das Recht desHerrn in Frage stellt, bedeutet daher Nie-dergang und Verderbnis. Auf das einzelne, überragende Indi-viduum kommt es an, ja manchmal klingt es so, als wolleNietzsche es nach biologischen Prinzipien züchten. Jedenfalls:unter dem Zeichen derRückkehr zur Natur stehen diese Ge-danken, nur daß es nicht die idyllische, harmonische NaturRousseaus, sondern die Kampfnatur der modernen Biologie ist.Von ihr aus verwirft Nietzsche Demokratie und Sozialismus.Freilich gibt es auch sozial lebende Tiere, aber in ihrer Her-dennatur steckt nichts Großes. Zarathustras Lieblinge sind dieAdler und die Löwen, und will man sich wundern, daß, wennüberhaupt die lebendige Natur der Wertmaßstab sein soll, er