der Sterndeutung. 317
auftreten! Der Spinozist spricht: alle unsere Begegnis-se und Bestimmungen sind in jenem großen Buch der Weltvom Anfänge her ausgezeichnet; und dieß spricht derAstrologe auch.
Das Verlangen, zukünftige Begebenheiten vorherzu erfahren, ist dem Menschen nicht angebohren: alsdie Menschen noch in dem Stande der Natur lebten, dadachten sie gewiß nicht an die Bestimmung ihres zukünf-tigen Schicksaals; ihre Jdeensphare war bloß auf dieBefriedigung gegenwärtiger Bedürfniste eingeschränkt;und unsere Unwissenheit zukünftiger Begebenheiten machtzwar uns, die wir ein gesellschaftlich Leben führen undwegen vieler Bedürfnisse bekümmert seyn müssen, oftsehr unruhig: aber die wilden Amerikaner wissen vondieser Vorsorge so wenig, daß sie des Morgens ihreThierhaut, aus der sie die Nacht über geschlafen haben,verkaufen und am folgenden Abende den Verlust ihresBettes beweinen. Also muß die Erfindung der Stern-deuterey sowohl, als die Chiromantie, wie auch die Pro-phezeiungen der Auguren und Harruspicum allerdingsvon aufgeklärten oder wenigstens sehr erfinderischen Na-tionen ausgeheckt worden seyn. Auch ist es eine ausge-machte Wahrheit, daß alle diese verschiedenen Arten derkünstlichen Divinakion in Nordasien entstanden und vonda nach Afrika und Europa gebracht worden sind. Siesind also einzelne Trümmer einer vielleicht erhabenenKenntniß und eines vernünftigen Systems jener alleral-testen Nation. Aber sie sind ohne Zweifel sehr verunstal-tet und ganz unbrauchbar gemacht worden.
Die Sterndeutung ist keineswegeö das Werk einerganzen Nation: sie ist vielmehr die Ausgeburt einigereinzelner Gelehrten, oder gar nur eines einzigen scharf-denkendem Kopses. Man weiß, daß bey allen Natio-nen Weltweise waren, welche die Natur zu ihrem Gott
und