heute durch den Begriff des Lebens erreicht zu sein scheinen.Das führt zu allgemeinen Erörterungen über das Wesen der Philo-sophie überhaupt. Doch kehren wir von ihnen bald wieder zurZeitphilosophie zurück.
Zunächst wird man in der Philosophie die Wissenschaftsehen, die das Ganze der Welt zu ihrem Gegenstand macht.Irgendeine Disziplin muß sich diese universale Aufgabe stellen,und nur die Philosophie kann es tun. Der Umstand, daß heutedas Weltall an die Einzelwissenschaften aufgeteilt zu sein scheint,ändert daran nichts. Jede von ihnen behandelt ihrem Begriffnach nur einen Teil der Welt, und das Ganze ist etwas anderesals die bloße Aneinanderreihung seiner Teile. Die Philosophiebehält also unter allen Umständen eine selbständige Aufgabe:sie hat Begriffe f ür das Welta ll zu entwickeln, so daß dieses sichin ihnen als eineEinheit darstellt. Das ist immer ihre Aufgabegewesen und wird ihre Aufgabe bleiben. Irgendwelche partiellenBestrebungen verdienen den Namen der Philosophie nicht.
Doch hiermit kommt die universale Tendenz noch nichtvollständig zum Ausdruck. Man verlangt von der Philosophie,daß sie uns „Weltanschauung“ geben soll, und dabei denkt mannicht allein an die Welt als Objekt, sondern auch an unsere, desSubjekts Stellung zur Welt. Man erwartet mit anderen Worten,wie schon angedeutet, zugleich „Le bensa nschauung“. Dabeiwerden nicht nur die Gedanken wichtig, die festzustellen suchen,wie die Welt wirklich ist, sondern wir wollen auch den „Sinn“des Menschenlebens deuten, und das gelingt erst, wenn wir" dieWerte kennen, die ihm Sinn verleihen. So treten neben dieSeinsprobleme die Wertprobleme. Auch sie hat die Philosophiein Angriff zu nehmeif, falls sie universal sein will. So wird siezur Wissenschaft nicht allein vom Weltall, sondern auch vomganzen Menschen und seinem Verhältnis zur Welt. Erst damitumfaßt sie in Wahrheit das Ganze und beschränkt sich nicht wieandere Wissenschaften auf einen Teil.
Ferner führt das Verhältnis des Teils zum Ganzen nochauf einen anderen für die Philosophie wichtigen Unterschiedvon der Spezialforschung. Die reale Welt, in der wir alle leben,verläuft in der Zeit, und diese erstreckt sich sowohl in dieVergangenheit als auch in die Zukunft, ohne daß jemals ihr