73
i
als Formen des Lebens nicht Leben sein? So kommt man zurPhilosophie des Lebens.
Die Grundlagen der Biologie spielen nicht allein in der em-pirischen, sondern auch in der metaphysischen Lebensauffassung,nicht nur in dem theoretischen, sondern auch in dem prakti-schen Teil der modernen Weltanschauung eine große, ja ent-scheidende Rolle. Solchen Gedanken haben wir uns jetzt zu-zuwenden, um zunächst ihre Bedeutung als Philosophie zu ver-stehen. Dann können wir auch zu der Lebensphilosophiekritisch Stellung nehmen, in der wir die eigentliche Mode der Zeitsehen müssen. Das Yorangegangene bildet dazu nur die Vor-bereitung.
Wir kommen mit der Philosophie der biologischen Lebens-formen schon deshalb auf einen neuen Boden, weil wir die ver-wirrende Fülle der „Erlebnisse“ jetzt mit einem Schlage lossind. Wir erhalten ein Prinzip der Auswahl, das derintuitiv gerichteten Lebensphilosophie fehlt und. fehlen muß.Im organischen Leben der Pflanzen und Tiere, zu denen auch derMensch gehört, haben wir das, worauf es in der Lebensphilo-sophie eigentlich ankommt, das lebendige Leben im Unterschiedvon der toten Natur. So wird der weite und unbestimmteLebensbegriff verengert und damit erst in Wahrheit zum Begriffgemacht. Mit den Erlebnissen überhaupt in ihrer Gesamtheithat es die Naturwissenschaft von den Organismen ja nicht zutun. Sie handelt nur von dem Teil der Welt, den wir in all-gemein verständlicher und üblicher Weise „lebendig“ nennen,im Gegensatz zu dem Teil, mit dem es die Physik, die Chemie,die Astronomie zu tun haben. Wegen der großen Vieldeutigkeitder Ausdrücke Leben und lebendig wollen wir zur Bezeichnungdieses Lebens, wo Mißverständnisse möglich sind, vom vitalenLeben reden. Man wird verstehen, daß das keinen Pleonasmusbedeutet.
Zugleich verstehen wir auch, warum sich mit den biologi-schen Begriffen die allgemeinsten Tendenzen der intuitivenLebensphilosophie, d. h. das Verlangen nach Anschaulichkeit undUnmittelbarkeit verknüpfen. Die Physik, besonders als mecha-nische Naturauffassung gibt viel weniger von dem, was wirunmittelbar und anschaulich erleben, als die Biologie.
1
i