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Die Philosophie des Lebens : Darstellung und Kritik der philosophischen Modeströmungen unserer Zeit
Entstehung
Seite
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Man kann die Naturwissenschaften geradezu danacli an-ordnen, wie weit sie sich von dem Inhalt der Erlebniswirklichkeitentfernen. Je umfassender ihre Theorien sind, um so wenigernehmen sie von der Fülle des Besonderen in sich auf. Was ineinen rein mechanischen Begriff eingeht, läßt sich überhauptnicht mehr unmittelbaranschauen, falls man den Begriff desUnmittelbaren nicht so erweitern will, daß er auch das isoliertgedachte Quantitative mit umfaßt. Die Chemie steht der Un-mittelbarkeit der anschaulichen Erlebniswirklichkeit schonnäher, und vollends ist der Inhalt der biologischen Begriffe demInhalt dessen, was wir intuitiv erleben, mehr verwandt.

Das braucht nicht genauer ausgeführt zu werden. Es ge-nügt der Hinweis darauf, daß der wissenschaftliche Menschselber ein Lebewesen ist, wie die Biologie es erforscht, und nichtsunmittelbarer zu erfassen vermag als sich in seiner unmittel-baren vitalen Lebendigkeit. Schon daraus verstehen wir, warumdie intuitive Richtung des Denkens sich leicht mit der Orien-tierung an der Biologie verknüpft. Ob das in Wahrheit berech-tigt ist, fragen wir zunächst nicht. Es gilt hier nur zu ver-stehen, wie die Verbindung von Biologie und Intuitionismuszustande kommt.

Doch bedeutet das zugleich nur die eine Seite der Sache.Soll aus der Lebenslehre, die an der Biologie orientiert ist,Philosophie, d. h. universale Wissenschaft vom Weltallwerden, so muß man nach der vollzogenen Beschränkung aufBegriffe, die sich auf einen Teil der Welt beziehen, das Gebietauch wieder erweitern. Die auf dem Boden der Biologie gefun-denen Einsichten sind auf andere Sphären, wenn möglich aufdas Ganze, zu übertragen. Sonst kommt man nicht zu einemwahrhaft kosmischen Denken. Es ist also nötig, daß man dasWeltall biologisiert, falls eineWeltanschauung auf bio-logischer Grundlage entstehen soll. Die biologische Form wirdzur Lebensform überhaupt und dann zur Weltform gemacht.Deswegen trägt die Lebensphilosophie unserer Zeit, soweit siesich nicht auf den Intuitionismus zurückführen läßt, meist denCharakter des naturalistischen Biolog ismus.

Auch das Wort Vitalismus wäre für sie geeignet, doch hatdieser Ausdruck eine engere und allgemein festgelegte Bedeu-