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Philosoph daher zum lebendigen Kern vorzudringen hat. DieLebewesen schaffen sich ihre Gehäuse. Diese sind ebenfallsals starre Hüllen in ihrer Unlebendigkeit zu begreifen und dem-entsprechend zu behandeln. Die Schlange muß ihre Haut ab-werfen. Das Tier, das sich nicht häuten kann, geht zugrunde.In den abgestorbenen Lebensresten darf man nur lebenshemmendeFremdkörper sehen. Man muß sie beiseite lassen und über siehinwegschreitend dafür sorgen, daß das Leben stets lebendig inwachsender Bewegung bleibt. Dann lebt man auch als Kultur-mensch in Harmonie mit der lebendigen All-Natur.
Schon diese Schlagwörter deuten an, welch reiches Materialsich für den Aufbau einer Lebensphilosophie darbietet.
Manches von ihnen, zumal der Ausdruck „Erlebnis“ ist aller-dings bereits so abgegriffen, daß er nicht mehr genügt und mandaher zum „Urerlebnis“ glaubt Vordringen zu müssen, das wohlein noch lebendigeres Erlebnis als das gewöhnliche sein soll. Ja,gerade das Wort Erlebnis ward so häufig und bei so verschiedenenGelegenheiten gebraucht, daß ein nachdenklicher oder auch nurgeschmackvoller Mensch sich scheuen kann, es überhaupt nochin den Mund zu nehmen oder es beim Schreiben ohne Gänse-füßchen zu verwenden. Nicht selten bedeutet es eine leere Phraseund dient zum Deckmantel für Gedankenlosigkeit.
Doch der Mißbrauch dieses und anderer Lebensschlagwörterhebt ihren Gebrauch nicht auf, und wir dürfen auch die Be-geisterung für das Erlebnis als Quelle manches Bedeutsamenunserer Zeit nicht vernachlässigen. Mit Wissenschaft hat siefreilich direkt noch nichts zu tun. Meist kommt sogar eine völligunwissenschaftliche, ja wissenschaftsfeindliche Lebensstimmungin ihr zum Ausdruck. Aber diese Stimmung entspringt einerseitsdoch zugleich tieferen Schichten und färbt andererseits ab aufdie verschiedensten Gebiete des Kulturlebens. Schließlich be-einflußt sie auch die Wissenschaft, und das hat dann Konse-quenzen für die Philosophie.
Diese Strömungen durch alle verschiedenen Kultursphärenhindurch zu verfolgen, würde zu weit führen. Aus den angegebenenGründen dürften wir auch nicht hoffen, einheitlich die gesamteKultur der Zeit von hier aus zu verstehen. Ein kurzer Hinweis aufwenige außerwissenschaftliche Gebiete kann daher genügen.