Sternkunde der Persier und Chaldäer. 187
stndung des Gebrauchs derselben zueignen. UebrigenSist es wahrscheinlich, daß sie ihre ersten Gründe gedach-ter Wissenschaften von ihren Nachbarn, den Chaldäern,erhalten haben. Aber da sie dieselben, so wie ihrenHandel, über den ganzen Erdkreis verbreiteten: so ge-schah es, daß man in der Folge die Erfindungen ihnenselbst zucignete. Denn ihre Lehrer, die Chaldäer, bliebenden fremden Nationen unbekannt.
Sechster Abschnitt.
Ueber die Sternkunde bey den Aegyptiern.
§. r.
^ ifte Aegyptisr rühmen sich ebenfalls die älteste Na-tion der Welt zu seyn und sehen ihren Ursprung,wie bekannt, in den Schlamm des Nils. Allein, wennman die Aegyptier als Bewohner des Landes dieses Na-mens betrachtet: so wird ihr Alter ohnfehlbar dem Alteraller Nationen, mit welchen wir uns bisher beschäftigthaben, bey weiten: nicht gleich kommen. Daher müs-sen wir vielmehr ihre Vorfahren, die Aethiopier, die inder That ein sehr altes Volk sind, aufsuchen.
Das LandAethiopien liegt ziemlich hoch, und ist über-aus fruchtbar: daher lief das Wasser nach jener großenUeberschwemmung hier vor vielen andern Gegenden, ambequemsten ab; die Sümpfe und Pfützen vertrocknetenbald: und das Land war eher, als viel andere, bewohntzu werden geschickt. Aegypten hingegen, welches vielniedriger liegt, blieb noch lange Zeit ein unbewohnba-res Schlammloch. Denn die Aethiopier behauptetenselbst, daß Aegypten anfangs ein bloßes Meer gewesensey: aber der Nil, habe nach und nach sehr viel Erdeaus Äthiopien in das gedachte Meer hinabgeführet unddasselbe voll gefüllet, so, daß endlich gar zwischen den
Schen-