Des Heren Bailly Aufsehers über den königlichen Bildersaal wie auch der königlichen Akademie der Wissenschaften zu Paris und des Instituts zu Vologne Mgliedcs. Geschichte der Sternkunde des Alterthums bis auf die Errichtung der Schule zu Alexandrien. Animi re; luit, rerum nrnurae Isrekiras climovere, nea cenrenrum alle exre-riori conlpeüu, inrrotpicere er in öeorunr lecrera (ieleenciere. (luselk. nsr. I.. VI. c. 5. Erster Band. Leipzig, im Schwickercschen Verlage, i 7 7 7- Dem Wohlgebohrnm Herrn HELMN Abraham Gotthclf Königlich Großbritannischem Hofrakhe, Professor der Mathematik und Naturlehre, der Götting. König!. Gesellschaft der Wissenschaften, der Königl. Chur, fürstl. Brannschw. Lüncb. Landwirkhschaftsgcscllsch. der König!. Schweb, und Preuß. Akad. der Wissensch. der Er. furthischcn Churfürstl. Gescllsch. nützlicher Wisscnsch. der Bononischen Akad. der Wissenschaften, der Pcrusmischcn ^cnikLmirte^uAulkac;, der Oberlausttzischen Dienengesellsch. Mitglieder der Königl. Gotting, deutschen Gescllsch. Ael. testen; Mitgliede der Leipziger deutschen Gescllsch. und dasigen Gescllsch. der freyen Künste, der Jenaischen latein. und deutschen Gescllsch. der Carlsruher lateinischen Gesellschaft. Kästner Meinem Hechzuverehrenden Gönner. Mohlgebohrner Herr Hofrath Jnsonders 'Hochzuverehrender Herr. Wohlgeb. ein Werk, an welchem ich als lieber- setzer einen so geringen Antheil habe, zu widmen, scheint zwar eine Verwegenheit,' allein, da dieses Buch, nach meiner Einsicht, ebeü nicht zn den allgemeinen gezahlt werden dürfte: so glaubte ich, seinen Werth dadurch noch mehr zu erhöhen, wenn ich demselben den Namen desjenigen vorsetzte, der zuerst Rechenschaft von dergleichen Arbeiten fodern kann. Frrylich sollte ich Ew. Wohlgeb. für die mir so schätzbare Gewogenheit meinen schuldigsten und lebhaftesten Dank auf eine ihrer Größe würdigere Art, an den Tag legen; Produkte des eigenen Genies sollten es seyn, die den Namen Ew. Wohlgeb. an der Stirne trügen: * z diese 3 diese aber erfodern viel Jahre Zeit, müssen sehr vielma! durchgedacht werden, die Feile oft durchgehen, und der Nation Ehre machen: doch diese, wenn ich anders deren jemals fähig bin, muß ich auf glücklichere Aussichten meiner littcrarischcn Muße verspüren. Unter den eifrigsten Wünschen für das dauerhafteste Wohlergehen Ew. Wohlgeb. zum Glück der Welt) zur Ehre unsers deutschen Vaterlandes, zum Ruhme der berühmten Schule, deren Zierde Sie sind, zur Weis, heit und Bildung so viel glücklicher Iückgünge, die Deren Unterricht genießen, habe ich die Ehre mit geziemender Ehrerbietung lebenslang zu seyn Wohlgebohrner Herr Hofrath Insonderö Hochzuvcrchrender Herr Ew. Wohlgeb. Leipzig den W- September 1776. gehorsamster Christian Ernst Wünsch. ' K »Sari würde irren, wenn man aus der Aufschrift dke- fts Werkes schliesscn wollte, a's ob es bloß für Astronomen oder Ecschichtskundige geschrieben wäre: die» ser erste Band könnte meines Erachtens, wie ein guter Roman, von einem jeden mit Nutzen gelesen werden; denn um ihn ganz zu verstehen, braucht man weder Mathematik, die vielleicht einige abschreckcn könnte, noch Astronomie und nur so sie! zu wissen, als zu einer leich. ten Kcnntniß chronologischer Kunstwörter erfodert wird. An Büchern, welche die Geschichte der alten Ctern- künde behandeln, fehlt cs uns freylich nicbt. Man fin- det sie in gegenwärtigem Werke größtcnthcils allcgirt, und LNontürlü, welchen unser Verfasser niemals bcy seinem rechten Namen, sondern allemal bloß den Autor der Geschichte sammtlichcr mathematischen Wissenschaften nennt, hat sie in demVorberichlc zu seinem bekannten Werke ebenfalls angezcigt und bcurthcilct: ich hoffe, daß es dem Leser nicht mißfallen wird, wenn ich seine geäußerten Gedanken über zwo ganz bekannte Schriften, über des Frey« Herrn von Wolf kurzen Unterricht von den vornehmsten mathematischen Büchern, und des ehemaligen Herrn Professor weidlcr Geschichte der Sternkunde, hier abschreibe. Von der erstem spricht er „ Dieß ist in der T-Hat eine mit vieler Auswahl gemachte Sammlung mathematischer Schriften, die mich oft zu den Quellen, aus welchen ich schöpf, te, recht sicher geleitet hat: und auf solche Art habe ich sie recht gut benutzen können. „ Aber von der zwotcn heißt es „ Ich würde gegen diesen Gelehrten sehr undankbar handeln, wenn ich seinen rühmlichen Bemühungen, die mir bcy meinen gegenwärtigen Arbeiten nicht selten gut zu statten gekommen sind, ihren gewissen Werth absprechen wollte: man findet besonders in den ersten Kapiteln, * 4 die Vorberkcht. die den Ursprung der Sternkunde behandeln, überaus viel Gelehrsamkeit; aber die französischen Leser weiden daran wenig Geschmack finden: diese Gelehrsamkeit bestehet in einer Menge angeführter Schriststcllcn, die ziemlich unter einander geworfen find und sich nicht selten selbst widersprechen; alles ist daselbst mit angezeigten Büchern und deren verschiedenem Ausgaben angefüllt; ein wahres Chaos, dem man folgende Verse des, Ovid vor. setzen kann: -Kuäis incitZoklsgue moles: - LonAssta soäem I§on bene iuncksrum cliicoräla lomiiia rorum." Man darf nicht glauben, daß Momücla durch patriotische Gesinnungen zu dieser Beurtheikung des Werkes eines Ausländers verleitet worden sey: denn seine Lands, leute, Dourdclor, , Lrssim, Ljkeve und andere müssen sich eine noch weit schärfere Kritik gefallen lassen. Momücla, der die Worte des Frcyhcrrn non Wolf: eine vollständige Geschichte der sämmzlichcn mathematischen Wissenschaften aä Arasc.is caleuäaü proclibir: zu entkräften suchte und ein Werk lieferte, daß nach dem Urthei- ke vieler Kenner für hinlänglich vollkommen gehalten ward, hat die älteste Geschichte der Sternkunde im zweyten Bu- che des ersten Theils desselben selbst sehr ausführlich behandelt, und ist von unserm Verfasser gut benutzt worden: freylich gebt Momücla bcy weitem nicht so tief in die Zci- ten vor der Sündfluth, wie Baitty, zurück, und glaubt, Joscphus habe die Kcnntniß jener 602 jährigen Periode den neuern Chaldäern abgcborgk und sie aus Liebe zu seiner Nation den Patriarchen vor der Sündfiuth zugeeignet. Einen brauchbaren Auszug aus diesen Werke findet man in der Einleitung zur mathematischen Bücherkenntniß. Herr Momücla befindet sich, wie ich vernommen ha- be, gegenwärtig in Amerika und har andere Geschäfte zu besorgen: daher ist es zu bedauern, daß man sich aufden ver- Vorbm'cht. versprochenen dritten Theil seines Werkes, der die Geschichte der Mathematik des gegenwärtigen Jahrhunderts enthalten soll, wenig Rechnung machen darf: aber in Rücksicht auf die neuesten Erweiterungen der Sternkunde halten uns die astronomischen Abhandlungen des Herrn Hofrath Räjrncr des gedachten Verlusts völlig schadlos. Gegenwärtiger Geschichte wird man nun wohl das Urtheil, welches weidlers Werk traf, nicht fallen: denn Herr Lailly hatte sich ohnstreitig ein gewisses Augenmerk vorgcsetzt, gegen welches er die, in dem hvhcstcn Alter- tbum angesponnene, Faden der Geschichte aller Nationen gleichsam wie in einen Knoten zusammen laufen ließ und hat, wenn auch Deutschland dem allgemeinem Bcyfalle, mit welchem Frankreich dieses Werk aufaahm, bcypflichten Hürd, seine Absichten glücklich erreicht; wenigstens hoffe ich, daß unser vaterländisches Publikum meine Arbeit in ^ Rücksicht auf die Uebersctzung nicht für über- fiüßig halten wird: denn man wird vorzüglich in dem zweeten Bande finden, daß Herr Lmlly überaus viel gearbeitet und seine einmal festgesetzte! Idee mit vielem Witze durch alle Versuchungen hindurch geführt hat; sie ist kürzlich folgende: Vielleicht hat die Erde schon mehr als einmal so große Begegnisse, wie etwa die Sündfluth war, erlitten nnd das Alter der Sternkunde erstreckt sich viel weiter über die Zeiten der Sündstuth hinaus, als man bisher angenommen hat: ein Hauptbewers ist jene 600 jährige Periode, die nach dem Zeugnisse des Icffephus, den Patriarchen, und zufolge der Profanscribentcn, den Babyloniern schon bey Erbauung ihrer Stadt, wie auch andern Nationen, die sich allererst bildeten, bekannt war: denn die Erfindung dieser Periode sowohl, als die Verfertigung der Kreiskugel des Arlas, der gleich nach jener großen Fluth gelebt haben soll, setzen eine weit ausgebrcitere astronomische Kenntniß und Beobachtungen von Iahrtauftn- * 5 den Vorbericht. den voraus. Unter einer Breite von ;o bis 70 Graden hat in der großen Tartarey ehemals eine mächtige und aufgeklärte Nation gewohnt, bei) welcher die Welrweis« heit, die Scheidckunst, die Arzner-kunde, und vorzüglich die Astronomie nebst der natürlichen Astrologie ohnfehl- bar ganz vortrcstick bearbeitet worden sind: selbst die Kcnntniß des phllolaus von dem Kopernikanischen Welt« systcm schreibt sich wahrschcinlicherweise durch eine Tradition von dieser alten Nation her. Benin Einbrüche der großen Fluch flüchteten auch einige Menschen auf die hohen Gebirge Asiens, so daß sic nach Ablaufe derselben nach China, Indien, Pbönicien, Ebaldaa, Aclhiopien, Nordeuropa u. s. w. zerstreuet wurden. Die darunter befindlichen Gelehrten, deren -Wissenschaft also bloß in Tra- diiioncn bestand, wurden zu Regenten gedachter neuen Colonien ernannt und, wegen ihrer Wissenschaft, von den übrigen unwissenden Menschen vergöttert. Aus solche Art sind alle die angeführten Nationen eines nordischen Ursprungs und zu gleicher Zeit in verschiedene Volker zerfallen: dieß beweisen auch die übereinstimmenden Epochen des chinesischen, indianischen, chaldaischen und ägyptischen Reichs. Herkules, Janus, der Vogel Phönix, die Sy- byllcn, das zehnmonathliche Jahr der alten Römer sind wahrscheinlicher weise in dem nördlichen Asien ausgcdachL und durch die Tradition verstümmelt in die Südländer gebracht worden. Alle die sonderbaren Fabeln der Alten lassen sich aus der Sternkunde jener alten Nation erklären und man findet in der alten Geschichte der Sternkunde überall Spuhrcn jener großen nordischen Nation. Aber man würde wider die Absicht des Verfassers handeln, wenn man diese Anwendung zu weit ausdchnen und etwa gar die Apokaypse des Johannes aus dergleichen astronomischen Traditionen erklären wollte. Die, welche das Buch nicht für göttlich erkennen, werden vielleicht, wenn sie den zwecken Band gegenwärtiger Geschichte durch- gele- Vorberr'cht. gelesen haben, sagen: Johann«--? ist etwa über die Tra« ditionen und Hieroglyphen der Acgypkier gcrakhen; diese hat er nicht verstanden und enthusiastisch auf die christliche Lehre angewandt; der, welcher einem Menschen ähnlich sah und weiße Haare, aber glänzende Augen, einen goldenen Gürtel und messingene Füße hatte, war das alte Bild der Erde, deren Haupt, oder der kalte Erdsireich, ebenfalls weiß oder mit Schnee bedeckt, die Augen hingegen, oder die temperirtc Zone glänzend, und der hitzige Erdgürtel golden oder brennend ist, zumal da die Alten die Erde auch auf goldene Berge oder meßingcne Füße scklen; die sieben Sterne waren die sieben Planeten; die sieben Geister, deren Gemusst; die vier Thicrc, die L'ilder des Thierkreises, der Löwe, der Stier, der Wassermann und Skorpion, in welchen sich vor alten Zeiten die Punkte der Sonnenwenden und Nacbtgleichcn befanden; die Verehrung des Lammes war das Fest, welches die Alten etwa zu der Zeit, da die Frühlmgsnachtglcichc oder der Anfang eines neuen Jahres, zuerst in den Widder siel, Angeführt hatten; die sieben Plagen waren die großen Revolutionen der Erde, welche zufolge der alten Astrologie nach gewissen periodischen Umlaufen der sieben Planeten eine Wicdcrbringung aller Dinge verursachen sollten; das siebeuköpstge Thier war die Astrologie der Chaldäer, deren Häupter die sieben Planeten waren; die, welche das Thier ritte, war die chaldäische Pricstergcscttschaft, welche sich durch ihre Astrologie die Könige der Erde zinsbar machte, und von den neidischen Acgypticrn ohn- fehlbar unter dergleichen häßlichen Bildern vorgcsicllcL wurde; das neue Jerusalem war die üite Stadt des Himmels oder der Sonne; die ebenfalls so prächtig war und an ihren vier gleichen Mauern zwölf Thore, die den zwölf Lhiercn des Thicrkreists gewidmet waren, hatte, u. s. w: allein das Siegel dieses Buchs bezeugt die Göttlichkeit desselben hinreichend, und man muß dir Hypothese des Herrn Baillv Vorberkcht. Bailly nur auf die heydnischen Fabeln anwenden; aber die Erklärung der Apokalypse überläßt man billich dcnGot- tesgelchrtcn, und Herr Bailly würde es selbst sehr verbitten, wenn man dergleichen Schlußfolgcn aus seiner Hypothese ziehen wollte. Was die Nachrichten von der Sündfluth anbetrifft, da ziehet der Herr Verfasser den Kopf aus der Schlinge und spricht niemals gerade zu, daß sie nicht allgemein ge» wesen ist; aber aus seinem System folgt dieser Satz noch, wendig und man weiß, daß ihn auch große Gottcsgc- lehrte annehmen: nur mit diesem Unterschiede, daß niemand als Noah mit seiner Familie erhalten ward; wenigstens machen sich diejenigen lächerlich, welche die Sund» fiuth aus natürlichen Ursachen erklären wollen. Man findet schon eine Widerlegung derselben in dem ersten Thci- le der Einleitung zur allgemeinen Weltgeschichte, die zu Berlin 1769 erschienen ist, und auch ein Lehrgebäude der Zeitrechnung, das mit gegenwärtiger Geschichte füglich verglichen werden kann, enthält: nämlich, man hat daselbst die Menge des Wassers, das zu ker Sündfluth nölhig war, nach Durners Bestimmungen, der den Stand des Wassers so hoch als den Pik annahm, berechnet aber keine Derhältniß zu der gegenwärtigen Menge desselben angegeben. Man kann aber füglich annehmen, daß die größte Tiefe des Meeres eben so groß, als die größte Höhe der Berge ist. Nun fanden die französischen Erd- messer den Coracon, der zu den höhestenBergen der Erde gehört, 2470 Toisen über die Meeresfläche erhaben: daher wird die mittlere Tiefe des Meeres >2z; Toisen betragen und das Wasser der Sündfluth hat, wenn man zwey pariser Fuß auf eine Elle des Moses rechnet, 2475 Toisen über der itzigcn Oberfläche des Meeres gestanden. Berechnet man diese Wafferrinde: so erhält man für deren Inhalt 4Z4 8Z4 Billionen cubische Toisen. Nimmt man ferner für die Oberfläche des Meeres zwey Drittel der ganzen Erd- Vorbericht. Erdflache an: so bekömmt man für den Inhalt des Meeres iio/zy Billionen cubischcToisen. Man kann zufrieden seyn, wenn die ersten Ziffern richtig sind: und da hat sich die Menge des Wassers zur Zeit der Eündsiuth zu der Menge des gegenwärtigen Wassers der Erde verhalten, wie 5:1; also mußte Gott 40O ovo Billionen Kubictoiscn Wasser bcym Einbrüche der Sündfluth aufs neue schaffen und bcy deren Ablaufe durch ein Wunderwerk wieder vernichten: denn so viel Wasser konnte die Atmosphäre nicht in sich nehmen. Herr Bailly hat, wo ich nicht irre, seinen Plan vor- trefiich dnrchgedacht; und gesetzt auch, daß der Gcschichts. kundige, dem man frcylich die Beurtheilung dieses Buchs überlassen muß, die angenommene Hypothese nicht überall triftig genug finden sollte: so werden doch die rühmlichen Bemühungen, mit welchen der Herr Verfasser so viel indianische, chinesische und andre Nackrichten sogar aus unge« druckten Urkunden liefert, wie auch seine witzigen Bemerkungen nicht ganz mißfallen. Mir war es wenigstens eine Lust, wenn ich mich mit demHerrnVerfasser in jene altenZeiten versetzt und die ersten Gründe erhabener Wahrheiten legen sah. Ein anscheinender Widerspruch, den ich in dem zweetcn Bande bemerkte, war dieser, daß Herr Bmlly die i;6o Jahre, in welchen, nach den chinischcn Traditionen, fünf- zehen Fürsten vor der großen Fluth meiner Reihe den Erd- kreis beherrscht haben sollen, läugnet; maaßen kein Mensch einen Thron 100 Jahr und drüber besitzen könne, und ohnfchlbar auf drcymonathliche Jahre zu reduciren seycn: gleichwohl findet er in dem hohen Mcnschenalter der Patriarchen des Moses und Josephus keine Schwierigkeit und nimmt die 1000 Jahre des Merhusalah für wirkliche Sonnenjahre an; diese Fürsten waren ja nach seiner Hypothese die Patriarchen des Mosxs selbst? Mir scheint ferner die Bemerkung des Verfassers über die Ursache des schlechten Zustandes der Sternkunde bcy den Indianern, Chinese^ Chaldäern und Aegypticrn nicht treffend: Vorbericht. treffend: ersetzt sic in das warme Klima, welches die Nerven und Lebensgeister der Menschen, die aus Norden dahin gezogen scycn, erschlafft und trage gemacht habe; Herr Baillv vermiss! die Aufnahme der Mathematik, als die Seele der Sternkunde, nicht: und ohne diese würden auch die Europäer in derselben wenig Progreffen machen; aber ein Beweis, daß man wenigstens in Aegypten Mathematik lernen kann, war Pythagoras, Euklid, Apollonius. Dann begreife ich auch nicht, warum ich das Buch: Chronologische Altcrthümer der ältesten Königreiche von Anfänge der Welt durch fünf Jahrtausende u s. w- von John Jackson, welches der Herr Professor von lwindhcm, zu Erlangen übersetzt hat, und welches 1756 zu Nürnberg erschienen ist, nicht angeführt finde, da er es doch vhnfthl- bar gut hatte gebrauchen können; man findet darinnc außer andern nützlichen Nachrichten des Alterchums, eine ausführliche Beschreibung der ägyptischen Hieroglyphen und dcs Grabtempcls des Königs Gsymanduas: und von diesen Dingen konnte in gegenwärtigem ersten Bande noch verschiedenes beygcbracht werden; zumal da jenes Werk überaus weitlauftig und nicht für alle Leser geschrieben zu seyn scheint. Die französische Urkunde der gegenwärtigen Geschichte des Herrn Lailly bestehet in einem ziemlich großen Quart- bandc und ist in zween Thcilen abgcfaßt. Der erste tragt die ganze Geschichte in einer zusammenhängenden Rede vor: der zwecte hingegen, der starker als der erste ist, enthalt die Erläuterungen des ersten. Da aber diese Gestalt eines Buches bekanntermaßen sehr unbequem ist: so hat man es lieber in zween Oktavbände abtheilcn wollen; zumal, da es ein jeder nach Belieben auch in einen Band binden lassen kann; der zwecte konnte gegenwärtige Messe nicht ganz fertig werden: aber er wird nächstens Nachfolgen denn ohne diesen wird man schwerlich von dem, was Lmilly geleistet hat, ««heilen können. Einige Voröericht. Einige angeführte Schriften habe ich nachgeschlagen und gefunden, daß der Herr Verfasser richtig allegirt hatte: daher zweifelte ich auch bcy den übrigen nicht: aber alle hier angezeigte Schriften nachzulefen, wirb man von keinem Uebersetzcr verlangen. Abzukürzcn war nichts, außer in der vorläufigen Betrachtung über den Gegenstand der Sternkunde u. f w. und in der Abhandlung von dem Ursprünge der Stcrnden- tcrcy, wo mir viel bekannte Sachen zu oft gesagt zu seyn schienen. An verschiedenen Orten habe ich doch, um die vorgctra- genen Sachen deutlicher zu machen, einige kleine Anmerkungen bcygefügt. Und da das Buch Zend — Avesta allercsi auch in die deutsche Sprache übersetzt worden ist: so wird man die hier angeführten Stellen aus der französischen -Ausgabe ohne große Mühe auf die deutsche rcduciren. Inder Urkunde befindet sich nur vor dem zwcetcn Thcile ein kleiner Vorbencht. Ob ich aber den Sinn des Verfassers allemal richtig getroffen habe, wird man aus der Vergleichung mit der Urkunde selbst am besten beurtheilen: zumal wo es auf chronologische Bestimmungen und Zahlen ankam, welchen ich frcylich oft eine ganz andre Wendung, ohne ihr Wesen zu verändern, geben mußte. Die drei) Kupfer, welche sich bcy diesem Werke befinden, gehören zu dem zweeten Bande. Ucbrigens beruhige ich mich, wenn man nicht Beyspiele des Jrrthums aus dieser Uebersctzung, wie Momücla aus dem Werke des Morcri zur Schau aufstellen kann: er führt eine Stelle aus dem Artikel Albakegmus an, wo cs heißt: „ dieser Gelehrte hat überaus artige Beobachtungen über die schiefe Gestalt des Thierkreises angestellt." Dieser Jrrthum kam daher, weil der Verfasser nichts von der Sternkunde wußte: denn es sollte heißen: Albaregnius hat die Schiefe der Ekliptik beobachtet. Inhalt Inhalt. Vorläufige Betrachtung. Ueber den Gegenstand, die Erweiterung und Brauchbarkeit der Sternkunde. Abschnitt. I. A?on den Erfindern der Sternkunde und von dem Al- ter desselben. Abschnitt II. Von den ältesten astronomischen Entdeckungen. Abschnitt HI- Ueber die Sternkunde vor der Sünbfluth. Abschnitt IV- Von der Sternkunde kurz nach der Eündstuth und von den astronomischen Kenntnissen der Indianer und Chineser. Abschnitt V. Ueber die Sternkunde bey den alten Persiern und Chaldäern. Abschnitt VI. Ueber die Sternkunde bey den Aegyptiern. Abschnitt VII. Ueber die Sternkunde bey den alten Griechen und von den Philosophen der jonischen Sekte. Abschnitt VIII. Von der Sternkunde bey den Pythagoracrn, Stoikern und einigen andern Philosophen. Abschnitt IX. Ueber die Sternkunde bey den Akademikern. Betrachtung. Ueber den Ursprung der Ctcrndcuterey. Vorläufige Betrachtung. Ueber den Gegenstand, die Erweiterung , und Brauchbarkeit der Sternkunde. Geschichte der Sternkunde ist ohnstreitig ein wesentlicher Theil der Geschichte des menschli- chen Geistes selbst. Sie wurde von den Schäfern auf dem Felde geboren und schwang sich von den einfältigsten Menschen zu den erhabensten Genies empor. Man darf zwar nicht behaupten, daß diese Wissenschaft schon in den ältern Zeiten ihre Vollkommenheit erreicht habe; denn sie ist noch heut zu Tage einer großem sä. hig: allein es ist doch eine ausgemachte Wahrheit, daß sich die großen Fähigkeiten des Geistes der Menschen in Rücksicht auf die Entwickelung des Scharfsinns und anderer geheimen Quellen unserer Kenntnisse, in keiner andern Wissenschaft so augenscheinlich und so zeitig, wie in dieser hervorgethan haben. Daher ist es nöthig und angenehm, wenn wir uns in jene Zeiten, in welche der Ursprung der Sternkunde fällt, zurück denken und gleichsam sehen, wie die ersten Fäden dieser Wissenschaft angesponnen , wie sie nach und nach zusammen gewebt worden sind; es ist nützlich, wenn wir bemerken, wie sich Jrrthümer unter die Wahrheit eingeflochten und deren Fortgang gehindert haben; es ist belustigend, wenn wir die rühmlichen Bemühungen der Völker zu allen Zeiten und unter jedem Himmelsstriche aufsuchen ,ihre Erfindungen mit einander vergleichen und endlich das prächtige Gebäude dieser Wissenschaft, welches sich auf die Ar- beiten so vieler Jahrhunderte und so viel verschiedener Völker gründet, mit Verstände bewundern können. A Astro- 2 Vorläufige Betrachtung. Wronomie heißt überhaupt die Wissenschaft von dm Sternen. Der Ursprung dieses Namens ist griechisch und aus zwey Worten zusammengesetzt, von welchen das erstere soviel als Gestirn, und das zwe»te Leitfaden oder Gesetz anzeigk. Aus dieser Etymologie scheint nun zwar zu folgen, als ob sich die Sternkunde bloß mit Ausmessung der himmlischen Körper und mit Bestimmung der Gesetze, nach welchen sie sich bewegen, beschäftige: allein heut zu Tage begreift diese Wissenschaft überhaupt alles unter sich, was sich von der Natur der himmlischen Körper denken oder sagen,laßt. Was den Gegenstand der Sternkunde selbst anbetrifft: so bestehet dieser darinne, daß sie die Sterne zahlet und in bestimmter Ordnung schicklich bemerkt; daß sie diejenigen, welche ihren Stand oder Lage nie merklich verändern, von jenen die unter den erstem gleichsam herumirren, gehörig unterscheidet und den Lauf oder die Bewegung der letzter» genau beobachtet; und daß sie den Erscheinungen, welche sich den: Auge in Ansehung des verschiedenen Laufs einiger Sterne darbieten, weislich nachspähek. Aber in Rücksicht aus die Sterne selbst, beschäftigt sich die Astronomie mit Beobachtung ihres Auf- und Untergangs; mit Bestimmung ihrer Gestalt; mit Ausmessung ihrer scheinbaren und wahren Größe, wie auch mit Untersuchung ihrer Masse oder Dichtigkeit: und diese Kenntnis entstehet bloß vermittelst einer langen Reihe sorgfältig gemachter Beobachtungen; man muß, um alle Klenigkeiten verewigen Naturgesetze zu bemerken, und um die Natur selbst, die niemals ruhet, in ihrem Laufe zu erhaschen, die lebhafteste Aufmerksamkeit unermüdet unterhalten. Auf solche Art mag die Zeit immer beflügelt dahin eilen: wenn sie nur die Bemühungen der Menschen zum Vortheil ihrer Nachkommen der Vergessenheit entreißt; sie fließt schnell vorbei-: aber ihr Ber- Vorläufige Betrachtung. 2 Vertust gereicht zur grösser» Vollkommenheit der Welt überhaupt und ins besondere der Wissenschaften. Nun würde die Sternkunde auf gedachte Art zwar einen Theil ihres Gegenstandes erreichen: allein sie muß auch die Ursachen gedachter Erscheinungen zu erklären wissen; sie muß die Begebenheiten mit einander verglei- chen und dann ganz einfache Gesetze daraus herleiten könne» : und dieses gehört für den philosophischen Astronomen. Beobachtende Astronomen tragen die Baumaterialien mühsam zusammen und erwarten den Baumeister, dessen Genie sie mit Geschmack zusammenordnet. Unter den alten waren ^pparchus und pcolomä- r?s, bey den neuern hingegen Ropeunikus, Tycho, Aepler, Domiiricus Lasstm und der große Newton diese philosophischen Astronomen. Allein es giebt in gedachter Wissenschaft noch viel Dinge, welche zu untersuchen, und Fragen, welche noch zu beantworten sind: dieß sey das Werk unserer Nachkommenschaft. Wir werden in unserer Betrachtung, den Fortgang und Wachöthum der menschlichen Kenntnisse schon in den altern Zeiten zu bewundern Gelegenheit genug finden. Der älteste Schäfer, welcher feine Aufmerksamkeit und seine Augen gegen den Himmel rich. tete und sich die Zahl der Sterne sowohl als deren scheinbare Bewegung bekannt machte, war schon ein Astronom«: aber wie sehr ist nicht unsere itzige Astronomie von jener unterschieden? Der älteste Astronome, welcher glaubte, daß die Sonne bey ihrem Untergange im Meere ausgelöscht und des Morgens wieder angezündet würde, ist in Rücksicht auf seine Kenntniß von dem, welcher Welten abgewogen und deren ewige Bewegungsge- sehe demonstrirk hat, unendlich weit überstiegen worden. Diese Wissenschaft hat sich überhaupt nicht zu allen Zei- A s ten 4 Vorläufige Betrachtung. ten mit einem gleichförmigen Fluge empor geschwungen: die Unwissenheit, welche oft Jahrhunderte den Erdkreis beherrschte, hat zuweilen die nützlichen Bemerkungen und den Fleiß der Vorfahren ganz vergraben und der Vergessenheit einverleibet; dann erforderte es viel Mühe, wenn man die Bahn aufs neue brechen und den fast ganz verschwundenen Fußsiapfen der Alten Nachfolgen wollte. Bald beschäftigte man sich mit einer einzigen Beobachtung Jahrhunderte, und dieß waren die nützlichsten Bemühungen, auf die wir noch heut zu Tage, das Gebäude der Sternkunde gründen; bald verglich man die vorher angestellten Beobachtungen mit einander; man erdichtete Systeme, welche den darauf folgenden Tag wieder übern Haufen geworfen wurden: aber einige große Genies bemerkten doch auch schon damals Wahrheiten, welche ein großes Licht über die Nachforschungen der Nachwelt auögossen. Gegenwärtiger Zustand dieser Wissenschaft ist überaus herrlich und bewundenswürdig: er giebt zu erkennen, wie viel der menschliche Verstand, wenn er sich durch Jahrtausende hindurch wirksam bezeugt, und gleichsam aus mehrern Kräften zusammengesetzt wird, zu ergründen fähig werden kann. Die Sternkunde hat also hauptsächlich dreyerlcy Dinge zum Gegenstände: die Beobachtung der einzelnen himmlischen Begebenheiten; das Resultat, welches sich aus der Vergleichung jener einfachen Erscheinungen er. giebt; und die philosophische Untersuchung derselben, oder, welches gleich viel ist, die Erklärung jener Begebenheiten aus den bestimmten Gesetzen der Bewegung. Beobachten heißt in dieser Wissenschaft so viel als den Punkt der scheinbaren hohlen Hinunelskugel bestimmen, wo sich ein Stern in dem Augenblicke, da man auf ihn Acht giebt, befindet. Beziehet sich nun diese Be- 5 Vorläufige Betrachtung. Bemerkung auf Sterne, die ihren Ort gegen einander nicht verändern: so ist eine einzige Beobachtung so lange gütig, bis man gewahr wird, daß ein Stern, welchen man unbeweglich zu seyn glaubte, seinen relativen Ort verändert hat. Hingegen, wenn sich unsrer Beobachtung auf einen Stern beziehet, der unter den übrigen herum zu irren scheint: so wird man ihn zwar heute Key einem unbeweglichen Sterne erblicken und seinen Ort am Himmel bestimmen können: allein hieraus weiß man noch nicht, wo er morgen anzutreffen seyn wird; man weiß nicht, wohin er seinen Lauf die folgenden Tage nimmt: folglich muß inan in diesem Falle die Beobachtung so lange fortsetzen, bis man den Weg, welchen er gehet, hinreichei,d genau bestimmen oder beurtheilen kann. Unmerklich kleine Irrthümer, die kein menschlich Auge zu vermeiden fähig ist, und andere Umstände verursachen, daß man nach langer Zeit beträchtliche Abweichungen von der einmal bestimmten Bahn eines beweglichen Sterns bemerkt: daher muffen dergleichen Beobachtungen auch noch heut zu Tage fortgesetzt und die eingeschlichen Fehler ausgemärzt werden. Auch ist aus diesem Grunde zu bedauern, daß die Beobachtungen vieler alten Völker, von welchen man noch in ihren Annalen einige Spuren findet, durch die verderblichen Kriege und Barbarey verwüstet worden find. Oft wurden auch die vortheilhaftesten Beobachtungen und die daraus hergeleiteten erhabene Wahrheiten durch den Aberglauben unterdrückt; die Bibliotheken wurden aus Rachgier- de verbrannt: und auf solche Art hat inan die Beobachtungen der hiinmlischen Erscheinungen mehr als einmal von vorne anfangen muffen. Resultate sind Wahrheiten, welche aus einer einzigen oder mehrern Beobachtungen unläugbar fließen. So fließt zum Beyspiele aus vielen Beobachtungen der be- A z wegli- 6 Vorläufige Betrachtung. welchen Sterne die Wahrheit, daß sie sich mit einer bestimmten Geschwindigkeit bewegen; daß die Geschwindigkeit ungleichförmig zu seyn scheint; daß sie eine bestimmte Größe und Gestalt besitzen, u. s. w. und dieß sind bloß Resultate der Beobachtungen. Alle bewegliche Sterne kehren nach einiger bestimmten Zeit wieder an den Ort des Himmels zurück, von welchem sie vorher weogelausen waren: sie werden ohne Zweifel alle von einer emsigen K>'aft, wie die Räder einer Uhr, mit verschiedener Gewbwindigkeit bewegt, und beschreiben gleichsam einen Kreislaus; allein die wahre Gestalt ihrer Bahnen und die Natur ihrer Bewegung zu erforschen, war schwer: denn dieß laßt sich keines'weges durch die Sinns empfinden, sondern bloß durch den Verstand begreifen» Daher stellte inan sich die Bewegungen der himmlischen Körper etwa so vor, wie sie den sinnlichen Empfindungen am nächsten zu kommen schienen: aber dergleichen Begriffe widersprachen andern wichtigen Erscheinungen; wenigstens ließen sie sich aus der angenommenen Mey. nung von der Lage und Ordnung gedachter Sterne nicht erklären. Be» den Alten war eS, entweder die erfundene Wahrheit zu verkennen, oder in neue Irrthümer zu verfallen, leichte möglich: denn sie hatten weder die hierzu nöthi- gen mathematischen noch optischen Werkzeuge: Aber itzt, da Aepler anstatt der kreisförmigen Bahnen der beweglichen himmlischen Körper, welche die altern Astronomen glaubten, elliptische eingesuhret und Newton ihr Wesen gezeigt; da man überdies; die Sternkunde durchaus machemathisch zu behandeln angefangen lind die hieher gehörigen Werkzeuge beynahe zu ihrer höchsten Vollkommenheit gebracht hak: ißt sage ich, ist eö gar nicht mehr möglich zu irren, wir dürfen weiter nichts thun, als die etwa noch rückständigen Mängel aufsu- chen 7 Vorläufige Betrachtung. chen und diese vortrestiche Wissenschaft auch von den kleinsten Unvollkommenheiten reinigen. Der philosophische Theil gedachter Wissenschaft beschäftigt sich mit Erklärungen der himmlischen Begebenheiten aus den Gesehen der Bewegung. Was die griechischen und römischen Weltweisen anbetrifft: so hegten sie von dem Ursprünge und Bildung der Welt ganz verschiedene und zum Theil höchst seltsame Meynungen; sie disputirten sehr verfänglich über die Natur der Elemente; sie schufen in ihren Gedanken, deren bald mehrere, bald vernichteten sie dieselben wieder, so, wie es ihrer einmal angenommenen Hypothese am beguemsten schien: kurz sie ließen bloß ihrer Phantasie den Zügel und verfehlten den richtigen Weg, auf welchem man die Natur in ihren Wirkungen selbst beobachten und ihre geheimen Gesetze erforschen muß. Ihre ganze Lehre von der Welt war nichts als eine Menge sonderbarer Ideen von ihrer Entstehung aus Atomen oder Elementen: aber was die Ursache anbetrifft, welche die himmlischen Körper in ihren Bahnen so regelmäßig herum schleudert und das ganze Weltgebäude in seiner Ordnung erhalt, davon beobachtet das Alterthum durchaus ein tiefes Stillschweigen. Es war ein großes Unternehmen und gab eine erha. bene Fähigkeit des menschlichen Geistes zu erkennen, daß man im vorigen Jahrhunderte die Gesetze der Bewegung, die man von den Körpern unserer Erde abstrahirt hatte, auf die himmlischen selbst anzuwenden suchte. Descarres dichtete zuerst gewisse Aetherwirbel, welche die Himmelskörper mit sich in ihren Kreisen herum führen und auch zugleich die Ursache der Schwere seyn sollten. Ob nun aber gleich diese Erklärung viel Widersprüchen unterworfen ist: so zeugt sie doch von einem großem Genie ihres Erfinders und gab vielleicht selbst dem großen U7ewcon die erste Gelegenheit den Grund- A 4 stein 8 Vorläufige Betrachtung. stein seiner Lehre von der Schwungkraft und Schwere der Körper zu legen. Dieß wäre also der Gegenstand und die Natur des Wachsthums der Sternkunde, welchen wir von Zeit zu Zeit nachzuspahen und zu entwickeln gesonnen sind: aber itzt muß ich nur noch den Nutzen dieser Wissenschaft mit wenig Worten berühren. Einige halten dafür, daß die Sternkunde bloß die Neugierde der Menschen befriedige, übrigens aber keinen wahren Einstuß auf die Glückseligkeit eines Staats habe: allein diese irren überaus sehr. Denn gesetztauch, daß diese Wissenschaft keinen einleuchtenden Vortheil in Rücksiclft ans die Zerstörung des Aberglaubens, auf eine schicklichere Behandlung des Ackersbaues, auf die genaue Bestimmung und Einkheilung der Zeit, und auf die Schiffart, leistete: so hatte sie doch unstreitig dieses mit andern Wissenschaften gemein, daß sie zur Aufklärung unserer Zeiten und zur großem Vollkommenheit des menschlichen Geistes sehr viel beyträgt: aber ich will ihren Nutzen in angeführten Fallen noch kürzlich ins besondere darthun. Von Natur' scheuet der Mensch alle die Gefahr, welche er weder gehörig kennt, noch sie abzuwenden, oder ihr zu entgehen weiß: überall, wo etwas von dem uns bekannten gewöhnlichen Lause der Natur abzuweichen und auf eine außerordentliche Art zu entstehen scheint, da vermuthen wir Gefahr; und wenn wir deren Natur nicht kennen: so lassen sich auch keine zuverläßigen Mittel wider dieselbe aussündig machen: daher entstehet die Furcht. Anfangs gewöhnen sich die Menschen an die täglichen Erscheinungen des Himmels und wissen nichts, als was ihnen die Sinne lehren: sobald sie nun eine Er- Erschei- Vorläufige Betrachtung. 9 Erscheinung bemerken, welche sich sehr selten zuträgt, dann halten sie dieselbe für übernatürlich. AufLsolche Art schien die erste totale Sonnensinstemiß den Untergang der ganzen Welt zu drohen; bey der ersten Mond- finsierniß glaubte man, daß ein Drache den Mond gefressen habe. Kometen, welche sehr groß und mit langen Schweifen oder Haaren erschienen, wurden für Vorboten des Untergangs einer Republik, oder Monarchie, einer landverderblichen Seuche und dergleichen mehr, angesehen : und heut zu Tage erkennet dergleichen Jrrthü- mer selbst das gemeine Volk. Aber noch im vorigen Jahrhunderte, als Newton schon die Komekenbahnen bestimmte und Halley die Rückkunft verschiedener Kometen vorher verkündigte, da lag noch das ganze übrige Europa in tiefer Unwissenheit über die Natur gedachter Sterne begraben. Bayle hat uns von den aber, glaubischen Märchen des i ckZosten Jahres in seinen verschiedenen Gedanken merkwürdige Beisspiele ausgezeichnet hinterlassen und sie mit viel dialektischer Gelehrsamkeit bestritten: allein die einzige Erfindung von der periodischen Erscheinung und bestimmten Laufe gedachter Sterne vermogte gegen das Vorurtheil mehr als das ganze gelehrte Welt des großen Bayle. Eben so glücklich hat sie die Thorheiten der Astrologie besiegt: doch diese herrschen noch bis ihr in einigen Gegenden, wo das Licht der nenern Sternkunde die dicke Finsterniß noch nichthat durchdringen können; auch hat man noch nicht vor gar langer Zeit erst Europa von dergleichen abgeschmackten Prophezeyhungen menschlicher Bestimmungen gereinigt. Vorher hatten oft Hanze Gemeinden ihre besondern Wahrsager und viele Fürsten ihre eigenen Astrologen. Latharine von Medi- cis ließ die Säule des Hotels zu Soissons aufführen, um daselbst die Gestirne wegen ihres künftigen Schick. A 5 saals io Vorläufige Betrachtung. saals um Rath zu fingen. Den Tod ^cmrichs des vierten konnte man aus andern Aspekten voraus sehen: ob man gleich nicht wußte, wenn und auf welche Art die Mordthat vollzogen werden würde. Und wird man nun wohl glauben, daß Johann Dominicuo * Las fini der Astronomie deswegen so große Dienste geleistet habe, weil er der Astrologie so sehr ergeben war? Er wurde selbst von dem Vorurthcil hintergangen und seine Arbeiten, welche sein Jahrhundert aufklaren sollten, erfüllten dasselbe mit Finsterniß. Der Einfluß. welchen die Weltkörper, vermöge ihrer Schwere und ihres Lichtes etwa auf unfern Erdball äußern, beziehet sich auf das ganze und ist entweder zu allen Zeiten gleich groß oder wechselt periodisch ab: und wie will die Schwere oder das Licht eine Veränderung der Sitten des Menschen bewirken ? Endlich wäre cS auch nicht gut, wenn die Menschen ihr künftig Unglück voraus sähen; vermeiden könnten sie es doch nicht: denn sonst träf die Pro- phezeyhung nicht ein. In Rücksicht auf den Ackerbau waren vor Alters, ehe man noch Kalender verfertigte, wenigstens die ersten Kenntnisse der Sternkunde einem jeden ganz unentbehrlich. Die Alten richteten sich, wie aus dem -He- siodus, Virgil und andern bekannt ist, in Ansehung der Bestellung des Feldes nach gewissen helleuchtenden Sternen, welche entweder kurz vor der Sonnen Aufgang oder bald nach deren Untergang am östlichen Hcri- zonte erschienen. So verkündigte zum Beyspiel bey den Aegyptiern der Hundsstern, wenn er kurz vor dem Ausgange der Sonne aufgieng, die bevorstehende Ueber- schwemmung des Nils. Und mit dergleichen Kalendern mußten sich oft mächtige und in Rücksicht auf die übrigen Wissenschaften sehr aufgeklärte Völker behelfen. Was * Nan sehe dessen Llo^e psr kel. äe komenelle 1712. II Vorläufige Betrachtung. Was die Bestimmung und Eintheilung der Zeit, worauf sich alle bürgerliche Handlungen und Bequemlichkeiten gründen, anbetriffr: so ist bekannt, daß sich einige Völker zwar nach dem taufe des Mondes, andere hingegen nach den scheinbaren Revolutionen der Sonne richten: allein in beyden Fallen wird eine genaue Kcnnkniß von der Bewegung dieser Himmelskörper und eine akkurate Bestimmung ihres periodischen Umlaufs erfordert, wenn man große Verwirrungen vermeiden will, welche anfangs ans geringen Fehlern entstehen. Daher kam es, daß der Kalender des Jukrris Casars zwar anfangs nicht merklich von der wahren Zeit abwich: denn der'erste In thum war geringe; aber dieser vermehrte sich von Jahr zu Jahr; und Pabst (bi ego- rino der dreizehnte ließ durch seinen Astronomen den Jrrthum aufsuchen und den Kalender auf eine neue Art einrichten. Hatte das Alterthum die Werkzuge gehabt, die wir besitzen; hatten sie den scheinbaren jährlichen Lauf der Sonne genau bestimmt und überhaupt die Sternkunde gehörig kultivier: so würde man ißt in der alten Geschichte, in Ansehung der Chronologie nicht so viel Schwierigkeiten finden. Wenn man bedenkt, wie unbestimmt die Alten von der Eintheilmig der Zeit reden und nicht melden, ob sie Monathe oder Jahre zahlen, oder ob sie eins andere bestimmte Anzahl von Tagen zur Einheit machen: so wird man von der damaligen Einrichtung eben das sagen müssen, was Vvid von dem Chaos meldet: ruäis iiiäi^crkrague moles. Der Herr von Fsntenelle * verglich die Geschichte der ältesten Zeiten mit den Trümmern eines zerstörten Raub, schlosses, die von dem Berge herab geworfen worden find und weitläuftig in den Thälern herum liegen. «Wenn man auch überzeugt wäre, daß man alle Be- geben- * HlvZs c!e klons. Liancbim. 12 Vorläufige Betrachtung. gebenheiten des Alterthums richtig ausgezeichnet und auf die Nachkommen gebracht habe: so würde doch eins unsägliche Arbeit, um dieß alles gehörig zusammen zu ordnen, erfodert; allein wenn einige von gedachten Trümmern verloren gegangen sind: so wird man die noch übrigen bald so und bald nach einem andern Riß oder Entwurf zusammensetzcn; aber dann wird das neue Gebäude dem alten doch niemals ähnlich werben. bleber- dieß findet man auch, dasi sich die Geschichtschreiber des Alterthumö sehr oft in Rücksicht auf die Bestimmung der Zeit sowohl, als in Ansehung der Begebenheiten widersprechen: daher muß man entweder tiefer nach- spahen und alles sorgfältig mit einander vergleichen; oder man muß, wenn dieses nichts fruchten will, seine Zuflucht zu Conjekturen nehmen: und diese lasten sich doch niemals von dem Verdachte der Ungewißheit be- freyen.« Nun begreift man aber leichte, daß wir vermittelst der heutigen Sternkunde in das Alterthum zurückkehren und die Zeiten, wo sich merkwürdige Begebenheiten ereigneten, bestimmen können: denn da sie vermöge ihrer abergläubischen Religinn die Sonnen- und Mondfinsternisse für Vorboten sonderbarer Vorfälle hielten: so vergaßen sie dergleichen merkwürdige Erscheinungen beym Aufzeichnen der Geschichte selbst selten oder niemals. Wenn wir nun ißt zurück rechnen und dann auf eine solche Sonnensinsterniß treffen, die ohngesehr um dieselbe Zeit fällt und in dem Lande, wo sich die Begebenheit ereignete, total oder wenigstens sehr groß gefunden wird: so hat man das Jahr und den Tag dieser Erscheinung, und man kann sich desselben als einen neuen Leitfaden in der Geschichte anderer Völker und anderer Zeiten bedienen: und auf solche Art haben sich zween gelehrte Benedictiner, Llemencet und Durand Vorläufige Betrachtung. i z rand um die Geschichte verdient gemacht. Auch beiden Chinesern, wo die Astrologie und der Aberglaube als ein wesentlicher Theil der Religion behandelt wird, richtet man sich in det alten Geschichte ihres Reichs nach den Finsternissen; daher haben sie auch noch ausgezeichnete süns tausend jährige Beobachtungen. Eben so hat auch die Erdbeschreibung durch die Ausnahme der Sternkunde überaus viel gewonnen. Würden sich wohl Europens Beherrscher die ganze neue Welt und die Küsten der übrigen Welttheile haben zinsbar machen können, wenn man nicht durch Hilfe der Sternkunde die Schiffart zum höchsten Gipfel ihr rer Vollkommenheit gebracht hatte? Die ersten Völker der Erde führten zwar auch Kriege: aber diese kann man wohl nur mit unfern heutigen Jagden vergleichen; sie jagten einander nur etwa aus einem Lande in das andere bis an die Ufer des Meeres, ohne eine geographische Kenntniß von der Gegend, in welcher der sogenannte Krieg geführet wurde, zu besißen; und auf solche Art gelang es auch den Cordez und Pisarren bis an die östlichen Ufer von Amerika vorzurücken und sich einen Theil desselben ohne alle geographische Kenntniß zu bemächtigen. Aber ißt, da man die Magnetnadel erfunden, die Sternkunde kultivirt und dadurch die Lage beynahe aller Inseln und Gegenden der Erde bestimmt hat: itzt sage ich, verbindet der Handel die entferntesten Völker der Erde; er befriedigt ihre Bedürfnisse und verschafft ihnen Bequemlichkeiten, die man zuvor nicht kannte; Europens Beherrscher schicken ihre Flotten in alle Theile der Welt; daselbst führen sie Krieg wie zu Hause; dadurch ziehen sie die Reichthümer anderer Welttheile nach Europa; sie befestigen ihre Hoheit und Macht, und machen sich der ganzen Welt furchtbar. Als i4 Vorläufige Betrachtung. Als man den Weg nach Ostindien, um das Borge- birge der guten Hoffnung, und die neue Welt entdeckt hatte: da erwachte bcy gewissen europäischen Völkern der Neid über das Wachsthum des Reichthums und der Macht jener Beherrscher, welche die ersten Eroberungen gemacht hakten: daher erwachte auch bei) andern Nationen die Begierde, groß zu werden; sie kultivirten die Sternkunde und Geographie, und schickten sodann ihre Schiffe auch nach dergleichen Eroberungen aus. Die Alten hingegen entfernten sich selten so weit von den Ufern des Meeres, daß sie die Gestade aus den Augen verloren; und wenn sie zuweilen durch einen Sturm verschlagen wurden: so kannten sie keinen andern Wegweiser, als den Polarstern oder den großen Bar. Gegenwärtig bemühet man sich, auch außerhalb Europa an den merkwürdigsten Orten Sternwarten an- zulegen; und wenn dieses in noch mehrern Gegenden geschehen wird: jo wird man vielleicht nach einigen Jahrhunderten aus der Vergleichung ihrer Beobachtungen der Finsternisse oder Bedeckungen verschiedener Sterne von dein Mond, die Lange und Breite aller merkwürdigen Gegenden des Erdballs bestimmen und daher eine vollkommen genaue Universallandcharte verfertigen können. Ein Steuermann muß mit astronomischen Berechnungen und besonders mit der Berechnung des Mondlaufs wohl umzugehen wissen: denn geseht ein Schiff sey durch einen Sturm von seinem geraden Wege weit weg getrieben worden: so darf der Steuermann nur den Mond beoabchten und sehen, bcy welchem Sterns er sich befindet: so wird er hieraus und nach einer akkuraten Uhr nicht nur den Abstand seines Schiffes von der Mittellinie, sondern auch von der ersten Mitkagslinie besiim- Vorläufige Betrachtung. 15 bestimmen können: das heißt, er wird den Ort der Erde, wo sich sein Schiff befindet, hinreichend genau angeben und den Sandbänken oder andern Gefahren sicher entgehen können. Aus diesem Grunde unkerstütz- te Ludwig der vierzehnte und Ludwig der fünfzehnte diese Wissenschaft auf eine so ausnehmende Art; die Holländer setzten einen Preiß von fünfzig tausend Gulden auf die genaue Bestimmung der Meereslänge; und die Engländer sowohl als andere Nationen unternahmen wichtige Reisen, die viel Aufwand erforderten, um den Durchgang der Venus durch die Sonne zu beobachte, und lim die neu erfundenen Seeuhren zu untersuchen oder zu berichtigen. Endlich führt uns die Aufnahme der Sternkunde auch auf die Betrachtung der Größe des Urhebers dieses prächtigen Weltgebäudes: und hierinne findet beson- derö der Philosoph seine Rechnung. Er untersucht die Natur des wahren Weltsystems und betrachtet die ewigen Gesetze, nach welchen dieß ganze All bewegt und erhalten wird. Sie zeigt ihm die Größe der Welt so unbegreiflich, daß sich sein Verstand in ihrer Unendlichkeit verlieret. Er wünscht sich mit Alexander» vou Sphäre zu Sphäre zu erheben; nicht um sie seiner Botmäßigkeit zu untcrwersen, sondern um zu sehen, wie der ganze Erdball in Rücksicht auf das Weltgebäude gleichsam in einen unmerklich kleinen Stern verschwindet, rind um die Unendlichkeit und Macht des Schöpfers zu bewundern und in erhabenen Spähren anzubeten. Anfangs glaubte man, die Erde stünde im Mittelpunkte des Weltgebäudes; die Sterne wären ani Himmel an- gehestece Helle Punkte, die uns nur des Nachts zu Wegweisern dieneren; die Sonne und den Mond hielte man beyde für wirkliche Flammen: aber man urtheilte nur mach dem Allgenscheine und glaubte diese Lichter wären 16 Vorläufige Betrachtung. nur etwa einige Meilen von dem Erdboden entfernt. Nun aber wissen wir, daß die Sonne über eine Million mal größer ist, als die Erde; daß sie von dieser wenigstens achtzehn Millionen Meilen abstehet; daß die Fixsterne alle eben solche Sonnen, wie die unsrige, sind, ob sie uns gleich nur wie Helle Punkte erscheinen; um diese schwingen sich vermuthlich ebenfalls dunkele Himmelskörper, wie die Erde und die übrigen Planeten um unsere Sonne. Wer sich den Zusammenhang, die Größe und Schönheit dieses prächtigen Gebäudes vollkommen vorstellen könnte: der würde mit Recht einen vollständigen Begriff von den Kräften der Natur und von der unumschränkten Macht der Gottheit zu besitzen glauben können.* * So hat Derham in seiner IdeoloZia alleonomicL, sehr ausführlich gezeigt, daß die in der Sternkunde gemachten neuen Entdeckung lauter Beweise für die Existenz Gottes find. Geschich- Geschichte der Sternkunde in den ältesten Zeiten. Erster Abschnitt. Von den Erfindern der Sternkunde und von dem Alterthume derselben. §. i. ^ie mannichfalti'gen Bedürfnisse waren zwar die Triebfedern/ durch welche die Menschen der Natur nachzufpahen und Künste oder Wissenschaften zu erfinden angefachk wurden: allein die Sternkunde scheint bloß aus einer edlen Wißbegierde vernünftiger Geschöpfe entstanden zu feyn. Abtheilungen der kande- reyen, welche vorzüglich in Aegypten nach einer jeden Ueberschwemmung des Nils vorgenommen werden mußte , machten die Feldmeßkunst nothwendig und verursachten die Wissenschaft der Geometrie; Handlung und die daraus entstandenen Reichthümer erfoderten die Rechenkunst; die Versendung der Kaufmannsgüter, die Baukunst und tausend andere Bequemlichkeiten konnten ohne die Wissenschaft der Mechanik nicht bewerkstelliget noch erhalten werden; eben dieß laßt sich auch von der Arz- neykunde, Zergliederungskunst, Krauterkenntniß und überhaupt von einer jeden andern Wissenschaft behaupten: nur allein die Betrachtung des Himmels oder des Welkge- baudes wurde nicht durch die Nothwcndigkcit, verschiedene Bedürfnisse des Körpers zu befriedigen , veranlasset ; vielmehr waren es bloß die Bedürfnisse des menschlichen Geistes, welcher an dergleichen erhabenen Betrachtungen eine angenehme und mit seinem Wesen übereinstimmende Nahrung fand. Bald prägte ihm die sanfte Stille, mit welcher sich die Himmelskörper unaufhör- B lich i8 Von der Erfindung der Sternkunde. lich bewegen, eine heilige Ehrerbietung gegen die Sonne, den Mond und die übrigen Sterne ein, indem man bemerkte, daß der dergleichen Bewegungen bey den Körpern der Erde stets mit einem gewissen Geräusche verknüpft waren; bald erregte die Bemerkung jener Einförmigkeit, mit welcher gedachte Himmelskörper, ohne an einander zu stoffen, in ihren Kreisen herumgeschleudert werden, die Idee eines, im höchsten Grade der Vollkommenheit , weisen lind mächtigen Wesens, welches man immer näher zu erforschen, zu bewundern und au- zubeten wagte. Ueberdieß hat die Stern,künde vor andern Wissenschaften auch noch dicß sonderbare, daß sie ihren Geburtsort im freyen Felde und in der Einsamkeit fand, indem jene mitten in den sogenannten Städren des Alterthums entstanden: denn diejenigen, deren Geister mit Leidenschaften bestrickt und mit andern Geschäften verwickelt waren, würden die Sternkunde doch auch, wie noch itzt von einigen zu geschehen pflegt, als eilte unbrauchbare Wissenschaft betrachtet haben. 2 » Wenn man demjenigen, der zuerst den großen Schauplatz des Welkgebäudes bewundert und den periodischen Lauf einiger merkwürdigen Gestirne beobachtet hat, den Namen eines Sternkundigen beylgen wollte: so würde man mit vielem Rechte behaupten können, daß die Astronomie mit dem ersten Menschen zugleich entstanden sey; allein wir wollen bloS jenen Menschen, der die ersten Wahrheiten in Rücksicht auf die Bewegung einiger Gestirne entdeckt, anderein gewisse Gegenden oder Bilder abgetheilet, und aus solche Art den Grund unserer itzigen astronomischen Kenntniß gelegt hat, den Urheber der Sternkunde nennen; und dann ist es schwer zu bestimmen, wer dieser Mann gewesen ist: denn jede Nation des Alterthums schreibt diese Erfindung einem ihrer Stammväter zu. Dis Atlantier gaben diese Ehre dem Von der Erfindung der Sternkunde. 19 dem Uranus und Atlas, dis Chinesen dem Fshi, die Aegyptier dem Merkurius, die Persier und Babylonier dem Zsroaster und Bolus; doch dieses mag für diejenigen genug seyn, welche sich bloß um die Namen dieser Leute bekümmern. So viel ist sehr wahrscheinlich, daß der Ursprung dieser Wissenschaft weder bey den Indianern, noch bey den Chinesen« oder Chaldäern, vielweniger bey den Aegyp- tiern zu suchen ist; ob sie gleich bey diesen Völkern in großem Ansehen stand: denn die Wissenschaften wander- ten überhaupt stets von einem Volke zu den: andern, so wie die Sonne dieses täglich zu thun scheint von Morgen gegen Abend, nur mit sehr langsamen Schritten fort. Vielleicht hakten die Wissenschaften überhaupt ihre Reise schon einmal um den ganzen Erdball zurück gelegt als sie wieder nach Ostindien zurück kehrten; und eö ist überaus schwer zu sagen, wo sie eigentlich geboren worden sind. Allein wir wollen unsere Zufluchtzur Wahrscheinlichkeit nehmen; wir wollen die Tratitionen der Alten untersuchen; sie mit den übrigen Geistesfähigkeiten dieser Völker, wie auch mit dem Gemüthscharakter derselben vergleichen und sehen, ob wir da nichts wahrscheinliches von dem Ursprünge dieser Wissenschaft bestimmen können. Die irrigen Meinungen, vermöge welcher sich fast alle Nationen des Alerthums die Erfindung der Sternkunde zueigneten, haben sich aus verschiedenen Ursachen bey ihnen eingeschlichen: bald war eö der Stolz, bald die Unwissenheit eines Volks, welches weder nach der Entstehung dieser Wissenschaft fragen, noch dieselbe durch eigenen Fleiß erweitern mogke. Auch die, welche grosse Geistesfahigkeit besaßen und, um ihre Kenntnisse zu erweitern, andere Lander besuchten, machten sich die Unwissenheit ihrer eigenen Nation zu Nutze, und ließen sich als Erfinder jener Künste und Wissenschaft verehren, B r die 20 Von der Erfindung der Sternkunde. die sie bey andern Völken gelernt hatten: so machten es selbst die griechischen Weltweisen; denn die ältesten derselben holten ihre Wissenschaft auch aus Aegypten und Indien. Unterdessen muß man doch bekennen, dasi wir die Sternkunde bey diesen letztem zuerst als eine Wissen- schaft behandelt finden, wenigstens mangeln uns bey den übrigen Völkern hinreichende Nachrichten. Aber deswegen läugnen wir nicht, daß man auch den Uranus, Atlas, Fohi, Merkurius, Foroaster und Bclus, als die wahren Erfinder der Sternkunde, in Rücksicht auf die Nachrichten, welche sich bis auf unsere Zeiten erhalten haben, ansehen kann. §- Z- , Von den wahren Verdiensten bereits gedachter Männer wissen wir überaus wenig; ihre Handlungen sind größtentheils von Dichtern beschrieben und durch die Fa- bel sehr zweifelhaft gemacht worden: daher Habel« gar einige neue Schriftforscher an der ehemaligen Existenz derselben gezweifelt; sie glaubten, die Vorstellungen gedachter Personen waren, wie überhaupt alle andere, die wir aus der Mythologie kennen, nichts weiter als Sinnbilder. Es ist zwar nicht zu laugnen, daß man die Geschichte merkwürdiger Vorfälle und berühmter Männer sehr spät in Prosa zu beschreiben anfieng: aber folgt wohl hieraus, daß die ältesten Poeten gar keine wahren Begebenheiten zum Grunde ihrer Gedichte gelegt haben? Ist es wohl wahrscheinlich, daß man in den damaligen dunkeln Zeiten, wo sich die menschlichen Kenntnisse fast durchgängig bloß auf das sinnliche erstreckte, so vortref- lich zu abstrahiren gewußt, und nichts als eingebildete Begebenheiten, so natürlich, so wahr vorgestellt habe? Die Iliade des Homers, ist ja mit lauter Wahrheiten, die den trojanischen Krieg betreffen, angefüllt: nur mit dem Unterschiede, daß sie mit dichterischem Schmucke prangt. Von der Erfindung der Sternkunde. 21 prangt, plüche, warburton und einige andere neuere Geschichtschreiber, deren Werke übrigens mit vieler Einsicht geschrieben sind, bemüheten sich zwar, alle Wahrscheinlichkeit der ehemaligen Existenz der Stadt Troja und überhaupt alle Gewißheit der alten Geschichte über den Haufen zu werfen: allein wir sind viel zu weit von jenen Geschichtschreibern, die vor vier tausend Jahren lebten und die Begebenheiten zum Theil selbst ger sehen harren, entfernt, als daß wir ihnen so gerade zu widersprechen können. Man erstaunt, wenn man liest, wie un- unbedachtsam und frey plüche über die Trümmer der ägyptischen Alterthümern hinweg hüpft: er spricht so entscheidend und giebt seine Konjecturen für so zuverlaßige Wahrheiten aus, daß sich selbst einer von den alten Priestern aus Heliopolis, wenn er auf die Erde zurückkommen sollte, uns nicht so zuversichtlich durch dieses Labyrinth hindurch zu führen getrauen würde. Eine Hauptguelle der Zweydeutigkeit und des Zweifels ist die Bedeutung jener Namen, welchen man zu allen Zeiten den Ländern und Personen gab: denn diese sind jederzeit aus solchen Worten zusammengesetzt, welche entweder besondere GcisteSfähigkeiten oder Starke des Körpers oder andere Eigenschaften lebloser Geschöpfe an- zeigen: kann man nun aber deswegen behaupten, daß auch die Personen und andere Dinge, welche man mit dergleichen Namen belegt hat, erdichtet seyen? Eben so sind die Begebenheiten durch die Tradition zwar sehr verstellt worden: aber deswegen darf man noch nicht sagen, daß gar nichts von solchen Erzählungen wahr sey; die Kritik muß das wahre und wesentliche daraus aufsuchen: und dieses nennen wir historische Wahrheit. §. 4 - Wir müssen also zugeben, daß Uranus, Atlas, Saturn und dessen Söhne in der That existirt haben: denn die Wahrscheinlichkeit dieser Vermuthung erhält da- B z durch 22 Von der Erfindung der Sternkunde. durch einen sehr hohen Grad, weil sie von den meisten Ge» schichtschreibern und Dichtern des Alterthums als eins unbezweifelte Wahrheit vorgetragen wird. Wollte man nun Hen Nachrichten desGuidas Glauben beymessen: so würde man sagen können, Atlas habe ohngesehr um das Jahr 2620 vor Christi Geburt gelebt; allein man weiß, daß Gttidas hierinne geirrt hat. Und die Zeitrechnung nach ägyptischen Königen, welche sich bis dahin erstreckt, wie auch die nicht geringen astronomischen Kenntnisse, die man schon um selbige Zeit besaß, geben deutlich zu erkennen, daß man gedachten Atlas und Uranus, als die Urheber der Sternkunde in weit altern Zeiten ans zu suchen hat. Die Mauritanier oder Atkantier sind ohnfehkbar ein älteres Volk als die Akzeptier: denn die Götter der erstem, welche der sicilianische Diodorus beschrieben hat, waren eben dieselben, welche Aegypten, Phönicicn, und Griechenland anbeteten; und es ist sehr zu vermuthen, daß diese verschiedenen Nationen alle von einem gemeinschaftlichem Stammvater entstanden sind. Auch ist zu vermuthen, daß der atlantische Götterdienst mit jenem Einbrüche der Völker, von dem Plato in seinem Tiruäo redet, nach Aegypten, Äthiopien, und Phönicien gebracht worden seyn mag. Von diesem unzählbaren Volke, welches aus der Insel des Arlanrs fortwand erte, begab sich ein großer Theil nach den südlichen bändern von Europa, wie auch nach Asia und Afrika, indem es, nach dem Ausdruck des bereits gedachten siciliani- schen Diodoro " den ganzen Erdkreis seiner Botmäßigkeit unterwarf: daher kam es auch, daß man alle Heerführer der damaligen Zeit für Abkömmlinge des Arlanrs hielte, und daß selbst die meisten Griechen ihre alten Helden zu dessen Geschlechts rechneten. §. 5. Es * liiü. univerk. 1. I. Ickb. III. Von der Erstndnng der Sternkunde. 2Z §. 5- Es ist Zwar einem jeden bekannt, daß dis Griechen ibre Künste, ihre Wissenschaften und ihre Götter von den Aegyptier» nnd Phöniciern erhalten haben: allein wenn man theils ans ans die große Völkerwanderung deren, wie bereits gesagt worden ist, Plato gedenkt, Rücksicht nimmt; wen» man überlegt, daß dis alten Griechen ihre Helden für Nachkommen des Atlamo hielten und ihnen deswegen einen göttlichen Ursprung zueignetcn; wenn man überdies; bedenkt, daß die Namen der atlantischen sowohl', als ägyptischen Götter und Helden übereinstimmcn, wie auch, daß man in der ägyptischen Geschichte keinen Aclas oder Uranus unter den Königen findet: so wird man weiter gar nicht im geringsten zweifeln, daß die Alantier allerdings alter als die Aegyptier seyn müssen; und hieraus erhellet zugleich, daß wir den Aclas oder den Erfinderder Sternkunde vor den ägyptischen Königen in jenen dunkeln Zeiten, wo die Götter oder vielmehr die Atlantier den Erdkreis beherrsch, ten, finden werden. Nun konnte inan sich freylich lange Zeit gar nicht in die Chronologie der alten Aegyptier finden, noch die Zeit bestimmen, in welcher Uranus oder Atlas gelebt hat: denn die alten Geschichtschreiber scheinen einander hierin- ne zu widersprechen. So redet, zum Bcyspiele, Ma- nerhon von I l z Beherrschern, welche seit der Regierung des ersten menschlichen Königs bis auf das fünfzehnte Jahr vor Alexander« in Aegypten gewesen seyn sollen: und dieser Zeitraum soll Jahre betragen: folglich würde der erste menschliche König in Aegypten im Jahre zpoi vor Christi Geburt zur Regierung gelangt seyn. Dicäarc!) rechnete für den Zeitraum, welcher zwischen die Regierung des Gesonchosis, derbem rus wenigstens z8oo Jahr vor Christi Geburt ge. lebt habe. Allein nun findet man bey andern Schriftstellern, welche sich gedachten Zeitraum ebenfalls zu bestimmen angelegen seyn lassen, daß sie ihn nicht nur weit größer, sondern auch noch überdies; sehr verschieden angeben. Einige sehen ihn auf 4886z, andere auf r;6oo und noch andere auf mehrere oder weniger Jahre; und man kann sich bey dem Diogenes Laercius, Herodoms, Diodorus Siculuo, Ponrponius Mela, wegen dieser ägyptischen Zeitrechnung mit mehrerem Raths erholen. Man begreift aber leichte, daß wir uns aus diesem Labyrinthe nicht so leichte heraus finden würden, wenn uns nicht die Sternkunde selbst einen sichern Leitfaden darböte: und dieser wird durch die zuverlässigen Nachrichten des Alterthums selbst so schicklich entwickelt, daß er sich ohne alle Verwirrung ganz einfach unfern Untersuchungen darbietet. Nämlich: es ist eine ausgemachte Wahrheit, daß oft eine und ebendieselbe Nation zu verschiedenen Zeiten die Revolutionen verschiedener Gestirne zu Einheiten, durch welche sie dieZahl ihrer Jahre oder überhaupt ihre Zeit ausdrückten, angenommen haben. Bald machten sie den scheinbar täglichen Umlauf der Sonne zum Maaßstabe ihrer Zeit; bald war es die Zeit, welche von einem Neumonde bis zum andern vorbeystrich; bald zählte man bloS die verschiedenen Abwechselungen der Jahreszeiten: und man flehet hieraus zugleich, woher das lateinische Wort Annus entstanden ist. Von der Erfindung der Sternkunde. 2 z ist. Denn dieses heißt seiner ursprünglichen Bedeutung nach weiter nichts als ein Zirkel, Kreislauf, Revolution, und AnnuluS im Kleinen: AnnuluS und Annuö haben eben die Beziehung auf einander wie Circulus und Circus. Nun waren die alten Geschichtschreiber hierinne entweder zu nachläßig, oder sie bedachten nicht, daß man in Zukunft die Zeit nach einem andern Maßstabe als nach dem, welchen sie einem jeden bekannt zu seyn glaubten, ausmessen würde: daher hielten sie es, ihr sogenanntes Jahr oder die Dauer einer solchen Revolution zu bestimmen, für überstüßig; und dieß war die Ursache, warum einige neuere Kritiker bey angeführten Geschichtschreibern so viel Widersprüche zu finden glaubten, daß sie überhaupt an aller Gewißheit jener ausgezeichneten Begebenheiten zweifelten. Allein, wenn man die bereits gedachten sehr verschiedenen Zeitrechnungen, nach oben gemeldeten Regeln beurtheilt: so findet sichö, daß sie allein einem Zeiträume von ^890 Jahren, um nicht mehr als um gr und ein halb Jahr auf oder nieder von einander abweichen: daher laßt sich die mitle- re arithmetische Proportionalzahl zst9<2 vor Christi Geburt, als das wahre Jahr, in welchem Uranus zur Regierung gelangte, ohne einen beträchtlichen Fehler zu begehen, annehmen.* §- 6 . Nachdem wir uns, den Knoten dieser verwickelten Zeitbestimmung aufzulösen, und den Anfang unsers Leitfadens zu finden bemühet haben: so wird es uns nun auch einige sonderbare Bemerkungen, in Rücksicht auf die Einförmigkeit anderer Zeitrechnungen anzuführen, erlaubt seyn. Man findet nämlich bey allen Nationen des Alterthums, welche die merkwürdigen Begebenheiten gleich- B 5 sam * Man sehe im ersten Buche des zweyten Bandes die- ser Gesch. §. iz. 19. 26 Von der Erfindung der Sternkunde. sam als Religionswahrheiten ihren Nachkommen mündlich einzuprägen pflegten, die Zeitrechnung vom Anfänge der Welt bis auf eine allgemeine oder fehr große Überschwemmung sehr übereinstimmend: und eben dieß bemerkt man auch, wenn man die Berechnung verschiedener Völker von dem Jahre der Sündfluth bis aufspatere Zeiten mit einander vergleicht. Um dieses mit meh- rerm zu erläutern habe ich im ersten Buche des zweeten Bandes dieser Geschichte, eine Tafel solcher verschiedenen Rechnungen beygefügt: aber itzt wollen wir nur etwas weniges davon gedenken. Nach der hebräischen Urkunde des ersten Buchs Mssis betragt die Dauer jener finstern und fabelhaften Zeit von dein ersten Menschen bis aus die Sündfluth 1656 Sonneniahre: nach der Septuaginte hingegen verwandelt sich diese Zahl in 2242 oder 2256. Letztere Berechnung ist durch sehr einfache aber wichtige Gründe bestätigt worden: denn vors erste stimmt die Berechnung der Babylonier damit überein, indem sie für die Länge des gedachten Zeitraums, 22 Z2 Mondenjahre, jedes zu ;;g. Tage gerechnet, herausbringen; zweykenS beweist dieses auch der Zeitraum, in welchem die Sonne vor der gedachten großen Fluch über Aegypten herrschte; denn dieser soll zoc>oo Jahre, welches ohne Zweifel Mondsrevolutionen, das Heist Mondenmonathe sind, betragen; reducirt man diese gehörig: so kommen 2245 Sonnenjahre heraus: drittens erhellet die Zuverläßig- keit unserS Satzes endlich auch aus den vier Zeitaltern der chinesischen Geschichte: denn das erH derselben laßt slch ohngesehrauf2za6 oder 2)65 Sonnenjahre schaßen." Gehet man nun mit dergleichen Bestimmungen weiter nach unserm Zeitalter zu: so findet man beynahe die nämliche Gleichförmigkeit. Nach der alten ägyptischen Chro. * Zwecken Bandes erstes Buch. §. ir. 12. iz. Von der Erfindung der Sternkunde. 27 Chronologie ergiebt sich das Alter der Welt gleich 6ir8; nach dem Diogenes Laertius, gleich 6i;8; nach dem Diodorus Siculus gleich 6281; »ach den Zeitrechnungen der Babylonier, gleich 6« 58; nach Maaßgabe der Indianer,gleich 6204 Jahre: diese letz, tere Zahl ist nach jenen von Herrn le Gencil bestimm, ten Jahren der Indianer, berechnet worden; nach ara. bischen Urknnden hingegen erhält man an deren Statt 6174 Jahre: die chinesischen Traditionen geben ebenfalls 6 lso oder 61; 7 Sonnenjahre für das bekannte Alter der Welt. * Diese Uebereinstimmung ist allerdings sonderbar und wichtig. Denn man sichet hieraus, daß nicht nur alle Völker gedachte zwo Hauptspochen, die Schöpfung und die große Fluth, zum Grunde ihrer Zeitrechnung gesetzt, sondern auch die Zeit solcher Begebenheiten durch die bloße Tratition hinreichend genau und übereinstimmend auf die Nachkommen gebracht halben. In der Folge wurden die Tratitionen allezeit zum Grunde der Geschichte eines Volks gelegt. Und ob man gleich deswegen von dem wahren Alter der Welt noch nicht urkheilen kann: so laßt sich doch der bereits bestimmte Zeitpunkt als ein allgemeiner Anfang der Geschichte annchmen. §. 7. Aus bereits angeführten Gründen könnte man also die Erfindung jener Himmelskugel des Atlas oder überhaupt das Alter der Sternkunde auf z88o Jahre bestimmen : allein wir wollen uns lieber an die ersten wirk- lich ausgezeichneten Beobachtungen halten, und daraus das wahre Alker gedachter Wissenschaft herleiten. Nämlich: man weiß zwar, daß die mchrrsten Beobachtungen der Aegypticr verloren gegangen sind: aber man sin. det doch noch eine einzige derselben in den Tagebüchern des 5 Band. 2. Buch i. §. 14. 16. 17. 28 Von der Erfindung der Sternkunde. des ptolomäns*; und diese ist die Beobachtung gewisser Tage, in welchen man den Sirius des Morgens aus den Sonnenstralen hervortreten sah, und diese sind: der 4te, 6te, 22te, r;te, 27W, z i te und zrte Tag nach der Sommersonnenwende. Man siehet leicht, daß sich diese verschiedenen Beobachtungen auf verschiedene Jahrhunderte beziehen. Berechnet man, nun das Jahr, in welchem Sirius am g,ten Tage nach der Sonnenwende kurz vor dem Aufgange der Sonne gese- hen wurde: so findet man 2550 Jahr vor Christi Geburt. Manethon * * stimmt fast damit überein: denn bcy diesen findet man passende Gründe, daß der Anfang seines großen Jahres, welches aus 1460 gemeine Iah. ren bestehet, bis auf das Jahr 2782 vor Christi Geburt hinaus fallt; aber hiervon werden wir weiter unten zu reden Gelegenheit finden. Jhtist es hinreichend, wenn wir aus dieser Bestimmung abnehmen können, daß sie eine Kenntniß von dem gemeinen Sonnenjahre, welches aus z6z und einem Viertels Tage bestehet, voraus seht: also hat man in der That schon vor 5800 Jahren in Aegypten, die Größe des wahren Sonnenjahres zu bestimmen angefangen. §. 8 « Die Beobachtungen der Chaldäer, die uns ptolo- mäus in seinem Almagest"* hinterlassen hat, gehen nicht weiter als bis auf das 72iste Jahr vor Christi Geburt zurück. Callisthenes hingegen überschickte dem Aristoteles ausgezeichnete Himmelsbegebenheiten, die man zu Babylon vor der Ankunft des Alexanders wahrend einer Zeit von 190z Jahren beobachtet hatte: folglich fallt der Anfang astronomischer Arbeiten nach dieser Nachricht * pctau. Uranologion. S. y8- / * * 2. Band. 5. Absch. tz. io. Von der Erfindung der Sternkunde. 29 Nachricht auf das Jahr rrzq. vor Christi Geburt. Nun wird zwar die Zuverläßigkeit gedachter langen Reihe jener babylonischen Beobachtungen von keinem glaub, würdigen Zeugen als bloß von dem einzigen Porphy- rirrs, welchen Simplicius anführt, bestätigt; und man könnte sie dem ersten Anscheine nach mit einigen neuern Gelehrten für untergeschoben halten: allein wir werden im zweeten Bande dieser Geschichte, welcher alle im ersten Bande vorgetragene Sachen gehörig erläutern soll, gedachte Zweifel mit den glücklichsten Erfolge bestreiten, und die Gewißheit der Nachrichten des Siitt- plicius hinlänglich ^-leuchten können. Man schließt ferner aus den noch übrigen Bemerkungen des berühmten Astronomen, Verostis, daß die Chaldäer um das Jahr 247 z vor Christi Geburt nach Sonnenjahren zu zählen angefangen haben.Wir wißen wohl, daß einige Gelehrte dieses Volk eines sonderbaren Stolzes, wegen ihrer übermäßig großen Jahrzahl, die sich auf47)000 beläuft, beschuldigen: ctllein man bedenkt hierbei- nicht, daß diese Jahre viel kleinere Zeiträume als die gemeinen Sonnenjahre waren; cs waren Mondenrevolutionen, welche, wenn man sie gehörig redurirt, jene angeführte Zahl ^ Z47g geben. Hieraus erhellet nun zwar, daß die Chaldäer den Himmel später als die Aegyptier zu beobachten angefangen haben. Allein da jene demohngeachtet schon 247z Jahr vor Christi Geburt die Größe des Sonnenjahres ziemlich genau kannten: so folgt zugleich, daß die Genauigkeit im Beobachten bey den Chaldäern früher als bey den Aegyptiern gehan'ühabt worden sey. Daher schließt man billig, daß auch bey jenen die ersten rohen Begriffe der Sternkunde und die seichten Beobachtungen früher als bey diesen statt finden müssen; ob es uns hierinne gleich ater Band, Absch. 6. Z. 5. ZV Von der Erfindung der Sternkunde. gleich an gehörigen Nachrichten mangelt. Ja man findet sogar bey ihren Nachbarn, den Phrygiern einen dem -Herkules gewidmeten Tempel, von welchem man vermachet, daß er um das Jahr 2702vor Christi Geburt gebanet worden sei). * Nun hieß Herkules in damaligen Zeiten auch so .viel als die Sonne: denn man verband in den fabelhaften Erzählungen von dem Leben dieses Helden eine allegorische Beziehung auf den scheinbaren Lauf und auf die sonderbare Wirkung dieses grossen Sterns. Also kann man den Ursprung der Sternkunde in dieser Gegend von Asien füglich auf zooo Jahr vor Christi Geburt hinaus sehen« §- 9 - Wir kommen nun auf die Persier, von welchen, wie aus bereits oben angeführten Gründen erhellet, die Chaldäer abstammeten. Diese harten eine besondere Art, gewisse aus ihrer Zeitrechnung zurückgebliebene Theile derselben einzuschalten: diese Verführungsart bezog sich auf einen Zeitraum von 144O Iahten; und wir werden unten darkhun,** daß der Anfang des ersten dieser Zeiträume auf das Jahr g2c>9 vor Christi Geburt fallen muß. Man findet ferner in ihren noch übrigen Schriften vier merkwürdige Sterne, welche die vier Hauptgc- gcnden des Himmels anzeigten: diese waren das Auge des Stiers, das Herz des Skorpions, das Löwenherz und der südliche Fisch. Rechnet nian nun nach: so findet sichs, daß die ersten beyde um das Jahr gooo vor Christi Geburt gerade an den einander entgegen gesetzten Punkten des Himmels, wo der Aeguator die Ekliptik schneidet, zu finden waren: das heißt, sie bestimmten die Punkte beyder Nachtgleichen; das Lcwenherz hingegen und der Helle Stern im südlichen Fische waren gerade * tterrxlvms. I..II. und 2 ten D> Absch. I. §. IZ. * * Lten B- 4. Absch. tz. 3, Von der Erfindung der Sternkunde, z i rade die Punkte beyder Sonnenwenden. Hätte man nun dergleichen Bemerkungen erdichtet: dann könnten sie unmöglich mit den heutigen astronomischen Berechnungen so genau zusammen treffen.* Folglich können wir aus bereits angeführte». Gründen von den Schaltjahren der Persier füglich annehmen, daß die Sternkunde bey dieser Nation schon UIN das Jahr Z209 vor Christi Geburt in großen Ansehen stand. Eben das laßt sich auch von den Indianern behaupten. Diese theilen die Geschichte der Welt in vier Zeitalter ein: das erste enthielt nach ihrer Rechnung 1728000; das zweyke 1290000: das dritte864200; und das vierte, welches sich mit dem Ursprünge ihrer Sternkunde anfangt, betrug im Jahrs 1762 nach Christi Geburt, 486z Jahre. Nun erhellet aus dem ausserordentlich großen Unterschiede zwiscben diesem letztem und einem jeden der vorhergehenden Zeiträume hinlänglich , daß die erstem entweder ganz erdichtet oder wenigstens durch ungemein kleine Revolutionen ausgedruckt sind: aber von dem letztem Zeiträume weiß man, daß er in der That eben solche Sonnenjahre, wie wir zählen, enthält. Und wenn »vir 1762 davon abziehcn: so fallt der sichere Anfang astronomischer Kenntnisse bey den Indianern um das Jahr ; 101 vor Christi Geburt. Ucbrigens findet inan auch bey dem sNolotiiäus eine Beobachtung der Plejaden: und diese scheint ebenfalls von den Indianern her zu kommen. Denn man »veiß aus Hiobs Geschichte, daß dieses Gestirn bey Asiens allerältesten Völkern bekannt war,** und daß einige derselben das Hervorrücken dieses Gestirns aus des. Sonnenstralcn Mn Kennzeichen des Anfangs eines neuen Zeitraums machten.*** Nun merkt Ptolo- mäus * 2tn» B. 9. Absch. §. 10. * * 2ten BhtH-Iibscd. §. 7. 8> *** tla äle nsrsl. c. 21. Z2 Von der Erfindung der Sternkunde. maus an*, daß die Plejaden damals allezeit beym Untergänge der Sonne gerade am Morgen Horizonte erschienen, wenn die Herbstnachtgleiche noch sieben Tage enrftrnt war: also mußte dieses Gestirn damals von dem Durchschnittöpunkte des AequtorS, welcher dis Frühlingsnachtgleiche bestimmt, vhngefehr um zehen Grad westlich abstehen. Rechnet man nun: so findet man für die Zeit, in welcher dieses geschehen mußte, Z200 Jahr vor Christi Geburt. §. io. Was die Chineser anbekrifft: so haben sie uns die Beobachtung einer großen Sonnenfinsternis, welche linker der Regierung ihres Tchoug- Bang entstand, auf- behalken: und diese fallt, nach der Berechnung des chi. nefischen Apostels, Pater Gaubil, auf die Herbst- nachkgleiche des Jahres 2155 vor Christi Geburt."* Man findet überdieß auch in ihren Jahrbüchern die seltene Begebenheit ausgezeichnet, daß sich um das Jahr 2soo vor Christi Geburt, fünf Planeten an einem Orte des Himmels versammlet haben; und daß dieses an dem Tage eines Neumonds geschehen sey. Man zweifelte anfangs an der Zuverlässigkeit dieser Nachricht: denn sie schien den Berechnungen des Dominicus Cassini zu widersprechen.*'"* Allein Birch, dieser große berlinische Astronome hat gedachte Nachricht außer allen Zweifel gesehk, und das 2449^ Jahr vor Christi Geburt für diese große Planetenzusammenkunft gefunden. Man weiß ferner, daß Al > Chi, welcher am Hofe des -Aoang-Ci, das Heist, um das Jahr 2697 vor Christi Geburt lebte, den Polarstern beobachtet und eine bcson. * VrsnnIoA. p. 99- * * Hott«». Reeueil ü' oblervationZ lsires aux Inäes er ä Is Oblne. I'. II. p. 140. Iclemoüei cle I'^csäem. äes 8cienne8. 1'. VIII. Von der Erfindung der Sternkunde, zz besondere Maschine Ln Gestalt der Himmelssphare der- fertigt hak.* Auch findet man, daß Fohl, welches der erste jener iknumerbrochenen Reihe aller bekannten chinesischen Beherrscher war, die Sternkunde selbst über alles hochschatzte: denn aus den Nachrichten von ihm erhellet, daß er nicht nur die wahre Gestalt der Himmelskörper und deren Bewegung verstand, sondern auch selbst astronomische Tafeln berechnete;** und dieser Fohr lebte, nach angeführter Nachricht um das Jahr 2952 vor Christi Geburt. Man darf an der Zuverläßigkeit dieser Geschichre keinesweges zweifeln: denn die Chineser hielten ihre Jahrbücher zu allen Zeiten sehr heilig. Die ganze Zeit ihrer Geschichte ist in lauter sechzigjahrigePerioden abgetheilet, von welchen die erste von dem -Ho- ang-Ti, und daher beynahe von dem Fohr anfangt. Auch hat man die Gewißheit gedachter Zeitrechnung vermittelst vieler von den alten Chinesern ausgezeichneter astronomischen Begebenheiten, die man sehr genau berechnet hat, hinreichend bestätigt. Nun wollen wir zwar zugeben, daß die astronomischen Tafeln des Uu-Chi sowohl als dessen Himmelssphäre sehr unvollkommen und plump gewesen sind: allein deswegen muß man doch zugeben, daß man die Sternkunde in China schon zooo Jahr vor Christi Geburt kultivirt hat. Endlich wird auch das Alterthum des Fohi durch die Zeitrechnung der Tartaren bestätigt. Diese rechnen nach Perioden von 60, von 1 8o und von rovoo Jahren; und wenn man gedachte Perioden zusammen zählt: so erhält man eine überaus große Zahl, welche aber, nach unserer gewöhnlichen Verfahrungsart reducirt, nicht mehr * I-Iili, äs l» Lblns. 1°. !. x. Z8- *' Ebendaselbst, x. 18 - C Z4 Von der Erfindung der Sternkunde, mehr als 2924 Jahre vor Christi Geburt giebt:* also weicht diese Zeit bloß um r8 Jahr von dem oben be. stimmten Alterthum des Fohr ab. Man begreift übrigens zwar leichte, daß die Tarta- ren als Nachbarn der Chineser mit diesen nach einerlei) Zeittheilen gerechnet haben werden: aber sie würden doch ohne Zweifel nicht nach sechzigjährigen Perioden gezahlt haben, wann sie gar keine astronomischen Kenntnisse besessen hätten. §. n. Wenn wir nun diese Zeitrechnungen bereits angeführter Völker init einander vergleichen: so laßt sich das Alter der Sternkunde füglich auf zcc>o vor Christi Geburt hinaus sehen. Aber es ist wohl zu merken, daß man diesen Zeitpunkt keineswegeö dem wahren Ursprünge der Sternkunde, sondern bloß ihrer Wiederherstellung, zueignen muß. Denn da Fohl best den Chinesen, schon um diese Zeit die Gestalt und die Bewegung der himmlischen Körper kannte; da der noch altere Uranus Key den Atlantiern eine schickliche Zeitrechnung nach Jahren und Monathen einführte; und da Atlas um selbige Zeit schon eine Himmelssphare verfertigen konnte: so waren diese Männer keineSweges die Erfinder gedachter Wissenschaft; denn solche Arbeiten konnten nicht eher als nach einer langen Reihe von Bemerkungen, zu welchen eines Menschen Alter bei) weitem nicht hinreichend ist, unternommen, und mit so gutem Erfolge ausgcführt werden. Anfangs mußten die Menschen eine lange Aufmerksamkeit auf den kauf des Monds richten, ehe sie schließen konnten, daß die Zeit von einem Vollmonde bis zum andern allezeit gleich groß, oder wenigstens nicht merklich verschieden sey: daher zählten sie ohnfehlbar lange Zeit bloß Tage; und dann endlich erst Mondenmo- nathe * 2. D. Z- Absch. tz. 24. Von der Erfindung der Sternkunde. 35 nathe. Was die Sonne anbckrifft: so war es noch schwerer und es erforderte eine noch weit längere Zeit als bso dem Mond, wenn man von der festgesetzten Zeit ihres scheinbaren Laufs, von Abend gegen Morgen, gehörig urtheilen und sie als ein bestimmtes Zeitmaaß ein. führen wollte. Ja, wenn man endlich bedenkt, wie viel das größte Genie selbst, um sich eine Himmelskngel vor- zustelien und sie zu verfertigen, vorausgesetzte Beobachtungen und ansgebreitete Kenntnisse crfodert: so wird man leichte zugeben, daß die ersten Gründe der Sternkunde lange vor der Zeit des Aclao gelegt, und vielleicht durch die große Fluth oder durch andere Zufalle mehr als einmal wieder weggeschwemmt worden sind. §- l2- Wenn man den Zustand der Sternkunde bey den Chaldäern, Indianern und Chinesern aufmerksam untersucht: so findet man anstatt einiger Anfangsgründe vielmehr lauter herumlicgende Trümmer dieser Wissenschaft. Diese sind erstlich die genauen Verfahrungöar- ten, nach welchen sie, ohne irgend einen Grund anzugeben, die Finsternisse berechneten; zweytenS: einige überaus wichtige und akkurate Bestimmungen verschiedener astronomischer Grundsätze, da man doch von anderen eben so nöthigen Kenntnissen entweder gar nichts oder wenigstens sehr rohe und plumpe Ideen findet; drittens: eine Menge übrig gebliebener Beobachtungen, welche ebenfalls theils sehr akkurat und theilü ohne alle Gedanken ausgezeichnet zu seyn scheinen. Hieraus erhellet meines Erachtens hinreichend, daß diese Völker selbst entweder wenig oder nichts zum Behuf der Sternkunde erfunden haben: denn bey ihnen wurden dergleichen Gei- siesfahigkeitcn schon durch andere bürgerliche Geschäfte und selbst durch den Aberglauben, welcher sich mit der altern Sternkunde unter dem Namen der Astrologie in ihr ReligionSsystem eingeschlichen hatte, unterdrückt. Da- C r her z6 Von der Erfindung der Sternkunde. Daher benutzten sie bloß die Erfindungen ihrer Vorfahren; sie führten die chronologischen Berechnungen nach den Vorschriften derselben ohne den Grund davon einzufehen; sie beobachteten mechanisch ohne zu fragen: wozu? und man begreift leichte, warum sie selbst nicht nur nichts neues erfanden, sondern auch die schon erfun. denen Wahrheiten bald ordentlich bald ohne allen Zu- sammenhang oderBeurtheilungskrafc aufzeichneten. §. iz. Diese Vermuthung von dem weit hohem Alter des wahren Ursprungs der Sternkunde laßt sich zu einem nicht geringen Grade der Gewißheit erheben, wenn man in bewahrten Nachrichten unbezweifelte Spuhren wichtiger astronomischer Kenntnisse, die ohnfehlbar über die Zeiten der Sündfluth hinaufallen, findet. So ist, zum Beyspiel, der chaldaische Sara eine Zeit von rrz Mon- denmonathen: und dieß ist gerade die periodische Zeit, in welcher der Neumond allemal entweder in dem Punkte, wo seine Bahn die Ekliptik schneidet, oder in seiner weitesten Entfernung von der Erde, fallt. Man findet ferner bey ihnen einen Zeitraum von 600 Jahren: und dieser ist nach der Berechnung des Doirrinicus Cassini , gerade derjenige, nach welchem die Sonne und der Mond, wenn sie einmal miteinander zugleich von einem Orte des Himmels ausgelaufen sind, beyde an eben demselben Orte wieder zusammen treffen, ssosephlls schreibt die Erfindung dieser merkwürdigen Periode seinen Erz. Vätern zu. Hieher rechne man noch die Eintheilung des Thierkreises in die zwölf bekannten Sternbilder: denn diese ist ohne allen Zweifel noch vor der Sündfluth gemacht worden. Fragt man, auf welche Art die Kenntnisse der Menschen vor der Sündfluth auf die Nachkommen gebracht wurden: so antworten wir: durch die aufgerichteten Säulen und die darein gegrabenen Hieroglyphen : denn diese konnten nicht so leichte zerstöret werden. Von der Erfindung der Sternkunde, zy Auch ist zu vermuthen, daß man vor der großen Fluth dergleichen Säulen in Asien nicht nur sehr groß, sondern auch in großer Anzahl aufgeführet hat: daher konnte das Wasser immer einige umwerfen und mit Schlamm bedecken, wenn dieses nur nicht allen wiederfuhr. Aber die Säulen, in welche Thoth die AnfangSgründe der damals bekannten Wissenschaften graben ließ, waren weiter nichts als Nachahmungen, deren Originale in die Vergessenheit übergiengen. Polyhistor Alexander aus Abyden berichtet, wie Berosus spricht, daß der morgendländische.LLsuthrus, welcher ohne Zweifel des Moses Noah ist, alle Wissenschaften vor dem Einbrüche der großen Fluth in die Stadt der Sonne, Sisparis, zur Verwahrung vergraben habe. Das Heist: die ersten Menschen schrieben auf Steine; diese vergrub die Sündstuth: und nach derselben fand man sic wieder. §. 14. Wir sagen nicht zu viel, wenn wir annehmen, daß zu der Festsetzung jener zwo zuletzt gedachten Perioden wenigstens l 5 00 Jahre erfodert wurden: denn die letztere allein, welche 600 Jahr betrug, mußte wenigstens zweymal beobachtet werden, ehe man sie als einen beständigen Zeitraum betrachten, und deren Zuverläßig- keit bestimmen konnte. Also erhellet auch hieraus, daß man allerdings lange vorher, che dergleichen Resultate aus den Beobachtungen gezogen wurden, die Bewegung der himmlischen Körper ausgezeichnet und die Sternkunde behandelt hat. Freylich: unsere itzigen Hirten und Jager machen sich nicht, wie jene asiatischen, so sehr um die Sternkunde verdient: denn die eingeführten Kalender befreyen sie von dieser Bemühung; und dann können sie auch nicht, wie jene, Sommer und Winter auf dem freyen Felde liegen. z8 Von der Erfindung der Sternkunde. Wenn man bedenkt, wie viel Zeit bey Leuten dieser Art, die keine astronomischen Wer kzeuge und keine Lehrer hakten, zu der einzigen Kenntniß von der scheinbaren Bewegung der Sonne, von Abend gegen Morgen, nöthig gewesen seyn muß; und wenn man überlegt, daß bemeldete Perioden schon bald nach der Sündfluth bekannt waren: so wird man ohnsehlbar zugebcn, daß die ersten Gründe der Sternkunde wenigstens Jahr vor der Sündfluth gelegt, und daß diese Wissenschaft itzt wenigstens 7000 Jahr alt sey. Zweeter Abschnitt. Von den ältesten astronomischen Entdeckungen. §. i. L^sgiebtwohl keinen Menschen auf der Welt, der nie von dem Vergnügen, welches uns eine heitere Septembernacht gewähren kan», auf eine, dem Menschen höchst anständige Art wäre gcrühret worden. Nachdem sich der mächtige Fcuerball mit seiner majestätischen Pracht hinter dem Horizonte gleichsam hüiabgewälzt hat: da streckt er dost) noch seine feurigen Arme durch die ober» Lüste, und beunruhigt mit seinem Glanze den hcchgcsiie- genen Hauch der Erde, so, daß die Augen itzt nichts als einen blendenden Dunst empfinden. Dieser Glanz verwandelt sich hierauf in ein sanftes Grau, durch wel. ches sofort selbst das Auge, um die darinne brillirenden Diamanten zu erkennen und deren verschiedene Klarheit zu bemerken, geschärft wird. Dann erscheint jener brei- te Gürtel, dessen mattes Licht den Himmel schürzt, und dessen Gewölbe gleichsam Zusammenhalt. Nun steigt die große silberfarbene Beherrscherin der Nacht empor, welche wegen ihres angenehmen Glanzes, ohne die Augen zu ermüden, Von den ältesten astrorr. Entdeckungen. 59 müden, unsere 2lufmerksamkeit unterhalt und eine Menge jener lichten Punkte unserem Sinnen entziehet: nur einige, der ersten und zwoten Größe, haben die Ehre neben ihr zu erscheinen und sie zu Bette zu begleiten. Endlich erscheint Amorens purpurfarbene Equipage; die Nachricht von Titans Ankunft erschallt durch den ganzen Himmel; Eatsna und alle ihre Untergeordneten verbergen sich; Eiran erscheint und erfüllt den Himmel aufs neue mit seiner Gegenwart. Solche majesti- sehe Erscheinungen mußten freylich die noch schlum« mernden Menschen der ersten Welt zur Aufmerksamkeit und Bewunderung reizen. §- 2. , Also erlangten die Menschen zu allererst eine Kennt- uiß von der scheinbar täglichen Bewegung der Sonne aus Morgen gegen Abend: aber man verweilte nicht, mit dieser allgemeinen Erfahrung auch jene, vermöge welcher sich alle übrige Sterne ebenfalls, wie die Sonne von Aufgange gegen den Niedergang zu bewegen schienen, zu verbinden. Den Himmel betrachtete man zuerst als ein auf der Ebene* ausgerichtetes Zeltdach. Dann stellte man sich ihn unter einer ausgehöhlten Decke vor, die sich mit allen daran gehefteten Lichtern, die Sonne selbst nicht ausgenommen, täglich einmal von Morgen gegen Abend umwendete. Aber nun entstand C 4 sogleich * ptückie sagt: die morgenländischcn Völker nennen die Erde Isöc/; und hieraus ist unser Wort labte entstanden : denn es ist bekannt, daß man die Erde nur noch vor einigen Jahrhunderten fast durchgängig für eine mit Wasser begrenzte ebene Flache hielt. 8pectacte cle I-, t^amre. 1°. IV. seconcle parrie. emr. z. Diese Worterklarung scheint zwar nicht ganz ungegründet: aber derVerfasscr sagt nicht in welcher orientalischen Sprache man das Wort lebet findet. Daher würde er wohl gethan haben, wenn er die Quellen, woraus er geschöpft richtiger angezeigt hätte: denn so können wir ihm nicht völlig Glauben beymessen. 40 Von den ältesten astron. Entdeckungen. sogleich die große Frage: was macht wohl die Sonne des Nachts und wo befinden sich die Sterne am Tage? dieses zu beantworteil, wurde gewiß viel Zeit erfodert; und die Frage konnte nicht eher, als bis man von der ballförmigen Gestallt der Erde überzeugt war, entschieden werden. Man weiß ja, daß viele Wrltweise selbst glaubten, die Sonne würde des Nachts in das Meer versenkt, und die Sternen verlöschten des Morgens, um am Abende wieder angezündet zu werden. Ja einige behaupteten gar, ein gewißeS Brausen oder Zischen des Meeres, welches nach ihrer Meynung beym Eintauchen der Sonne entstehen mußte, gehört zu haben. * §- Z- Man sah ohnstreitig gar bald ein, daß der Mond zuweilen gleich nach Untergang der Sonne, zuweilen aber auch erst kurz vor deren Anfänge am Himmel erschien; daß er den Stern, bey welchen man ihn heute stehen sah, am daraus folgenden Tage verlassen und weiter gegen Morgen gerückt war; bey den übrigen Sternen bemerkte man dieses Zurückbleiben noch nicht: daher schloß man mit Recht auf eine besondereBewegung desMondS,die von Abend gegen Morgen geschähe: und dieß war die erste astronomische Entdeckung. Auch die verschiedenen Gestalten des Monds waren den ersten Sternkundigen eine merkwürdige Erscheinung. Daher gieng ihre erste Bemühung, in dieser Rücksicht, bloß dahin, diese Erscheinung gehörig zu beobachten und den daraus folgenden Schluß zu ziehen: wenn der Mond bald nach dem Untergange der Sonne untergeht: so erscheint er bloß wie die einwärts gebogenen Hörner eines Ochsens, welche ihre Spihen allezeit gegen Morgen, ihren runden Theil hingegen oder den Bauch gegen Abend kehren; etliche Tage darauf stehet er beym Untergänge * 6eogispli. I.. III. Von den ältesten astron. Entdeckungen. 41 tergange de>' Sonne schon weiter gegen Morgen von ihr ab; der, zwischen den lichten Hörnern befindliche dunkele Raum, ist jtzt auch mit Lichte ungefüllt; dann entfernt er sich noch weiter von der Sonne, und sein Licht wird immer größer, bis er da, wenn er beym 'Untergänge der Sonne erst aufgehet, sein volles Licht erhält: endlich verliert er dasselbe, indem er täglich später aufgehet, an denjenigen Rande zuerst , welcher zuerst wie lichte Hörner erschien; er verwandelt sich anfö neue in die Gestalt der Hörner eines Ochsens , die aber itzt ihre Spitzen gegen Abend kehren; dann gehet er erst des Morgens mit der Sonne zugleich auf und laßt sich an diesem Tage gar nicht sehen. Aus diesen Beobachtungen fiel man gar bald auf die Vermuthung, daß der Mond sein Licht von der Sonne entlehnte, und dieses hauptsächlich deswegen, weil er allezeit alsdann mit vollem Lichte erschien, wann er der Sonne gerade entgegen gesetzt; sichelförmig hingegen, wann er nur etwa ein paar Tage alt war: und dieser Gedanke führte die damaligen Astronomen sogleich auf einen neuen; das heißt: man schloß, der Mond sey keine Scheibe, sondern eine Kugel. §. 4. Aufmerksame Beobachter sahen gleich, daß sich die Schaubühne des Himmels nach kurzer Zeit merklich veränderte: denn gesetzt, sie hatten sich die Sterne in einer heitern Nacht einigermaaßen bekannt gemacht, und diejenigen, welche bald nach dem Untergänge der Sonne am Morgenhorizonte erschienen, sorgfältig angemerkt: so fanden sie diese letztem nach sechs verlaufenen Vollmonden, beym Untergange der Sonne, nicht mehr an dem ersten Orte, sondern sie müßten dieselben nahe am Abend; Horizonte suchen: denn es ist bekannt, daß die Fixsterne inögesammt außer ihrer täglich scheinbaren Bewegung, auch alle Jahre einmal um den ganzen Himmel herum C 5 zu 42 Von den ältesten astron. Entdeckungen. zu laufen scheinen; und diese schein da es Bewegung hielte man anfangs ohne Zweifel für Wahrheit. Aber hier entstand nun sogleich die Frage: wo sind die Sterne hin, die vor sechs Vollmonden bald nach dem Untergänge der Sonne am Himmel erschienen; und warum erscheinen sie nach andern sechs Vollmonden beynahe eben wieder so, wie anfangs? dieses zu beantworten, wurde viel Zeit erfoderk. Man bemerkte ferner gar bald einige Helle Sterne, welche kurz nachdem Untergange der Sonne bald sehr hoch am Himmel erschienen; nach verlaufe- nen sechs Vollmonden hingegen tief gegen Norden hinab gestiegen waren. Diese Sterne sah man nun wohl bey Anbruch des Tages am freyen Himmel verschwinden, und bcy deren Untergange an einem andern Orte des Himmels wieder erscheinen: aber aufgehen und -wirklich untergehen, wie die mehresten ander»'Sterne, sah man sie niemals: folglich schloß man auf einen wirklichen Kreislauf derselben. Nun fragte sichs ganz natürlich: wie ? sollten wohl diese Sterne allein in einem Kreise bewegt werden? sollte dieß nicht auch bey den übrigen statt finden? Ja! man mußte endlich gar bemerken, daß ein ziemlich großer Stern an einem und eben demselben Orte des Himmels erschien und seinen Stand weder z» verschiedenen Jahreszeiten noch zu verschiedenen Zeiten einer einzigen Nacht verließ; alle übrige hingegen schienen einen desto großem Kreis zu beschreiben, je weiter sie von vbgedachtem Sterne, welches itzt der letzte im Schwan, ze des kleinen Bars oder der Polarstern Heist, abstanden: folglich nahm man ihn gleichsam zum Mittelpunkte an , um welchen sich die übrigen herum dreheten. Kam nun ein offener Kopf aus solche Untersuchungen: so war es leichte, auf den Gedanken von der Umdrehung der ganzen hohlen Himmelskugel zu geratheu; er mußte sich zween einander entgegen gesetzte Punkte in dieser Kugel denken und den einen derselben nahe bey gedachten Stern Von den ältesten astron. Entdeckungen. 4z im Schwänze des kleinen Bares, den andern aber diesem gerade gegen über unter der Erde annehmen; er stellte sich von dem einem Punkte zum andern eine gerade Linie oder die Weltaxe, um die sich die hehle Kugel drehen konnte, vor: und auf solche Art entstand der erste Begriff einer Himmelssphare. Aus diesem Begriffe mußte alsdann auch jener von den der jährlichen Bewegung der Sonne, aus Abend gegen Morgen entstehen: denn das schien alsdann natürlicher als das sich der ganze Himmel nicht nur alle Tage einmal, sondern auch überdieß nach Verlauszwölsbis drenzehen Vollmonden einmal von Morgen gegen Abend umdrehen sollte. Diese Vermuthung wurde noch durch den ebenfalls ganz besondern und schon bekannten Lauf des Mondes bestätigt: und man schloß, daß sich diese zwcy Hauptlichter eben so wohl in Rücksicht auf ihre Bewegung als in Ansehung ihrer scheinbaren Größe und Helligkeit von allen übrigen Sternen unterschieden. §- 5 - - Der Mann, welcher den Himmel in Gestalt einer hohlen Kugel vorstellte und die scheinbar jährliche Bewegung der Sonne entdeckte, hat der Sternkunde ohne Zweifel einen überaus wichtigen Dienst geleistet; ja wenn man bloß auf das Brauchbare und Nützliche stehet: so laßt diese Erfindung selbst die Erfindung des sogenannten Kopernikanischen Welkgebaudes weit hinter sich. Bisher hatte man ohne Zweifel noch bey keinem der übrigen Sterne eine besondere Bewegung gesehen: sie schienen vielmehr alle einerlei) Abstand von einander und stets eben dieselbe Stellung gegen einander zu behalten. Allein itzt, da man mit der Sonne und dem Mond fertig zu ftyn glaubte, gab man auch auf andere hellschimmernde Sterne sorgfältig Achtung. Und da fand sichs, daß einige derselben ihren Ort ebenfalls änderten. Man sah, daß diese gleichfalls die Sterne, bey welchen sie anfangs 44 Von den ältesten astron. Entdeckungen. anfangs erschienen, in einiger Zeit verlassen und weiter gegen Morgen fortgerückt waren. Auch bemerkte man, daß einige derselben schneller und andere langsamer fort- giengen. Kurz, man fand zwischen der Bewegung dieser Sterne lind dem Lauf des Monds oder der Sonne viel Aehnlichkeit. Man nennte sie Irrsterne, oder, da sie in Ansehung ihres Laufs mit der Sonne und dem Mond schicklicher als mitden unbeweglichen oder befestig- ten Stenen verglichen wurden, Planeten: denn unter diesem Namen verstand man auch zugleich die Sonne und den Mond. Nun bemerkte man gedachte sonderbare Bewegung ohnfehlbar zuerst an dem Jupiter, dann an dem MarS, und hierauf an den: Saturn. Allein was jenen Hellen Stern, der zuweilen kurz nach dem Untergange der Sonne am Abendhorizonte, vor deren Aufgange hingegen, am Morgenhorizonte erschien, anbe- krifft: so hielten sie ihn ohne Zweifel für zwei) besondere Planeten: denn er schien in jedem Falle einen ganz besonder» Lauf zu Haben. Daher kömmt die Benennung des Abendsterns und Morgensterns oder des HespcruS und Lucifers. Unterdessen kann man doch, wegen der großen Aehnlichkeit, .in Rücksicht auf den Glanz dieser beyden eingebildeten Sterne, und wegen der beständigen Abwesenheit des Hesperus, wenn Lucifer erschien, oder umgekehrt, gar bald auf den wahren Gedanken, daß beyde nur einer seyn konnten: in der Folge nannte man ihn Venus. Endlich bemerkte man auch noch einen andern sehr Hellen, aber überaus kleinen Stern, welcher ebenfalls zuweilen kurz nach dem Untergänge! der Sonne am Abendhorizonke, und zuweilen vor deren Aufgange am Morgenhorizonte glanzte; hoch an Himmel sah man ihn niemals: dieser veränderte also in Ansehung der übrigen Sterne auch seinen Ort, und wurde deswegen ebenfalls zu den Planeten gezahlet. Von den ältesten astron. Entdeckungen. 4z Vielleicht wurden Jahrhunderte erfodert, ehe die Alten die Zahl ihrer bereits angeführten Planeten festsehen konnten: denn was besonders den letzten oder den Merkur anbetrifft: so ist derselbe, wegen den Dünsten am Horizonte so selten sichtbar, daß sich bey uns derjenige fast glücklich schätzen kann, der ihn in seinem ganzen Leber, nur einige mal erblickt. Die Planeten wurden also in folgender Ordnung entdeckt: Mond, Sonne, Jupiter, Mars, Saturn, Venus, Merkurius. §. 6 . Als man die scheinbar kugelförmige Gestalt des Weltraums erkannt hatte: denn war es nicht schwer, hieraus auf eine ähnliche Gestalt der Erde selbst zuschlies- seu; es erhellet? aus der scheinbaren Bewegung aller Sterne, daß sie rings um die Erde herum laufen müßten, und daß diese gleichsam im Mittelpunkte der Sternen- kugei zu schweben schien. Nun n,achten sie den Himmel zu einer festen saphirnen Decke, welche die Erde umgab und den Göttern zur Wohnung diente. Vielleicht war auch dieß eine Ursache, weil die runde oder kugelförmige Gestalt bey den Alten für vollkommener als alle übrige Gestalten gehalten wurde. Man schloß auch aus der Gestalt des Monds, die man schon als kugelförmig erkannt hatte, auf die Gestalt anderer Himmelskörper; von diesen schloß man auf die runde Gestalt des Himmels und von diesem auf die nämliche Gestalt der Erde. Einige halten zwar dafür, daß die kugelförmige Gestalt der Erde zuerst durch das surcessive Verschwinden eines von den Ufern sich immer weiter entfernenden Schiffs erkannt worden sey: allein die Kenntniß von der runden Gestalt des Erdballs ist ohnstreitig älter als diejenige Schiffarthökunst, vermöge welcher man sich soweit von den Ufern,als zu dieser Beobachtung erfodert wird, zu entfernen getrauete: iht ist diese Erscheinung freylich ein Beweis für die runde Gestalt 46 Von den ältesten astkon. Entdeckungen. Gestalt derselben: aber deswegen darf nian nicht auch auf die damaligen Zeiten schließen. Hatten sich die Alten aus ihrem Vaterlande zuwei-- len weit nach Mittag oder nach Mitternacht entfernt: so würden ihnen Sterne erschienen seyn, die sie vorher nie sahen; und auf solche Art würden sie einen neuen Beweis für die Rundung der Erde gesunden haben. Aber es dauerte lange, ehe die Gelehrten so große Reisen unternahmen: denn ihnen mangelte noch die Schif- farthökunst. §. 7 - Nun enthielt die Sternkunde schon einige festgefchte Gründe von dem Weltsystem; das heißt: sie sieng an eine Wissenschaft zu werden. Diese schien zwar anfangs bloß die Wißbegierde der Menschen zu befriedigan: aber es wahrte nicht lange, so erkannte man auch ihre Brauchbarkeit, in Rücksicht auf das gemeine Leben; und dann erhob sie sich gar bald auf machtigern Schwingen höher empor> denn die Bedürfnisse und das Verlangen nach Ruhm reizt allezeit kräftiger als die bloße Wißbegierde. Anfangs zählten die Menschen dis Zeit, wie bereits oben von den Chaldäern dargekhan worden ist, bloß nach Tagen oder Sonnen. Angeführte Nation bediente sich dieser Zeitrechnung noch nach Alexanders Eroberungen; indem sie jeden Aufgang der Sonne auf einen Ziegelstein zeichneten, und sodann die Anzahl der Sonnen durch ihre bezeichneten Ziegelsteine andeuteten: und auf diese Art zählen noch itzt einige amerikanische Völker die Zeit. Allein in Asien wurde man bey anögebreiteten und mit der Handlung beschäftigten Nationen, dieser weitlaufti- gen Zeitrechnung gar bald überdrüssig; man verlangte eine kürzere und machte die Zeit, in welcher sich der Mond einmal um deu ganzen Himmel bewegt, zur Einheit; diese enthielt vhngefehr acht und zwanzig Tage, und der Mond erschien wahrend dieser Zeit an dem ersten Tage Von den ältesten astrott. Entdeckungen. 47 Tage gar nicht; am siebenten hingegen halb erleuchtet, am vierzehnten ganz, am ein und zwanzigsten wieder halb; und dann verschwand er am acht und zwanzigsten aufs neue unter den Sonnenstralen: folglich entstanden Monathe zu r 8, und Wachen zu 7 Tagen. * Man stehet leicht, daß sie anfangs bloß die Revolutionen des Monds um den Himmel in die gemeldeten vier Theile theileten und gedachte Veränderungen seiner Gestalt nur obenhin bemerkten: allein da diese Abweichung nach ei. nigen dergleichen Revolutionen sehr groß wurde: so zahlte man in der Folge lieber die Zeit, welche von einem Neumonde bis zum andern vorbei) stoß; das heißt; sie niachten Monathe von ohngefehr breyßig Tagen zur Einheit. Ein Beweis dieser Zeitrechnung ist das Neumonden- fest, welches fast bey allen alten Völkern, wie bey uns das Neujahrfest, geseyert wurde. Was die jährliche Revolution der Sonne anbekrifft: so war es, wie bereits oben gesagt worden ist, diese zu bestimmen überaus schwer, und dieß besonders deswegen, weil man niemals sah, bey welchem Gestirn die Sonne stand, sondern es erst ans einer überaus langen Erfahrung schließen mußte. Man erfuhr dieß endlich solgenderge- stalt: man bemerkte die Zeit, welche verstrichen war, nachdem ein Stern gleich nach Ausgange der Sonne am Morgenhorizonke erschien, welcher vor ohngefehr drey- zehn Neumonden nach Aufgange der Sonne ebenfalls an diesem Orte, wie itzt gestanden hatte: dann sagte man, die Sonne habe in dieser Zeit ihre Revolution einmal vollendet; und man bediente sich derselben erst sehr spät zu Bestimmung der Zeit; aber dann pflegten einige Völker gedachte Gewohnheit lange Zeit heyzubehalten: und 48 Von den ältesten astron. Entdeckungen. hierzu bedienten sie sich vorzüglich des Hundssterns oder des Siebengestirns.* Nun bemerkte man, daß wahrend eines solchen Zeitraums ohngefehr zwölf Neumonden vorbeystrichen; denn genauer ausmessen konnten sie damals gedachte Zeit noch nicht: also machte man Jahre von zwölf dreyßigkagigen Mondenmonathen, und so entstanden die Mondenjahre von Z54 Tagen: Denn obgleich >2 mal go Tage z6o auömachen: so bemerkte inan doch gar bald, daß die Zeit von einem Neumonden bis zum andern nicht völlig zo Tage betrug: daher zog man von jedem noch einen halben Tag ab: so, daß man in der Folge das Neuinon- denfest wechselsweise nach 29 und nach zo Tagen feyerte. ** Die herumschweifenden Araber und Tarca- ren bedienen sich gedachter Mondenjahre noch itzt. H- 8- Die ersten Menschen lebten bloß von der Jagd und Viehzucht: aber da sie sich nach und nach vermehrten, dann war dies; NahrungSgeschäfke nicht mehr hinreichend : man mußte also das Feld bauen. Man sah, daß alle Früchte, zwischen den längsten Tagen und der zunächst darauf folgenden Nachtgleiche, reif wurden, und daß der Erdboden von dieser Zeit bis zu der folgenden FrülingSnachkqleiche gleichsam auöruhete: auf solche Art entstand die Emtheilung der vier Jahreszeiten. Der Anfang einer jeden derselben wurde durch die Erscheinung gewisser Sterne in der Morgendämmerung bestimmt: und hieraus ist klar, warum die Menschen alsdann auf den Himmel Acht haben mußten. Allein obgleich anfangs ein jeder, der das Feld gehörig bestellen sollte, von seinem * che nsra'i, L, 2r. ** Damals war das der Tag des Neumonds, an welchem der Mond zuerst wieder erschien, nachdem man ihn etwa in zwcen Tagen gar nicht gesehen hakte. L/c. in Verrem. öoeE. T. VIII. §. 9. Von den ältesten astron. Entdeckungen. 49 nem Vater zu dergleichen Beobachklingen angewiesen wurde: so inaßten sich doch dieser Beschäftigung in der Folge, bloß die damaligen Gelehrten oder die Priester des Volks an, und diese machten alsdann den Leuten die Zeit, das Feld zu bestellen und auszusaen, allemal öffentlich bekannt. Das Jahr, welches aus zwöls Mondenmonathen bestand, muß ohnfehlbar nicht gar lange üblich gewesen sei-n: denn sonst wäre die Aerndte nach Verlauf eines Menschenalters in die Zeit, wo man das Feld bestellen mußte, gefallen; daher schaltete man anfangs ganze Monakhe ein: aber in der Folge bestimmte man das Sonnenjahr selbst genauer. Nämlich: man schlug einen Stab in die Erde; man bemerkte den Punkt, wel- chen die Spitze seines Schattens berührte; man ließ den Stab stehen; und wenn sich der nämliche Fall mit der Spitze dieses Schattens ereignete: dann war ein Jahr vorbey; oder man bemerkte die Zeit, nach welcher die Sonne allemal an einem und eben demselben Punkte, des Horizonts auf oder untergieng; und nach der Nach, rieht des Dlaus Rudbeäk * machten es die alten Schweden auf eben die Art. Aber die älteste Versah- rungsark war doch ohne Zweifel die genaue Beobachtung des Tages, an welchem ein Heller Stern, wie etwa der Sirius, zum erstenmale wieder in der Morgendamme, rung erschien. Was die hier angegebene VerfahrungS- art, mit der Bemerkung des AufgehepunkteS der Son- ne am Horizonte, anbekrifft: so spricht zwar Goguec/'* daß man davon bei) den Alten durchaus keine Nachricht finde: allein ihm muß die Stelle des Simplicius,^* welcher gedachte verschiedene Punkte des Horizonts aus- drücklich * ^llantica. 1. l. c. 5. * * 1°om. I. p. 222, * * * De eoelo. Did. it. Lom. 46. D §O Von den ältesten astron. Entdeckungen. drücklich bemerkt, nicht bekannt aewesen senn. Aus dieser Beobachtung entstanden zugleich die Jahre von sechs Montithen, das Heist, man machte die Zeit, welche zwischen dem höhesten und niedrigsten Stande der Son. ne verstrich oder wohl gar nur die Hälfte derselben, zur Einheit* §. io. Endlich führte man die ganze scheinbare Revolution der Sonne zum Zeitmaaße ein: allein deswegen konnte man deren Unterabtheilungen in Tage, Wochen und Mo- natbe doch nicht ganz entbehren. Nun halt ein Jahr z6<> Tage und ohngefthr den vierten Theii eines TageS; Monathe hingegen enthält es deren zwölfe und noch etwas darüber; aber Brüche konnten sie nicht in die Berechnung bringen; daher suchte man einen Zeitraum, nach welchem gedachte Brüche ein Ganzes ausmachten; das Heist, man erfand Perioden, nach welchen die Sonne und der Mond an eben demselben Ort des Himmels zusammen kamen, von welchem sie ehemals beyde zugleich ausgelaufen waren: aber um diese Perioden richtig zu bestimmen, oder, um diese von verschiedene» Völkern und zu verschiedenen Zeiten oft sehr unrichtig angenommenen Zeiträume gehörig zu berichtigen, wurden allerdings viele Jarhunderte erfordert: lind es ist klar, warum man bey den Alten zu verschiedenen Zeiten gedachte Zeitkreise so verschieden findet. §. n. Nun gelangte die Sternkunde schon zu der Würde einer gelehrten Kunst: denn sie setzte zu der richtigen Bestimmung des Neumonds oder einer Sonnenwende eine ausqebrcitete Wissenschaft vieler Beobachtungen voraus. Diejenigen, welchen gedachtes Geschäfte anvertrauet war, beobachteten die Himmelskörper also täglich und fanden, * c. 19. Von den ältesten astron. Entdeckungen. 51 fanden, daß die Zeit, welche von dem Aufgange der Sonne bis zu ihrem höhesten Stande am Himmel gerade so groß war, als diejenige, welche von diesem höhe- sien Stande bis zu ihrem Untergänge verfloß. Also theilte der höheste Stand derselben den Tag in zween gleiche Theile. Man nennete diesen Theilpunkt der Zeit Mittag; man stellte sich einen Zirkelbogcn, der durch den Pol und diesen Punkt gelegt wäre, vor: und so entstand die Idee von dem Mittagskreise. §. 12 . Oben haben wir schon etwas, zum Behuf der Bestimmung einer verflossenen Sonnenrevolution, von der verschiedenen Lange des Schattens eines in die Erde senkrecht geschlagenen Stabes, gedacht: dieß beobachteten ohnfehlbar auch schon die ältesten Hirten mit ihren Stäben: aber ißt, da man einen Begriff von der Mit- tagslinie hatte und die Zeit des Tages in noch kleinere Theile einzutheilen nöthig fand, ißt sage ich, gab diese veränderliche Länge und verschiedene Lage des Schattens zur Erfindung des Gnomons Gelegenheit. Man ließ also ohne Zweifel eine hohe Säule oder Pyramide aufführen; man maß deren Mittagöschatten sehr oft und sorsältig: und so entdeckte man das regelmäßige Auf - und Absteigen der Sonne; man nennte die Zirkel, in welchen sich die Sonne an den Tagen ihrer größten Höhe und ihres niedrigsten Standes zu bewegen schien, die Wendezirkel; die Zeit selbst, in welcher dieß geschah wurde mit dem Namen des Sonnenstillstandes oder der Sonnenwende belegt; die Berichtigung dieser Zeitpunkte wurde der Gegenstand der Astronomen durch viel Jahrhunderte : und man muß gestehen, daß der Erfinder des Gnomons der Sternkunde einen überaus großen Dienst geleistet hat. D L §. iz. Be- » 52 Von den ältesten astron. Entdeckungen. §- r;- ^ Bereits gedachtes Hin - und Wiederkehren der Sonne beobachtete man nun auch zu gleicher Zeit auf eine ähnliche Art an dem Monde: man sah, daß dieser wahrend jeder Revolution noch weitet als die Sonne gegen Norden herauf und sodann auch tiefer gegen Süden hin- absiieg: Und hieraus schloß man natürliche Weise, daß die Bewegung der Sonne und des Mondes ungleichförmig war. Aber diese Idee ließ sich nun auf keine Art mit dem Begriffe der damaligen Weltweisin von der Vollkommenheit und Göttlichkeit der Natur, vermöge welcher sich alles in Kreisen gleichförmig bewegen soll, te, zusammen reimen. Man sagte: was vollkommen ist, muß auch einfach scyn: nun sind die Sonne und der Mond vollkommen; denn sie gehören zu der Natur: und doch sind ihre Bewegungen Nicht einfach; denn sie werden nicht nur mit dem ganzen Himmel zugleich täglich aus Morgen gegen Abend bewegt, sondern sie gehen auch selbst nach ihrer eigenen Art langsam aus Abend gegen Morgen und zu gleicher Zeit aus Mitternacht gegen Mittag und wieder aus Mittag gegen Mitternacht. Um nun diese sonderbare Bewegung zu erklären, und um gedachten Körpern dennoch die größte Vollkommenheit zu lassen, wurde ihnen von einigen griechischen Weltwei- sen ein Bestreben, sich aus Mitternacht gegen Mittag rings um den Himmel herum zu bewegen angedichtet. Sie sagten: gegen die Pole zu ist die Luft weit dichter als mitten am Himmel; sobald sich nun die Sonne zum Verspiel dem Südpole nähert: dann widerstehet ihr die dichte Luft immer stärker und stärker, bis die Sonne endlich gar zurücke weicht, welches nicht anders als nach einer schiefen Richtung geschehen kann; hierauf gehet sie gegen den Nordpol: und da widerfährt ihr das nämliche Schicksaal. Dis Von den ältesten astron. Entdeckungen, zz Die Chaldäer und Aegyptier hingegen bekümmerten sich um die Ursache gedachter Erscheinung, eben nicht sonderlich: sie beobachteten lieber die Begebenheiten des Himmels fleißig. Endlich aber wurde doch die wahre Beschaffenheit dieser Erscheinung entweder durch einen glücklichen Zufall, oder durch die Fähigkeiten eines großen Geistes, oder durch beyde zugleich entdeckt. Man sah, daß sich die Sonne allerdings in einem vollkommenen Kreise wahrend ihrer ganzen Revolution aus Abend gegen Morgen zu bewegen schien: nur mit diesem Unterschiede, daß die verlängerte Are des gedachten Kreises nicht in die Wcltpoke fiel, sondern eine gewisse Neigung gegen dieselben hakte: also gicng dieser Sonnenweg über den täglichen Weg der Sterne schief und man nennete ihn die Ekliptik. Diese Entdeckung befreyete auf solche Art die damaligen Weltweisen au einmal von jenen mühsamen und gekünstelten Erklärungen des so sonderbar zusammenge- sehten Laufs der Sonne und des Monds: daher verehrte man dieselbe auch, wegen ihres vortreflichen Nuhen, gebührender maaßen. Bey den Griechen, wo sich doch die Sternkunde so späte einfand, eignete man die Ehre gedachter Erfindung dem Aiiapimanderzu: denn pli- MUS* spricht, indem er von diesem Mathematiker redet , er habe der Sternkunde die Thore geöffnet. Allein sie mag nun von diesem oder von einem altern Gelehrten Herkommen: so ist doch so viel gewiß, daß sie dev eigentliche Grund aller brauchbaren und sichern astronomischen Beobachtungen wurde, und daß sie eine der vornehmsten astronomischen Wahrheiten war. Nun gieng man in dergleichen Untersuchungen immer weiter fort. Man sah, daß die Sonne in den Tagen der Nachtgleichen allezeit den größten Kreis am Himmel D z zu * Lid. II. c. 8- 54 Von den ältesten astron. Entdeckungen. zu durchlaufen schien: und diesen nennte man den Aegua- tor oder die Mittellinie; denn man bemerkte, daß sie an diesem Tage gerade die Halste der Zeit ihrer täglichen Revolution, das ist gerade zwölf Stunden, über, dem Horizonte verweilte. Aber die Punkte des Himmels , wo der Sonnenweg oder die Ekliptik den Aequa- tor durchkreuzte, behielten die Namen der Nachtgleichen. Auf solche Art wurde der Aeguator der zweete Kreis des Himmels: aber es war, diese beyden Zirkel sich recht deutlich vorzustellen, überaus schwer: daher kam man der Einbildungskraft vermittelst der künstliche Himmelssphäre zu Hilfe. Man bereitete dergleichen Kreise aus Kupfer; man legte sie unter dem gehörig schiefen Winkel an die Gegend der künstlichen Himmelskugel herum, wo man sich dieselben an der natürlichen vorstellen mußte; endlich legte man noch einen dergleichen kü- pfernen Kreis, der den Meridian vorstellete, rechtwink- lich über den Aeguator: und auf solche Art konnte man sich die ganze Sache deutlich genug vorstellen. Man bediente sich dieses Werkzeugs damals schon zu Bestimmung der Gegend, wo man irgend einen merkwürdigen Stern zu einergegeben Zeit suchen mußte: denn man hatte wenigstens schon die hellglänzenden Sterne auf dieser Kugel angemerkt. Dadurch hatten sie nun itzt allerdings auch auf die Idee von den korrespondiren- den Sonnen-oder Sternhöhen kommen müssen: denn da sie die Kugel in eben dem Verhältnisse nach und nach herum dreheten, in welchem sich ein Stern aus Morgen gegen Abend zu bewegen schien: so mußten sie ohne Zweifel bald bemerken, daß die gleichen Räume vor dem Meridian und hinter demselben von dein Sterne in gleichen Zeiten durchlaufen wurden. Der Begriff von den korrespondirenden Sternhöhen muß aber auch aus einem noch andern: Grunde sehr alt seyn: denn wir haben oben gesehen, daß man den Gnomon schon in den ältesten Zeiten Von den ältesten astron. Entdeckungen. 55 teil erfunden hat; und die Lange des Schattens war doch allezeit täglich zweymal von gleicher Größe: sollte man nun nicht gesehen haben, daß die Zeitpunkte, wo dieses geschah von der Mittagszeit gleich weit wegsielen? Sie hatten also damals schon eine Mittagslinie. Und dieses stimmt mit der Naäwicht des Herrn le GeMÜ* überein. Denn dieser hat sich lange in Indien aufaehalten, und gesehen, daß sich diese Völker noch itzt jener alten Miktagsiinien bey dem Baue ihrer Tempel und Pyramiden, welche mit ihren Seiten gerade nach den vier Wrltgegenden stehen müssen, bedienten. §. 14. Wenn wir nun zugeben, daß der Gnomon bey den Alten das vornehmste astronomische Werkzeug war: so wird man leichte begreiffen, wie sie in kurzer Zeit zu folgenden Beobachtungen geleitet worden sind. Man bemerkte den Punkt der Mittagslinie, auf welchen die Spitze des Schattens an den Tagen der beyden Sonnenwenden fiel; die Entfernung dieser beyden Punkte, auf den Meridian ihrer künstlichen Himmelskugel redurirt, bestimmte den Raum, welchen die Sonne jährlich gegen den Pol auf und nieder zu steigen schien, in Theilsn des Zirkels: und man fand für diesen Raum acht Sechzigtheile des ganzen Zirkels: denn man pflegte den Zirkel damals überhaupt nur in sechzig gleiche Thei- le einzutheilen. Nun sah man ferner, daß der Aequa- kor diesen Raum durchaus in zween gleiche Theile theile- te: folglich betrug jede Hälfte nur vier Sechzigtheile, oder den fünfzehnten Theil des Zirkels. Dieses Maaß drückte zugleich die Schiefe der Ekliptik aus: und es ist klar, warum man dieselbe damals, nach unserer Einteilung des Zirkels, nicht größer als vier und zwanzig Grade fand. D 4 * biem. äe l'^caä. äes Lciencer. 177Z. Man 56 Von den ältesten astron. Entdeckungen. Man bemerkte ferner, daß der Aequator den ganzen Himmel in die südliche und nördliche Halbkugel thei- lece; man hatte die merkwürdigen Sterne schon mit eigenthümlichen Namen belegt: und die Punkte deS Himmels, in welche!, sich die Sonne um die Nachkglei» chen befand, vermittelst einiger solcher Sterne nur auf ein ohnqefehr bestimmt: aber da man ißt die Punkte der Nachkgleichen, durch Hilfe der beyden Durschnitke, wel- che die Ekliptik im Aequator bildete^ weit genauer als vorher kannte: so konnte man nun auch alle Punkte des Himmels, die in gedachten Tagen mit der Sonne zugleich in den Meridian kamen, bestimmen. Man legte daher noch einen Zirkel, welcher durch die Pole und gedachte Durckschiüttspunkte des AequatorS gieng, um die künstliche Himmelskugek; dieser durchkreuzte jenen, welchen man schon vorher durch die Pole und die Punkte der Sonnenivenden gelegt, und den Meridian gencnnt hatte, recht winkelicht: und auf solche Art entstanden die vier Hauptmeridiane, welche man die Coluren nennet. Diese zrvey rechtwinkelicht durcheinander gesteckten Meridiane nebst dem Aequator und der Ekliptik wurden an eine Are, welche durch die einander entgegen gesetzten Durchschnittspunkte der Meridiane gieng, befestigt: und nun stand derEntwurfjcner alexandriiiischenKreiskugcl da. Gedachte alexandrinische Kreiskugel mag nun nach dem Modell jener kleinern Sphäre, die Atlas oder Lhiron getragen haben soll, verfertigt worden seyn, oder man mag diese nach jener gemacht haben: so ist doch gewiß, daß eine von beyden überaus alt fern muß: und Atlas muß, wie aus dem obigen ersten Abschnitte erhellet, eine Kenntniß von der Einrichtung dieser Kugel besessen haben. §. ' 5 - Gleichwie nun die Vollkommenheit eines Werkzeugs erhöhet wird, in eben diesem Verhältnisse vermehren sich auch Von den ältesten astron. Entdeckungen. 57 auch die davon zuerwartetcn Vortheile: und diest neue Sphäre versprach einen überaus großen Nutzen: und um diesen zu erhalten, mußte man sich diese Kugel mit dem Himmel stets übereinstimmend zu stellen, befleißigen. Anfangs suchte man also vermittelst dieses Werkzeugs die Punkte der Nachtgleichen und der Sonnenwenden am Himmel zu jederzeit des Tages zu bestimmen: und wir wollen untersuchen, wie dieses bewerkstelliget werden konnte. Dian stellte die Are der künstlichen Sphäre so, daß sie gerade auf den Nordpol wieß; man drehete den Punkt der Sphäre, in welchen der WinterkoluruS die Ekliptik durchkreuzte an dem Tage der Wintersonnenwende bey Untergange der Sonne gerade gegen sie: und der Ort des Himmels, auf welchen der entgegengesetzte Durchschnittspunkt dieser metallenen Ekliptik zeigte, war der Ort des Sommersonnensiillstandes:. und so umgekehrt. Aber man wollte diese Gegenden gern durch die daselbst befindlichen Sterne andeuten: und diese sah man beym Untergange der Sonne noch nicht; daher nahm man ohne Zweifel den Mond zu Hilfe. Nämlich: man bemerkte auf der Sternkugel den Punkt des Himmels, in welchem der Mond beym Untergange der Sonne aus dem Mittelpunkte der künstlichen Himmekssphäre gesehen wurde: sobald nun die Sonne, um die Sterne zu erkennen, tief genug unter den Horizont getreten war: dann richtete man den angemerkten Punkt wieder gegen den Mond: und auf solche Art mußte der Sommerfonnen- stillstandspunkt auf der Kugel gegen den nämlichen Punkt am Himmel gerichtet seyn und den Stern, bey welchem die Sonne im längsten Tage nach ihrer Rückkehr stehen würde, anzeigen. Auf gleiche Art bestimmte man auch die Sterne, bey welchen die Sonne an den Tagen der Nachtgleichen stand, und andere mehr. Denn so sagte man zu Folge dieser Beobachtungen: Sirius kömmt in einer Zeit von vier Tagen nach der Sommer- D 5 sonnen- Z8 Von den ältesten astron. Entdeckungen. sonnenwende aus den Sonnenstralen hervor; die Pleja- den thun dieses selbst an dem Tage der Frühlingsnachtgleiche, und so weiter. Man häufte viel dergleichen Beobachtungen zusammen: und so entstand eine Art von Kalendern, welche eine Menge Regeln zum Behuf des Ackerbaues enthielten. §. i6. Als die Ekliptik oder der Sonnenweg bekannt war, sah man, daß der Mond und die übrigen Planeten bey- nahe eben diesen Lauf beobachteten: denn sie gleiteten nur um einige Grade weiter gegen Norden oder Süden aus. Daher stellte man sich zwo von der Ekliptik gleichweit abstehende und mit ihr paralllausende Kreislinien vor, welche gleichsam einen Gürtel am Himmel bildeten, dessen Breite sechzehen Sechzigkheile des ganzen Himmels oder damalige Grade betrug: und diesen nennete man den Thierkreis. Die erste Eintheilung dieses Thierkreises wurde nach der Meinung des Herrn le Geiitil* durch den Mond veranlaßt: und dieß ist allerdings höchst wahrscheinlich: denn diesen sah man doch fast alle Nachte am Himmel bey einen andern Gestirne. Daher kömmt es, daß man ihn anfangs in sieben und zwanzig Theile und ein Drittel theilete, und daß einige deswegen sieben und zwanzig, andere hingegen acht und zwanzig Sternbilder in gedachtem Gürtel zahleten: und so gut konnte man die monatliche Veränderung des Standes der Sonne in dem Thierkreise nicht beurtheilen: denn man sah dieses Forkrücken nicht wie, alle Tage, bey dem Mond. Man mußte sich daher zuvor eine genaue Keunkniß des Sonnenjahres und dessen gleichen Theilen erwerben, ehe man durch tiefes Nachdenken den Schluß herausbrachte, daß die Sonne in gleichen Zeiten bcynahe gleiche Theile des ThierkreiseS durchlief; daß man auf jede von den vier Iahreö- * Ickem. cle I'^caä. äez 8clencez. 1775 - Von den ältesten astron. Entdeckungen. 59 Jahreszeiten füglich drey Mondenrevolutionen rechnen und daher den ganzen Thierkreis am bequemsten in zwölf Sternbilder abtheilen könnte: und diese Eintheilung scheint uns viel natürlicher als jene, welche Gexcus Lmpiricus* und Nlacrobius** angeben. Es ist aber möglich, daß die Eintheilung der Zeit durch den Wasserfall, oder die Uhr der Römer, ihren Grund in einer viel altern Sternkunde, wo man den Tag noch nicht in vier und zwanzig Theile theilte, suchen muß. Was die Eintheilung des Thierkreises selbst anbetrifft: so stellte man sich anfangs nur gewisse Linien vor, welche die Sterne, die man in jedem Theile sah, begrenzten: und man nennete sie allemal ein Gestirn.*** Dann belegte man jedes dieser Gestirne mit einem besonderer Namen; und da man damals außer dem Himmel und den Thieren weiter noch nicht viel kannte: so setzte man lauter Thiere an den Himmel, und gedachter Gürtel bekam dadurch den Namen des Thierkreises, s Hieraus erhellet zugleich, daß man die Namen der Menschen und anderer Geschöpfe erst in spatem Zeiten an den Himmel gefetzt hat.ff Diese zwölf Zeichen sind ohne Zweifel auch die Ursache , warum an verschiedenen Gegenden Asiens ein jedes Sonnenjahr nach ihrer Rechnung zwölf Jahre enthalt: denn,von dem Monde kann diese Art zu zählen, wie wir bereits dargethan haben, nicht herrühren: und diese Zeitrechnung ist bey gedachten Völkern von einem überaus hohen Alter. In * dlsrbem. I.. V. n. 5. ** Oommeni. 8omn. LsittE c. 21. und 2trn. Bandes 9ter Absch. 14. ***2tcn B- Y. Absch. H- Z. . k ^octiacus von ein kleines Thier. kk 2ten B> 9. Absch. §. Z 4 - 60 Von den ältesten astron. Entdeckungen. In der Folge zog man anch die übrigen Sterne ans- serhalb dem Thierkreise in verschiedene Figuren zusammen : und diese belegte man ebenfalls mit den Namen der Thiere. Auch ist es höchst wahrscheinlich, daß man sich alsdann erst, Menschengestalten an den Himmel zu sehen, einfallen ließ, als man schon die Sckicksaale der Menschen in der verschiedenen Lage der Gestirne voraus zu sehen glaubte. Dergleichen menschliche Gestalten hatten also anfangs keine Namen; und es geschah nur erst zur Zeit der eitel gesinnten Griechen, daß sie dergleichen Sternbilder mit den Namen ihrer Helden belegten. §. l7. Die VersahrungSart, vermöge welche man die Nachtgleichen und Sonnenwenden durch gewisse Sterne am Himmel anzeigte, gab in der Folge zu einer höchst wichtigen Entdeckung Gelegenheit. Denn gedachte Punkte waren nun auf bereits oben gedachte Weise bestimmt und diejenigen Sterne, welche sich zunächst dieser Punkte befanden , als bekannt feste gesetzt; man fuhr von Zeit zu Zeit mit diesen Beobachtungen fort: und nach einigen Jahrhunderten sah man, daß die Sterne, welche zum Beyspiel am Tage der Herbstnachtgleiche aus den Son- nenstralen hervorgerückt waren, nach etlichen . Jahrhunderten erst den darauf folgenden Tag erschienen. Da man nun aber die Punkte der Nachtgleichen und Sonnenwenden selbst unbeweglich zu ssyn glaubte: so schloß man, daß diese Bewegung den Sternen selbst eigenthüm- lich seyn müßte. Man nahm die künstliche Himmeiö- kugel mit den darauf gezeichneten Sternen zu Hilfe: und man bemerkte, daß diese beobachteten Sterne ihren Stand gegen die übrigen demohngeachtet nicht geändert hatten. Also laugnete man zwar die Unbeweglichkeit der einzelnen Fixsterne unter einander nicht: aber man erfand auf solche Art noch eine andere Sternkugel, welche sich nicht mir täglich einmal yuö Morgen gegen Abend, sondern Von den ältesten astron. Entdeckungen^ 6i auch zugleich um einen überaus geringe» Theil aus Abend gegen Morgen drehete: und diese ward das pri- mum mobile genennet. H. ^ Die Kenntnis? »ird genarie Bestlmmtheit jener vier Hauptpunkte der Ekliptik lehrte ferner, daß sich die Sonne keinesweges zwischen jedem gleich lange verweilte; das Heist: sie durchlief die Herden Quadranten der Ekliptik zwischen der Herbstnachtgleiche und Frühlingsnachtglei. che in kürzerer Zeit als die übrigen zween Quadranten des Frühlings und Sommers: also wurde dem Vater der Natur und Herrn des Himmels ein ungleichförmiger Lauf zugeeignot. Uebrigenö scheint es nicht, als wenn inan sich damals um die Erklärung gedachter Ungleichheit bekümmert habe: denn sonst hatte man etwa wieder einige Einwendungen gegen die größte Vollkommenheit, wie vorher bey dem schraubenförmigen Laufe der Sonne, finden mögen. Das nämliche beobachtete man auch an dem Monde: denn bey diesem sah man auch, daß er bald schnell und bald langsam lief. Um auf die Finsternisse zu kommen: so verbreiteten vorzüglich die Sonnenfinsternisse anfangs Furcht und Schrecken über den Erdboden: und wie konnte dieses anders seyn? Wenn die Sonne, welcher man doch die Erhaltung der ganzen Natur zuschrieb, am Hellen Mittage nach und nach zu verlöschen schien: so kam man ganz natürlich auf den Gedanken von einer allgemeinen Zerstörung der Welt; und man mußte viel solche Erscheinungen gesehen haben, che man sie ohne eine furchtsame Erwartung großer Veränderungen aller Geschöpfe betrachtete, und sie als natürliche Begebenheiten ansah. Die Chaldäer bemüheten sich zuerst, die Ursachen der Finsternisse zu entdecken: und dieß war ohnstreitig bey den Sonnenfinsternissen leichter als bey den Finsternissen des Monds. Denn man sah, daß der noch Helle Thell 62 Von den ältesten astron. Entdeckungen. Theil der Sonne allezeit sichelförmig gekrümmt erschien; man sah ferner, daß der Mond an dem Tage einer Son- nensinsterniß neu war und daher entweder an dem Orte der Sonne selbst oder wenigstens sehr nahe bey ihr stehen mußte; auch wußte man, daß der Mond eine Kugel und undurchscheinend war: daher schloß man allerdings, daß der Mond zur Zeit einer Sonnenfinsterniß vor der Sonne stand. Mit der Erklärung der Mondfinsternisse hielt es schon schwerer: denn man stellte sich die Erde immer zu groß vor und man konnte anfangs gar nicht begreifen, warum die Erde den Mond nicht zu allen Zeiten des Vollmonds verfinsterte und warum der Mond nicht zu allen Zeiten des Neumonds vor die Sonne zu stehen kam. Ja es gab sogar einige Völker, die noch einen besonder» dunkeln Körper erdichteten, von welchem sie behaupteten, daß er am Himmel unter der Sonne und dem Monde herumlaufe und ihnen ihr sicht zuweilen entzöge.* Allein bey aufgeklärtem Nationen des Alterthums kam man doch gar bald auch auf die wahre Ursache der Mondfinsternisse; und was den andern Einwurf anbetrifft: so konnte man ihn freylich nicht eher beantworten, als bis man einen hinreichenden Begriffnen der Bahn des Monds, von deren Neigung gegen die Ekliptik und von dem Knoten hatte: denn alsdann sagte man: deswegen kann nicht jeder Neumond eine Sonnenfinsterniß verursachen, weil nicht jeder Neumond gerade unter der Sonne stehet, das Heist, weil nicht jeder Neumond in den Knoten fallt. §. 19. Man fand also endlich, daß sich der Mond aus Abend gegen Morgen in einem Kreise bewegte, der gegen die Sonnenbahn eine Neigung hatte, und diese in zween Punkten, welche man die Knoten nannte, durchkreuzte; Von den ältesten astron. Entdeckungen. 6z kreuzte; der Winkel dieser Neigung betrug etwas über fünf Grad: und diese besondern Eigenschaften gedachter Kreise oder ihre Lagen gegen einander entdeckte man alle vermittelst oben erwähnter Kreissphäre. §- ro. Nachdem man wahrgenommen hatte, daß die Finsternisse natürliche Begebenheiten, waren, und nach dem vorgeschriebcnen Laufe der Sonne und des Monds oft erfolgen mußten: so beobachtete man dergleichen Erscheinungen sorgfältig; man bemerkte das Jahr und den Tag, an welchen sich dergleichen Begebenheiten ereigneten, wie auch, ob der südliche oder nördliche Theil der Sonne oder des Monds verfinstert war, oder ob das Licht gedachter Himmelskörper ganz verschwand: und aus diesem Grunde versäumete man nicht bey jedem Neumonde sowohl als Vollmonde sorgfältig aufden HimmelAch- tung zu geben: und auf selche Art erlangte man auch zugleich eine vollständigere Kcnntniß von der abwechseln- den Gestalt des Monds. §- 2i. Nun gelangten zwar besonders die morgenländischen Völker durch deren anhaltenden Fleiß, in Rücksicht auf die Beobachtungen des Mondslaufs, zu einer ziemlich genauen Kenntniß von der angefühten monatlichen Revolution des Monds: denn man maß dessen Abstand von der Sonne täglich; und ob sich gleich allerdings beträchtliche Irrthümer in ihre Beobachtungen einschleichen mußten: so wurden diese doch durch die Verbesserungen , welche aus den stets fortgesetzten oder aufs neue eingestellten Beobachtungen stoffen, niemals beträchtlich: und man sah allerdings, daß die Zeit von einem Vollmonde bis zum andern nicht stets gleich groß war, wie auch daß die Zeit von einem Neumonde bis zu den nächst darauf folgenden Vollmonde niemals die völlige Hälfte der Zeit seiner ganzen Revolution betrug. Hier- 64 Von den ältesten astron. Entdeckungen. Hierauf ließ man sich gedachte Ungleichförmigkeit des Mondlaufs genauer zu bestimmen angelegen seyn: nämlich, man gab sorgfältig Achtung, wie viel Zeit zwischen der geringsten Abweichung von dem gleichförmigen Laufe des Monds bis zu der größten, und so umgekehrt, vorbeystrich: und auf solche Art wurde die Periode der Ungleichförmigkeit des MondlaufZ bestimmt. Man bemerkte ferner, daß sich die Finsterniste kei- neSweges stets an einem und eben demselben Orte des Himmels ereigneten; und da man überzeugt war, daß sie doch allemal alsdann erst möglich waren, wann sich der Vollmond oder Neumond entweder in dem Knoten selbst oder wenigstens nahe dabey befand: so schloß man ganz natürlich, daß sich der Knoten selbst nach gewissen Gesehen fortbewegen müsse, und daß die Bewegung dieses Punktes von der Bewegung des Mondes ganz unabhängig war. Sie untersuchten daher auch, wie viel Zeit z» einem ganzen Umlauf des Knotens durch den Thierkreis erfordert wurde; und man nennete diesen Zeit- ^ raum die periodische Revolution der Mondsbreite. Eine lange Reihe von Beobachtungen gab ihnen überdieß noch verschiedene andere große Perioden der Bewegung des Monds in Rücksicht auf die Bewegung der Knoten seiner Bahn, wie auch auf die Bewegung der Sonne selbst, an die Hand:* und hieraus erhellet, daß die Alten den Lauf des Monds unter allen übrigen Planeten am fleißigsten und sorgfältigsten beobachtet haben. Aber die Abweichungen desselben sind zu groß und zuvielfaltig, als daß sie darinne zu einiger Gewißheit gelangen konnten. §- rr. Unter bereits gedachten Perioden des Mondlaufs fand sich auch eine, welche die Zeit zwoer Mondfinster. niste, * 2ten B- 4- Absch. §. 26. Von den ältesten astron. Entdeckungen. 65 nisse, die sich nicht nur an einem und eben demselben Orte des Himmels, sondern auch in cinerley Tagen des Jahres ereignet hatten, und überdieß beyde total gewesen waren: und diese Periode hielte man für den bestimmten Zeitraum, nach dessen Verlauf die nämlichen Finsterniß allemal wieder erscheinen mußte. Bey den Sonnenfinsternissen hingegen war die Bestimmung einer ahnst- chen Periode überaus schwer: denn man bemerkte nie. malS, daß sich diese nach irgend einer festgesetzten Zeit auf eine ähnliche Art ereigneten. Hieran war aber die überaus geringe Sonnenparallaxe schuld, von welcher man freylich erst in den neuern Zeiten richtigere Begriffe erhalten hat. Und diese damalige Unbestimmtheit gedachter Zwischenzeiten der Sonnenfinsternisse war auch die Ursache, warum die Alten weniger auf die Sonnenfinsternisse als Mondfinsternisse Acht hatten. Denn man findet unter allen Beobachtungen der Chaldäer, die uns pcolon'.äus mitgetheilet hak, nur eine einzige von einer Sonnenfinsterniß: man glaubte dergleichen Beobachtungen waren unnütz, weil dergleichen Erscheinungen doch nicht periodisch, soudern ganz zufällig auf eine unregelmäßige Art, deren Grund man nicht einsehen konnte, entstünden. §. 2z. Dann richtete man auch die Aufmerksamkeit nach den übrigen Planeten: man sah, daß sie sich vermöge ihrer eigenthümlichen Bewegung, bald aus Abend gegen Morgen bewegten, alsdann etliche Tage bey einem und eben demselben Fixsterne stille zu stehen schienen, hierauf wieder ein wenig rückwärts gegen Abend zu liefen, bald wieder gegen Morgen fortrückten, und auf solä)e Art endlich doch ihren ganzen Laufallemal in einer bestimmten Zeit durch den ganzen Thierkreis aus Abend gegen Morgen vollendeten; und diese periodische Zeit be- E stimmte 66 Von den ältesten astron. Entdeckungen. stimmte man anfangs ohnfehlbar für die drey obersten Pianecen zuerst. §- 24. Nun fah man, daß Saturn nicht nur unter allen übrige» Zrrsternen am schwächsten glänzte, sondern auch, um den Thierkreis zu durchlaufen, unter allen die längste Zeit uörhig hatte: hieraus urtheilte man sofort, daß er sied in einem großem Kreise als die übrigen bewegen, und aus diesem Grunde am weitesten von der Erde entfernt seyn müsse; eben so schloß man auch, bey dem Jupiter , Mars und der Sonne, von der Dauer ihrer Revolutionen auf deren verhältnißmäßige Entfernung; man stellte sich diest Bahnen in Gestalt koncentrischer Kreise, deren gemeinschaftlicher Mittelpunkt die Erde war, vor: und auf diese Art entstand das Weltstistem der Alten, welches uns unter dem Namen des Ptolomaischen be- kannt ist. Allein nun wußte man nicht, was man mit der Venus und dem Merkur anfangen sollte: denn diese bey- de ließen sich an die Vorschrift gar nicht binden. Mau sah zwar wohl, daß sie nach mannichfaltigen Ausschwei. jungen endlich ebenfalls den ganzen Thierkrcis aus Abend gegen Morgen durchliefen: aber dicß geschah allemal Heynahe in eben dem Zeitraum, in welchem ihn die Sonne zu durchlaufen schien; und man bemerkte überhaupt, daß sich diese beyde Planeten fast beständig nahe bcy der Sonne befanden. Hieraus schloß man wieder auf eine zweyfache Bewegung dieser beyden Sterne; denn man behauptete nicht nur eine mit der Sonne gemeinschaftliche Bewegung durch den Thierkreis, sondern man sag. te auch: diese zwey Planeten werden überdies; noch mit einem ganz besondern Hin- und Herrlichen gegen die Sonne selbst beunruhigt. Man wußte daher gar nicht, an welchen Ort des gedachten Weltsystems diese beyden Sterne angebracht werden sollten r ob sie sich in kleinern oder Von den ältesten astron. Entdeckungen. 67 oder größern Kreisen als die Sonne um die Erde walzten, oder ob sie alle dreye gleich weit abstünden; denn ihre damalige Meßkunst lehrte ihnen bloß so viel, daß diese Himmelskörper alle weiter als der Mond von der Erde abstehen mußten. Also war es, diese Frage zu entscheiden, überaus schwer, und die Meynungen der Astronomen wurden endlich getheilt. Einige sagten: sie sind weiter als die Sonne von der Erde entfernt, und ander behaupteten das Gegentheil. Unterdessen bemerkte man, daß vorzüglich Venus nicht stets mit einem gleich starkem Glanze erschien: denn zuweilen war ihr Licht, wenn sie allererst aus den Sonncnstralen hervorkam, überaus schwach: zu einer andern Zeit hingegen, und unter eben denselben Umstanden erschien sie ungleich größer und Heller. Nun wußte man, daß große Körper in der Ferne klein erschienen, und dann desto größer, je mehr man sich ihnen näherte: und auf solche Art kam man endlich ans die Idee, daß weder Venus noch Merkur stets einerlei) Entfernung von der Erde haben konnten; das Heist, man fand , daß sich diefe beyden Planeten um die Sonne bewegten. Uebrigens flehet man leicht, daß viel Zeit, um die Astronomen von der Wahrheit dieses Satzes zu überzeugen, nöthig war. Und diese Erfindung gehört den alten Aegyptiern. §. 25. > Einige Philosophen giengen in dergleichen Untersuchungen noch weiter. Denn da sie einmal von der Bewegung des Merkurs und der Venus um die Sonne überzeugt waren: so sahen sie freylich nicht, warum das nämliche nicht auch bey den übrige!, Planeten geschehen sollte. Vielleicht werden wir unten darthun, daß der Gedanke von dem, allererst vor ein paar Jahrhunderten durchgängig angenommenen Weltsystem, schon in den allerältesten Zeiten da gewesen, und ein Beweis für die da. E » mals 68 Von den ältesten astron. Entdeckungen. mals aufgeklärten Zeiten seyn muß. Es mar fast zu allen Heiken überaus viel gewagt, wann ein Weltweiter die Bewegung der Erde um ihre Axe und um die Sonne behauptete; denn das schien fast allemal den Religionö- wahrten einer jeden Nation zu widersprechen. H. 25. Ans dieser unsrer Entwickelung des Anfangs und des Wacbsthums der Sternkunde erhellet also ohnfehl- bar hinreichend, daß die meisten astronomischen Wahrheiten mehr als einmal erfunden und verloren worden sind; daß diese Wissenschaft anfangs bey den meisten Völkern, ohne einander Nachricht davon ertheilen zu können, kultivirt worden ist; daß es einige derselben wegen einiger auf uns gebrachter sehr wichtiger Entdeckungen , hierinne sehr weit gebracht haben müssen; und daß viel ausgezeichnete Begebenheiten, oder daraus gefolgerte Lehren, entweder durch einen allgemeinen Untergang ganzer Nationen, oder durch andere große StaatSverän- derunqen verloren gegangen sind: also hat allerdings einst eine uns zwar unbekannte, aber doch ziemlich vollkommene Astronomie existirt. Dritter Abschnitt. Ueber die Sternkunde vor der Sündfluth. ir verstehen unter dem Namen der Sternkunde vor der Sündfluth überhaupt die uns bekannten aller- altesten Kenntnisse dieser Wissenschaft. Daher werden wir uns nicht mit Festsetzung einer besonder« Epoche, die den Ursprung gedachter Wissenschaft bestimmen soll, beschäftigen, sondern nur darthun, daß viele Erfindungen derselben sehr alt und selbst vor den Zeiten der Sündfluth bekannt gewesen seyn müssen. §. r. Oben Von der Sternkunde vor der Sündfluth. 69 Oben haben wir gezeigt, daß uns von der Sternkunde der ältesten Völker nichts als herumliegende Trümmer eines allerdings ziemlich vollkommenen Ganzen übrig geblieben sind. Ein wichtiger Beweis dieser Vermu- thung wm-en nicht nur die von den Braminen eingeführ- ten Regeln, nach welchen die Indianer noch iht di? Finsternisse , ohne den Grund davon einzusehen, berechnen, sondern auch die wichtigen astronomischen Entdeckungen der alten Chaldäer und Chineser. Wenn wir uns die Mühe geben wollten, alles, was angeführte neuere Völker für ihre eigene Erfindungen auögeben, gehörig zu beleuchten, so würden wir ohnfehlbar finden, daß sie die« selben größtentheilö von ihren Vorfahren, die vor der Sündfluth lebten, erhalten haben: allein der Beweis davon würde doch sehr weitläufcig geführet werden müssen. Daher wollen wir uns in der Folge lieber bloß auf die Geschichte jener Nationen, welchen man in den uns bekannten Schriften die vornehmsten Erfindungen dieser Wissenschaft zuschreibk, einschränken und untersuchen, wie vollkommen dieselbe schon vor der Sündfluth gewesen seyn mag. §. Z. Man findet, daß die . sieben Planeten den ältesten Aegyptiern, Indianern und Chinesern bekannt gewesen sind; denn sie belegten mit deren Namen die sieben Tage der Woche; * und dieser Beweis ist, das Alter der Sternkunde bey angeführten Völkern weiter als bey allen übrigen hinaus zu sehen, hinreichend. Die Aegyp- tier fiengen mit dem Tage des SaturnS an, und zahlten sofort die Tage der Sonne, des Monds, des Mars, des Merkurs , des Jupiters und der Venus; die Indianer hingegen machten den Anfang der Woche mit dem E z Tage * lllv. II. 70 Von der Sternkunde vor der Sündfluth. Tage der Venus: aber so sehr man auch etwa in Rücksicht auf den Anfangstag von einander verschieden war: so wurde doch angezeigke Ordnung in allen Fallen bey- behalten. Die Ursache, aus welcher man gedachte Ordnung zu zählen gewahlet hat, ist uns völlig unbekannt; denn sie gründet sich weder auf die verschiedene scheinbare Größe der Planeten, noch auf ihre successive Entdeckung, noch aufeinige andere Eigenschaften derselben. Das sonderbarste hierinne ist nun freylich die bewun» dcrnSwürdige Uebercinstimmung der Benennung und Ordnung der Planeten bey angeführten Nationen, die doch weit von einander entfernt wohnten, und keine Ge- meinschaft haben konnten. Wollte man annehmen, daß diese Uebercinstimmung durch ein blindes Ohngsfehr entstanden sey: so würde man etwas behaupten, welches ganz und gar nicht wahrscheinlich wäre: eine so vielfältige Uebercinstimmung bringt kein Zufall hervor. Einige -Gelehrte wollten zwar hierinne einen Beweis für die Ge- aneinschaft gedachter Nationen, vermöge welcher sie einander ihre neuen Entdeckungen bekannt gemacht haben sollen, finden: allein sollten sich hiervon nicht auch in andern Fällen einige Spuhren zeigen? sie lernten ja einander erst in-weit jspätern Zeiten kennen? WasunSanbe- trisst r'so können wir uns keineswegs jemalen von einer solchen ^Gemeinschaft derselben überzeugen; und es ist eher wahrscheinlich, daß ganz Asien vor einer großen Weltver- anderung von einem mächtigen Volke, das allerdings gemeinschaftlich arbeitete und die Wissenschaften schon zu einem beträchtlichen Grade der Vollkommenheit gebracht hatte, bewohnt gewesen ist. Denn auf solche Art mußten freylich einerlei) Grundsätze durch oben angeführte, auf Steine gegrabene Innschriften, auf die Nachkommen gebracht werden. Von der Sternkunde vor der Sündfluth. 71 §' 4 « Die ersten Spuhren astronomischer Kenntnisse sin- det man in den Bestimmungen der Zeit: und hierinne fand man auch den ersten einleuchtenden Nutzen dieser Wissenschaft. Anfangs zahlte man, wie bereits gesagt worden ist, lauter einzelne Tage, dann Mondenmona- thr; und man kann auf solche Art gewiß versichert seyn, daß beyde Arten die Zeit zu zählen schon vor der großen Fluch üblich waren. Denn sie haben einen wesentlichen Nutzen, und sind der Grund zu allen übrigen Zeitrechnungen. Aus einer Stelle des Sttidao * erstehet man, daß damals ein Mondenjahr von Tagen und acht Stunden existirthat; und so lehret auch Moses** in seinem ersten Buche, daß man das Jahr zu seiner Zeit in zwölf Monathe lind dreyßig Tage theilele. Man findet aber überhaupt, daß verschiedene Nationen oft auf einmal zweyerley Jahre zahlten. Denn das Mondenjahr war fast bey allen Völkern, als eine allgemeine und nach Regelnder Sternkunde eingeführte Zeitrechnung, im Gebrauch; des Sonnenjahres hingegen pflegten sich bloß die, welche dem Feldbaue und der Viehzucht oblagen, zu bedienen. §. 5- Oben haben wir schon erinnert, daß man aus den Beobachtungen des Mondlaufs und aus der Zeit, nach welcher sich die Mondfinsternisse an einem und eben demselben Orte des Himmels ereigneten, eine besondere Periode, welche von ihren Erfindern die chaldaische hieß, bestimmte: ich meyne die Periode von Z25 Mondenmo- nathen, nach deren Verlauf der Neumond allemal nahe bey dem Knoten, oder nahe bey seiner größten Entfer- E 4 nung - Ullk. äe Iz Lkins. 1. I p. k>kr. 6e»- rr7. Klem, äe 1'^csä. ües 8cieucer. 1773- ** 2trn Band, i. Absch. §. 12. « 72 Von der Sternkunde vor der Sülidfluth. nung von der Erde fiel. * War nun diese Periode, woran wir nicht im Geringsten zweifeln, schon vor derSünd- fluth bekannt: so erhellet hinreichend, daß die Menschen auch damals schon Astronomen gewesen seyn müssen. Damit wir aber den Chaldäern die Ehre der Erfindung dieser Periode, die ihnen doch von vielen Geschichtschreibern zugeeignet wird, nicht auf eine ungerechte Art zu entziehen scheinen: so müssen wir nur noch dieß hinzusetzen, daß dieses Volk, in so ferne es uns bekannt ist, niemals die Ungleichförmigkeit des Mondlauss, noch das Fortrückender Knoten gekannt, vielweniger die Ursachen gewußt hat, aufwelche sich ihre Verfahrungsart, die Finsternisse voraus zu bestimmen, gründete: man verfuhr hierinne bloß nach den Vorschriften eines weit altern Volks, ohne zu wissen warum; ja man konnte sogar ausser den Finsternissen, dis allemal nach Verlauf gemeldeter Periode erfolgten, gar keine andere bestimmen. Gedachte Periode hat aber diese Unbequemlichkeit, daß der Neu und Vollmond nach derselben nicht allezeit auf einen und eben denselben Tag des SonnenjähreS von z6^ fallt. Wenn der Neumond am ersten Tage des Monaths gefallen war: so fiel er nach rrg Mondenmo- nathen am eilften Tage des nämlichen Monaths; und gleichwohl war eine Periode, welche die Neumonde auf den nämlichen Tag des Sonnenjahres brachte, in den damaligen Zeiten, wo die Neumonde die Epochen der Feste waren, überaus nützlich. Es war nicht schwer wahrzunehmen, daß, 'da sich die Neumonden allemal nach angeführten rrz Mondenmonarhen ohngefehr um eilf Tage verspäteten, sie sich um ein ganzes Sonnenjahr verspäten würden, wenn man noch zu diesen eilf Tagen ein ganzesMondenjahr von; 54 Tagenhinzuseßte. Denn auf solche Art mußten allemal nach neunzehn Jahren die . Neu- * 2. B- r. Absch. §. rz. Von der Sternkunde vor der Sündfluth. 73 Neumonde wieder auf den nämlichen Tag des Sonnen- jahreö fallen. Also machte man zwo Perioden: die eine von 18 Jahren i l Tagen, als nach welcher allezeit die ehemals da gewesenen Finsternisse wieder erschienen: die zwote hingegen von 19 Sonnenjahren, um die Epoche der großen Feste und Opfer anzuzeigen; und diese letztere war cs, die den Mcton in Griechenland so berühmt gemacht hat. Allein da man diese Periode auch bey überaus viel andern Völkern, als zum Beyspiel bey den Coptern, Chaldäern, Arabern, Indianern, Chinesen, und Tartaren findet: so erhellet leichte, daß wir die Erfindung derselben viel weiter hinaus sehen, und deren Ursprung ebenfalls bey den ersten Völkern vor derSünd- stuth suchen müssen. §. 6 . Man darf wegen der Erfindung dieser Periode eben nicht schließen, daß sie eine allzuweit ausgebreitete Kennt- niß astronomischer Erscheinungen voraussetze, und daß man diese den Bewohnern der ersten Welt nicht füglich zu- eignen könne: denn es wurden zu der Bestimmung jener neuem Periode von 6oo Jahren, die Joscphus* seinen Patriarchen zuschreibt, noch weit mehrere Kenntnisse und zahlreichere Beobachtungen erfordert. Also konnten ja die ersten Menschen die erstere Periode eben so leichte und wohl noch leichter erfinden.* Eine astronomische Periode Heist, wenn die Rede von einein Planeten ist, die Zeit, welche er braucht, um den Kreis, den er beschreibt, zu durchlaufen; wenn man aber auf verschiedene Planeten zugleich Rücksicht nimmt: so ist die Periode ihrer zugleich betrachteten Bewegung die Zeit, welche vorbeyfließt, ehe sie alle an dem nämlichen Orte des Himmels, von welchem sie ehemals zugleich ausliefen, zugleich wieder erscheinen. Man siehet leichte, E 5 daß 74 Von der Sternkunde vor der Sündfluth. daß diese Art von Perioden eine Anzahl von vollstandk. ge» Revolutionen eines jeden dieser Sterne genau enthalten muß; und dgßlgroße Jahr von 620 Jahren muß eine Periode dieser Art seyn: denn die Alten nennten Jahre, wie bereits oben gesagt worden ist, jede Revolution, sie mogte sich nun auf einen oder mehrere Planeten beziehen. Sie nenncten ein großes Jahr dasjenige, welches einen der längsten Raume vieler Revolutionen verschiedener Planeten zugleich enthielte. Der berühmte Dslnimeuo Lassini war der erste, welcher seine Aufmerksamkeit auf die Erzählung des Josephrrs richtete und die Richtigkeit dieser Periode, wie auch die aus die Länge des Jahres zur Zeit der Patriarchen darauf hergeleiteken, Schlüsse einsah. Erfand, daß 7421 Mondenrcvolukionen von- 29 Tagen 12 Stunden 44 Minuten, z Sekunden, 219146 Tage und einen halben ausmachten: und diese nämliche Anzahl von Tagen giebt 622 Sonnenjahre, jedes zu z6; Tagen 8 Scun- ' den 51 Minuten g 6 Sekunden gerechnet: ein Zeitraum, welcher nicht um drey Minuten von demjenigen, welchen man heut zu Tage durch die Berechnung eben so findet, unterschieden war. Eine solche genaue Bestimmung ist allerdings bey so alten Völkern zu bewundern: und man wird sehen, daß -Aipparchus sowohl als pcolomäus, die doch weit spater lebten, weit grössere Jrrthümer begangen haben. Noch mehr: es ist nicht einmal wahrscheinlich, daß angeführte Verschiedenheit von etwa drey Minuten das Resultat irriger Beobachtungen seyn kann: denn es ist zu vermuthen, daß das Jahr damals langer war, als es heut zu Tage ist. " Wenn nun angeführte Verschiedenheit irgend einer 'Verringerung der jährlichen scheinbaren Sonnenrevolution beyzumessen ist: so muß man gestehen, daß diese so akku- * 2ten Band, 2. Absch. §. io. Von der Sternkunde vor der Sündfluth. 75 akkurate Bestimmung der Zeit, in welcher sich die Sonne damals durch die Ekliptik zu bewegen schien, der Sternkunde vor der Sündfiuth unendlich viel Ehre macht. §. Fragt man, wie diese Periode entdeckt worden ist: so läßt sich die Frage auf zweyerley Art beantworten. Nämlich: entweder durch ununterbrochen fortgesetzte Beobachtungen, oder durch Hilfe einer lange Zeit kul- tivirten und zu einer hinlänglichen Vollkommenheit gebrachten Sternkunde: aber die Menschen der ersten Welt haben sich ohne allen Zweifel des erstem dieser beyden Mittel bedient. Man darf nicht zweifeln, daß man damals gewisse Abtheilungen des Tages hatte, sie mögen nun gewesen seyn, welche sie wollen: denn da man den Eintritt des Neumonds oder Vollmonds damals sehr sorgfältig beobachtete: so bemerkte man auch zugleich die Stunde, oder überhaupt die Zeit des Tages, in welchem sie fielen, so genau als möglich: und dieses konnte ohne vorausgesetzte kleinere Theile des Tages nicht geschehen. Nimmt man nun an, daß dergleichen Beobachtungen ununterbrochen viel Jahrhunderte lang fortgesetzt worden sind: sol mußte man allerdings gar bald wahr nehmen, daß diese Erscheinungen nicht eher als nach Verlauf eines Zeitraums von neunzehn Jahren, auf den nämlichen Tag des Jahres fielen; und, nachdem 62a oder zwsymal 620 Jahre verflossen waren: dann konnte man wahrnehmen oder schließen, daß die Neu- und Vollmonde allezeit nach sechs Jahrhunderten nicht nur in dem nämlichen Tage des Jahres, sondern auch in der nämlichen Stunde des Tages wieder kommen mußten: und diese Verfahrungsart zu schließen, scheint allerdings mit der natürlichen Einfalt der ersten Welt am meisten übereinzustimmen. Anfangs 76 Von der Sternkunde vor der Sündflnth. Anfangs führten die Menschen lange Zeit ein herum- schweifendcs Hirkenleben; und auf ihren Streifcreyen wurde, da sie sich oft ganze Nachte zu durchwachen ge- nöthigt sahen, der Grund zu den astronomischen Kenntnissen durch ihre Beobachtungen, die zwar vielleicht plump und schlecht waren, gelegt. Vor der alphabetischen Schreibart bedienten sie sich, um die Begebenheiten, deren Andenken sie erhalten wollten, der Hieroglyphen Ähre Schreibetafeln waren Steine, in welche sie die Nachrichten von ihren astronomischen Bemerkungen ein- gruhen und diese sofort an dem Orte, wo sie dergleichen Beobachtungen angestellt hatten, liegen ließen. Wenn nun etwa das nämliche Volk oder dessen Nachkömmlinge entweder durch den Zufall, oder durch die vergrößerte Menge ihrer Bedürfnisse an den vorigen Ort zurück ge- führet wurden: so wurden die altern eingegrabenen Beobachtungen mit den neuern verglichen: und auf solche Art konnten herumschweifende Völker zu astronomischen Kenntnissen, die zwar von der Kenntniß des Meridians unabhängig, aber doch ziemlich richtig, waren, gelangen. Inzwischen wurden die Menschen gesitteter; man bauete Städte; die Kunst, das Eisen und Kupfer zu bearbeiten, wurde entdeckt; man erfand einige Werkzeuge der Tonkunst: * und auf die Wissenschaften wurde ohnfehlbar der nämliche Fleiß verwendet. Man kann ohne Bedenken annehmen, daß man damals zur Sternkunde ebenfalls Werkzeuge erfunden hat: denn es läßt sich aus andern angeführten ziemlich auögebreiteten astronomischen Kenntnissen dieses Volks schließen, daß sie den Gnomon und die aus kupfernen Zirkeln zusammengesetzte Sphäre, von der wir im vorhergehenden Abschnitte redeten, schon erfunden hatten. Und so erhellet, warum ' i B. Mos. 4. v. 17, 21, 22. Von der Sternkunde vor der Sundfluth. 77 warum die Resultate ihrer Beobachtungen so akkurat, wie bereits oben gezeigt worden ist, ausfallen konnten. Aus angeführten Gründen wird ferner klar, daß man den Bewohnern der ersten Welt große philosophische Kenntnisse und sonderbare Entdeckungen in allen Arten der Künste und Wissenschaften zuschreiben muß. Warum sollten wir nun nicht schließen, daß sie die Revolutionen der Sonne und des Monds ebenfalls hinreichend genau untersucht, und daraus die bequeme Periode von üoo Jahre» entdeckt haben sollten? §. 8 . Bey dieser Periode, bey dieser genau bestimmten Lange des Jahrs von z6; Tagen s Stunden, Minuten und z6 Seeunden, waren Einschaltungen nothwendig. Das Jahr hatte ohne Zweifel zwölf Monathe von go Tagen, wozu man noch fünf Tage am Ende des letzten Monaths rechnete, und dieses wegen der, bey verschiedenen Völkern, eingeführten Gewohnheit, die sogar in den Morgenlandern wahrscheinlicher Weise allgemein gewesen ist. Allein, 600 Jahre, jedes von z6; Tagen machen nur r 19000 Tage, und die gedachte Periode enthalt deren gleichwohl 219146: es waren also 146 Tage auf irgend eine Art eingeschaltet. Die natürlichste Einschaltung, deren man sich damals gewiß bedienet hat, ist alle vier Jahr einen Tag einzuschalten, wie man noch heut zu Tage verfahrt. So hat man schon vor uralten Zeiten in China verfahren: die Indianer kennen diese Methode, und selbst in Aegypten findet man Spuhren davon. Es wäre überfiüßig zu wiederholen, daß einerlei) Art zu verfahren, wenn sie bey verschiedenen Völkern ausgeübt wird, eine gemeinschaftliche Quelle haben muß. Und da wir hier eine Einschaltung nöthig haben, so ist es natürlich, diejenige anzunehmen, die bey verschiedenen Völkern im Gebrauch war. 78 Von der Sternkunde vor der Sündfluth. Weiter unten werden wir uns überzeugen können, daß die Sternkunde dieser ersten Zeiten, die gemeinschaftliche Quelle war, woraus die Völker nach der Sündfluth geschöpft haben, oder vielmehr, woher die meisten Kenntnisse derselben ihren wahren Ursprung hatten. Wenn man alle vier Jahr einen Tag einschalreke, so mußte dieses am Ende von 600 Jahren Tage betragen; da aber deren nur 146 seyn sollten: so hat eö das Ansehen, daß man alle i;o Jahr einen Schalttag, oder, welches einerley ist, ein Schaltjahr unterdrückte, wie wir heutiges T^ageö alle loo Jahr zu thun pflegen. Die. se >)0 Jahre wurden eine Art von Periode, wovon wir anderwärts einige Spuhren antreffen werden. §- 9 - Wir vermukhen, daß die bekannte Eigenschaft der Zahl 60, welche durch viele Zahlen kann gekheilet werden, und welche folglich zur Rechnungsehr bequem ist, die Quelle von unendlich vielen Gebrauchen und Perioden gewesen ist. Da diese Gebrauche so allgemein waren, so sind wir geneigt, zu glauben, daß sie einen einzigen Ursprung haben. Die Alten wendeten diese ThcilungSart auf alles an; sie brauchten dieselbe beiden: Halbmesser des Zirkels, und bey dem Zirkel selbst, welcher anfangs 60, und in der Folge z6o Grade hatte. Man theilte den Tag, und nach und nach alle sei- ne Unterabthsilungen in 60 Theile. Man führte beym Steigern der Grösen die nämliche Progreßion ein, der man beym Zerfallen gefolgt war; und so wie ein Tag als ein Zeitraum von 60 Stunden, eine Stunde als ein Zeitraum von 60 Minuten konnte betrachtet werden: so machte man die Periode von 60 Tagen, deren sich die Tartaren und Chineser bedieneten; eben so entstand die Periode von 60 Jahren, deren Gebrauch in Asien all» gemein gewesen ist. Das Lustrum der Römer könnte Von der Sternkunde vor der Sündfluth. 79 wohl vielleicht den nämlichen Ursprung haben. Censo- rinns * setzt dasselbe in die Zahl von Perioden, die große Jahre genennet wurden: dieses würde eine Periode von 60 Monathen senn, die zwischen der von 60 Tagen und jener von 6? Jahren das Mittel hielte. Wenn man über den fast allgemeinen Gebrauch der Zahl 60 nachdenkt; wenn man sichet, daß die Periode von 60 Jahren zu Babylon bekannt war, und jederzeit in Indien und China bey der Zeitrechnung angewender worden ist; wenn man ferner überlegt, daß die Periode von z6oo Jahren ebenfalls zu Babylon bekannt war und bey den Indianern einqcführt wurde, wenn wir die vom Josephus erwähnte Periode von 6oo Jahren ansehen, deren Einführung, wie wir gezeigt haben, vor der Sündfluth vorhergsgangen ist, und von welcher sich auf gleiche Weise das Andenken, ohne Gebrauch davon zu machen, in Chaldäa erhalten hatte; wenn man endlich betrachtet, daß diese Völker, und zumal die Indianer nichts oder doch sehr wenig erfunden haben: so muß man nokhwendig auf dis Gedanken gerathen, dmß alle diese Kenntnisse, welche die Eigenschaft der Zahl 60 mir einem gewißem Charakter der Einförmigkeit bezeichnet, ihren Ursprung von einem einzigen und dem nämliche Volke hat; es sind Kenntnisse, die in verschiednen dauerhaften Denkmälern aufbcwahrt worden sind, und in welche sich nackqehsndö die Menschen gerheilet haben. An einem Drke hat die Unwissenheit nichts als das Andenken davon ausbewahrk: an einem anderen hak ein thakigec Verstand den Nutzen davon ausfündig zu machen gewußt. Allein, sollte man wohl aus diesen Gebrauchen, die allen Völkern in Asien gemein waren, schließen, daß in den entferntesten Zeiten unter allen diesen Völkern ein frcyer * De clis n.-rrali, c. iZ. Xlemoi'res äe l'^osclemie äer- Inkrlpr. 1. XXII. pa». tz2> sl- 80 Von der Sternkunde vor der Sündsiuth. freyer und leichter Umgang Statt gefunden habe? Ein Umgang, der mit den Ideen, welche man aus den alten Geschichtschreibern schöpfet, mit den Geheimnissen, in welche diese Völker ihre Kenntnisse verhülleten, und besonders mit ihrer Gewohnheit von andern abgesondert zu leben, streitet? Sie wußten in der That keine andere Geschichte, als die Ihrige, und lernten ihre Nachbarn nur durch die Gelegenheit des Kriegs kennen. Die Griechen sind vielleicht die ersten, welche aus eifriger Wißbegierde den Erdkreiß durchreiset haben, um sich mit ausländischen Ideen zu bereichern; ein freyer und gemeinschaftlicher Uingang hingegen wird bey diesen Völkern schwerlich so, wie bey dein aufgeklärtem Volk, der ersten Welt Statt finden. Wenn dieses ist: so muß man nothwendig schließen , daß die ähnlichen Perioden, die wir in verschiedenen Ländern antreffen, und hauptsächlich der allgemeine Gebrauch der Zahl 6o, von dem Daseyn dieses aufgeklärten Volks zeugt, welches noch vor der Sündsiuth war, und alle morgenländische Völker unterrichtet hat, so, daß diese Nationen weiter nichts, als den Unterricht aufbewahret haben. §. io. Es ist wahrscheinlich, daß eine Sternkunde, welche die genaueste Kennkniß von der Bewegung der Sonne und des Monds voraus setzte, eine Eintheilung der Gestirne hat machen müssen: die vornehmsten Sternbilder sind von einem hohen Alter. Man verglich den Mond mit dlesen festen Prmkten, und sein wohl bekannter Um- lauf von 27 Tagen und ^Stunden hat sogar zu einem Zeitmaße gedient. * Man kann nicht zweifeln, daß die Eintheilung des Thierkreises in sieben oder acht und zwanzig Gestirne'damals epistirt hat: denn erstlich trifft man sie bey allen Völkern an; und dann muß auch die Ein- * 2. r. Absch. §. iz. Von der Sternkunde vor der Sündfluth. 8r Eintheilung des Thierkreises in zwölf Zeichen, welche gewiß jünger ist, noch vorder Sündfluth, wie cs uns scheinet, gemacht seyn. Man erlaube uns hier einige Betrachtungen über diese zwey verschiedenen Einkheilun- gen des Thierkreises, wovon die eine sich auf die Bewegung des Monds, die andre aber auf die Bewegung der Sonne beziehet, anzustellen. Man kann nicht sagen, daß die Idee, den Thierkreis wie das Jahr in zwölf Theile zu theilen, eine von jenen einfachen und natürlichen Ideen sey, welche in allen Zeiten und an allen Orten sich gleich vom Anfänge dem menschlichen Verstände haben darbieten müssen: denn die Einteilung des Thierkreises in sieben oder acht und zwanzig Theile ist eben so natürlich. Aber eö würde schon eine sehr sonderbare Gleichförmigkeit feyn, wenn eine zwey Völker, die auf der Erdkugel sehr weit von einander entfernt wohnten, einerlei) Abteilungen hatten: wie viel außerordentlicher ist es also nicht, diese zwey Eintheilungcn bey den Arabern, den Indianern, den Einwohnern in Siam, und besonders bey den Aegyptiern und Chinefern beyfam- men anzutreffen, als welche beyde letztere Völker, ohne sich an den zwey äußersten Enden eines großen festen Landes zu wissen, lange Zeit existirt haben, und welche nichts, als ihren Ursprung, gemein haben konnten? Wenn man annimmt, daß die Ersindung dieser zwo Abtheilungen gedachten Ursprung hat; und wenn man die Ersindung selbst einem Volke, das alter als alle bereits angeführte Völker war, zufchreibt: so findet man in einer solchen Gleichförmigkeit nichts wunderbares, nichts übernatürliches: denn diese Ideen, die aus einer gemeinschaftlichen Quelle geflossen waren, mußten noth- wendig mit einander übereinstimmen. Und angeführte Nationen waren sich in Rücksicht auf ihre astronomischen Grundsätze einander ähnlich, ohne einander bekannt, noch durch irgend einen Umgang verbunden gewesen zu § seyn. 82 Von der Sternkunde vor der Sündfiuth. senn; üe batten ihre Wissenschaften bloß von einem gemeinschaft ichen Lehrer erhalten. Der Ursprung gedachter zwoen Abheilungen des Thü rkreises laßt sich schon deswegen, weil sie überaus alt sind, einem Volke zueignen, welches vor allen andern vorsiergieng: ja man kömmt durch dergleichen Be- tracl-tunaen auf die Gedanken, daß dieses älteste Volk in der That die erste Quelle des Lichts gewesen ist, welches sich in der Folge über die ganze Erde verbreitet hat. Hermes, welchen Manecho* vor die Zeiten der Sünt fluch hinaus seht, soll, wie einige dafür halten, den Thierkreis in zween, vier, zwölf und sechs unddrey- ßiq Thcile getheilet haben. Von diesen Abthellungen beuiö nete die erste den Raum des Thierkreises, welchen die Sonne von einer Nachtgleiche oder Sonnenwende bis zur andern durchlauft; die zwote bezog sich auf die vier Jahreszeiten; die dritte betraf die zwölf Zeichen des Thierkreises; und die vierte machte aufs neue in jedem dieser Zeichen drey Unterabtheiluugen. Allein, da das Alter des Hermes, oder vielmehr das Zeugniß des Manechon einigem Zweifel ausgefeht ist: so wollen wir das hohe Alter der Eintheilung deö Thierkreises noch aus andern Gründen herzuleiten suchen. Eudoxns, ein griechischer Astronome benachrichtigt uns, daß die Sonnenwenden und Nachtgleiche» zu seiner Zeit in der Mitte des Widders, des Krebses, der Waae und des Steinbocks festgesetzt waren: und wir werden in der Folge sinden, daß diese von dein Eudo- xus angegebene Bestimmung lange vor seiner Zeit und zwar ohngefehr im Jahrhunderte des Chirons, oder i g) z Jahre vor Christi Geburt gemacht worden seyn muß. * * Ißt wollen wir nur dieses bemerken, daß diejenigen, welche gedachte Eintheilung einführten, den Anfang * Hnceürtt. x- 40. ** atm B- 9. Absch. §. z6. u. f. Von der Sternkunde vor der Sündfluth. 8z Anfang ohnfehlbar bey den Punkten der Sonnenwenden oder Nachtgleichen gemacht haben müssen: denn das Ge- gentheil ist gar nicht wahrscheinlich. * Die Einteilung in zwölf Zeichen stellet weiter nichts, als die vier vornehmsten Theile des Thierkreifeö, deren jeder wieder in drey andere gekheilet ist, vor: und es wäre ganz und gar kein Grund vorhanden, ^varnm man jede Nachtgleiche und Sonnenwende vielmehr in einen andern Punkt eines solchen Sternbildes, als in dessen Anfang gesetzt hatte: also sielen gedachte Punkte einstmale» allerdings auf die Anfangspunkte gewisser Sternbilder des Thierkreifeö. Und die Zeit, da dieses geschah, muß nach astronomischen Berechnungen von derjenigen, in welcher gedachte Punkte mitten ober, welches gleichviel ist, durch den funf- zehcnden Grad des Widders, des Krebses, der Wage und des Steinsbocks sielen, wenigstens nm io8o Jahre verschieden seyn. Zufolge dieser Betrachtung könnte man nun schon annehmen, daß die Frühlinaönachkglei- che ohngefehr 2400 Jahr vor Christi Geburt gerade in den ersten Grad des Stiers gefallen wäre: allein wenn man bedenkt, daß eine Menge von Beobachtungen und Zeugnissen des Alterthums deutlich beweisen, daß die Plejaden und Hyaden, wie auch die übrigen Sterne des Stieres, und überhaupt die Bilder des ganzen Thierkrei- fes schon zaoO Jahre vor Christi Geburt bekannt waren; ** wenn man überdieß überlegt, daß auch verschiedene mündliche Ueberlieferungcn dis Sonne beyin An. fange deS Jahres wirklich in den Stier setzten: so erhalt obgedachte Konjektur ohnfehlbar einen hohen Grad der Gewißheit selbst; und man kann annehmen, daß die Frühlingsnachtgleiche damals in die Hellen Sterne der Hörner des Stieres gefallen seyn mag. Dieser Schluß F 2 wird * 2ten B- 2. Absch. §. n. ** 2ten B- 9- Absch. §. 7. 8- S- 10. 84 Von der Sternknnde vor der Simdfluth. wird nun aber auch durch einen Vers des Vngi^ bestätigt: denn dieser sagt es, wie es scheint, ausdrücklich. Lsnäiäus suratis agerit cum cornibus rmnum 1"iturus* — — — — Nun folgt aus astronomischen Berechnungen, daß dieFrühlingSnachtgleicheohngefehrum dasIahr 4600 vor (LhrlstlGeburt aufdieHörnerdesSkierS gefallen seyn kann Wenn man dieß alles sorgfältig überlegt: so stehet man, daß die oben angegebene Abtheilung des Thierkreises allerdings lange vor der Sündfluth gemacht worden senn muß. Uns ist ja auch schon aus dem obigen bekannt , daß die Menschen vor der Sündfluth weder den jährlichen Umlauf der Sonne, noch den monatlichen des Monds, viclweniger die bereits angeführte große Periode der Finsternisse, ohne vorher andere weit leichtere astronomische Arbeiten unternommen zu haben, nicht hätten bestimmen können: und die Einteilung des Thier- freistes ist ohnfehlbar eine von diesen leichtern Unternehmungen. Uebrigens hat sich die Tradition, das der Stier das Jahr eröffnete, bis auf die Zeiten des Virgils erhalten: und dieser Dichter verewigte sie, ohne vielleicht daran zu denken, das sie zu seiner Zeit nicht mehr giltig war. §. n. Wir müssen bey obiger Muthmaßung noch einen Augenblick verweilen: denn ihre Wahrscheinlichkeit wird noch von zwoen andern Traditionen, die wir hier anzei- gen wollen, unterstützt. Die erste ist eine dunkele Tradition der Scythen, aus welcher man stehet, daß die Sommersonnwende einstmalen in das Zeichen des Löwens fiel.** Die zwote, welche deutlich und entscheidend ist, findet sich bey den Chinesern, die ihr Jahr mit der Sommer- * 6eorxic. I.. I. V. 217. ** 2 . D. 2. Absch. §. Ik Von der Sternkunde vor der Sündfluth. 85 Sommersonnenwende anfangen: zufolge dieser hat Chile« ni, einer der ersten chinesischen Kayser den Anfang des Jahres auf die Zeit, in welcher sich die Sonne allemal in einem gewissen Punkte des Thierkreises befand, festgesetzt: und dieser Punkt stimmt mit dem fünfzehnten Grade des Wassermanns überein. * Nun folgt aus unserm, ohnstreitig ganz sichern, Grundsätze, vermöge dessen die Nachtgleichen und Sonnenwenden ursprünglich allemal in den Anfang eines himm- lischen Zeichens gesetzt werden mußten, daß, als die erste Eintheilung des TyierkreiseS gemacht wurde, die Sommersonnenwende mit dem ersten Grade der Jungfrau, und die Wintersonnenwende mir dem ersten Grade der Fische zusammengefallen seyn muß: eine Schlußfolge , die den Gründen, welche wir vorgetragen haben, vollkommen angemessen ist. Wenn wir sagen, daß die Nachtgleichen und Sonnenwenden auf gedachte Punkte des Thierkreises bey der ältesten Bestimmung derselben feste gesetzt worden sind: so geschehet dieses nur, um nicht weiter in die alten Zeiten zurück zu gehen: man entscheidet hiermit deswegen nicht, daß diese Punkte niemals noch weiter vorwärts gefallen, oder bemerkt worden, seyn können. §. 12 . Die Alten konnten den Thierkreis bey ihrer gründlichen Kenntniß des Himmels, ohne gedachtes Fortrü- cken der Sterne aus Morgen gegen Abend beobachtet zu haben, nicht so schicklich eintheilen: denn außerdem, daß man diese Gewohnheit in ganz Asien bey den Chinesern, Indianern, Chaldäern und Persern findet, und daß dieser allgemeine Gebrauch eine gemeinschaftliche Quelle haben muß: so beweist dieses auch noch eine ganz besondere Tradition der Indianer. Sie sagen: man sehe am F z Himmel * k-lsrtini klick, äe lr Lkine 1. I. x. Z2. 86 Von der Sternkunde vor der Sündsiuth. Himmel zween einander entgegenstehende Sterne, wel- chen den Thierkreis in 144 Jahren durchlaufen. * Diese entgegengesetzten Sterne scheinen das sogenannte Auge des Stiers und das Herz des Skorpions zu seyn; sie zeigen einige Ähnlichkeit zwischen dieser und der oben angeführten persianischm Tradition von vier Sternen, die ursprünglich in den vier Hauptgegenden der Welt stehen sollten.** Was bedeuten aber dis 144 Jahre, in welchen sie ihren Ilmlauf vollenden sollen? Das Leben eines Menschen ist hinreichend, sich von einem Jrrthum in dieser Zahl der Jahre zu überzeugen. Die itzigen Indianer kennen die Revolution der sämmtlichen Fixsterne lind eignen derselben 24200 Jahre zu: und die wah. re Revolution derselben, die aus den gellauesten europäischen Beobachtungen hergeleikec ist, enthalt '.59 20 Jahre. Man must daher glauben, daß jene 144 Jahre keine Sonnenjahre, sondern weit längere Zeiträume waren. Nun findet man aber bey den Tartaren eine Periode von iZo Jahren: diese nennen sie Van:*** und 144 mal macht akkurat 25920. Ein Zufall kann wohl keine so große Genauigkeit hervorbringen. Die Indianer haben die gedachte, ohne Zweifel sehr alte, Periode Van, ohne zu wissen, wie viel Jahre sie enthielt, durch die Tradition aus die Nachkommen gebracht. In der Folge haben die Indianer die Bewegung der Fixsterne zwar aufs neue kennen gelernt: aber ihre Urthei- le hiervon waren sehr unrichtig. Jene alte Tradition hingegen, welche durch sie auf uns gebracht worden ist, zeigt, daß diese Nation von einem alten Volke absiam- men muß, welches in diesem wichtigen Punkte der Sternkunde sehr weit gekommen war. §. iz. Wir * Abraham Aaebuk im Xiccius. liLÄ. äs motu VÄ. lpd-rerse. c. IX. p. ;i. ** 1. Band. I. Absch. §- 9- * * * 2ttn Band. z. Absch. §. 24. Von der Sternkunde vor der Sündfiuth. 87 Wir gehen noch weiter: wir halten es nicht für unmöglich, daß eine der berühmtesten Unternehmungen unserer neuern Jahrhunderte, schon in jenen weit entfernten Zeiten ausgeübt worden feyn mag: ich meyne die Ausmessung des Erdballs. Aristoteles benachrichtigt unö, daß die Mcßkünst- ler zu seiner Zeit den Grad der Erde aus 11 > i Stadien schaßten: den ganzen Umkreis derselben berechneten sie also auf 400000 Stadien. Nun kommen die Gelehrten heut zu Tage darinne überein, daß man hierunter weder das griechische noch alexandrinische Stadium verstehen kann: denn das kleinste derselben würde die Erde doch wenigsten noch einmal so groß, als sie wirklich ist, angeben. Aber nach einer Bestimmung dieses Stadiums, die uns eigen ist, und an deren Genauigkeit wir fast nicht zweifeln dürfen, findet man, daß ein Grad des Erdballs, oder 11n Stadien gerade 57060 Toisen ausmachen: folglich stimmt, die alte Ausmessung eines Grades des Meridians mit den nenern Ausmessungen bis aus sechs Toisen überein:* ** eine Genauigkeit, welche allerdings bewundernswürdig ist. * * F 4 Haben * Dieß ist bloß von dem Grade des Meridians in Frankreich, welchen der Abbe Piccard gemessen hat, zu verstehen: in Asien, oder überhaupt weiter gegen den Aequator zu, würde der Unterschied ohnfehlbar größer als nm sechs Toisen ausfallen. Uebersencr. ** Wir setzen das gedachte Stadium des Aristoteles ans 51 Toisen; einen Fuß, einen Zoll und 0, 92 Linien: und wir glauben , daß diese Bestimmung richtig ist. Wollre man sie demohugeachtct nicht annehmen: so würde unsere Mey- nung doch nichts darunter leiden. Dieses > Stadium war schon vor uns bekannt: Sel'Isle selbst hat mich hierzu veranlaßt, klein. (Zs I'.^caö. 6es Lcienc. 1721. x. 60. Herr Iberer setzt es auf ZI Toisen, 2 Fuß, 6 Zoll und II Linien. 88 Von der Sternkunde vor der Sündfluth. Haben wir denn etwa unumstößliche Gründe, daß man die Sternkunde einstmalen nicht zu einem sehr hohen Grade der Vollkommenheit gebracht haben kann? Wir können von den Wissenschaften der Alten bloß durch einzelne oder abgerissene Trümmer eines Ganzen einigermaßen urtheilen: das Ganze selbst bleibt vor unfern Augen verborgen: und gleichwohl bestimmt dieß Ganze den Zustand und die Verfassung einer Wissenschaft. Aber der, welcher itzt eine Geschichte der Sternkunde schreibt, hat keine andern Quellen, woraus er schöpfen kann, als die zerrissenen Nachrichten der Alten: diese muß er unter einander vergleichen und da, wo nichts verständliches herauskömmt, Wahrscheinlichkeiten aufsuchen. Endlich muß er unter allen Wahrscheinlichkeiten bloß diejenige, welche den wenigsten Widersprüchen unterworfen ist, Wahlen. Gedachte Ausmessung der Erde ist, weil sie mit so großer Genauigkeit bewerkstelliget werden konnte, kein Werk der alten uns bekannten Griechen; auch in Asien finden wir keine Nation, der man es zueignen könnte; und was die Chineser oder Chaldäer in diesem Fache gethan haben, ist, gegen gedachte Ausmessung betrachtetet, nur ein sehr fehlerhaftes Ohngefehr oder Näherung: und wir begreifen leichte, daß diese Unternehmung einem alten Volke, bey welchen die Wissenschaften überhaupt schon zu einem reifen Alter gelangt waren, zugeschrieben werden muß. Wie Linien, ^kem.'cle 1'^.crlä. äezlnlcr. 1°. 24. x. 504. OE- r»//e bringt das Stadium durch einige geographische Ausmessungen auf 51 Toisen. kkes. irin. p. 84. Diese zwo Bestimmungen würden dem Grade 57148 oder 56667 Toisen geben: und dann würde der größte Unterschied von unfern neuern Ausmessungen doch nur 400 Toisen betragen. Aber in unserer Geschichte der neuern Sternkunde werden wir hiervon mit mehreren zu handeln Gelegenheit finden. Von der Sternkunde vor der Sündflitth. 89 Wie könnte nun dieses Volk unbekannt geblieben seyn, wenn es mit den Indianern und Chaldäern zu gleicher Zeit existirt hatte? Der Ruhm, welchen sich diese lehtern in der Weltweisheit und andern Wissenschaften erworben haben, ist ja auch auf uns gebracht worden? Man muß also zugeben, daß jene alte Nation weit eher existirt hat. Es ist zu vermuthen, daß jenes oben gedachte Resultat der Erdmessung durch den Tallisthenes aus den Morgenländern an den Aristoteles überschickt worden seyn mag: denn jener schickte diesem, wie oben gesagt worden ist, das Verzeichniß der babylonischen Beobachtungen : und unter diesen Beobachtungen hatte man ohn- fehlbar auch jene chäldäische Tradition von der Ausmessung und Größe des Erdballs ausbewahret: denn die Babylonier verstanden zur Zeit des Alexanders von der ganzen Sache nichts. §. ! 4 - Unter jenem alten aufgeklärtem Volke lebte der berühmte Merkurms Trismegistus der Griechen, wie auch der Thauc oder Thoth der Aegypkier und der Butta der Indianer: aber diese Männer sind alle zusammengenommen, ohnfehlbar nur ein einziger, welchen sich in der Folge eine jede von 'gedachten Nationen unter einem besonder» Namen zugeeignet hat. Manethon, der die ägyptischen Alterthümer vollkommen kannte, seht ihn in die Zeiten vor der Sündfluth. Ein eingeführter Gebrauch bey den Indianern läßt uns glauben, daß Butta, Merkur und Thoth die nämliche Person sey. Nämlich, der vierte Tag in der Woche ist diesem Stiff- ter ihrer Philosophie geweyhet, so wie er es bey den Aegypciern dem Erfinder der ältesten Künste, dem Thor ist: und dieser Tag ist bey einem und dem andern» Volke durch den Planeten bemerkt, den wir heute zu F 5 Tage 9O Von der Sternkunde vor der Sündfluth. Tage Merkur nennen." Der Erfinder des Thierkrei- seö und des Sonncnjahrs, der vielleicht Herkules geheißen hat, wie wir in der Folge dieses Werks zeigen werden, giebk uns einige Synchromismen an die Hand, welcheunsercAnfmerksamkeitverdienen. Wir haben gesagt, daß die erste Abtheilung deö ThicrkreiseS, welche die Nachtgleiche in den ersten Grad der Zwillinge seht, um das Jahr 4600 vor Christi Geburt, gemacht seyn muß: einige Muthmaßungen, die wir anfdie scheinbare Verringerung der Lange des Sonnenjahrs gegründet haben, scheinen die Bestimmung dieses Jahrs von z6; Tagen, 5 Stunden, s i Minuten und z6 Secunden, die aus der Periode von 620 Jahren hergeleiket ist, um das Jahr 4z 00 oder 4402 zu sehen.** Andere Vermuthungcn über den Ort des Apogäums der Sonne in gewißen indianischen Rechnungen leiten uns ebenfalls auf das Jahr 4.200.*** Diodorus Giculus benachrichtiget uns, daß der orientalische Herkules, der das Muster des griechischen Herkules gewesen ist, 10000 Jahrs eher, als der letztere gelebet habe. Diese 10000 Jahre kön- . neu keine Sonnenjahre seyn: denn wir kennen keine Traditionen, die eine so lange Zeit hindurch aufbewahrt worden waren; wir vermuthen vielmehr, daß es Perioden von 4. Monarhen sind. Sie sind zwar von einer beson- dern Art: allein sie haben doch das Zeugniß des ganzen AlterthumS vor sich; und unsre Voraussetzung geschehet mit Recht. Folglich lassen sich die 12200 Jahre auf 3 ZZZ Jahre bringen: und diese geben , wenn sie zum Jahre lz8z,ss da Alcäus, Sohn der Alcmene mit dem Beynamcn Herkules gebohren wurde, hinzu- gcthan * ^lemoires äL l'^LAäemiellssInlcri'pc.l'om.Zl.p. 117. ** Lkiill)- dlcm. 8cien. Ip/Z. *** itcr Band, z Absch. §. 16. s isten Band l Absch. § ssdl. llreret vek. üs la (^bron. x. 6z. Von der Sternkunde vor der Sündffuth. 91 gethan werden, das Jahr 4716, vor der christlichen Zeitrechnung, zur Epoche des morgenländischen Herkules. Man stehet wohl, daß diese Epochen der Bestimmung des Sonnenjahres, der ersten Abtheilung des Thierkreiseö und der Zeit, da der morgenländische -Herkules lebte, nicht anders, als mit Verfehlung einiger Jahrhunderte geschaßt werden können: doch die Verschiedenheit von zwei) oder drei) Jahrhunderten laßt noch allemal eine Art von Uebercinstimmung in diesen Epochen Statt finden. Arif solche Art könnte man also die Zeit des Jahrs 4700 und die benachbarten Jahrhunderte als die Zeit betrachten, in welcher die Astronomie blühete, und in welcher diese verschiedenen Entdeckungen gemacht wurden. Es ist kein Zweifel, daß die Nation, welche die Sternkunde bis aus diese Stufe der Vollkommenheit gebracht hatte, nicht auch viel andere nützliche Künste und Wissenschaften sollte erfunden haben; diese können ebenfalls größkenkhcils mit gedachter Nation selbst verlohren gegangen seyn: und vielleicht hat man auch einige da- von in der Folge wieder gefunden. So weiß man, daß der Gebrauch der Magnetnadel bey einigen astatischen . Nationen überaus alt ist; * das nämliche stndet auch von den Wasseruhren und Sanduhren statt; und vielleicht hatten die Araber selbst von dem Pendul schon einige Kenntniß. ** Gedachte alte Nation war ohnfehlbar jmit verschiedenen astronomischen Werkzeugen versehen; denn es scheint, als ob diese zu den, im vorherhehenden Abschnit- te angeführten, wichtigen Entdeckungen unumgänglich nöthig gewesen seyen: wenigstens muß man zugeben, daß * 2ten Band. 4 Absch. §. 2z. ** Man sehe hiervon unsere Geschichte der neuern Sternkunde. 22 Von der Sternkunde vor der Sündfluth. daß der so unentbehrliche Gnomon schon bey den ältesten Bewohnern der alten Welt erfunden worden ist: denn die alten Pyramiden dienten allerdings anstatt der neuern Gnomonen. Pli,lius* spricht, daß der, welcher die erste Pyramide habe bauen lassen, ein Beherrscher über die Stadt der Sonne, Namens Mifires oder klFicres, gewesen sey, und daß inan in der Folge dergleichen Pyramiden selbst deswegen MitreS genennet habe, weil sie gleichsam die Gestalt der Sonnenstralen nachzuahmen schienen. Laßt sich nun hieraus nicht sehr wahrscheinlich murhmaßen, daß die ersten Pyramiden in Asien, wo dergleichen Denkmäler von einem sehr hohen Alter gefunden werden,** und wo man eben so, wie in Aegypten Städte der Sonne antrifft, errichtet worden seyen?s Man erzeigte ja in den morgenländischen Reichen dem LIAcra, oder der Sonne göttliche Verehrung? Und die Indianer nennen noch itzt den Genius der Sonne Mi- traha.ss So große Uebereinstimmungen vieler Gebräuche unter so verschiedenen Nationen, wie auch die Gewohnheit, alle Tempel winkelrecht nach den vier Weltgegenden aufzuführen, konnte sich auf nichts anders als auf eine gemeinschaftliche Quelle, das Heist, auf eine allgemeine Kenntniß des Gnomons gründen: und die Erfindung dieses Werkzeugs muß auf solche Art allerdings über die Zeiten der Sündfluth hinaus fallen. Man ' n XXXVI. c. 8. * * Der sicilianische Diodorus redet von einem pyrami- denförmigen Conncnzeigcr, welcher auf Befehl der Semis rami« am Wege nach Babylon aufgcrichtet war. läk. II. §. n. und P. Pezron setzt die Zeit der Regierung gedach. ter Königen 22^9 Jahr v. C. N. ^nrig. rei»dl. p. »47. f Palmyra hieß so viel als Balbcck oder die Stadt der Sonne. öldl. orienr. p. tZl- Xlemoiees l'^crul. äer lulcrixrioiir 1 °. XXXI x. 198- 4ri. 4Z8. Don der Sternkunde vor der Sündfluth. 9z Man findet in der von Herrn -Holwel besorgten Uebersetzung des Gyastcrh sowohl, als in den, von dein Grafen von Büfson aufbewahrten Papieren UN» sers ohulängst verstorbenen Eommerson, daß die Indianer fünfzehn Sonnenmonden oder Planeten zahlen. Graf von Büsfoil erstaunte über diese sonderbare Nachricht: und wir auch: denn das Alterthum zahlte deren zu allen Zeiten nur sieben. Unsere europäischen Sternkundige» zahlen deren, seit Erfindung der Fernrohre sechzehn, und also nur einen mehr als die Indianer. Hieraus sollte man nun aufden Einfall gerathen, als ob die Vorfahren gedachter Völker die Monden des Jupiters und SaturnS ebenfalls gekannt hatten. Ader gesetzt, man ließe diese Vermuthung gelten: so fragt sichs: welcher von gedachten Nebenplanctcn ist es wohl, den man von obiger Zahl i6 ausgeschlossen hat? Die Kenntniß der Monden des SaturnS und Jupiters setzt ferner eine ausgebreitete Wissenschaft der Optik voraus: man müßte damals schon vortrefiiche Fernröhre zu bereiten gewußt haben. Da wir nun schon hinlänglich gezeigt haben, daß die Sternkunde vor den Zeiten der Sündfluth überaus wichtige Progressen gemacht haben muß: so wagen wir es nicht, ihnen eine Erfindung abzufprechen, von welcher nach der Sündfluth nur noch einige kaum merkliche Spuhren zurück geblieben seyn mögen: wenigstens kann man annehmen, daß jene lange Röhre, deren sich -Hipparchus zur Betrachtung des Himmels bediente, und deren Gebrauch man zuerst bey den Chinesern* fand, ein zurückgebliebenes Merkmal jener allerältesten optischen Erfindungen war. Die Kunst, Glas zu schleifen und zu Policen, war verloren ; die Tradition hatte bloß den Gebrauch der, zu diesen ' Man sehe hierüber: l'tlllckone äe l'.^lkronomie mo- äerue. 94 Von der Sternkunde vor der Sündfluth. sen optischen Werkzeugen nöthigen Röhren aufbewahret: und man bediente sich dieser bloß, lim die falschen Stra- len, die von den Seiten in das Auge fallen, abzuhalten.* §- i6. Vielleicht findet man ben den Alten noch einige Spuh- ren, die, wenn man sie sorgfältig untersucht, den Ge. brauch der Fernröhre bey einem noch altern Volke ver- muthen lassen. Man weiß nämlich, daß einige Philo, sophen den Mond für einen Erdball, wie den unsrigen ansahen: ja einige gicngen gar so weit, daß sie behaupteten , man könnte in dem Monde sogar die Berge von den Thalern gar deutlich unterscheiden. Wie könnte man nun dieses, ohne den Mond jemals mit einem Fernrohre betrachtet zu haben, annehmen? Man weiß ferner, daß die Alten den weißen Schein der Milchstraße schon für eine Vereinigung vieler überaus kleiner und sehr nahe beysammen stehender Sterne hielten: und so etwas laßt sich nicht durch bloßes philosophiren, ohne auf gewisse Beobachtungen Rücksicht zu nehmen, vermuthen oder als * Der Herr Graf von Lall vermuthet in seiner Abhandluna, die sicli in den lckem. cle l'^cacl. äe« Iickeiip- rions befindet, daß der Gebrauch des Teleskops den Alten bekannt gewesen sc»: eine Stelle des Gtrabo hat ihn auf diese Gedanken gebracht. Denn dieser spricht, indem er von der, nach der damaligen Meinung, vergrößerten Größe der Sonne und des Monds im Horizonte, redet: „die Dünste haben mit den Sehero'hren cincrley Wirkung: sie vermehren die scheinbare Größe der Gegenstände." öck-r- öo bih. III. und ttist.Vcaä. licke,-chr. 1 . XXVII. p. 62. Aber wenn die Fernröhre zur Zeit des Gtrabo bekannt waren: warum meldeten andere Schriftsteller davon nichts? Um diese Meinung zu bestätigen, müßte man meines Erach. lens stärkere Beweise führen. Widrigenfalls laßt sich noch eher vermuthen, daß Gtrabo bloß diese Erklärung von einem weit älter» Gelehrten, vielleicht durch die Tradition oder auf eine andere Art erhalten. und, ohne den Grund davon einzusehen, vorgetragen habe. Von der Sternkunde vor der Sündfluth. 9z als Wahrheit behaupten. Jedoch dieß alles mögke sich vielleicht doch noch auf eine andere Art erklären lassen: aber wenn man bedenkt, daß einigen alten Philosophen auch sogar die Zurückkunft eines und eben desselben Kometen bekannt war: so müßte man erstaunen, wenn man annehmen wollte, daß ihre Vorfahren zu einer solchen Kenntnifi ohne Hilfe der Fernrohre hatten gelange» können. Wie viel mal hatte da nicht ein Komet wieder kommen müssen, ehe man mit bloßen Augen hotte wahrnehmen können, daß es eben derselbe, welcher ehemals erschien, gewesen wäre? Nein! hierzu scheinen allerdings dergleichen optische Werkzeuge nöthig gewesen zu seyn: denn widrigenfalls hatte man einen Kometen wegen der, nach Maßgabe seiner Entfernung von der Erde und Sonne, so verschiedenen scheinbaren Größe und Gestalt, nicht für eben denselben halten und aus dessen periodischen Lauf schließen können. Aus diesem allem erhellet nun zwar, daß die bisher angeführten Beweise für eine überaus kultivirte Sternkunde der ersten Welt, nicht alle von gleicher Wichtigkeit sind: allein wenn wir sie alle zusammen zugleich betrachten : so wird doch unsere Meynung ohnfehl- bar zu einen, sehr hohen Grade der Wahrscheinlichkeit erhoben; und man muß gestehen, daß wenigstens der asiatische Welttheil, vor jener großen Veränderung der Erde, mit einem großem aufgeklärtem Volke, von dessen Kenntnissen uns nur noch sehr wenige Denkmäler übrig geblieben seyn können, bewohnt gewesen ist. §. r?. Man findet in der Geschichte des Alterkhums eine Menge Gewohnheiten und Gesetze, welche alle die Existenz einer uns unbekannten sehr ausgebreiteten und aufgeklärten Nation bestätigen: denn folgende Gebräuche zeugen allerdings von einem gemeinschaftlichen Ursprünge derselben. Diese sind: die Feste der Ausgießung des Wassers, 96 Von der Sternkunde vor der Sündfiuth. Wassers, oder die Hydrophonen; die Saturnalien; die Neumondenfeste; die Wallfahrten der Menschen auf hohe Berge; die Furcht und das Schrecken, welches sich bey großen Finsternissen oder anderen Zusammenkünften der Planeten unter allen Völkern einfand; die Idee von dem großen Jahre, nach dessen Verlauf alle Dinge aufhören, und aufs neue zu seyn anfangen sollten; die Aehnlichkeit der Feste unter den Chinefern und Aegyp- tiern; die vermeinten Riefen, welchen die Bewohner des warmen Indiens sowohl, als die Völker des kalten Nords einen beständigen Streit mit den Göttern andichteten; und endlich auch die Hieroglyphen, in welche die Gründe der Wissenschaften oder der wahren Philosophie von den Priestern eingefüllet wurden: denn diese Gewohnheiten, welche man unter allen Völkern Asiens, von der großen Tartarey bis Indien, und von dem Ganges bis zum Nil, antraf, lehren allerdings, daß alle diese Na- tionen aus einerley Ursachen von Vorurtheilen eingenommen, von einem gemeinschaftlichen Stamme.entsprossen, und von einer einzigen großen Nation entstanden waren. Wollte man annehmen, daß diese, in Rücksicht auf ihre übrige Gemüthsbeschaffenheit so sehr verschiedenen Völker dennoch durch den bloßen Zufall zu dergleichen übereinstimmendenMeynungen undGrundsahen hakten gelangen können: so muß man bedenken, daß dieses zwar bey wahren Lehren und richtigen Grundsahen statt finden könnte; denn die Wahrheit ist eine einzige, man mag nun zu derselben gelangen, wie man will: aberIrr- thümer, wie doch angeführte Lehren waren, können durch keinen Zufall so übereinstimmend, so tief eingewurzelt und bey so viel, weit von einander entfernden, Nationen ausgedacht worden seyn: denn die Anzahl der Irrthü- mer sowohl, als d'ie Menge der Wege, zu ihnen zu gelangen, ist unendlich. Also müssen diese zu einer uns unbe- Von der Sternkunde vor der Sündfluth. 97 unbekannten Zeit, gleichsam aus einem gemeinschaftlichen Mittelpunkte, entsprossen und sofort gegen alle Ecken der alten Welt, mit der Vermehrung und Wanderung der Volker zugleich, ausgebreitet worden seyn: der gemeinschaftliche Mittelpunkt war ohnfehlbar ein überaus altes, uns aber unbekanntes, aufgeklärtes Volk, dessen Jrr- thümer sowohl als wahre Kenntnisse auf die Nachkommen gebracht wurden. Uebrigenö findet man auch noch andere Gewohnheiten bey den Völkern des AlterthumS, welche unsere Ver- muthung von der ehemaligen Existenz einer aufgeklärten Nation, als Erfinderin der Gelehrsamkeit, zu einem beträchtlichen Grade der Gewißheit erheben: denn das Sylbenmaß* der Griechen und Römer sowohl, als auch aller asiatischen Völker läßt sich ebenfalls aus einem gemeinschaftlichen Ursprünge, der sehr alt seyn muß, herleiten. * * Die Musik giebt uns hiervon einen neuen Be- weis. Abt Roussier*** spricht: Wenn die beyden Systeme der Tonkunst bey den Griechen und Chinesern nur ein einziges ausmachen oder vollkommen einerlei) sind: so folgt ohnstreitig, daß das ganze System von einem altern Volke, als die Griechen und Chineser sind, erfunden und sodann, bloß stückweiseoderzerrissen auf, verschiedene Nationen der Nachkommen gebracht worden seyn muß.« Der Herr Abt Rousster hat also von den Alten, aus Gründen der Tonkunst eben so wie wir ans Gründen der Sternkunde, geurkheilet. §. 18. Wir 1,68 Niskui68 loriAues. Sollte dieß wohl Längenmaß heißen? dieß hatte doch in der That mit dem Nachsatze keinen Zusammenhang: vielleicht Heist es: die langen Noten der alten Tonkunst. Ucbesetzcr. '' Was diesenEegenstand anbetrifft : so werde ich ihn in einer besonder« Abhandlung, die ich meiner Geschichte der neuern Sternkunde hinzuthun will, ausführlich behandeln. "" ^lem. kur I» muligue äe8 sucieuus. x. 2 §. Z 2 . G 98 Von der Sternkunde vor der Sündfiuth. §. l8. Wir wagen es unsere Muthmaßung noch durch eine Konjektur von großer Wichtigkeit zu unterstützen: und diese wollen wir von der wahren Einrichtung des Welt- g.chaudeö, besten Erfindung man dein philolaus oder ü'vrhaupt den Pythgoraern zuschreibt, und das von dem EopernikuS bloß aufs neue eingeführt worden ist, herzuleiten suchen. Weder Griechenland noch Rom konnte die Wahrheit dieses Snstems begreiffen: ist es nun wohl wahrscheinlich, daß die ältesten Griechen, die wir kennen, auf einen dergleichen Einfall, ohne vorausgesetzte wichtige Beobachtungen, gerakhen konnten? Nein: diese Nation hakte damals selbst entweder nichts, oder doch sehr wenig in Rücksicht auf die astronomischen Beobachtungen geleistet; und wenn sie dergleichen Ideen nicht von einem älternVolke erhalten hakte: so hatte sie gewiß aus den wenigen astronomischen Erscheinungen, die sie selbst beobachtete, den Empfindungen des Auges nicht so widersprechend schließen können. Die Aegyptier und Cdaldaer bemüheten sich den Himmel sehr fleißig zu beobachten: aber öffentlich Hypothesen, wie diese, zu machen , wagten sie nicht; sie konnten sogar von der Bewegung der Erde um ihre Axe nur mit einem vielleicht reden: und zu der Zeit des Pythagoras, wo man in Griechenland die Sternkunde zu behandeln erst an- fieng, konnte man weit schwcrlicher auf dergleichen sonderbar scheinende Hypothesen verfallen. Aber bey den Indianern muß gedachtes System, aus welchem so gres. se philosophische Geistesfahigkeiten hervorleuchten, allerdings von einem sehr hohen Alter auf die Nachkommen, obgleich vielleicht heimlich, fortgepflanzt worden seyn: denn unsere chinesischen -Apostel fanden es ohnlangst daselbst noch: und die neuern Indianer haben es gewiß nicht erfunden. Daher hat ohnstreitig auch Pythagoras Von der Sternkunde vor der Sündfluth. 99 ras aus dieser Quelle geschöpft. Aber gesetzt, p^tha. czoras habe seine astronomische Wissenschaft aus solche Art von den Indianern erhalten: so folgt deswegen doch nicht, daß diese die Erfinder derselben gewesen seyn müssen; es ist vielmehr wahrscheinlich, daß sie diese Nation selbst von einem altern Volkes, welches ehedem überhaupt alle Wissenschaften über Asien verbreitete, geerbt habe: Eben so ist es ohnsehlbar auch mit den übrigen philosophischen Lehren hergegangen. Gedachte weise Lehren, die in der Folge von ungeschickten Nachbetern gehandhabt wurden; jene Systeme und philosophische Ideen, die hernach in unphilosophischen Köpfen existirten: dieß alles zeugt von einer aufgeklärten Nation, die alter als alle uns bekannte Indianer und Chaldäer gewesen seyn muß: eine Nation, die eine ausgebreitete gründliche Kenntniß, eine erhabene und glückliche Philosophie beseßen hat. Sie gierig aus dieser Welt. Und ihren Nachkommen wurden einige Trümmer ihrer Wissenschaften durch einen glücklichen Zufall ausbehalten. Vierter Abschnitt. Von der Sternkunde der Indianer'und Chi- neser kurz nach der Sündfluth. leich nach der Sündfluth zerstreuete sich das von neuen anwachsende menschliche Geschlecht, und bey der nachmaligen Bevölkerung des Erdbodens entstanden vier große Nationen: nämlich die Indianer, die Chineser, und die Assyrier in Asien; die Aklantier hingegen, oder vielmehr die Aethiopier, und deren Nachkommen die Aegyptier, in Afrika. Jede von den Colonien, aus welchen angeführte Völker in der Folge entsprossen G r sind, los Von der Sternkunde nach der Sündfluth. sind, nahm irgend einen Begriff von den, dem Untergänge in der Sündsiuth entrissenen, Kenntnissen mit sich in ihre neuen Wohnpläße. Allein, diejenigen asiatischen Nationen, die in den Wohnplatzen der ersten Menschen selbst zurückdiieben, hakten sich, so Zusagen, doch am besten in diese Erbschaft getheilt. Erstcre hatten nichts, als mündliche Überlieferungen vor sich: letztere hinge- gen noch über dieß die Denkmäler selbst. Denn wirglau- ben, daß die Beobachtungen, oder die Resultate derselben , wie auch die astronomischen Regeln, und alles in Steine eingegraben war: und die Tradition, welche sich nach der Sündfluth erhielt, wurde aus Nachrichten genommen , die man nach der Sündfluth auf rückständi- gen Denkmälern geschrieben fand. Diese Nachrichten, diese Regeln, welche in hieroglyphischen Zeichen geschrieben, und ohne Zweifel sehr abgekürzt waren, wurden von keiner Erklärung begleitet: das Andenken davon erhielt sich, der Nutzen hingegen, oder der Gebrauch gieng verlohren. Daher kömmt es, daß man noch bey den Indianern so viele Regem ohne Erklärung, und bey den Chaldäern so viel Zeitrechnungen ankraf, wovon man dieVorcheile nicht kannte. Mit einem Wort, man fand, wie wir schon gesagt haben, vielmehr die Trümmer als die Anfangsgründe einer Wissenschaft. Es hat den Anschein, als ob die Menschen vor der Sündfluth, da sie neue Zeitrechnungen und Revolutionen entdeckten, die Anzahl dieser verflossenen Revolutionen seit der Epoche ihres Daseyns berechneten, so, daß st^ nach irgend einer Zeit beständig sagen konnten: es sind so viel Tage, so viel Monden, so viel Sonnenrevolutionen, so viel Perioden der Sonn-und Mondver- stnsterungen u. s. w. verflossen. Diese verschiedene Zah. len wurden vielleicht aus verschiedene Denkmäler geschrieben. Jede Colonie, die sich nach der Sündfluth von den Von der Sternkunde nach der Sündfluth. »or den ersten Wohnplätzen der Menschen entfernte, hat die, vor ihrer Auswanderung vorhergegangene, Zeiten nach verschiedenen Revolutionen, und zwar den Denkmälern zu Folge gerechnet, welche sie hierüber zu Rathe gezogen hat. Daher kömmt es, daß die Zahlen der Jahre, nach welchen man die alten Zeiten eines jeden Volks berechnete, zuweilen ungemein verschieden sind, unddaß zugleich diese so verschiedene Zahlen wohl übereinstim- men, sobald man sie auf diese verschiedene Zeitrechnun- nungen zurücke leitet. Eben dieses letztere hat uns zu der Untersuchung jener Uebercinstimmung, mit welcher wir uns im ersten Abschnitte beschäftigten, Anlaß gegeben: eine Übereinstimmungen welcher alle Völker des Alterthumö darinne überein zu kommen schienen, baß sie diesen entfernten Zeiten , wovon sich die Tradition noch nach jenen unglücklichen Zufällen der Erde erhalten hat, eine Dauer von 22 bis 24 Jahrhunderten zuschrieben. Wenn aber auch diese Rechnungen um ein oder zwey Jahrhunderte unterschieden sind: so macht doch dieses hier im Grunde nichts aus; denn es ist mehr als wahrscheinlich, daß sich die angenommene Rechnung dieser verschiedenen Revolutionen nicht genau mit der nämlichen Epoche anfangen oder endigen konnte. §- Z- . ^ Der Ursprung der fabelhaften Erzählungen laßt sich wohl am besten von der Zerstreuung der Menschen herleiten. Uebelverstandene Hieroglyphen, übertriebene Erzählungen, und der Geschmack des Menschen an dem Wunderbaren, sind davon die natürlichen Quellen. Man kann, wie Herr Courr de (Nebelain gethan, den Ursprung verschiedener dieser Fabeln von der Sternkunde herleiten. Allein, zu Folge unsers Grundsatzes, daß jede Fabel gleichsam ein Schleyer der Wahrheit ist, unterscheiden wir das einfache und natürliche von dem, G z war iv2 Von der Sternkunde nach der Sündfiuth. was mit der Wahrscheinlichkeit und Ordnung in der Natur streitet. Das erstere ist historische Wahrheit: das übrige ist allegorisch und sabelhaft; es sind die Zierden, womit die übertriebene Phantasie und die Bildersprache der morgenlandischen Völker ihre Erzählungen verschönerte. So ist, zum Beyspiel, die Fabel vom Herkules, wo man die Allegorie augenscheinlich erkennet, beschaffen. Er ist das Sinnbild der Sonne überhaupt, und insbesondere der Frühlingssonne. Hebe, die man iihm zur Frau gab, ist das Sinnbild der jugendlichen Natur oder des Frühlings: denn dieser kommt auch alle Jahre wieder. Die zwölf Arbeiten des Herkules sind die zwölf Zeichen des Thierkreises. Alles, selbst das.Treffen mit den Amozonen, wie Herr von Gebelain meynt, spielt auf den Lauf der Sonne an. Seine Erklärung ist wahrscheinlich und sinnreich ". Bis auf den Marzmo- nath sollen die Nächte der Sonne, das heißt, dem Herkules , den himmlischen Gürtel oder den Thierkreis streitig gemacht haben. Das Wort Amazone ist aus zwey Worten gemacht, wovon das eine Vereinigung, und das andere Zone andeutet. Die Nachte beherrschten also zuweilen eine Zone; das heißt: sie behaup. teten die Herrschaft über einen Theil des Himmels; endlich aber wurde Herkules ihrer mächtig, und entriß ihnen den Gürtel. Die Königin, welche diesen Gürtel überlieferte,-heißt Menalippe, das ist, Königin mit den schwarzen Haaren: oder das Sinnbild der Nacht. Der Sieg des Herkules, oder der Sonne, über die Nachtgleiche im Frühlings, geschah nach der Fabel, an den * Ucberhaupt ist nichts sinnreicher, als die Wortableitungen, und die Quellen von den Worten unsrer heutigen Sprachen, die von dem Herrn Court de Gebelam angezeigt worden sind. Man wünscht daher das Wörterbuch, das er verspricht, gar sehr. Vo» der Sternkunde nachher Snndsiuth. ivz den Ufern des Thermodon, in einem Ort, der Themi- siirus hieß. Thermodon bedeutet einen Fluß der Warme, weil in den morgenlandischen Gegenden sich die Wärme im Marzmonarhe anfängt: und das Wort ThcinisciruS, welches, dem Buchstaben nach, Gleichheit der Nächre, Nachtgleiche, bedeutet, giebt würklich den glücklichsten Aufschluß zum Razel. Eben so sind die neun Musen, diejenigen neun Monathe des Jahrs, in denen sich der Mensch mit den Feldarbeiten beschäftigt. Die drcy Grazien sind die drey übrigen Monathe: als die Monathe der Ruhe, der Liebe und des Vergnügens. Die fünf Daktyli, welche den Herkules begleitete», sind die fünf Begleiter der Sonne, oder die Planeten. Die z o Söhne dieses Helr den sind die 50 Wochen des Jahrs, in der Zeit, da es nur ;;o Tage hatte: es verstehet sich, daß man die 5 Tage, die hixM«han wurden, um das Monden- jahr vollständig zu machen, abrechnen muß. Hieher gehören noch die 50 Töchter des Dauano: -Herkules allein war ihnen allen genug. Denn ein Umlauf der Sonne enthält wirklich 50 und mehrere Wochen. In der Unterwelt füllten sie deswegen durchlöcherte Fäßer, weil die 50 Wochen ohne Aufhören verfließen, und, wenn sie sich endigen, wieder von neuem anfangen. Die sieben Söhne, welche Gacurn mit der ?>hea zeugte, sind die sieben Tage der Woche: die sieben Töchter hingegen, die ihm Aftarra gebahr, sind die sieben Nächte-* Einigen dieser Erklärungen kann man seinen Beyfall nicht versagen: besonders hat jene von dem fabelhaften Leben des -Herkules viel Wahrscheinlichkeit. Allein, man siehet doch nicht, wie die Alten ihren Geschmack an solchen Bildern jemals so weit treiben konnten, daß G 4 s> e * lab/omk)-. kantbeon /XeMxliorum. i o4 Von der Sternkunde nach der Sündfluth. sie sogar durch die Geschichte eines erdichteten Menschen, den Lauf der Sonne, und die Wirkungen ihres Einflusses auf die Natu. , vorstellten. Wir glauben da nieur dariune das zu erblicken was den Erfinder des Sonnechahrs und der zwö!^ Reichendes ThicrkreiseS cha- racterisiren muß: und dckfer Erfinder hat ohne Zweifel -Herkules geheißen. Man konnte ihn nicht besser, als durch das, was er geleistet, das Heist, durch seine Erfindungen , bezeichnen. Man fügte seinem Namen und seinem Lobs die verschiedenen Einflüsse der Sonne, die 'ilmstau.de, welche ihren Lauf begleiten, und die Thiere des ThierkreifeS bey: denn dietz hat er alles den Menschen bekannt gemacht. Es ist leicht zu begreifen, wie diese Dinge, die auf eine verblümte Weife auögedruckt wurden, Gelegenheit zu Fabeln gegeben haben. Die Bilder sind mit den darunter verstellten Begebenheiten verwechselt worden: und dieser Astronome, der in den Morgenlandern das Sinnbild der Sonne, deren Lauf er beschrieben hatte, geworden war, mußte in der Folge bey den Griechen eine neue Verwandlung erdulden. Denn Griechenland trug alle morgenlandifche Fabeln auf seine alten Helden über: und so machte es diesen zu den Herkules der Argonauten *. Dann war in dieser Erzählung nicht mehr der Astronome, noch ein Sinnbild der Sonne, sondern ein Held zu finden, der sein Vaterland von schrecklichen Ungeheuern befreyet hat. §. 4 - Als die Menschen den wahren Gott verlassen hatten, da war die erste Art des Götzendienstes, die Verehrung der Gestirne. Dieser Dienst fällt bey den Arabern in das graueste Alterthum. Die Menschen, die sich überredeten, daß die Bewegung nur lebenden Wesen eigen wäre, dachten, die Gestirne, welche sich selbst in * Lourr ve Gebclain. . Morgenlandifche Allegorien. Von der Sternkunde nach der Snndfluth. i 05 in dem ätherischen Raume bewegen, wären durch verständige und mächtige Wesen belebt. Aus der Zahl der sieben Irrstirne, welche die sieben ersten Gottheiten gewesen sind, entstand die Ehrerbietung und der Aberglaube aller Nationen, besonders aber der morgenländischen Volker, für die siebenfache Zahl. Aus dieser Zahl, oder aus den sieben Planeten sind nicht nur die sieben obersten Engel, welche die chaldäische, persische rmd arabische Theologie lehrte, sondern auch die sieben Pforten in der Theologie des Mirhra, durchweiche die Seelen, um in den Himmel zu kommen, paßi- ren mußten, und endlich die sieben Welten der Reinigung bey den Indianern hergeleitet worden. Die mündliche Überlieferung folgte vielleicht auf die geschriebene Geschichte. Und man kann sich leicht vorstellen, wie die Unwißenheit, durch den Mißbrauch der astronomischen Sprache, die Ideen verunstaltet hat. Man hatte den Planeten den Namen der ersten berühmten Menschen gegeben ; man verwechselte den Genius,als den Beweger deS Planeten, mit der Person, von welcher der Planete den Namen hatte: dieses waren die ersten Vergötterungen. Da die Planeten nicht aus dem Thierkreise herausgehen, so bildete man sich ferner ein, daß sie das Regiment über die Gestirne, die sich im Thierkreise befinden, haben müßten. Die Chineser, welche acht und zwanzig Sternbilder hatten, benennten jede O.uaterne derselben mit dem Namen je eines der sieben Planeten*. Die Aegyptier ließen dieselben auf gleiche Weise über die zwölf Zeichen des Thierkreiseö herrschen. Allein, da ihre Anzahl nicht zureichend war, so thaten sie zu den sieben Planeten, die Natur** überhaupt genommen, um.über ein achtes G 5 Zei- * IliK. äe 1» Obine. 1. I. p. gH. Xlemoires äe l'^CLäemis ges Lciences. lom. VIII. p. *.* Clemens?^lex. Isdlonsk^. kroleg. x. 6l. i o6 Von der Sternkunde nach der Sündflnth. Zeichen zu herrschen, hinzu. Dann sichten sie noch vier neue Götter für die Zeichen der Nachtgleichen und der Sonnenwenden: und diese waren nichts als Sinnbilder von den Veränderungen der vier Jahreszeiten.* -Herkules, oder JupiterÄmnioil, stand der Frühlingsnachtgleiche vor; Horus dem Sommersonnenstillstande; Gerapis der Herbstnachtgleiche; und Harpokraces den: Wintersonnenstillstande.* * Die Hieroglyphen waren es, welche diese Sinnbilder hervorbrachten und diesen neuen Gottheiten ihren Ursprung gaben. Man findet Spuhren von dem Wege, dem dis Alten gesolget sind. Denn man weiß, daß sie die Sonne, wenn sie im Winkersolstitio war, unter der Gestalt eines Kindes, imFrühlinge hingegen,unter derFigur eines jungen erwachsenen Menschen mahlten, der Sommer war bey ihnen ein Mann mit einem starken Barte; und der Herbst wurde durch einen Greiß vorgestellet. Außerdem veränderte die Sonne auch ihre Gestalt und das Gesicht bey einem jedem Zeichen des Thierkreises. * * * Man siehet daher augenscheinlich, daß aus diesen Gemählden der Ursprung von den Göttern der Nachtgleichen und der Sonnenwenden herzuleiken ist. §- 5 - Eine sehr merkwürdige Sache ist dieses, daß es scheint, als ob alle menschliche Kenntnisse aus Norden gekommen seycn: denn dieß ist wider das angenommene Vorurtheil, welches die Aufklärung der Erdbewohner, so wie ihre Bevölkerung, vom Mittage nach Norden erfolgen läßt. * Oenrcm Prolog, p. 84. ** U. 2. c. 2, Z, 4, 5, 6. *** 4ck,rc>o/>. Lalur. I. I. L. iZ- in Umaeo la- U. II. c. 2. Von der Sternkunde nach der Sundfluth. 107 Die Scythcn sind eine der ältesten Nationen; die Chineser* kommen von ihnen her, selbst die Atlanten, die noch alter, als die Aegyptier sind, stammen von ihnen ab; Acmon, das Haupt einer Scythischen Horde und Stifftet einer Stadt seines Namens in Phrygien, war der Vater des Uranus, welcher die Atlanten feiner und gesitteter machte.** Die Geten, welche nahe am Donaustrohm wohnten, waren nach der Meinung des Herrn Damviste***, ursprüngliche Scythen. Sie hatten einen vermeinten unsterblichen Hohenpriester, der also das vorstellete, was heut zu Tage der Dalai- Lama bey den Tartarn ist. In Siberien, und überhaupt unter der Parallele von 50 Graden, fand man vom 8vsten Grade der Lange an, bis auf den izosten Grad, Spuhren von der Wohnung eines gesitteten Volks; Ruinen verschiedener Städte, welche blühend gewesen zu seyn schienen; seidene Handschriften, auf welchen die Charaktere mit chinesischer Dinte, mit Gold und Silber gezeichnet waren; Pyramiden, die zu Grabmalern dienten; und Aufschriften in einer unbekannten Sprache; endlich auch Gestalten von Menschen oder Thieren in Gold, Silber und Aerz. Die menschlichen Gestalten waren Vorstellungen der indianischen Gottheiten, s Herr DamviUe bemerkt, daß in dem serischen Districte, die Stadt Serametropolis, ehedem die Residenzstadt der Prinzen einer mächtigen Nation gewesen seyn müsse: einer Nation, wo die Wissenschaften angebaut * >1. 6e p. Uetlox. crit. kur Iss Lllinois et les ^eA7p- tiens. 'Pom. Z. p. 27. ** kl^-rd. er los ksb. exyrimees par kl. I'^dde La»- «/e»'. lom. 2. p. 2l. *** klein. /Kc-iä. Inkcrixt. 1'om. 25. p. 4s. 4 6»rerre cie prsuce, I; 8epk. 172t. UliK. s^en. äss Vo^sg. in i2Mo. 'p. XXV. x. Z 7 - 59 - Klem. Xc. Inke. lom. XXXII. x. Z64. i c>8 Von der Sternkunde nach der Sündflnth. bauet waren, und von welcher in der chinesischen Ge- schichte unter dem Namen -Aoer-He Meldung geschiehstDas serische Land ist gegenwärtig ein Theil der Tartaren, in welchem Selenginskoy liegt. Wir haben gesagt, ixch man in der Tartarey indianische Götzenbilder sindek; wir haben oben gezeigt, daß die Indianer eine Traditi".! beybeyalten haben, wovon sic selbst den wah- reu Sinn nicht wissm: und diese Ueberliefenmg, die eine gena :e Kennrniß der Bewegung der Sterne und zugleich cb er Periode von r§o Jahren, welche bey reinem andern Volke, als bey den Tartern im Gebrauche gewesen ch voraus setzt, scheinet zu beweisen, daß die Indianer aus dem nördlichen Theile von Asien ausgegangen, und von daher die Traditionen nach Indien gebracht haben. §- 6. Herr von jJ. ist schon bereits auf den Gedanken gekommen, daß die indostanische Religion von der Religion der Lamas abgeleitet sey. Er sagt, indem er von den Indianer redet, »die schrecklichste von allen ihren Bussen, bestehet in der Wallfarth zum Tempel des großen Lama. Sie gehen sogar bis nach Siberien, derge- stallt, daß man solche Indianer antrifft, die zu Fuße gekommen sind, und von Calecut an, bis nach Selen, ginskoy Wasser und ihre Speisen bey sich tragen.»** Die Indianer sagen selbst, daß die Braminen aus Nor- den gekommen seyen.*** Kann man also nicht glauben, daß diese Wallfahrten eine Huldigung sind, welche die Religion der Indianer dem Lande, wo sie ihren Ursprung her hat, leistet? Die * Ocograylns sncienne in l2mo. 1°om. II. p. Z26. ** gesiexions criiiguer lur lesOiinnis ek les kls^pkien». 1 . H. y. Z26. Mg. Zen. cles Vo^-roi. 1 . XXV. *** dl. le 6enkil. dlemoirsr äe l'^caäe«ne äs 8cien- ce 5 . 177z. Von der Sternkunde nach der Sündsiuth. 109 Die Religion der Lamas hat sich an allen Orten in dem morgenländischen Asien, bey den Mongolen, in China, in Thibet und in Indien ausgebreitet. Wir wissen aus einer Nachricht von den Morgenländern, die sich aus dem vierten Jahrhunderte, nach Christi Geburt, herschreibt, daß ein Land zwischen dem damaligen Serica und Indien, ehemals von den Braminen bewohnt gewesen seyn soll. Und Herr Damville* benachrichtigt uns, daß ein Fluß, welcher in diesem Lande entspringt, Brama heißt. Dieß Land ist das heutige Thibet, oder das Reich des Dalay-Lama. Also findet man zwischen dem Ursprünge der Braminen und der Lamas eine große Übereinstimmung. Wenn man nun bedenkt, daß die Indianer nach Selenginskoy wallsahrteten, und daß daher zwischen den Lamas dieserStadt,oder überhaupt zwischen den thibetischen Lamas und den indianischen Braminen ein Zusammenhang statt gefunden haben muß; wenn man ferner überlegt, daß Äthiopien vor Alters auch Indien hieß.** und daß man daselbst eben so, wie an den Ufern des Ganges, Gymosophisten, oder eine besondere Art Braminen antraf: so erhellet, daß sich die Kette des gedachten Zusammenhanges sogar bis nach Afrika erstreckt haben muß. Der Ursprung dieser Gynnosophisten wird also mit dem Herkommen der Atlantier wohl sehr genau verbunden seyn. Noch ist zu bemerken, daß die Magi der Perser ebenfalls nichts als solcheLamaS oder Braminen sind: denn des Wortes Magus Wurzel mag heißt in der persischen Sprache: gelehrt. Sog und Magog des Ezechiel heißt so viel als die Götter von Mitternacht.*** Bey den * Lxxolirio lvtiu8 munäi er Zenllum. (leonr. snc. 1'. II. p. ** tZevAr. snc. pom. Hl. p. 47- Ilibl. orienr. /^rr. llenä. x-447' Kapit. Ztz. V- 2 , 6, l i o Von der Sternkunde nach der Sündfluth. den Arabern verstehet man noch ißt unter den Namen Gog und Magog überhaupt alle nordische Völker.* §. 7 - Gedachte Konjektur, daß die Nationen des mittägigen Asiens von den Völkern des nördlichen aufgeklärt worden seyn mögen, erhält durch die Fabel vom Phönix eine neue Wahrscheinlichkeit. Dieser sonderbare, und vorzüglich bey den Aegyptiern so berühmte, Vogel war in seiner Art der einzige: er hatte keine Gattin. Seine goldfarbenen Federn waren mit karmesinfarbigen untermengt. Wenn er 500 Jahre gelebt hakte: dann zog er aus Arabien nach Aegypten, um daselbst zu sterben, und um auf dem Altäre, welches ihm als einer Gottheit gewidmet war, aus seiner Asche aufs neue geboren zu werden**. Nun hat man diese Fabel zwar auf ver. schiedene Art erklärt: allein die schicklichste Erklärung ist ohne Zweifel diejenige, welche den Phönix für das Sinnbild einer gewissen Revolution der Sonne ausgiebt; denn diese fängt in dem Augenblicke, in welchem sie sich endigt, wieder von neuem an: auch ist die Sonne das einzige Gestirn, welches zuweilen mit karmesinsarbigem Lichte und goldenen Skralen prangt. Die Edda der alten Schweden erzählt eine ähnliche Fabel: denn diese betrifft einen Vogel, dessen Kopf und Brust feucrfarbig, der Schwanz und die Flügel hingegen himmelblau waren. Dieser lebte allemal zoo Ta. ge: und nach deren Verlauf begab er sich mit den übrigen Zugvögeln nach Aekhiopien; daselbst bauete er sein Nest, und verbrannte sammt den Eyern. Aus seiner Asche ward ein rother Wurm geboren: diesem wuchsen sofort Federn und Flügel: und er zog mit den Zugvögeln wieder in die Nordländer zurück.*** Wer * Hiüoire äe äis Inlciixr. 1. XXXI. x. 2IZ. ** Mau sehe //e-oc/ort *** /Vilsiulca. 1. II. x. 24 ;. Von der Sternkunde nach der Sündfluth. i n i Wer findet nun unter diesen beyden Fabeln nicht die größte Uebereinsiilnmung? Beyde bezeichnen ohnfehlbar einen und ebendenselben Gegenstand. Man wird sich aber von der Wahrscheinlichkeit bereits angeführter Erklärung noch mehr überzeugen können, wenn man bedenkt. daß das Wort Phönix, nach der Erklärung des Herrn von (srebelain* in den orientalischen Sprachen so viel als Niedergang, Nacht, Finsterniß bedeutet. Es ist daher wahrscheinlich, daß die nordischen Völker mit den Aegyptiem einerlei) Ideen mit dergleichen Bildern verknüpften; sie malten einerlei) Gegenstand: nur mit diesem Unterschiede, daß die erstem den Vogel gegen Mittag, die letztem hingegen mehr nach Mitternacht, als wo ihnen eine dicke Finsterniß zu herrschen schien, reißen ließen. Aber wir wollen sehen, wie man etwa hieraus erkennen kann, welche von beyden Fabeln das Original ist. Wenn man also annimmt, daß Phönix, um zu verbrennen und aufs neue geboren zu werden, gegen Mittag wanderte: so war dieß ein Sinnbild der Zurückwei- chung der Sonne, welches von keiner andern Nation, als von einer nordischen ausgevacht worden seyn kann: denn die mittägigen Bewohner des Erdballs sahen die Sonne das ganze Jahr hindurch beynahe mitten über den Himmel hinlausen: die mitternächtlichen hingegen bemerkten, daß die Sonne oft sehr weit von ihnen gegen Mittag entwich, dann ihre alles belebende Wärme gleichsam verlor und sofort mit jugendlichem Feuer wieder zurücke kam. Und auf solche Art entstand, nach der damaligen Art in Bildern zu reden, die Fabel von dem Neste, dem Verbrennen oder Sterben, und von dem Verjüngendes Vogels Phönix: der Umstand, daß dieser Vogel allemal zoo Tage gelebt haben soll, bestätigt- diese * ^IleZo^er oriemsler. I l 2 Von der Sternkunde nach der Sündfluth. diese Meynung; und wenn -Herodocus für die Lange des gedachten Zeitraums bey den morgenländischen Völkern anstatt ZOO Tage, soo Jahre setzte: so war dieß ohnsehlbar ein Jrrthum. Nun erscheint jenen nordische Völkern, welche unter dem 71 sten Grade wohnen, die Sonne im Winter ganzer 6; Tage lang gar nicht: also lebt sie in diesen Gegenden nur zao Tage: und man siehst auf solche Art, daß die Fabel vom Phönix allerdings im Norden zuerst entstanden seyn muß. Rudbcck* halt sogar dafür, daß man den nordischen Völkern den Ursprung der allerersten Götterlehre selbst, und überhaupt aller Fabeln der Alten zueignen müsse: wir wollen von seinen hieher gehörigen Stellen, nur eine einzige, die den Janus betrifft, und zu unsrer Absicht gehört, anführen. Macrobius°°* benachrichtiget uns, daß man diesen Gott allezeit mit der Zahl LLL in der rechten, und mit UXV in der linken Hand gemahlet habe: man stehet leicht, daß beyde Zahlen zusammen genommen die Tage des Jahres anzeigen. Nun muß man doch ohne Zweifel irgendeinen Grund dieser sonderbaren Theilung gehabt haben: und gleichwohl geben uns weder einige sonderbare Gebrauche der südlichen Völker, noch überhaupt die astronomischen Zeitab- theilnngen derselben, einen Grund an die Hand, woraus wir gedachtes Zerfallen der Zahl z6; schließen könnten. Daher ist es allerdings wahrscheinlich, daß die zoo Tage die Zeit der Anwesenheit, 65 hingegen, die Zeit der Abwesenheit des Phönix oder der Sonne bey den nordischen Völkern anzeigen. Aus diesem Grunde laßt sich ohne Bedenken annehmen, baß der Gott Janus in den nordischen Gegenden ausgedacht, und durch die ältesten Völkerwanderungen, mit ihren mehresten übrigen Göttern oder Fabeln, in die mittägigen Länder ge« Von der Sternkunde nach der Sündfluth. i1 z bracht worden seyn mag: Phönix und Janus haben also einerlei) Ursprung. Angeführte Vermuthuung ist keine bloße Konjektur: die alte Sternkunde selbst hak sie mit sichern Pfeilern unterstützt. pcolomäus* führt in seinen Tagebüchern astronomische Beobachtungen an, welche über das Auf- und Untergehen gewisser Sterne unter dem Klima von i6 Stunden, das heißt, unter der nördlichen Breite von 49 Graden, angestellt worden sind. Nun waren die europäischen Nordländer damals ohne Zweifel entweder noch gar nicht bewohnt, oder die wenigen Bewohner derselben lagen wenigstens in der allertiefsten Unwissenheit begraben, so, daß sie von den übrigen Völkern gar nicht in Betracht gezogen wurden: also verstehet sichs von selbst, daß sich angezeigte Beobachtung von den nordischen Völkern Asiens herschreiben muß. Angeführten Gründen wollen wir endlich noch einen Hinzuthun, der die Wahrscheinlichkeit unserer Konjektur zu einem beträchtlichen Grade der Gewißheit selbst erhebt. Das Buch des Zoroaster ist gleichsam die heilige Schrift des ganzen disseitigen Asiens: es ist das einzige gelehrte Buch der Persier und vieler Indianer; und wir haben die mehresten Nachrichten von den astronomischen Kenntnissen der alten Völker dieser Reiche, aus die- sem Buche unserm gegenwärtigen Werke einverleibet: nun findet man in angeführtem Buche auch die merk, würdige Stelle, daß der längste Tag des Sommers gerade noch einmal so lang, als der kürzeste des Winkers sey;°"° und diese Stelle bestimmt auf solche Art gleichsam die nördliche Breite, in welcher das Buch des Zoroaster entworfen seyn muß, oder, wo dieser alte Philosoph * Oe VrLnolnZion. p ** Lenä—1'. II. x. gao. stanz. Ausgabe. H n4 Von der Sternkunde nach der Sündfluth. soph seine auf uns gebrachte astronomischen Kenntnisse ge- sanimlec hat. An dem Orce, wo angeführte Beschaffenheit der natürlichen Tage des Sommers und Winters Statt findet, da muß der längste Tag sechzehn, der kürzeste hingegen, acht Stunden betragen: und dieß kann nirgends, als unter einer Breite von 49 Graden geschehen. Sucht man nun in der Landcharke unter Asiens merkwürdigen Städten eine, die unter gedachter Breite liegt, auf: so findet man das ihige tartarische Seiinga oder Selenginö- koy. Man findet aber auch in der Charte des Herrn Damvikle* unter dieser Breite eine Stadt, unter dem Namen Locnam: und diese scheint das Vaterland des berühmten persischen Fabeldichters, welcher ohnfehlbar mit dein griechischen Aesop einerlei) ist, zu seyn. Also könnte man den Ursprung der moralischen oder prakkiscl)en sowohl, als kontemplativischcn Philosophie oder Astronomie, in dieser mitternächtlichen Gegend Asiens aufsuchen. Aus diesem allem erhellet der vielleicht seltsam scheinende Saß, das; die Wissenschaften weder in Aegypten , noch in Persien, noch in Chaldäa, noch in Indien, noch in China, sondern unter angeführter nördlicher Breite Asiens, daS Heist, in der großen Tartaren entstanden sind. § 9 - Richten wir unser Augenmerk, aus dieser Absicht, nach China: so finden wir daselbst ebenfalls einige Spuh- ren von dem nördlichen Ursprünge ihrer Götter und Wissenschaften. Die Chineser haben einen den nordischen Sternen geweyheten Tempel: dieß ist der prächtigste vor allen andern Tempeln zu Peckin: und man nennet ihn das Residenzschloß des großen Lichtes. Nun halten * i-tiltoiee säe I' cles Inlciixk. I'om. XXXI. p. 210. Von der Ster nkunde nach der Sündflulh. 115 halten wir dafür, daß man unter den nordischen Sternen eigentlich den Himmelswagen, oder die Hellen Sterne des großen Bares, verstehen muß: denn die Chine- ser halten dieses Gestirne für eine Gottheit, welche Glück und langes Leben unter die Menschen auötheilet. Die chinesischen Kayser sowohl, als deren Gemahlinnen und Kinder, beten dieses Gestirne nicht nur in gedachtem Tempel , sondern auch in ihrem Palais selbst, an. Aber in diesem Tempel sichet man weder Statuen noch Gemähl- de, sondern bloß eine viercckigte Leinwand, die, nach Art der alten Diplomen oder Bücher, an einer Rolle herab hangt. Dieses leinene Tuch ist mit einer überaus prächtigen und kostbaren Einfassung umgeben: und auf dieser stehet die Innschrift: dem Geist und Gorc petou. * PetouS sind Namen, mit welchen man die nördlichen Sterne überhaupt bezeichnet. * * Allein, sollte man nicht etwa auf die Muthmaßung gerathen, daß dieser Tempel vielmehr dem Nordlichte, als dem großen Bare geheiligt seyn könnte? Der Name desselben scheint dieser Mcynung allerdings zu entsprechen. Und warum hakte man nur allein diesen nördlichen Sternen die Ehre, sie zu vergöttern, erwiesen? Sie haben ja vor den übrigen großen Sternen eben keinen Vorzug? Das Nordlicht hingegen, diese feurigen Kronen, diese wunderbaren Gestalten, und diese schießenden Lichtstralen konnten gedachtem Volke viel eher eine darunter verborgene Gottheit vermukhen lassen. Die unwissenden Chineser machten also die nördliche Gegend zum Thron ihrer Gottheit eben so, wie, nach der scharfsinnigen Konjektur des berühmten Mairan, die Griechen den Olymp deswegen zur Wohnung ihrer Götter machten, weil sie hinter diesem Gebirge das Nordlicht herauf steigen sahen, und H r weil * pe Heist Mitternacht, und Ton oder' Tgs, Stern. ** kelrmon äs p. 346. l 16 Von der Sternkunde nach der Sündfluth. weil der Berg selbst gleichsam zu brennen schien. Da nun das Gestirne des großen Bares oft durch den, zuweilen matten, Glanz des Nordlichts schimmerte: so beleg- ten die Chineser gedachte Erscheinung selbst mit dem Namen der PekouS oder der nordischen Sterne. UebrigenS sagt man auch, daß die Chineser damals die nächst zukünftige Kayserin, aufdie das Reich erblich fallen würde, in ihren Sternverzeichnisten an diese nordische Gegend des Himmels gesetzt hätten: und auf solche Art könnte man jenen Tempel, als ein, der göttlichen Ver- ehrung dieser Prinzessin, gewidmetes Gebäude betrachten. Wenn man uns mehrere Schwierigkeiten aufzusuchen erlaubt: so müssen wir noch bemerken, daß bey den Chinesen, das Nordlicht eiue überaus seltene Erscheinung senn muß: denn da es nicht gar sehr hoch über der Luft entstehet : so können es die Chineser wegen der Rundung des Erdballs selten oder gar niemals sehen. Pater pa- renmn bemerkt auch in der That, daß er während seines zwey und dreyßigjährigen AuffenthaltS daselbst nie eine,dem Nordlicht ähnliche Erscheinung, gesehen habe.* Hieraus erhellet nun sattsam, daß diese Erscheinung für die Chineser gar keinen Bewegungsgrund zu dergleichen göttlichen Verehrungen abgeben konnte: und es ist vielmehr wahrscheinlich, daß diese Religion, die das Nordlicht und die nordischen Sterne anbeten lehrte, von einem alten Volke ursprünglich aus Norden, wo das Nordlicht allerdings sehr oft und majestätisch erscheint, nach China gebracht worden seyn mag. §- Es scheint auch, als ob sich die Naturgeschichte mit der Geschichte der Sternkunde, um diesen nordischen Ursprung der mehresten Wissenschaften gemeinschaftlich zu bezeugen, vereinbare. Ein Philosoph, welcher, um die * I^r. I'rsite Üe I'suiore boresle. x. 464. Von der Sternkrmde nach der Sündstu lh. 117 die Geschichte von der Entstehung, von dem Alter und von der Dauer des Erdballs zu entwerfen, die ganze Natur zu Rakhe zog, brachte endlich durch sein tiefes Nachdenken heraus, daß die anfangs flüßige Erde oder das brennende Chaos zuerst um die Pole herum abge- kühlet worden fey: folglich wurden die daselbst befindlichen Länder unter allen übrigen am ersten bewohnbar. Die innerliche Wärme, die sich also gegen den Mittelpunkt der Erde gleichsam zurücke zog, war jedoch auf der Oberstäche noch so wirksam, daß sie die kalten Erdzonen tem- perirte; den, zu unserer Zeit hitzigen, Erdgürtel hingegen, für die lebendigen Geschöpfe noch viel zu heiß seyn ließ.* Hieraus stehet man, daß die Konjekturen, welche aus einem großen Genie durch Hilfe der Naturgeschichte ausgedacht wurden, den Resultaten, welche wir aus der astrononmischen Geschichte hergeleitet haben, allezeit begegnen mußten. * * Wir setzen zwar den Ursprung der Sternkunde, und überhaupt aller Wissenschaften nicht, wie etwa nach dem System des Herrn von Büsfon folgen mag, unter den Pol selbst, sondern nur unrer die Breite von 49 Graden: allein vielleicht findet man doch auch einige Merkmale in der Geschichte, welche die, aus Büffons System von unö hergeleitete, Muthmaßung bestätigen. H z Näm- * Graf von Büffon. Hikkoire namrslls minersux. Ivms II. * * Herr Graf von Büffon war so gütig, und las die Handschrift gegenwärtiger Geschichte ganz durch: und meine Ideen von jenem alten aufgeklärtem Volke, welches die Nordländer bewohnt haben muß, schienen ihm allerdings neu und glücklich ausgedacht; zumal, da diese, aus den Fabeln der alten Sternkunde gezogenen, Konjekturen mit den seinigen, die er sich wegen des Abkühleus der Erde gemacht hatte, so genau übereinstimmten. n § Von der Sternkunde nach der Sündfluth. Nämlich: man könnte hieher die Fabel von der pro- ferpina, welche sich allezeit sechs Monathe auf der Erde, und sechs im Reiche der Schatten aufhalten sollte, rechnen. Dann scheint auch jene Fabel von dem -Herkules und von den Amazonen hieher zugehören: denn aus dieser erhellet, daß die Nacht eine Herrschaft in den nordischen Zonen des Himmels hatte, und daß ihr diese Herrschaft von Zeit zu Zeit durch den -Herkules, als das Bild der Frühlingssonne, entrissen wurde. Nimmt man nun an, daß die Alten durch diese Fabel, die verschiedene Erscheinung der Sonne in den nördlichen Gegenden gemahlk haben : so laßt sie sich leichte erklären; denn unter dem Pol herrscht alle Jahre,sechs ganzerMonathe lang, eine völlige Nacht: und die übrigen sechs Monathe, das Heist, von der Frühlingsnachtgleiche bis zum Anfänge des Herbstes, geht die Sonne niemals unter. Auch, das bey den Alten so tief eingewurzelte, Vorur- theil von der Vollkommenheit des kreisförmigen Laufs der himmlischen Körper, scheint zuerst unter dem Pol entstanden zu seyn: denn daselbst sah man nicht nur die Sonne während den sechs Monathen ihrer Herrschaft, sondern auch den Mond und die Sterne im Winter, stets in einem völligen Kreise am Himmel herumlaufen. Vielleicht hat man auch hier den Ursprung der Jahre von sechs Monathen zu suchen: denn diese würden bloß die Länge eines Tages und einer Nacht, unter den Polen, an- zeigen z und die Bewohner von Kamschatka pflegen noch ißt nach Jahren von sechs Monathen zu zahlen.* Wenn wir uns aber von dem Pole wegwenden, und uns unter dis nördliche Breite von 79 Graden, wo die Nacht nur vier Monathe lang dauert, begeben: so werden wir hier vielleicht den Ort finden, wo die bereits oben ange- Von der Sternkunde nach der Sündfluth. 119 angeführte senderbare Eintheilung des Jahres in drei) Jahreszeiten gemacht worden ist: denn der Grund oder die Gelegenheit, welche die Menschen zu dieser Einthei- lnng verleitete, kann unter keiner andern Himmelsgegend, als unter allererst gedachter Breite von 79 Graden Statt gefunden haben. Und die Fabel von dem Janus und Phönix, »ach welcher die Sonne gar nur 65 Tage lang abwesend war, führt uns noch weiter gegen eine Polhöhe, die der unsrigen immer naher kömmt. Die Feste des Osiris lind Adonis, deren Tod oder Abwesenheit man 40 Tage lang betrauerte, scheinen, wenn man sie mit der Gewohnheit nordischer Völker, die den Rückzug der Sonne 40 Tage lang beweineten, und deren Rückkehr eben so, wie die Aegyptier das Fest des wieder gefundenen Osiris und Adonis celebrirten, allerdings unter dem ckzsten Grade der Polhöhe entstanden zu seyn, Und auf solche Art mag die Verehrung dieser bei,den Personen durch den scythischen Dcukalion ohne Zweifel aus dieser Gegend nach Syrien gebracht worden seyn.* Wenn man diese Fabeln mit einander vergleicht: so scheinen die Menschen freylich anfangs vorzüglich die nordischen Gegenden bewohnt zu haben; es ist aber wahrscheinlich, daß sie sich von da erst in spätern Zeiten gegen den Aeguator auöbreiteten: und hieraus würde folgen, daß die Sternkunde durch einen ganz besonder» Zufall erfunden worden wäre. Nämlich: da die Menschen bey ihrer Wanderung der Sonne gegen Süden nachfolgten, und die lange traurige Nacht unter dem Pol zu vermeiden suchten: so entdeckten sie gar bald die Rundung der Erde, die Schiefe des Thierkreiscs gegen die Mittellinie, und die periodischen Bewegungen der Planeten aus Abend gegen Morgen. Allein dieß begreift man H 4 leichte, ' 2ten Band. z. Absch. §. q. 120 Von der Sternkunde nachher Sündfluth. leichte, daß die Sternkunde während dieser Reise selbst wenig gewonnen haben mag: eö geschah vielmehr erst alsdann, da die Menschen schon bis zu dem kosten oder ; osten Grad der Breite vorgerückt waren. Denn nun entdeckten sie gleichsam einen ganz neuen Himmel; sie sahen die Sonne das ganze Jahr hindurch täglich auf und untergehen; sie lernten die Sterne des ganzen Thierkrei- seö, die ihnen vorher die ewige Decke des nördlichen Horizonts vor ihren Augen verborgen hielt, kennen und theilten den Thierkreiö selbst in vier Theile. Letztgedach- te Breite von ;o Graden scheint also besonders in Asien das wahre Vaterland einer überaus vollkommenen Sternkunde , von welcher uns nur noch einige Spuhren übrig geblieben sind, zu seyn; und man wird, auf solche Art einsehen können, warum die Chaldäer, Indianer, und Chineser, als die ersten Besitzer gedachter Trümmer der ehemaligen Wissenschaften, dieselben ohne alle Kenntniß und ohne zu wissen, wie sie entstanden waren, wieder finden und lange aufbewahren konnten. Der menschliche Geist wurde also erst unter einem gemäßigtem Himmelsstriche zu einer so vortrfiichen Wissenschaft, wie die Sternkunde ist, wirksam: er bekam erst hier die, zu deren großen Erweiterung nöthigen, Kräfte; und, nachdem sich diese Wissenschaft weiter gegen die warmen Länder begeben hatte: dann wurde sie in ihrem mächtigen Fluge gehemmt; sie ward zwar eben nicht rückgängig, aber sie schwang sich doch auch nicht mehr höher empor. Denn die Menschen, welche sich vielleicht wegen ihrer allzu häufigen Vermehrung weiter gegen Süden auSzubreiten gezwungen sahen, fanden daselbst ohne große Mühe alles, was ihnen angenehm war; sie wurden also in ihren Verrichtungen nachlässig, und, da e6 die Temperatur dieser Gegenden so mit sich brachte, träge oder weichlich: denn sie verloren ihre Geistesfähigkeiten sowohl, als die Stärke ihres Körpers. Allein, da sie Von der Sternkunde nach der Sündfluth. 121 sie ihrer, aufbereits gedachte Art stumpf gewordenen, Fähigkeiten ohngeachtet doch auf die Verdienste ihrer Vater stolz blieben, und deren Erfindungen oder Lehren heilig aufbewahrten: so besaßen sie dieselben, wie die Geizigen, die ihr Vermögen weder zu dem ihrigen, noch zu anderer Nuhen anzuwenden wissen. Allein, man begreifst gar bald, daß zu dieser Völkerwanderung , auf welcher sich die Menschen von dem Pole nach und nach gegen den Aequator begeben und ihre ganze Natnr so sehr verändern konnten, eine überaus lange Zeit nöthig gewesen wäre: und die Welt kann doch in der That so alt noch nicht seyn; auch war unsere ganze allererst angeführte Konjektur, eine ganz leichte hingeworfene Idee, die bey einer nähern Untersuchung nicht wohl behauptet werden mögte. Es ist daher Zeit, daß wir die Wahrheit selbst aufsuchen. Die Geschichtskun. de giebt uns gewisse Momente an die Hand, aus welchen man auf eine ganz andere Völkerwanderung, als auf die bereits angeführte, schließen muß. Unterdessen halten wir doch, nach unfern bisherigen Untersuchungen, die ehemalige Existenz eines mächtigen Volkes, welches überaus aufgeklärt oder gelehrt und dieQuelle desLichts aller orientalischen Nationen war, für eineunbezweifelte Wahrheit. Und dieses alte Volk muß ohnfehlbar in dem nördlichen Asien, unter der Polhöhe von 50 bis 60 Graden, gewohnt haben. §. ii. Um große mächtige Reiche zu gründen, war nichts, als eine hinlängliche Bevölkerung, nöthig. Die ersten Könige waren ohne Zweifel weiter nichts, als die ältesten einer jeden Familie, die sich in irgend einer Gegend gemeinschaftlich niedergelassen hatte. Es ist sonderbar, daß, zufolge der Zeitrechnung verschiedener Völker, diese kleinen Königreiche durchgängig fast hu gleicher Zeit entstanden sind. Die Zeitrechnung der Indianer, oder, H 5 welches i22 Von der Sternkunde nach der Sundfiuth. welches gleichviel ist, das Reich ihres ersten Beherrschers, fangt sich um das IahkjZ^zz vor Christi Geburt an. * Der Anfang des chinesische» fallt wenigstens bis auf zzs7 oder z8si hinaus.** Auch ist dies was sonderbares, daß die Persier ihre Zeit, wenn man alle in deren Bestimmung vorkommende Schwierigkeiten, nach unserer oben angegebenen Versa hrungsart, aus dem Wege geräumt hat, ebenfalls von dem Jahre ZZO7 vor Christi Geburt zu zählen anfaiiqen,f und daß dieses mit dem Anfänge der ägyptischen Könige, von welchen Meiics, als der erste derselben, nach des -^e- rodocns überlieferten Nachrichten, um das Jahr Z545 gelebt haben soll, so genau übereinstimmt, f s Aber dies alles werden wir im zweeten Bande dieser Geschichte hinreichend erläutern. Jht wollen wir, da doch jenes alte mächtige Volk nunmehr» auf irgend eine Art ausgerieben worden seyn muß, ihren kleinen geschwächten Nachkommen folgen, und sehen, wie sich diese verhalten haben. §. 12 . Wenn man den Zustand der Sternkunde bey den alten uns bekannten Indianern und Chinesen« untersucht: so bemerkt man bey ihnen eine in die tiefste Finsterniß eingehüllte Unwissenheit von den Ursachen aller, auch der geringsten, astronomischen Erscheinungen. Also erhellet auch hieraus hinreichend, daß sie ihre wichtigen astrono. mischen Grundsätze und die Formeln ihrer Zeitrechnungen nicht selbst erfunden haben; sie verstanden dieselben nicht einmal. Es ist auch nicht wahrscheinlich, daß dergleichen astronomische Wahrheiten hatten vergessen werden können, wenn sie nicht mit ihren Erfindern zugleich * aten B> z. Absch. tz. 8. ** Eben daselbst, h. 22. 2z 7 2ten Band. 4. Absch. §. io. Von der Sternkunde nach der Sündfluth. 12Z gleich größtentheils durch einen allgemeinen Umsturz der Erde aufgerieben worden waren. Also hat dieses Volk von seinen Vorfahren zwar nicht alle Kenntnisse und Wissenschaften , sondern nur gewisse einzelne Trümmer, wieder gefunden; diese warenj aber doch von den; Zustande jener ersten Wissenschaft einigermaßen urtheilen zu lassen, hinreichend: und man muß zugeben, daß sich die Sternkunde bey den Indianern schon vor undenklichen Zeiten eingefunden hatte. Hiervon sind wir vorzüglich durch eine astronomische Berechnung der Braminen, die Herr ke Geurr! in einer überaus gelehrten Abhandlung den Schriften der Akademie der Wissenschften fürs Jahr 177z einverleibet hat, auf eine lehrreiche Art überzeugt worden. Man findet in dieser Schrift überaus wichtige Untersuchungen, und, um seiner Meynung die größte Wahrscheinlichkeit zu geben, sinnnreiche Verfahrungöarken. Der Herr Verfasser hat sich selbst lange Zeit in Indien ausgchal- ten und weder Mühe noch Kosten auf einen Unterricht zu verwenden gespahret, der ihn in den Stand sehen konnte, die Wissenschaften und Kenntnisse jener alten Völker mit der heutigen europäischen Gelehrsamkeit genau zu vergleichen. Er hatte die Geduld, der Schüler eines Brammen zu werden, welcher, da er unfern grossen Astronomen unterrichtete, ihm selbst die Ehre er- wieß, und ihn von allen seinen braminischen Kenntnissen gründlich urtheilen zu können, für vollkommen fähig erklärte. H. iz. Wir haben bereits oben aus der Vergleichung des Alters der ersten indianischen Beherrscher gefunden, daß der Ursprung dieser Nation ohngefehr auf das Jahr zs;; vor Christi Geburt hinausfällt: denn das Alter, welches sie sich zufolge ihrer eigenen Zeitrechnungen zu- eignen, übersteigt in aller Rücksicht alle Wahrscheinlichkeit. 124 Von der Sternkunde nach der Sündflilth. keit. Sie sagen: die Dauer ihrer Nation, oder der Welt überhaupt, enthalte im Ganzen 4^20000 Jahre: und diese Zeit theilen sie in vier Hauptperioden oder Zeitalter ein. Das erste, welches sie auch das Zeitalter der Unschuld nennen, soll nach ihrer Meynung 1728002; das zwente hingegen 1296000; und das dritte 864000 Jahre enthalten haben; das vierte, welches noch ißt fortdaueret, und welches bey ihnen Caliyougan, oder das unglückliche Zeitalter heißt, soll 4Z2000 Jahre dauern: dann soll die Welt untergehen. Auch die Persier theilen das Alter der Welt in vier Perioden: und es ist höchst wahrscheinlich, daß die alten Dichter, in dieser Tradition gedachter Völker, die bekannten vier Zeitalter der Welt zu besingen, Gelegenheit fanden. Nun sind dergleichen Fabeln zwar allerdings sehr sonderbar: aber dieß verdient doch unsere Aufmerksamkeit, daß man im Jahre 1762 nach Christi Geburt, als sich Herr le Gencil in Indien befand, das Jahr 486 z des vierten Zeitraums zahlte. Niemals hat sich die Wahrheit in irgend einer mündlichen Überlieferung, die aus vielen Ursachen verdrehet oder unkenntlich gemacht werden konnte, so glücklich erhalten, wie in dieser: denn hier laßt sie sich von dem Falschen überaus leichte unterscheiden. Die kleine Menge der verstoßenen Jahre des letztem Zeitalters, giebk, wie bereits oben schon dargethan worden ist, sattsam zu erkennen, daß es aus wahren Sonnenjahren bestehen, und bis auf das Jahr g121 vor Christi Geburt hinaus reichen muß. Waren nun die Indianer, von dem Anfänge dieser Periode an gerechnet, keinen sichern Regeln chronologischer Berechnungen gefolgt: so flehet man nicht, warum sie, ihren eiteln Gesinnungen gemäß, nicht auch das letzte Zeitalter, oder das Alter ihrer ersten bekannten Könige viel hundertmal weiter hinaus gesetzt haben sollten. Also ist dieses Voll der Sternkunde nach der Sündfluth. i25 dieses die Epoche ihrer ersten astronomischen Berechnungen, ihrer Regierungsform, ihrer Beherrscher: und diese falle auf das Jahr hör Christi Geburt. Ob nun aber gleich die Sternkunde bey den Indianern aus solche Art sehr alt seyn mag: so haben doch ihre Verfahrungsarten, die Finsternisse zu berechnen, einen Namen, der in ihrer Sprachest viel heißt, als neue Verfahrungsarten oder neue Regeln, die Finsternisse zu bestimmen. Zu Benares in Indoston hingegen sollen die daslgen Brammen auch noch andere dergleichen ausgezeichnete Regeln oder Verfahrungsarten besihen: und diese heißen die alten Verfahrungsarten. Es wäre zu wünschen, daß man beyde mit einander hatte vergleichen können: allein Herr le Genril konnte sie, aller angewendeten Bemühung ohngeachtet, nicht erhalten. Ohne Zweifel fange» sich diese «reuen Verfahrungsarten mir ihrer letzten Periode, das heißt, mit dem zior vor Christi Geburt an: wie weit mögen nun wohl die alten den Ursprung astronomischer Berechnungen hinaussehen? §. 14. Der Thierkreis hat bey den Indianern zwo verschiedene Abteilungen: eine enthalt acht und zwanzig, und die andere zwölf Sternbilder, die mit den unsrigen bey- naheganz Übereinkommen. Künftig* werden wir von diesen Srernbildern mit mehrerm zu reden Gelegenheit finden: aber iht müssen wir wenigstens dieses bemerken, daß die Indianer aus ihrer künstlichen Himmelökugel zween Himmelskreist haben: der eine ist befestigt und der andere beweglich. Folglich erhellet, daß sie die scheinbare Bewegung der sammtlichen Fixsterne anfangs, als sie den Thierkreis befestigt anihreSpahre setzten, nicht gekannt haben: und es ist auch aus vielen andern Gründen wahrscheinlich, daß diese Nation gedachte Entdeckung von * Im stcn Abschnitte des zweetcn Bandes- 126 Von der Sternkunde nach der Sündfluth. von dem überaus langsamen Fortrücken der Fixsterne keineöwegeS von seinen Vorfahren erhalten, sondern selbst ohngefehr um das Jah§ 2250 vor Christi Geburt ge- macht habe.* Gegenwärtig rechnen sie für das jährliche Forrrücken der Sterne aus Abend gegen Morgen 54 Sekunden: daher betragt die Zeit, in welcher die Fix- sterne, vermöge dieser Bewegung einmal um den ganzen Himmel herum laufen, nach ihrer Rechnung 24220 Jahr. Herr lc Gentil hat bemerkt an, daß sich idHZahl der Jahre eines jeden oben angeführten indianischen Zeitalters durch gedachte Zahl 24020 vollkommen theilen läßt; und es scheint, als ob diese alte Nation jedes ihrer angeführten Zeitalter durch eine bestimmte Menge von gedachten Revolutionen der Fixsterne habe ausdrü- cken wollen. Ob wir nun gleich nicht dafür halten, daß die sie angeführten Jahrzahlen der drcy ersten Zeitalter ganz ohne allen zureichenden Grund ausgedacht haben können: so ist es doch sehr wahrscheinlich, daß man in der Folge, um sehr große Zahlen zu erhalten, die Jahre in Tage und vielleicht in noch kleinere Theile verwandelt habe. Auf solche Art konnten sie ohne Bedenken eine Menge gedachter kleiner Zeiträume , wie die Tage oder Stunden sind, in ihre'Zeitrechnungen einschalten oder weglassen: und sie konnten alsdann ihre Absicht, wegen angeführter Theil- barkcit einer jeden solchen Periode durch die Zahl des großen Jahres von 24222 Jahren, leicht erreichen.** Unten werden wir finden, daß sich, gedachter Verwandc- lung der Jahre in kleinern Zeiträume, und Einschaltung ohngeachket, eben kein beträchtlicher Jrrthum in ihre Zeitrechnung einschleichen konnte, und daß sich diese unsere Konjektur aufhvchst stammhaftige Stützen gründet.*** Gcdach- * 2ten Band. y. Msch. §. 11. ** -tter Dand. z. Absch. §. iz. 17. *** Ebendas. §. 17. Von der Sternkunde nach der Sündffuch. 127 Gedachte Kenntnis: von dem Fortrücke.r der Fixsterne, mit welcher wir uns unten, wo HLpparchus diese Erscheinung aufs neue entdeckte, beschäftigen werden, seht eine allerdings fleißige und lange Zeit fortgesetzte Beobachtung der Fixsterne und deren Stand, sowohl gegen einander selbst, als gegen die Sonne voraus: aber itzt wissen die Indianer von dergleichen Beobachtungen nichts; die ehemaligen Kenntnisse ihrer ältesten Vater liegen eben so, wie diese Menschen der alten Welt selbst, in einer tiefen Vergessenheit begraben; ja sie wissen nicht einmal mehr, wenn oder auf was für Art die bewundernswürdige Genauigkeit der Lange ihres itzigen Jahres bestimmt worden ist: eö betragt, nachdem Berichte des Herrn le Genril z6s Tage, 5 Stunden, zc Minuten lind 15 Sekunden. Aber der indianische Tag, welcher von einem Aufgange der Sonne, bis zu den andern dauert, enthalt 6o Stunden, jede dieser Stunden bestehet aus 6o Minuten, deren ebenfalls jede 6o Sekunden ausmacht. Also zählt das indianische Jahr, auf vier und zwanzigstündige Tage reducirt, Z65 Tage, 6 Stunden, i r Minuten und go Sekunden. Ziehet man nun noch die für scheinbar jährliche Bewegung der Fixsterne aus Morgen gegen Abend, welche 54 Zirkelbogensekunden beträgt, die zugehörigen 21 Minuten und Sekunden Zeit ab:* so bleiben für die Länge des wahren * Das bey uns übliche Jahr, ist die Zeit, welche die Sonne, um ihre Dahn einmal zu durchlaufen, zubringt; oder deutlicher, es ist die Zeit, welche zum Beyspiel, von der Herbstnachtgleiche, bis wieder zu der Herbstnachtgleiche, vorbeystrcicht: und dicst nennt man auch das tropische Jahr. Das Stcrnjahr hingegen ist die Zeit, welche verfließt, ehe die Sonne wieder unter den nämlichen Stern, von welchem sie vor einen, Jahre weggelaufen war, zu stehen kömmt. Also würden die tropischen Jahre den Stern- fahre» gleich seyn, wenn die Sterne nicht alle zusammen ! 28 Von der Sternkunde nach der Sündfluth. wahren Jahres z6; Tage, 5 Stunden, 50 Minuten und 54 Sekunden, welches von der Länge des vor der Sündfluth üblichen Sonnenjahreö nur um 42 Sekunden abweicht. Die Indianer theilen ferner den Tag, wie die alten Römer, in acht Tagezeiten: und diese Eintheilung war vermuthlich zu den bürgerlichen Geschäften, so wie jene von sechzig Tagezeiten, zu astronomischen, bequemer: und der vielfältige Gebrauch dieser, zu astronomischen wie auch überhaupt zu allen mathematischen Rechnungen so schicklichen Zahl 60, lehret, daß die Sternkunde in Indien ehemalen sehr vollkommen gewesen seyn muß; ja, da sich diese Nation gedachter Vorschriften, ohne die Gründe davon einzusehen, ohne selbst was neues zu erfinden, und ohne ihre VerfahrungSarten vollkommener zu machen, nun schon von je eher bedient haben: so folgt nokhwendig, daß ihnen diese Lehren von einem alterm und gelehrtem: Volke, als sie jemals waren, hinterlassen worden seyn müssen. Der auch bey vielen andern Völkern allgemein eingeführte Gebrauch gedachter VerfahrungSarten ist ebenfalls ein kräftiger Beweiß ihres hohen Alterthums. Bey den Siamern pflegt man den Tag ebenfalls in 60 Tagezeiten zu theilen: und dieß thaten auch die Tartaren, die Persier, die Chaldäer, die Aegyptier und überhaupt alle bekannte Völker des Alterthums. §. 15.. jährlich um 54 Gradsekunden gegen Morgen fortrückten. Wenn also die Sonne, zum Beyspiel, in den Punkt der Frühlingsnachtgleiche tritt: so wird der vielleicht vor einem Jahre daseldst befindliche Stern um 54 Sekunden weiter gegen Morgen gerückt seyn. Folglich muß sie noch 21. Minut. Z5. Sec. Zeit, um diesen Stern einzuholen, an- wenden: und das tropische Jahr ist also kürzer, als das Sternjahr. Von der Sternkunde nach der Snndfiuth. 129 §» 15. Die Indianer richten sich ferner in ihrer Zeitrechnung nach einer Periode von üo Jahren: und die Ur- sache dieser Gewohnheit, die großen Jahrzahlen durch die kleinern von 60 Jahren auszudrückeu, scheint sich ebenfalls, wie schon oben gesagt worden ist, * einzig und allein auf die bekannte Bequemlichkeit der Zahl 6c>** zu gründen. Gedachte Nation weiß nicht, ob die Periode von 6vQ Jahren vor der Sündstuth entstanden ist: aber sie bedient sich derselben, wie Herr le ivz. !42 Von der Sternkunde nach der Sündflnth. es ist keineSweges gewiß, daß gedachte Charaktere jemals einen bestimmten Verstand ausgedrückt haben: es ist vielmehr wahrscheinlich, daß die Zusammensetzung jener großen und kleinen Striche ein bloßer Versuch seyn mag: man wollte vielleicht bloß untersuchen, auf wie vielerley Weise sich diese Linien unter einander versetzen ließen. §. r r. Ohngesehr im Jahre 2667, vor Christi Geburt, bemerkte — Chi, unter der Regierung des -Ho-' anI — Ti den Polarstern,, wie auch einige ganze daselbst befindliche Sternbilder.* Nun weiß man, daß der Pol nicht stets auf eisten und eben denselben Punkt des Himmels fällt, sondern überaus langsam fortrückt: und dieser Satz, welcher erst von unfern neuesten Sternkundigen erfunden worden ist, wird durch die alte chinesische Geschichte der Sternkunde vollkommen bestätigt. Denn nach den neuern astronomischen Berechnungen stand im Jahrs 2870 vor Chtzisti Geburt der Stern des Drachens nach dem Verzeichnisse des Herrn Vaugon- dy gerade in dem Punkte des Weltpols. Der Stern ist einer von der zwoten Größe und leichte beobachtet zu werden, geschickt ist. Nun konnte dieser Stern im Jahre 2697, als ihn Z?u — Chi beobachtete, nicht weiter, als um zween Grade von dem wahren Pol entfernt seyn: und man konnte ihn damals für unbeweglich halten. Uu — Chi erfand auch eine Maschine, welche die Gestalt einer Sphäre hatte: aber diese ist verloren gegangen , sie stellte die vorzüglichsten Kreise des 'Himmels vor. Drei) tarisend Jahr hernach wurde diese Sphäre, unter der Regierung des I)ao, zu einer größer» Vollkommenheit gebracht. Man setzte nämlich eine Sphäre aus mehrern metallenen Kreisen, deren einige befestigt und andern beweglich waren, zusammen: und diese Von der Sternkunde nach der Sündfluth. 14z diese war jener, die wir im zweeten Abschnitte beschrieben haben, vollkommen ähnlich. Also kannten die Chi- neser dieses Werkzeug schon im Jahre 2400 oder 2700 vor Christi Geburt. In andern Wissenschaften, waren sie lange noch nicht so weit: sie hatten noch keine Buchstaben: wenigstens waren ihre Schreibechraktere noch sehr unvollkommen. Und man muß sich wundern, daß ein Volk, welches doch in astronomischen Kenntnissen so weit gekommen war, gleichwohl in der Kunst, seine Ideen zu schreiben, so wenig gekhan hat. Dich ist aber ein augenscheinlicher Beweis, daß jene Kenntnisse nicht von ihm, sondern von jenem alterm und erfindungsreichem Volke, herrührten. ' Ari — Chi machte auch verschiedene Versuche, um die Veränderungen des Wetters und der Lust voraus zu wissen: und hier hat man also einen sehr alten Zeitpunkt der natürlichen oder gegründeten Sterndeuterey. Man findet übrigens auch in der chinesischen Geschichte: daß die Sterndeuterey so alt als die Geschichte selbst ist. Aus dem Tschumksicou sowohl als ans dem Chikrng erhellet, daß man auf die Erscheinungen der Sterne und Planeten zu gewissen Zeiten, besonders aber wenn sie durch den Meridian giengen, sehr aufmerksam war. Es wäre unnöthig, wenn man die Folgen anführen wollte, welche damals hieraus für die Regierung des Staats und der Familien geschlossen wurden; denn dieses hat auf die Geschichte der Sternkunde nicht den geringsten Einstuß. §- 2;. Damals wurde auch der Zeitraum von üo Jahren, dessen sich diese Völker noch iht bedienen, eingeführt. Man gab demselben zur Epoche das erste Regierungsjahr des -eZoang—Ti: und so sind seit dieser Zeit bis auf den * 2ten Band. z. -Absch. §. 27. r44 Von der Sternkunde nach derSündfiuth. den heutigen Tag alle Begebenheiten des Reichs, den Jahren des gedachten Zeitraums an die Seite gesehet worden. * Diese Periode von 60 Jahren ist offenbar mit jener oben angeführten indianischen zwölfjährigen einerlei): und dieses erhellet aus folgendem. Jedes Jahr dieses letztem Zeitraums hat eine Benennung, die aus zwey Worten zusammengesetzt ist: das eine gehöret zu einer Reihe von zehen Worten; als zum Beispiele Hia, P, Ping u. s. w: und das andere zu einer zwoten Reyhe von zwölf Worten; wie zum Exempel Tsu, Throu, Pn, u. s. w. welches Namen der Thiere find. Das erste Wort der einen Reihe wird mit dem ersten der andern, das zweyte mit dem zweyten u. s. w. verbunden. Da sich aber die erste Reihe mit dem zehenden Worte der andern Reihe endigt: so fetzt man das eilfte dieser letzter» von neuem mit dem ersten Worte der erstem zusammen, so, daß die beyden ersten Worte dieser Reihen nicht eher, als im 6i sten Jahre, oder beym Anfänge der neuen Perio- de, wieder beysammenstehen. Noch ist zu merken, daß man gar nicht sagt: das erste, das andere Jahr des Zeitraums; sondern nur: das Jahr Hia — Tsu; P— Throu u. s. w. Der Gebrauch gedachter zwölfjährigen Periode, welche i» jener großem, von 60 Jahren, mit enthalten ist, hat sich in Ästen sehr ausgebreitet: wir werden sie unten auch bey den Chaldäern finden. Man will behaupten, sie habe einen astrologischen Ursprung. Allein, sie ist ohnfehlbar nichts, als der Zeitraum, in welchem Jupiter seinen Lauf einmal um den ganzen Himmel vol- lendet. * * Die Chineser haben auch die Periode von l 9 Jahren, welche, wie jene von 60 Jahren sowohl, als die crwähn- * 2ten Band. z. Absch. §. 26. "* Ebendas. §. io. Von der Sternkunde nach der Sündfluth. 145 erwähnte zwölfjährige, eine Frucht jener Kenntnisse einer Nation ist, die alle Völker, deren Geschichte wie hier schreiben, an Alter übertreffen muß. §. 24. Hoang — Ti ist der Urheber von verschiedenen astronomischen Gerätschaften: unter andern hatte er auch ein Werkzeug erfunden, welches, ohne den Himmel zu betrachten, beständig gegen die vier Hauptgegenden des Himmels wies. Dieß Werkzeug war ohnstreitig die Mag, netnadel. Also ist diese bey den Chinesern schon über 4400 Jahr vorLhristiGeburt bekannt gewesen. GedachterFürst errichtete auch die Tribunale der Geschichte nnd Meßkunst. Und diese Einrichtung wird diesem berühmten Volke auf ewig unendliche Ehre machen*. Man findet aber auch >400 Jahre hernach, unter der Regierung des Chiiigu, Spuhren von der Magnetnadel. Denn als gewisse Abgeordnete aus Cochinchina** wieder in ihr" Vaterland zurückkehrten: da machte ihnen Thing» ein Geschenk mit einer sehr künstlich zusam. men gesetzten Maschine. Diese Maschine, heißt es, kehrte sich mit einer unaufhörlichen Bewegung beständig ge. gen Mittag: sie wurde Chinan genannt: eine Be- Nennung, welche die Chineser noch heut zu Tage der Mag. netnadel geben * * * Unten werden wir wahrnehmen, daß die Kenntniß der Magnetnadel in den alten Zeeten vielleicht weiter, als man * üecueil 6' Ohlervstion; äu ?. Äuc/er. I'om. III.p. 44. ** Man glaubt, daß der Pater Martini falsch unter« richtet sey, wenn er sagt, daß diese aus Cochinchina wa. ren: sie kamen ohne Zweifel aus einem entfernierm Lan. de. Dieses ist um so viel wahrscheinlicher, da der P. Martini hinzusetzte, daß sie durch Hilft dieses Werkzeugs nicht langer als ein Jahr auf der Rückreise in ihr Land zuge« bracht hatten. Htarrm/. lom. I. 2Z5- K l ^6 Von der Sternkunde nach der Si'mdfluth. man bisher geglaubt hat, ausaebreitek war: ißt wollen wir nur zween Grunde zum Beweis unserer Mei i ung aus der chinesischen Geschichte anführen. Herr ler hat auf seiner Reise nach den Morgenländern zu Eon- stantinopel vernommen, daß sich unter den arabischen oder persischen Handschriften, die mau damals in der Büchersammlung des Sultans aufbewahrte, ein altes astronomisches Buch befand: und die darinne vorgetragene Lehren gründeten sich auf den Gebrauch der Magnetnadel. Diese, in Persien oder Arabien gleichsam vergra- bene Kenntniß wird also noch unter diejenigen zu rechnen seyn, welche sie von den Alten, ohne den Gebrauch dar- von zu kennen, geerbt haben. Käufer Chuein verfertigte auch im Jahr 251z vor Christi Geburt, Tabellen für die fünf Planeten. Es ist merkwürdig, daß er, zu Folge der Nachricht des Pater Martini, wegen seiner gründlichen Kenntniß in der Sternkunde auf den Thron erhoben worden ist. Dieser Prinz beobachtete ferner die Zusammenkunft der fünsPlaneten: dieß ist eineErscheinung, welche man ins Jahr 2 449 ftßt. * Dann nahm er sich auch vor, den Anfang des Jahres auf den ersten Tag des MonakhS, in welchem der Neumond nahe bev dem 1 ;ten Grade des Wassermanns siel, festzusetzen: dieß geschah. Und dieser Gebrauch, der sich jedoch zuweilen einigermaßen verändert hat, ist noch heut zu Tage üblich. Daher kömmt es auch, daß die Chineser diesen Kayser, den Vater des Kalenders nennen.'" Die Chineser fangen ihr Jahr zur Zeit des Winter- sonnenstillstandS an: lind aus gedachter Einrichtung des Kaysers Chueni kann man eine sehr wichtige Folge zie- hen; es ist nämlich gewiß, daß sich die Wintersonnenwende entweder erst zu den Zeitendes Chueni im > zten Grade des * 2len Band« z. Absch. Z. -z. ** 1.I. x. 5». Von der Sternkunde nach der Sündffuth. 147 des Wassermanns befand, oder schon vorher daselbst be- funden hatte; findet nun das letztere Statt: so folgt, daß die Wintersonnenwende, zur Zeit der ersten Einthei- lung des Thierkreises, in den ersten Grad der Fische gefallen seyn muß. §- 25. Kayser ^ao, welcher um das Jahr az^vorChri- fti Geburt regierte, nahm die Sternkunde in besonder» Schutz. Er befahl den Meßkünfllern, den Lauf des Monds und anderer Gestirne zu beobachten. Und diese mußten das gemeine Volk von den Jahreszeiten unterrichten. Man sichet aus einer Stelle des Buchs Chou- king, welches zu den Zeiten des Fas selbst verfasset worden ist, daß die Chineser damals aller vier Jahre ein Jahr von z66 Tagen hatten, und man sichet leicht, daß dieses ein Schaltjahr gewesen seyn muß. Das nämliche Buch erwähnet einen Schaltmonath, der bey ihnen, um ihr Mondenjahr mit der Bewegung der Sonne übereinstimmend zu machen, üblich war.* Uebrigens scheint es nicht, als ob ihre Kenntniß von dem z66kägi- gen Schaltjahre, auf den Kalender angewendet worden sey: ihr gemeinesIahr halt z Z4Tage: und das Schalt, jahr Z84- §. 26. Unter der Regierung des Chsu — Ring, das heißt, 2169 Jahr vor Christi Geburt, ereignete sich eine große Finsterniß. Diese Finsterniß ist, weil man in keiner Geschichte die Beobachtung oder Bemerkung einer altern ausgezeichnet findet, von großer Wichtigkeit; sie bestätigt die Richtigkeit der chinesischen Zeitrechnung, und kostete verschiedenen Sternkundigem das Leben: denn sie hatten dieselbe entweder gar nicht, oder doch nicht genau auf die Zeit', in welcher sie entstand, vorherverkün- K 2 digk. 148 Von der Sternkunde nach der Sündfluth. digt. Aber dergleichen Astronomen wurden nach den, schon überaus alten Gesehen ihres Reichs gerichtet. Pa- ter Gaubil* glaubt daher, daß man damals schon sichere Regeln, um die Finsternisse vorherzusagen, gehabt haben muß: denn das Gesetz, welches dergleichen Irr- thümer mit dem Tode bestrafe, sei) davon ein sicherer Beweis. Allein wir halten dafür, daß dieß Gesetz nichts, als die Unwissenheit der Nation und ihre alberne Meynung, von der Wichtigkeit dieser Wissenschaft in Rücksicht auf den Feldbau und aufdie Vorherbestimmun, gen der Begegniffe ihres Reichs, beweisen kann. Man wünschte den Fürsten Glück, wenn die Finsternisse kleiner als sie angekündiget waren, erschienen. Wenn die Astrononmen sagten, daß keine gänzliche Verfinsterung der Sonne seyn würde: so war dieses eben so viel, als wenn sie dem Fürsten eine glückliche Regierung weißage- ten. Sie der Gefahr der Finsternisse bloß zu stellen, ohne ihnen vorher etwas davon zu sagen, wurde als ein Verbrechen der beleidigten Majestät angesehen. Üb rigens gestehet P. Gaubil selbst**, daß die alten chinesischen Sternseher nicht allein die Gestirne beobachten, sondern auch die Zeit der Feste und Religionsceremonien bestimmen mußten. Für die Tage der Sonnenfinsternisse waren dem Volke vorzüglich sonderbare Ceremonien zu beobachten vorgeschrieben. Wenn nun die Astronomen die Finsternisse nicht gehörig bestimmt, und daher das Volk, in die Ver- legenheit, ihre angeordneten Feste nicht gebührend feyern zu können, gesetzt hatten: so mußte dieses freylich, in den Augen dieses abergläubischen Volks, als ein Verbrechen angesehen werden. Allein die chinesischen Sternseher waren demohngeachtet kühn genug, und wagten um Ansehen * kecueil ä'Oblervsnon« clu p Ä»c/er. III. 12. ** klsnulo. äe kl. no. izo. 179. Von der Sternkunde nachher Sündfluth. 149 sehen und Ehrenbezeugungen zu erkaufen, ihr Leben un- aufhörlich. Denn sie waren in der wahren Sternkunde höchst unwissend. §. 27. Der Gebrauch des Wasserfalls und der Sonnenuh. ren ist bey den Chineftrn ebenfalls sehr alt. Von den letztem findet man eine umständliche Nachricht in einem, ro6 Jahr vor Christi Geburt geschriebenen Wercke: denn damals sammlete man nach der Verwüstung, die ein barbarischer Kayfer in dem Reiche der Wissenschaften angerichtet hatte, den Rest von den alten Kenntnissen und Urkunden wieder. In diesem Buche findet man eine Anleitung, die Breite und selbst die Länge eines jeden gegebenen Orts der Erde, vermittelst des Gnomons zu bestimmen. Ferner ist auch daselbst die Verfahrungs- ark, durch Hilfe des Schattens die Mittagslinie zu ziehen, angegeben. Endlich findet man auch eine Anweisung, -die Mittagslinie sogar vermittelst des Polarsterns zu bestimmen. * Die Kennmiß der Mittagslinie war ihnen auch höchst nöthig: denn die Götzentempel der Indianer, die ägyptischen Pyramiden, und überhaupt die morgenländischen Gebäude von einigem Ansehen, sind alle rechtwinkelicht gegen die vier Hauptgegenden der Welt gerichtet. Von den ebenen Himmelskugeln und dem Thierkreise der Chineser wissen wir wenig: aber ihr Thierkreis hat zwo Abtheilungen: die eine enthält 28 , uud die andere l 2 Sternbilder. Mau hat auch Sternverzeichnisse bey ihnen gefunden, in welchen ohngefehr 2500 Ster, ne angemerket waren; allein diese sind uns nie zu Gesichte gekommen. Herr Lreret * * führt deren zwey an: K z das * 2ten Band. 9. Absch. §. 95. * Mm. äcsä. Inkrixt. lom. XVIII. p> 271. I ZO Von der Sternkunde nach der Sündfluth. das erste soll bis auf das Jahr 2020, und das zweyte, bis aufs Jahr 1550, vor Christi Geburr Zurück gehen. §. 28. Seit der Finsterniß, welche sich im Jahr 2155 unter der Regierung des Chou—Aing ereignete, meldet die Geschichte bis aufs Jahr 776, vor Christi Geburt von keiner einzigen Finsterniß etwas: und dieß ist allerdings sonderbar. Seit dieser Epoche hingegen giebt es deren eine lange Reihe. Aber diese sind, bis auf die Ankunft unserer Jesuiten, daselbst ebenfalls nur angesehen , aber nicht gehörig ^beobachtet worden. Auch dienen ihre Beobachtungen zu weiter nichts, als die Zeit, rechnung zu berichtigen. Man begnügt sich bloß, den Tag zu wissen, da sie sich ereigneten. Der Anfang dieser aneinander Hangenden Beobachtungen fallt fast in die Epoche der chaldäischen Observationen, die uns vom pcolsmäus aufbewahret worden sind: aber die Chaldäer verfuhren dabey mit weit größerer Genauigkeit: denn sie bemerkten nicht nur den Tag, sondern auch die Stunde ihrer Beobachtungen. Es ist merkwürdig, daß man die Sonnenfinsternisse nicht bemerkt hat: denn bey diesen letztem Volke findet man kei. ne einzige ausgezeichnet. China hingegen vernachläßigte die Mondfinsternisse: denn man findet nur einige wenige Beobachtungen von diesen Erscheinungen des Monds bey ihnen. Die Ursache davon ist, weil die Sonnenfinsternisse mehr Verbindung mit dem Aberglaben daselbst hatten. Und gewiß, sie haben den damaligen Menschen viel fürchterlicher, als die Mondfinsternisse Vorkommen müssen. Das scheinbare Verlöschen dieses Gestirns, die Verminderung, und zuweilen der gänzliche Verlust seines Lichts, haben anfänglich ein größres Schrecken, als das Verschwinden des Monds verursachen müssen: denn diesen glaubte man, entbehren zu können. Von der Sternkunde nach der Sündflnch. iz r §. 29. Die Sternkunde, welche seit den Zeiten des Fohi, ohngefchr bis aufs Jahr 480 vor Christi Geburt, und also ganzer 2520 Jahre be» den Chinesern in Ansehen gewesen war, wurde nun auf einmal ganz und gar ver- nachlaßigt: sie verlohr sich endlick ganz; das Reich wurde getheilcx es entstand eine Menge kleiner Staaken : und die Beherrscher dü ser kleinen E taatcn l cmühe- ten sich nur einander ihre Lander zu entziehen, und bekümmerten sich um die Kultur der Künste'und Wissenschaften nicht. Seit der Zeit des Confucius, welcher im Jahr 479 vor Christi Geburt starb, und welcher von den lchtern Finsternissen, die er selbst gesehen hatte, Bericht erstattete, wurden die Beobachtungen bis auf das Jahr 204 vor Christi Geburt, gänzlich unterbrochen. Es waren weder Astronomen noch astronomische Anweisungen da. Das Tribunal der Meßkunst war zerstöret. Der KayserTsin— Chl—Hoang, welcher alle die>e kleinen geteilten Staaten von neuem rereinig- ke, und dadurch das große chinesische Reick wiederherstellte, ließ im Jahre 246 vor Christ! Geburt alle Bücher der Geschichte und Sternkunde, besonders aber die, welches—Bing hießen,verbrennen: denn er kannte keine Wissenschaft, sondern nur die Kunst, das Sckwerdt zu regieren. Bloß solcke Bücher, die dem Ackerbaus, die Arzneykunde und Sterndeutung behandelten, wür- digte er ihrer fernem Existenz. Diese drei) Wissenschaften, hielt er, wie eö scheint, für die Menschen von gleicher Nolhwendigkeit Einige Privatpersonen entrissen aber doch noch einige Abschriften von historischen Büchern dem Verderben. Vermöge dieser Handschriften hat man nun größtentheils die Geschichte der Chineser und ihre Zeitrechnung wieder olkssindig zu machen gesucht. Allein, wenn astronomische Tafeln und Beobachtungen da gewesen sind: so wur- K 4 den >52 Von der Sternkunde nach der Süttdfluth. den sie ohne Zweifel mit in das Verzeichniß der Bücher des mathematischen Tribunals geseht und verbrannt. Lieou — pang, welcher im Jahr ro6 vor Christi Geburt zur Regierung kam, richtete das Tribunal wieder auf, und erwieß sich gegen die Sternkunde günstig. Er ließ die Bücher, welche verborgen und erhalten worden waren, aufsuchen und in Ordnung bringen. Aber wir wollen die chinesische Sternkunde in dieser Epoche alsdann wider vor uns nehmen, wann wir auf Asien, und zwar in den jünger», Zeiten, aufs neue einen Blick werfen werden. Fünfter Abschnitt. Ueber die Sternkunde bey den alten Persiern und Chaldäern. §. l- t^ir verstehen unter den Assyriern, Chaldäern und ^ Persiern, diejenigen Völker Asiens, welche zwischen dem Flusse Indus, dem mittlandischen, rochen und schwarzen Meere wohnten. Man findet zwar in der Geschichte überhaupt nur zwey große Reiche, welche ehemals in diesem Striche Landes von Asien existirt haben; das ninivitische und babylonische: wir können aber füglich noch eins hinzusehen; nämlich das persische. Die Hauptstadt dieses lehtern, welche nach Maßgabe einer sehr gut zusammenhängenden, und von der Epoche 4049 vor Christ, Geburt ununterbrochen fortgeführten, Zeitrechnung imIahre Z507 vor Christi Geburt entstand,* war Persepolis; und Diemsthid, einer von den ersten persischen Beherrschern, erweiterte diese Stadt nicht nur * 2enä — ^veüs: krsäuit x»r dir. A»F«er,7. lom. II. x. 42z. A Sternkunde der Persier und Chaldäer, izz nur überaus sehr: sondern machte sie auch ungemein prach. tig. Vermöge einer morgenlandischen Tradition sollen sieben überaus große Bücher, die im Residenzschlosse des Diemschid aufbewahret wurden, durch Alexan. dern umgekoinmen seyn: und nian weiß, daß dieser Eroberer die Stadt Persepolis sammt dem Palais des Königs verbrannt hat. Um aber wieder auf den Anfang dieser persischen Ge. schichte zu kommen: so hielt Diemschid, nach Vollen, düng des Baues der gedachten Residenzstadt,seinen feyer. ließen Einzug mit königlicher Pracht. Diemschrd hat. te den Tag dieses Einzugs so angeordnet, daß er gerade derjenige war, in welchem die Sonne in das himmli- sche Zeichen des Widders trat: und man machte diese Begebenheit sofort zur Epoche der persischen Jahrzahl: de, n so oft die Sonne aufs neue den Widder berührte: so oft feyerte man das Einzugsfest des Diemschrd. Und dieß Fest ist noch itzt das heiligste aller Feste der Pcrsier.* Sie nennen es: Neuruz, den neuen Tag, oder das neue Jahr. Also bestehet diese Iahrzahl der Persier in der That aus lauter Sonnenjahren. Vorher gab man dem Jahre zwar nur Z65 Tage: denn man wußte noch nicht, daß es ohngesehr um einen Viertelötag zu klein war: allein Diemschrd muß die. sen Jrrthum gekannt haben: denn erbefahl aller rrc» Jahre einen ganzen Monath von zo Tagen einzuschal. len; und dieß geschah auf folgende Art: Nach Verlauf der ersten Periode von 120 Jahren wurde der erste Mo. nat des Jahres; nach Verlauf der zwoken, der zweete; nach Verlauf der dritten, der dritte zweymal hinter ein. ander gezählct u. s. w. Daher traf die Reihe des Schalt, monaths allezeit nach zwölf mal verlaufenen iro Iah. ren jeden Monath einmal. Hieraus entstand also eine K 5 Periode * //eröclor. Libl. orienl. x. Z95- >54 Sternkunde der Persier und Chaldäer. Periode von 1440 Jahren: unddiese wurde die Schalt- Periode genannt. * Unten * * werden wir aus zuverläßi- gen Rechnungen beweisen, daß der Ursprung gedachter Periode auf das Jahr z ro9 vor Christi Geburt zu rückefällt. Damals erstreckte sich die astronomische Wissenschaft der Persier nicht weiter, als etwa auf einige Kenntniß von den Sonnenjahren und Namen einiger Sternbilder: denn wir haben schon oben erinnert, lind wir werden es unten mit mehrerm darkhun, daß sie gooo Jahr vor Christi Geburt die vier Hanpkgegcnden der Welt mit vier hellglänzenden Sternen bezeichneten f. Sie theil- ten den Lhierkreis ebenfalls, wie die Indianer, auf eine zweyfache Art ein. Aber dieß ist vorzüglich sonderbar, daß sie den Sternen überhaupt eine größere Entfernung von der Erde als dem Monde zueigneten ff. Die Chaldäer hingegen nahmen diese alberne Meynung nicht an: sie setzten vielmehr die Fixsterne über den Mond und über alle Planeten hinaus. Es wäre übrigens wohl überflüssig, wenn ich erst noch beweisen wollte, daß die Persier alter als dieChal. däer seyn müssen: denn diejenige zwoer, aus einem gemeinschaftlichen Stamnas entsprossenen, Nationen, welche in irgend einer Wissenschaft gründlicher und richtiger denkt als die andere, muß ohnstreitig die jüngste scyn. §. 2. Der Stifter des babylonischen Reichs war LTtim- rod. Die Araber sagen: Babylon sei) einstmalen zerstört und sodann aufs neue durch den Hermes, der einige Jabrhunderke nach der Sündfluth zu Calovaz, einer chaldaischen Stadt geboren ward, errichtet worden. Nun hält * Os rsliglone vetelum perk-uum. c. 17. 20z. ** rtcn Band. 4. Absch § r f sten D- 9- Absch. §. ro. .ff Ebendas. 4. Absch. §. z. » Sternkunde der Persier und Chaldäer, izz hält man zwar insgemein dafür, daß -Hermes, welcher auch Merkurius oder Cham heiße, von Geburt ein Aegyptier gewesen sey; die Ursache dieser Meynung ist in dem Umstande, daß die Nachrichten von dem gedachten -Hermes aus Aegpten gekommen sind, zu suchen: aber da man, wie gedacht, in der Geschichte eigentlich drey Hermes findet: so halten wir bloß den letzten,, oder den sogenannten Cham, für den wahren ägyptischen Hermes. Wir wollen einen Versuch wagen und sehen, inwiefern sich die Zeit, in welcher ein jeder, von gedachten drey Hermes gelebt haben mag, bestimmen läßt. Nach dem Zeugnisse des Manethon lebte der erste schon vor der Sündsluth. Nun findet man eine alte astronomische Beobachtung, die sich auf den Hellen Stern des Stiers, auf das sogenannte Ochsenauge, beziehet: und aus dieser Beobachtung erhellet, daß die Länge des gedachten Sterns damals noch um vier Grad vor dem Punkte der Frühlingsnachtgleiche fiel: itzt stehet dieser Stern schon auf 7s Grad hinter gedachtem Punkte der Ekliptik. Also sind die Fixsterne seit dieser Beobachtung sämmtlich um 74 Grad, ihrer scheinbaren Bewegung gemäß, gegen Morgen fortgerückt. Rechnet man nun nach: so findet sichs, daß Hermes angeführte Beobachtung im Jahre z;6r vor Christi Geburt gemacht haben muß. Män findet übrigens auch noch andere Beobachtungen, die man ebenfalls dem Hermes zueignet: und diese sollen im Jahre 1985 vor dempto- lomäns oder 1846 vor Christi Geburt angestellet worden seyn. * Hieraus lernen wir sogleich alle drey Hermes, oder vielmehr die Zeit ihrer Existenz hinreichend kennen. Der erste, welcher vor der Sündflüth lebte, grub die Grundsätze 5 2tm Band. 4. Absch. §. 4. 156 Sternkunde der Persrer und Chaldäer. sähe seiner Wissenschaften, vermittelst der Hieroglyphen, ^ welche auch in der Folge die heilige Schrift aenennet wur- ^ den, auf Steine oder Säulen: und dergleichen Monu- ^ mente haben in Syrien lange Zeit existirt. Der zwee- "»l te Hermes lebte, wie aus dem obigen erhellet, um das ^ Jahr zz6r vor der christlichen Zeitrechnung: und die- M ser war ohne Zweifel der Erfinder des Alphabeths. * Denn die Geschichte lehret, daß dessen Sohn, Agatho- deinem, die, auf gedachten Säulen oder Pyramiden in sffi Sinnbilder eingehüllten, Wissenschaften in der gewöhnli« D chen Sprache des Landes abgefaßt und ausgezeichnet ha- B bc. Und wenn es endlich in der lThat einen dritten Her- H nres gegeben hat: so ist es ohnfehlbar jener, welcher km nach der Meynunq des prolomäus die gedachten Be- «> obachtungen im Jahre 1846 vor unserer Zeitrechnung sin angestellet haben soll. als ! §. Z- Zu Babylon fieng man im Jahre 247; vor Lhri- < ^ sti Geburt nach Sonnenjahren zählen an: * und mit die- jß ser Epoche nahm auch das Reich des' Lvechous, wel- s, cher der erste babylonische König aus Chaldäa war, sei- ^ uen Anfang. Vorher waren die Babylonier von den ^ Chaldäern unterschieden. ^ Die Zeitrechnung der Babylonier fängt sich von der A Zeit an, in welcher Evechous diese beyden Nationen H mit einander vereinigte, und die Chaldäer nach Babylon ^ führte.. Dieser Lvechous führte sogleich die Gewöhn- ^ heit, nach Sonnenjahren zu zählen, ein. Auch brachte er ohne Zweifel den Zoroaster, der bey diesem Volke für den Erfinder der Sternkunde gehalten wird, mit sich nach Babylon. Denn man kann durch eine Menge , von übereinstimmenden Traditionen beweisen, daß die- ^ ser bey den morgenländischen Völkern überaus berühmte ^ Gelehr- 2; * 2trn Band. 4. Absch. §. 5. Sternkunde der Persi'er und Chaldäer. 157 Gelehrte, der so heilsame Gesetze entworfen und ihnen vorgeschlagen hak, um das Jahr 7459 gelebt haben muß.* Aber man darf diesen Zoroaster nicht etwa mit jenem jungem, der umö Jahr 589 vor Christi Geburt die Religion der Magi aufs neue einsührte, verwechseln. Man halt aber auch den Belus für den Erfinder der Sternkunde bey den Chaldäern: denn Plimus** spricht: »der Tempel des Jupiters Belus, des Erfinders der Sternkunde bey den Babyloniern, cxistirt noch itzt.» Allein diese Tradition hat ohnfehlbar wenig Glaubwürdigkeit: und jene, weiche gedachte Ehre dem Zoroaster zuschreibt, verdient in vieler Rücksicht vor der letzter,,, unfern Beyfall. Auch die heutigen Per- sier eignen zufolge ihrer alten Urkunden, keinen andern, als dem Zoroaster, gedachte Erfindung zu. Pater Pezron setzt das Jahr der Regierung des Belus auf r g4<5 vor Christi Geburt. * * * Aber dieß ist nicht zu laugnen, daß der gedachte Tempel des Belus in der Folge zugleich eine Sternwarte, auf welcher alle uns bekannte chaldaische Beobachtungen des Himmels angestellet wurden, gewesen ist: und wer stehet nicht, daß man deswegen, weil der Tempel des Belus eine Sternwarte war, den Belus selbst zun, Stifter der Astronomie bey den Chaldäern gemacht habe? Es war damals allerdings sehr natürlich, diesem Beherrscher, der diese Wissenschaft so sehr zu verehren und ihr gleichsam * sten Band. 4. Absch. §. 7. *' I.ik. XXVI. c. 26. "** setzt den Antritt der Regierung des Belus auf daS Jahr 2285 vor Christi Geburt. Herr de Brost'e, Präsident der Akademie, nimmt dafür die gerade Jahrzahl 2ZOO. lelemoirez cle k'-Veaäemie äes Inlcichn I'. XXVIl. x>. 76. 77. Und diese letztere ist von jener, die wir oben angeben, nicht beträchtlich unterschieden. -;8 Sternkunde der Persr'er und Chaldäer. sam das Bürgerrecht in seinem Reiche zu ertheilen schien, zum Urheber derselben zu machen und ihn zu vergöttern. Unsere Konjekturen leiten uns daher, aller Schwierigkeiten der alten so sehr verschiedenen Zeitrechnungen ohngeachtct, in der ununterbrochenen Reihe der Begebenheiten aller alten Völker nach der schönsten Ordnung immer weiter fort. Evechous, dev das Sonnenjahr einführte, kam im Jahre 247z vor der christlichen Zeitrechnung zur Regierung; Zoroaster, welchen man eigentlich für den Erfinder der Sternkunde bey den Chaldäern annehmen muß, lebte mit dem Evechous zu gleicher Zeit: denn dieser machte sich zuerst uni das Jahr 2459 bekannt; Belus trat seine Herrschaft nm das Jahr 2Z46vor Christi Geburt an: aber die auf seinem Tempel gemachten astronomischen Beobachtungen nahmen erst im Jahre 22Z4 vor Christi Geburt ihren Anfang. §. 4- Außer angeführten Momenten findet man aber auch in der alten chaldaifchen Geschichte keine Begebenheit, welche man mit einiger Zuveriaßigkeit weiter hinaus sehen kann: denn diese Nation hat gar keine Urkunden aufbewahret, aus welchen sie ihr hohes Alter, wie etwa die Chineser, demonstrirt; die alten Schriftsteller überlie. fern uns bloß einige Gebrauche oder Meynungen dieses Volks von seinen Göttern und von dem Weltgebaude; und diese Nachrichten sind noch dazu, ohne alle Auswahl und ohne hinzugefügte chronologische Momente, hingeworfen. Man weiß daher nicht, welche Meynungen vor den übrigen hergegangen oder nachgefolgt sind; man weiß nicht, ob sich ihre albernen Begriffe von den Ge- genstanden der Sternkunde gleich anfangs eingefunden haben, oder ob die anfangs richtigem Ideen erst in der Folge verunstaltet worden sind. Sternkunde der Persier und Chaldäer. 159 Allein seit dem Zoroaster werden uns die Chaldäer zu unserer Absicht allerdings sehr interessant: denn sie haben die Sternkunde wieder hergesiellt: und der Faden ihrer Zeitrechnung gehet von dieser Epoche bis auf unsere Zeiten unabgerisien fort. Sie haben auch zu allen Zeiten andere Merkmale ihrer astronomischen Kenntnisse Hinkerlassen. Die Griechen haben diese Wissenschaft von den Chaldäern erhalten. Die Chaldäer haben die Sternkunde den Arabern beygebracht. Und dis Europäer haben die crsien Gründe der Astronomie den Arabern abgelernt. §. Chaldäer hießen anfangs weiter nichts, als die Gesellschaft der sogenannter Balspfassm, welche ordentlich zünftig und Von dem Bcius, wie man sagt, nachdem Fuß der ägyptischen Priester, geflutet waren: Von ihnen erhielt herimch die ganze Nation den Name». Ein seltener Fall, daß sicheln aanzeö Land nach einer philosophischen oder geistlichen Sekte nennet. Al er dies kam daher, weil sie durch ihre astronomische Wissenschaft über die ganzen Nation so viel Ehre und Vortheil verbreiteten. Da nun aber die äußerliche Einrichtung dieser Prie- siergesellschafc von dem Beins ans ägnptisckm Fuß gesetzt worden ist: so sollte man fast schließen, daß sie auch ihre wesentlichen Stücke, nämlich die Wissenschaften und vorzüglich die Sternkunde aus Aegypten erhalten habe. Allein die Grundsätze, welche die zwo gedachten Nationen von der Einrichtung des Weltgebäudes hegten, wichen so sehr von einander ab, daß ein solcher Verdacht ans einmal gänzlich über dm Hausen fallen muß. Die H'mmclskphare der Aeayptier war von dem Sternverzeichnisse der Chaldäer sehr unterschieden; die letztem hakte,- ganze Figuren anstatt der ägyptischen Sternbilder eingeführek: und die Namen derselben warm bey den Chal- , 6o Sternkunde der Persier und Chaldäer. Chaldäern ganz anders, als bey den Aegyptiern. Die Verschiedenheit solcher Hilfsmittel, auf welche sich doch damals die ganze Wissenschaft der Astronomie gründete, ist, angeführte Vermuthung zu widerlegen, allein hin» reich^id. Man könnte zwar sagen: es ist doch gar nicht wahr, scheinlich, daß die Wissenschaften bey diesen Nationen, die doch wegen ihrer Nachbarschaft oft Kriege mit ein- ander führen mußten, nicht gemeinschaftlich sollten bekannt geworden seyn: allein hierauf dient zur Antwort, daß ihre Kriege damals nicht viel sagen wollten: und es scheint überhaut, als ob die Alten den Vortheil, welcher aus einer wechselseitigen Mittheilung der Wissenschaften für jede Nation erwachst, nicht gekannt haben. Aus Unwissenheit und Stolz glaubte jedes Volk sich selbst genug zu seyn. Eine jede Nation machte sich aus einer eitelm Gesinnung zur ältesten der Welt. Daher thaten sie alle mit ihren gelehrten Kenntnisien sehr geheimniß voll: denn die Eifersucht erlaubte ihnen nicht, andere im Besch ähnlicher Kenntnisse zu sehen. Aber dieß war vorzüglich ein Kunstgriff der Priester, welche das Volk aus Eigennutz recht mit Fleiß in seiner natürlichen Unwissenheit bestärkten. Es ist aber überhaupt bekannt, daß damals dem ge- meinen Volke nicht der geringste Unterricht ertheilt wur- de: kein gemeiner Mann konnte sich in die Geheimnisse der Wissenschaften einweyhen lassen: denn das Hand« werk der Priester, oder der Gelehrten überhaupt, war erblich: das heißt, die Gelehrten waren bey diesem Vol- ke eben das, was bey den Juden die Leviten waren.* Allein es ist zu merken, daß man damals mit den übri» gen Handwerken oder Beschäftigungen eben so verfuhr: denn bey einigen Familien war bloß das Kriegshand. Sternkunde der Persi'er und Chaldäer. r6r werk, und bey ändernder Ackerbau erblich: die dritte Klasse mar bloß zu den Künsten und andern Geschäften bestimmt. Die Priester eigneten sich mit einem ausschließenden Rechte die Wissenschaften zu, und keiner, als ein Priester, durfte sich ihre heilige Schrift zu erklären unterstehen. Daher gierigen auch ihre vornehmsten Bemühungen bloß dahin, diejenigen, welche etwa von ihnen in dergleichen Dingen unterrichtet seyn wollten, sogleich abzuschrecken: sie erdichteten geheimnißvolle Lehren, die sie für göttliche Wahrheiten verkauften; und diese fanden bey dem gemeinen und neugierigen Volke desto mehr Beyfall, je wunderbarer und alberner sie waren. Frey- lich konnten die Priester dergleichen Märchen dem gemeinen Volke nicht erklären: denn sie verstanden sie selbst nicht. Also ist es kein Wunder, daß sie ihre Wissenschaften keinem fremden Volke bekannt gemacht haben. Unterdessen muß man doch gestehen, daß angeführte babylonische Sternwarte sowohl, als die Einrichtung der gedachten geistlichen oder gelehrten Gesellschaft, für den Fortgang und Flor der Sternkunde sehr vorteilhaft war; wenigstens konnte die Astronomie bey dieser Nation nicht wieder rückgängig werden: denn jeder Vater prägte seinem Sohne die nämlichen Grundsätze ein; und diese wurden auf dem nämlichen Fuße immer fort unterhalten. Diese Menschen, welche also den Gottesdienst und die Astronomie behandelten, waren auch zugleich Wahrsager und Hexenmeister. Wir dürfen aber die Sternkunde deswegen nicht bedauern, daß sie, vermöge der heydnischen Religion', mit so viel thörigen Jrrthümem verunreinigt worden ist: denn dadurch, daß die Astrono- mie mit den Lehren der Religion und Hexerei) .verknüpft wurde, kam sie selbst in ein großes Ansehen. Sie war daher für die damaligen Gelehrten eine einträgliche Wis- t sen- 162 Sternkunde der Persier und Chaldäer. senschast; und sie würde sich im entgegen gesetzten Falle nicht so lange ununterbrochen fort erhalten haben. §' 6 . Was die Namen der chaldäischen Sternkundigen anbetrifft: so findet man deren in der Geschichte überaus wenig; und dieß scheint allerdings sonderbar, indem man doch daselbst den Himmel so viel Jahrhunderte hindurch recht handwerksmäßig beobachtet hat. Allein der Ruhm einer jeden neuen Entdeckung wurde ohnsehlbar niemals den einzelnen Gliedern, sondern allezeit der ganzen Priestergesellschaft überhaupt zugeeignek: die einzelnen Glieder konnten sich daher nicht auszeichnen; sie hülleten ihre Bemerkungen in geheime Bilder; diese wurden in ihren Tempeln aufbswahret; und da sie ihre Beobachtungen selbst verborgen hielten: so waren sie, ihre Namen auf die Nachwelt zn bringen, desto weniger gesonnen. plmius gedenkt eines Gstancs, der dein Zoroa- ster succedirt seyn soll: es verstehet sich, baß plüuus hier den zweeken Zoroafter meynen muß. Denn die- ser Vstancs lebte am Hofe des Lerxes und machte mit diesem Könige den Feldzug nach Griechenland. In Griechenland machte er sich als ein großer Hexenmeister berühmt. Denn plinius spricht, er habe die Welt überall, wo er hingekommen sey, mit seiner Zauberei) angesteckt. Berosus, welchen man nicht mit dem Geschichtschreiber gleiches Namens verwechseln darf, war der berühmteste unter allen chaldäischen Astronomen: aber er war ohne Zweifel auch der allerälteste. Wir halten aus verschiedenen Gründen dafür, daß er noch vor den, trojanischen Kriege gelebt habe. * Er hat sich durch eine sonderbare Erklärung der scheinbar veränderlichen Gestalt des Monds und der Finsternisse berühmt gemacht. Näm- * 2ten Band. 4. Absch.Z. ZL- Sternkunde der Persr'er und Chaldäer. i6z Nämlich er sagte: der Mond ist eine Kugel, die aus zwo Hälften, von ganz verschiedener Natur und Farbe, bestehet: denn die eine Halste ist lichte und die andere himmelblau; diese himmelblaue Hälfte kann man also von der Farbe des Himmels selbst nicht unterscheiden; und da sich der Mond als eine Kugel um die Erde herum bewegt: so muß erfreulich zuweilen seine lichte und zuweilen seine blaue Hälfte gegen die Erde kehren. Wer stehet nun hieraus nicht schon, daß Berosus einer von den ersten chaldäischen Beobachtern gewesen seyn muß? Daß der Mond stets die eine Seite gegen die Erde kehret, und daß wir ihn niemals von hinken zu sehen bekommen, konnten die folgenden Beobachter sehr leichte, und ohne großes Nachdenken oder optische Werkzeuge, bemerken. Man hat ferner Gründe zu glauben, daß die Chaldäer ohngefehr fünf oder sechs hundert Jahr vor Christi Geburt, eine astronomische Reformation unternommen, und ihre Zeitrechnung auf neuere und vielleicht rich-. tigere Beobachtungen, wie auch auf schicklichere Grund- säße als vorher gebauet haben. Daher muß man die albernen Meynungen und Märchen, welche von den chaldäischen Astronomen erzählet werden, alle auf die Rechnung der Zeit vor gedachter Reformation schreiben. So wird, zum Beyspiel erzählet, daß die Tochter des Berosus, die Demo, oder die babylonische Sibylle, eben diejenige gewesen sey, welche man sonst die cuma- nische nennet. Sie r..-sete mit ihrem Vater nach Cu- mä* ** und prophezeiheke daselbst von der Zukunft unsers Erlösers." Nun ist es eben nicht unwahrscheinlich, daß gedachte Sibylle wirklich die Tochter des Berosus L r gewesen * I.L cle Lumes. Der Herr Verfasser hat hierver» nmthlich die alte sicilianische Stadt Lnmss mit der ttzigen asiatischen Lnmes verwechselt. Uebersttzer, ** Lrr/msrst. kliniana Lxercit. x. qsü. 164 Sternkunde der Persier und Chaldäer. gewesen seyn kann; und wenn dieß ist: so folgt, daß die- ser Berojüs allerdings vor dem trojanische» Kriege gelebt haben muß. Denn gesetzt auch, daß diese Sibylle nicht, wie Ovid* erzählet, 700 Jahre gelebt uudnoch zu den Zeiten des Aeneas eristirt habe: so stimmen doch darinne alle Schriftsteller überein, daß die Zeit ihrer Existenz wenigstens in die Zeiten des trojanischen Krieges und noch weiter gegen die altern Zeiten hinaus fallt. Unter den 700 Jahren sind auch wohl nur Mo- nathe zu verstehen. Auf diese Art muß man den Ursprung der Sibyllen in Asien suchen. Sie haben ihren Namen von dem Gestirne der Jungfrau. Denn Jungfrau heißt in der persischen und arabischen Sprache, Snmbul oder Sumbula: hieraus haben die Phödicier und Chaldäer Sibulla gemacht. * * Man darf sich nicht wundern, daß die mor- genländischen Völker dergleichen Jungfern, welche zukünftige Dinge weissagten, mit dem Namen des Sternbildes gleiches Namens belegten: denn man weiß, daß die Persier noch heut zu Tage ihre Astrologen Munegiim nennen: und diest Wort heißt weiter nichts, als eine redende Sphäre oder Himmelskugel.*** §. 7 - Seneca benachrichtigt uns, daß Verostts der Ausleger des Bcltts gewesen sey. Also hat dieser alte König Schriften Hinkerlassen? Vielleicht hatte Be- rosus sein Kenntniß, durch deren Hilfe er der Erde verschiedene Plagen ankündigte, geschöpft. Er glaubte, daß sie einst durch eine allgemeine Sündstuth und Verbrennung zerstöret werden würde. Die Zeit dieser großen Veränderungen, sollte sich nun aus dem Stande der Gestirne * Xlersmorpli. I.ib. XIV. v. 144. ** Vs Ivelig. ver. kerk. c. Z2. x. ZyZ. *** 1 'om. III. c. 9. Sternkunde der Persr'er und Chaldäer. 165 stirne gegen einander bestimmen lassen. Denn die allgemeine Feueröbrunst sollte sich alsdann ereignen, wann sich alle Planeten in dein Zeichen des Krebses vereinigten:' die Überschwemmung hingegen, wann sie ihre Zusammenkunft in dem Steinbocke halten würden. Diese Weissagung des Berosus ist nach ihm öfters wiederholet worden. Scöfier, * ein deutscher Astrolo- ge des l;ten Jahrhunderts, weissagte aus der damals im Jahre 1524 bevorstehenden Zusammenkunft des Mars, Jupiters und Saturns eine allgemeine Ueber- schwemmung: und diese Prophezeiung setzte ganz Europa in Schrecken. Auf eine ähnliche Art hatte man auch schon den Untergang der Welt langst vorher auf das Jahr 1186 geweissaget. Die Morgenländer hegten die nämlichen Ideen, und verknüpften mit der Zusammenkunft etlicher P'ancten ebenfalls diese alberne Furcht. Dieß ist gewiß eine merkwürdige Ähnlichkeit der Menschen, daß sie unter allen Himmelsstrichen und an den äußersten Enden der Welt in einerley Jrrthümer verfallen sind. Aber die Erinnerung an jene großen Veränderungen, welche die Erde ehemals erlitten hatte, war ohne Zweifel die Ursache davon. Dergleichen große Planetenzusammenkünfte sind selten: und alle Erscheinungen, welche sich erst nach ei- ner Reihe von viel Menschenaltern ereignen, sind für schwache Geister in allen Ländern fürchterlich. Aber unsere aufgeklärten Zeiten haben dergleichen Thorheiten glücklich überwunden. Merkwürdig ist es, daß dieser Aberglaube des Be- rssus, welcher vielleicht bey den Chaldäern 1000 oder i soO Jahr vor Christi Geburt allgemein herrschte, sich noch i s oo Jahr nach Christi Geburt in Europa befand. Aber die Jrrthümer bewegen sich wie die himmlischen Körper immer in Kreisen herum. Lz §> 8» * Profess, der Gottesgel. zu Tübingen. Uebers. r 66 Sternkunde der Persier und Chaldäer. §- ^ , Die Chaldäer kannten die sieben Planeten und die s Zeiten ihres Umlaufs. Auch wissen wir, daß ihr Thier- ^ kreis nur in zwölf Sternbilder getheilt war, welche un- " ter der Regierung der zwölf obern Gottheiten standen. ^ Wenigstens findet man nirgends Spuhren, daß sie jene so alte Eintheilung, in acht und zwanzig Theile gekannt * hatten. Die übrigen Sterne waren unter vier und zwan- § zig Sternbilder gebracht. Man hak uns unter dem Na- d men der persischen Sphäre, eine Sphäre aufbehalken, i die der Ursprung der unfrigcn ist, und wohl auch den H Chaldäern ^'gehört, haben kann.* Man sagt, sie hat- - L ten sich die Erde, wie ein Schiff auSgehöhlet, vorgestcl- let: und diese Meinung scheinet nicht wohl auf ein Land, in welchem die Sternkunde von so alten Zeiten her de- sl arbeitet war, zu passen. Die Geschichte ist voll von ' z dergleichen widersprechenden Dingen: und dieses rühret vermukhlich von der Unwissenheit ihrer Verfasser « ^ her; man hat irgend einen bildlichen Ausdruck der morgenländischen Schreibart für Wahrheit oder für die Sache selbst gehalten: die Chaldäer brauchten vielleicht das Bild eines im Wasser schwimmenden Schiffes, und wollten dadurch das Schwimmen der Erde in dem Ae- ^ ther andeutcn. Und diese Konjektur erhält dadurch, weil ^ die Alten die Sonne und den Mond ebenfalls in einein ^ Schiffe um die Erde herum fahren ließen, eine große Wahrscheinlichkeit. Wer wollte nun deswegen behaupten, daß sie sich die Sonne oder den Mond in der Gestalt eines Schiffes vorgesiellek hatten? Auf solche Art wurden die besten philosophischen Meynungen in dem Munde der Unwissenheit zu abgeschmackten Thorheiten. ^ Die " 2tcn Band. 4. Absch. §.14. und c>.Absch. §. 17.18-19- Sternkunde der Persier und Chaldaer. 167 Die Hypothese von jenem flüßigen Wesen, welches den unermeßlichen Raum der ganzen Welt erfüllen soll, ist sehr alt. Man halt dafür, daß auch die Benennung des Oceans von dem Namen dieser flüßigen Materie hergeleitet worden sey: denn dieses Wort bedeutete ursprünglich den wässerigen Grundstoff des großen All; und die alten Weltweisen sagten: der unermeßliche Ae- lher trägt in seinen feuchten Schoost alle Wesen*, und der Ocean ist weiter nichts, als der irdische Aether. Als die Gelehrten das Schwimmen der Gestirne in dem flüssigen Wesen des Weltraums erkannt hatten: da ließ der gemeine Mann die Sterne gar zu Schiffe gehen. Man muß sich daher nicht übereilen, Meynungen zu verwerfen, die, nach den Worten genommen, abgeschmackt scheinen: denn sie können demohngeachtet philosophisch genug auSgedacht seyn. Die Chaldäer lehrten auch die wahre Natur des Mondenscheins; sie sagten: der Mond hat sein geborgtes Licht von der Sonne, und dieß verliert er, so bald er in den Schatten der Erde tritt. Die oben angeführte Mey- nung von der Natur des Mondenscheins läßt sich mit dieser letztem gar nicht vereinbaren; gleichwohl war Bero sus, der diese Meyn^ng äußerte, auch ein Chaldäer: und man sichet hieraus, daß Berosus lange Zeit vorher gelebt haben muß. §> 9 - . ^ Da den Chaldäern die Periode von rr; Mondcn- monathen oder von 6585 Tagen und einem Drittel bekannt war: so konnten sie zwar die Mondfinsternisse vorher verkündigen: allein von den Sonnenfinsternissen hatten sie nur eine unvollkommene Kenntniß. Sie wagten es nicht, diese letztem voraus zu bestimmen: denn L 4 die * I' /ckbc te ökem. cle 1' ^.caä. cles Inlcrixt. lom. XXVll. x. 2Z7. l6Z Sternkunde der Persier und Chaldäer. die Sonnenfinsternisse lassen sich nicht nach der Periode, nach welcher sich die Mondfinsternisse richten, berechnen.* Die Chaldäer nahmen diese Periode, um den angeführten Beuch von einem Dritcelötage zu vermeiden drey- ma!, und machten daraus eine andere von 669 Mona- then oder 197^6 ganzen Tagen. Den Vortheil, wel- chen ihnen diese Periode gewahren mußte, kannten sie sehr gut: denn nach Verlauf derselben fallt der Neumond oder Vollmond allezeit wieder in dem Knoten bey seiner grüßten Erdentfernung. Es ist wahrscheinlich, daß die Chaldäer gedachte Bemerkung über die größte Erdentfernung des Monds zuerst gemacht haben: denn ihnen har man auch die erste uns bekannte Nachricht von der Unglcichförmigkeit des Mondslaufs zu verdanken. Daher mußten sie ohnfehl- bar auch bemerken, daß der Mond zuweilen in dieser und zuweilen in einer andern Gegend seiner Bahn am langsamsten fortzurücken schien. Den Ort seiner Bahn, wo sich der Mond am langsamsten bewegte, nennten sie das Apogäum oder die größte Erdentfernung, und bemerkten das Fortrücken desselben aus Abend gegen Morgen, wie auch die periodische Bewegung der Knoten, wie leichte zu erachten, hinreichend genau.** Ob sie aber die Größe gedachter Ungleichheit der Bewegung des Monds bestimmet haben, es ist nicht wahrscheinlich: die alerandrinische Schule hat hierinne ohn- streitig zuerst etwas gethan. Da die Chaldäer, so wie andere Völker, ihre Kenntnisse von jenem uralten auf. geklärtem Volke gleichsam geerbt hatten: so waren ihnen auch die Perioden von 60 und von 600 Jahren hin- terlassen worden. Sie hatten ferner, wie die Indianer, die große Mondsonnenperiode von z6oo Jahren. Len- fori- * rten Band. 4. Absch. §. i;. ** rten Band. 4. Absch. H. zo. « Sternkunde der Persicr und Chaldäer. 169 sorimis * gedenkt auch noch überdieß einer eigentlich so genannten chaldäischen Periode von zwölf Jahren , lind giebt zugleich die Nachricht, daß sie sich nicht nach der Bewegung eines Gestirns richte, sondern vielmehr bloß astrologisch sey: denn sie sey die Periode der fruchtbaren Jahre, des Mißwachfes, und ansteckender Krankheiten. Aber hierinne können wir dem Lensorinus keinen Glau, ben beymessen: denn man findet keine Periode in den Zeitrechnungen der Alten, die sich nicht auf irgend eine astronomische Beobachtung beziehet; und so ist es auch hier: denn Jupiter vollendet seinen Lauf in zwölf Jahren uird fünf Tagen. Hieraus könnte man nun schon auf den Ursprung gedachter Periode schließen: allein wir finden noch mehrere Beweise unserer Meynung. Denn gedachte Periode ist nicht nur den Chaldäern, sondern auch allen asiatischen Nationen eigen * Nun hat man ein jedes dieser zwölf Jahre mit dem Namen eines ThiereS belegt; und da Jupiter in einem Jahre ohngefehr ein Zeichen des Thierkreises durchlauft: so ist es sehr wabr- scheinlich, daß die Benennungen jener zwölf Jahre, die alten Namen der Zeichen des Thierkreises sind: denn dieß waren ursprünglich lauter Namen der Thiere.-** Und hieraus erhellet, daß, da Jupiter in jedem Jahre, bei- einem der zwölf Thiere erschien, der Ursprung dieser Periode von,dem Umlaufe des Jupiters hergenommen seyn muß. §. io. Es ist'.ausser allem Zweifel, daß die Chaldäer die Eintheilung des Tages in sechzig Theile, so wie alle an- dere Völker in Asien, gekannt haben; und da Berosus L 5 die * Oe 6>e nslsli. c. 18- * * Oe Omenllmione kemp. Oib. II. ic6. ferner; 2enll— ^vecks. 1°. I. ksrr. .1. x. i6o. und 2ten Band. z. Msch. §. 26. *'* isten B. 2. Msch. §. 6. »7v Sternkunde der Perfier und Chaldäer. die Abheilung des Tages in zwölf Stunden nach Griechenland gebracht hat: so müssen sie auch mit dieser bekannt gewesen seyn; die Stunden waren wieder in Minuten und Secunden abgetheilec: ja die Indianer haben so gar Unterabiheilungen, die noch kleiner als unsere Tertien sind. Was die Werkzeuge zurAbmessung der Zeit betrifft: so müssen die Babylonier Wasseruhren und Sonnenzeiger gehabt haben. Die Wasseruhren sind »och bey den Indianern im Gebrauch; und in Aegypten und China sind sie ebenfalls sehr alt. Wenn man dem MacroblUS und dem Sexurs Empirikus glaubt: so ist die er- stere Einteilung des ThierkreiseS vermittelst des, aus einem Gefäße ablaufenden, Wassers zu Stande gebracht worden: und wir werden zeigen, daß diese Versahrungs- art nicht so fehlerhaft ist, als man bisher geglaubt hat.* Allein, gesetzt auch, daß sie fehlerhaft sey: so kann man deswegen doch aus unten angeführten Ursachen schließen, daß der Gebrauch der Wasseruhren eben so alt, als die Abtheilung des ThierkreiseS in zwölf Zeichen seyn muß. Die Chaldäer haben sich dieser Wasseruhren, wie andere Völker, bedienet. Die Sonnenziger sind vielleicht jünger, wiewohl es sehr natürlich ist, daß sie bald nach der Entdeckung des Gnomons erfunden worden seyn mögen. Denn als man bemerkt hatte, daß die Länge des Schattens, den Stand der Sonne über dem Horizonte zu erkennen gab und daß sich dieser Schatten nach der Bewegung dieses Gestirns richtete: so war es leicht, Sonnenzeiger zu machen. Man hält insgemein den Be- rosrrs für den Erfinder derselben: allein es ist zu merken, daß ihn bloß die Griechen dafür ausgeben; und diese nannten alle diejenigen, welche ihnen fremde und neue Wissenschaften überbrachten, Erfinder derselben. Es * 2tcn Band. 9. Absch. §- 14- Sternkunde der Persier und Chaldäer. 171 Es ist aber gar nicht wahrscheinlich, daß sich der Urheber jener abgeschmackten Erklärung des MondenscheinS zu dieser Erfindung hatte erheben können: und wir halten vielmehr dafür, daß sie etwa von den altern Chaldäern herzuleiten seyn mag; zumal da nian weder bey den Indianern, noch bey den Chinesern Spuhcen davon antrifft. Das Alter dieser Erfindung können wir unmöglich bestimmen: denn uns fehlen die hierzu nöthigen Nach, richten. Man weiß übrigens das Wunderwerk, welches Gott 7ZO Jahr vor Christi Geburt zum Besten des Ezechiels that. Die Sonnenzeiger waren also da- malS schon bekannt: Bcrosus brachte sie nach Griechenland ; und wenn dieser ohngefähr um das Jahr izoo vor Christi Geburt gelobet hak: so wird die Erfindung der Sounenzeiger noch vor diese Zeiten hinaus fallen. §. 11. Von den chaldäischen Beobachtungen sind wenig umständliche Nachrichten auf uns gebracht worden. Pater ttzaubil berichtet, daß die Lamas viel alte Bücher besitzen, welche entweder von der Religion oder von den Wissenschaften handeln: und unter diesen sollen sich auch einige befinden, die sich auf den babylonischen Thurm» bau beziehen. Es wäre daher für die Berichtigung unserer Konjekturen sehr vortheilhaft, wenn wir diese Bücher hätten. Allein, die arabischen Schriftsteller, welche das Land vor zehn Jahrhunderten selbst bewohnten, müssen doch ohnstreitig auch etwas von den Chaldäern gewußt haben: also sollte man wenigstens diese fleißiger benutzen. Vielleicht würde inan in ihren Handschriften, die in unfern Bibliotheken ungebraucht vermodern, nicht wenig dahin einschlagende Nachrichten finden. Und eS wäre zu wünschen, daß sich irgend ein junger Astrono- me, die arabische Sprache zu erlernen und durch die Kennt- »72 Sternkunde der Persier und Chaldäer. Kenntniß derselben gedachte Schöße aus ihrem Grabe hervorzuziehcn, angelegen seyn ließ. Dieser babylonische Thurm stand in dem Tempel des Belus und war ein Stadium hoch.* Pietro della Valle, welcher in den einsamen Ebenen des ehemaligen Babylons die Ruinen dieses Tempels gefunden zu haben vorgab, sagte: die Mauern desselben stehen recht- winkelicht gegen die vier Weltgegenden. * * Also pflegten die Chaldäer ihre öffentlichen Gebäude, ebenfalls wie die Indianer und Chineser, mit der Hauptseite gegen Aufgang zu richten: und diese Gewohnheit werden wir auch unten bey den Aegypkiern antreffen. Diese Gewohnheit war überhaupt vor Alters in Asien allgemein. Babylon hatte daher Gebäude, welche den berühmten ägyptischen Pyramiden an Größe und Stärke gleich kamen. Nun stehen die Pyramiden noch: und der Thurm des Belus existiret nicht mehr; wenn aber diese verschiedenen Gebäude von gleicher Dauer und der Zer- siöhrung zu widerstehen von einerley Materialien feste genug gebauet waren: so müssen diejenigen, welche die Zeit noch nicht zerstöret hat, später gebauet seyn. Einige Gelehrte haben den Thurm des Belus mit dem babylonischen Thurm für einerley gehalten: * * * und auf diese Art würden die Chaldäer bey ihrer Ankunft in dieser Stadt, welche auf den sennaarischen Ebenen erbauet war, schon einen Beobachtungsort gesunden und dieses älteste Gebäude der Erde zum Nutzen der Sternkunde angewandt haben. Mond- * Denen, welchen der Ausdruck: cerre wur eroiräan« le remple äe Lews etwa ungewöhnlich scheinet, dient zur Nachricht, daß auch, wie bekannt, ein dem Göttern geheiligtes Stücke Feld ein Tempel heißen kann. Ueberseyer. *' klein, /ecscl. Insc. m. XXVIII. p. 225. * * * Hill. Mikron, p. 46. Sternkunde der Persier und Chaldäer. 17z Ein beträchtlicher Theil astronomischer Arbeiten der Chaldäer bestand in Beobachtungen der Sonnen - und Mondverstnsterungen: eine andere Klasse hatte wahrscheinlicher Weise die Erscheinungen der Planeten oder ihr Vorrücken aus den Sonnenstralen am Morgenhorizonte, zum Gegenstand. Man beobachtete ferner das Zurücklaufen, den scheinbaren Stillestand, das Vor. wärtsgehen, und die Zusammenkünfte der Planeten» Allein die meisten Beobachtungen betroffen doch ohn- fehlbar bloß den Aufgang und Untergang der Sterne überhaupt. Und diese Gewohnheit verbreitete sich ohne Zweifel aus Chaldäa nach Griechenland oder auch vielleicht nach Aegypten. Durch die Beobachtungen von dem Aufgehen und Untergehen der Sterne wurden die Gründe der natürlichen Astrologie gelegt. Denn die Ein- wohner von Cilicien, und die Bewohner des Gebirges Taurus beobachteten den Ausgang des Hundsterns sorg, fältig:* ** und durch dessen Erscheinung wurde ihnen die nahe bevorstehende Aerndte oderauch die Ankunft gefährlicher Krankheiten, die ganz natürlich von der allzu grossen Hihe entstanden, kund gethan. Da übrigens die Witterung in diesen Gegenden sehr regulär abwechselt: so konnten sie auch diese durch die Erfahrung aus dem Aufgehen der Sterne auf einige Zeit vorher bestimmen. Dieß ist es, was wir natürliche Astrologie nennen. Allein, man bediente sich auch derselben zur Stern- deuterey: und Diodorus Giculns" benachrichtiget uns, daß beständige ein Sternkundiger auf der Höhe des babylo- * Wenn von dein Aufgange oder Untergange der Sterne die Rede ist, so verstehet man hier allemal entweder daS Hervorgehcn derselben aus den Sonnenstralen des Mor. gens, oder ihr Verbergen hinter die Sonne des Abends. Ueberscncr. ** bull, uiüverk.l'. I. l.. II. 174 Sternkunde der Persier und Chaldäer. babylonischen Thurms gleichsam auf der Schildwachs gestanden und bey der Geburtszeit eines Kindes den Aufgang und den Stand der Gestirne überhaupt angezeigt habe. §. 12 . . Die Chaldäer hielten diese Beobachtungen für sehr alt: denn als Alexander nach Asten kam, da waren sie schon, wie man zu Babylon sagte, seit 47^000 Jahren ununterbrochen fortgeseßet worden: und der Geschichtschreiber Bcrosns gab ihnen so gar ein Alter von -490000; Epigenes hingegen, von 710000 Jahren. Nun bat man die Chaldäer wegen dieser großen Zahl von Jahren ihres astronomischen AlterthnmS der Unwahrheit und eines eiteln Stolzes beschuldigt: allein dieß war ein unbilliges Urtheil: man fallete es, weil man die wahre Beschaffenheit dieser Zahlen nicht verstand. Sie bestehen nicht aus jährlichen, sondern aus täglichen Sonnenrevolutionen: das heißt, sie enthalten bloß Tage. Denn ans der Nachricht des Epigcns erhellet, daß diese Beobachtungen aus Ziegelsteine eingegraben wurden; und vielleicht rechnete man anfangs auf jeden Tag einen solchen Ziegelstein: aber in der Folge ward die Zeit durch die Anzahl gedachter Steine ausge- druckt. Wenn man also annimmt, daß die 720000 Jahre des Epitzeneo bloß Tage sind: so kommen ohn- gesehr 1971 Sonnenjahre; und dieses stimmt mit der Erzählung des Simplicius, nach welcher Callifthe- nes dem Aristoteles eine l90g jährige Reihe von Beobachtungen zuaeschickt hat, überein. Nun sind diese Beobachtungen ohne Zweifel noch langer fortgesetzt worden: folglich hat Epiczenes, der erst nach den Zeiten Alexanders und Callisthenes lebte, allerdings noch einige Jahre mehr angeben müssen. Also haben diese Beobachtungen, nach der Rechnung des Epigeneo und Lallisthenes Lrzg. Jahr vor Christi Geburt ihren Sternkunde der Persier und Chaldäer. 175 ren Anfang genommen; * nach des Berosirs Rechnung hingegen, fallt dieser Anfang ohngefehr ins Jahr l 626 vor Christi Geburt. Daher halten einige neuere Gelehrte dafür, daß er nur die astrologischen Beobachtungen gemeynt habe: allein uns ist es wahrscheinlicher, daß danrals vielmehr irgend eine Reformation der Sternkunde unternommen worden feyn mag. Villeicht find neue Beobachtnngsarten, vielleicht neue astronomische Werkzeuge erfunden und eingeführet worden; kurz die Sternkunde muß damals auf irgend eine größere Vollkommenheit erlanget haben: und diese Veränderung gab zu einer neuen Epoche Gelegenheit. Wir wollen untersuchen, ob die Geschichte unfern Sah bestätigt. Zwey Jahrhunderte vorher, oder um das Jahr 1846 vor Christi Geburt, machte der dritte -Hermes astronomische Beobachtungen: und fünf Jahrhunderte darnach, oder um das Jahr vor Christi Geburt, wurde die Eintheilung auf der Himmelökugel, die uns Eudoxus Hinterlasten hat, gemacht. Dieses war ohne Zweifel eine Arbeit der Chaldäer: denn darinne, daß sich in dieser Zwischenzeit vom Jahre 1846 bis zum Jahr diese Wistenfchasten beyden Chaldäern ungemein empor geschwungen haben, darinne, sage ich, treffen überhaupt alle Zeugnisse der Alten zusammen. Also wurde damals entweder eine größere Genauigkeit im Beobachten eingeführt, oder man wählte zu diesen neuen Arbeiten neue Gegenstände von mehrerer Wichtigkeit. Denn so werden wir zum Beyfpiele an einem andern Orte zeigen, daß man die Finsternisse zu Babylon erst um das Jahr 1600, vor unserer Zeitrechnung, zu beobachten anfieng. *Und dieß ist ohne Zweifel eben die Epoche, welche Verosus hat anzeigen wollen. Eine 176 Sternkunde der Persier und Chaldäer. Eine andere berühmte Epoche der chaldäischen oder assyrischen Geschichte, ist die Epoche des Nabonassers, deren Anfang auf den rösten Februar des Jahres 747 vor Christi Geburt fallt. Aber diese ist bloß chronologisch: denn dieser barbarische Prinz zerstörte deswegen alle Denkmäler der Geschichte, damit bloß seine «Er. Hebung auf den Thron allein auf immer merkwürdig und eine Epoche für die künftigen Zeiten werden sollte. Also ist diese Epoche von einer ganz andern Natur, als die Epochen des Diemschid, der Indianer, und einiger anderer noch jüngerer. Diese letzter» sind Denkmäler von besondern Fähigkeiten großer Geister, und gründen sich entweder aus merkwürdige Erscheinungen des Himmels oder auf astronomische Erfindungen: die Epoche des Nadonasters hingegen gründet sich blosi auf einen unbescheidenen Stolz, und ist ganz unbrauchbar. Na- bonassar verdiente dadurch, daß er das Andenken der altern Zeiten auslöschen wollte, den Haß der folgenden Zeiten und eine Stelle unter der Anzahl von Zerstöh- rern der Wissenschaften. §. 12 . Wahrscheinlicherweise haben die Chaldäer auch irgend einmal die Größe oder den Umfang der Erde bestimmt : und dieß erhellet aus folgender Nachricht; * sie sagten: ein Mensch, welcher gut zu Fuße ist, würde, wenn er, ohne sich unterwegens aufzuhalten, immer gegen Morgen fortwandern könnte, um die ganze Erde in einem Sonnenjahre herum kommen. Wenn man nun auf die Stunde eine halbe deutsche Meile rechnet: so würde er wirklich in einem Jahre, von g 6 s und einem Viertelstage, 4z 8 Z deutsche Meilen zurücke legen: und der Umkreis des Erdballs beträgt 54.00 Meilen. Also darf man den Mann nur in einer Stunde etwa drey- viertel VlrLnol. c. 26. Sternkunde der Persier und Chaldaer. 177 viertel Meilen laufen lasten, Cassini* machte sich ebenfalls einmal den Zeitvertreib mit einer selchen Berechnung. Er ließ einen Menschen ans einer ebenen Strasse mit gleichen Schritten täglich zwölf Stunden lang rei. sen und fand, daß dieser den Erdball auf solche Art in zwei) Jahren umgehen würde. Wenn er also auch des Nackts seine Reise forksehts: so würde er nur ein Jahr wie die Chald./r brauchen. Uebrigeus muß man eben nicht glauben, daß die Chaldäer deswegen den Umfang der Erde richtig auöge- messen haben: denn daö Gegenthcil erhellet daraus, weil sie den Weg, welchen ein Mensch gcwöhnlichermaßen in einer Stunde gehend zurückelegt, auf dreyßig Stadien schätzten; und hieraus folgen für den ganzen Umkreis der Erde, nach ihrer Rechnung, z6z Tage ckit 24 Stunden und za Stadien mulriplicirt: das heißt 2629802 Stadien. Nun werden wir an einem andern Orte zeigen/-* daß ein Grad des Meridians »ach einer richtigen Bestimmung dieses Stadiums in Toisen, 62485 derselben enthalten müßte: und gleichwohl enthalt ein Grad des Meridians in Chaldaa ohngefehrnur 57200 Toisen. Also giebk die chaldäische Ausmessung den Grad um 5200 bis 6ooo Toisen zu groß. Diese Ausmessung ist also weit unrichtiger als jene, welche, wie wir oben gezeigt haben, etwa noch vor der Sündfluth angestellet worden seyn mag. §. > 4 . Aber die Meynungen über die Natur der Kometen machen den Chaldäern viel Ehre: denn in der Kenntniß von dem Wesen dieser Welrkörper waren sie in der That schon so weit, als wir nach dem Ulervcon, gekommen. Sie waren in Rücksicht auf diesen Punkt der Stern- * äe I'^caö. 6er 8cien. 1722. p. 26. * * Iil unserer Geschichte der neuern Sternkunde. M 178 Sternkunde der Persier und Chaldäer. Sternkunde in zwo Sekten zerfallen; einige sagten: die Kometen werden durch eine gewisse wirbclförmige Bewegung des AetherS, welcher sofort dichte zusammengepreßt wird, hervorgebracht: und andere rechneten die Kometen unter die Irrsterne, oder, welches gleich viel ist, zu den Planeten; ja man seht hinzu, daß sich ihre Kenntniß hierinne auch sogar bis auf den periodischen Umlauf derselben erstreckt habe. * Sind nun dieses nicht eben die zwo Meynungen, welche in Europa zu Anfänge dieses Jahrhunderts geherrscht haben? und erhellet hieraus nicht, daß auch Seneca aus dieser Quelle geschöpft haben mag? denn dieser weissagte, daß man dereinst die Zeit der periodischen Erscheinungen eines Kometen würde zu bestimmen wissen; und diese Prophe- zeihung hat nun seit funfzehen Jahren die Aufmerksamkeit der Gelehrten überaus sehr auf sich gezogen: aber aus den bereits angeführten Kenntnissen der Chaldäer erhellet, daß sie nicht ihm, sondern den Chaldäern, zu- gehörct; und dieß ist auch kein Wunder. Denn die heitere Luft in Chaldäa, der unermüdeke Eifer dieses Volks für die Sternkunde, und eine lyvojahrige Reihe von ununterbrochen fortgesetzten Beobachtungen mußten dieser Nation die Kometen ohnstreitig kennen lehren. Allein wie sind diese Chaldäer zu der Kenntniß von der periodischen Rückkehr dieser Irrsterne gelangt? denn daß sie dieses Zurückekehren der Kometen wenigstens einigermaßen gekannt haben müssen, erhellet nicht nur aus der angeführten Stelle des Seneca, sondern auch aus der bereits gedachten Meynung der zwoten astronomischen Sekte in Chaldäa, welche die Kometen unter die Planeten zählte. Aber die Frage laßt sich auf zweyerley Art beantworten: nämlich, sie hakten entweder noch einige Nachrichten aufden Monumenten jener uralten Stern- kun- * aten Band. 4. Absch. §, 47. Sternkunde der Persier und Chaldäer. 179 kundigen ausgespähet und sich dieselben zu Nutze gemacht : oder sie schlossen dieses aus ihren eigenen Beobachtungen; die ersiere Meynung hat viel Wahrschein, lichkeit vor sich, * und die letztere auch; wir wollen nur noch die Wahrscheinlichkeit der leßtern beleuchten. Manche Kometen waren lange Zeit sichtbar und bewegten sich alle Tage, wie die übrigen Sterne, aus Morgen gegen Abend; und dieses konnte die Astronomen leichte auf den Gedanken von der beständigen Dauer der Kometen leiten. Man zeichnete die Beobachtungen auf; dann sahen die Nachkommen vielleicht an eben dem Orte des Him- mels einen, dem erstem ähnlichen Kometen: und man schloß auf seine Zurückkunst. Man stehet leicht, daß sie hierinne oft geirrt, und einen ganz andern Kometen für den erstem werden gehalten haben. Allein durch diesen Jrrthum wurden sie doch in ihrer Meynung, die an sich allerdings wahr und richtig ist, immer mehr und mehr bestärkt. Und man siehet hieraus, wie auch zuweilen Wahrheit von ohngefehr aus Jrrkhümern fliest sen kann. §. 15. Von einer andern wichtigem astronomischen Kennt- niß der Chaldäer benachrichtigt uns Herr Monrü- cla:** und diese bestand in der Kenntniß von dem scheinbaren Fortrücken der Fixsterne aus Abend gegen Morgen in Rücksicht auf die Punkte der Nachtgleichen. Denn nach dem Berichte des Albacegnius sollen die Chaldäer das Jahr auf z6; ^age 6 Stunden und l i Minuten gesetzt haben.*** Was will man nun wohl die. sem Jahre für einen Ursprung andichten, wenn man nicht annimmt, daß ihnen die Fortrückung der Fixsterne M r bekannt * atcn Band. z. Absch. §. 16. ** Dill. cles dlsrdemariguer erc- 1. I. x. 6l. *** De Lcienrls Kellsrum. c. 27. Igo Sternkunde der Persrer und Chaldäer. bekannt gewesen ist? Man weist, daß ihre bürgerlichen Jahre in der runden Zahl von ztiz und einem Viertels- tage bestanden. Ob sie nun wahrgenommen haben, daß diese Dauer um einige Minuten zu lang war, ist uns zwar unbekannt: allein, wenn man 20 Minuten und 1-7 Sekunden für die Bewegung der Sterne von dem angezeigten Jahre abrechnet: so bekömmt man ein tropisches Jahr von Tagen, 4 Stunden, ;c> Minuten , 4z Secunden: und dieses ist von dem Jahre der Indianer nur um i> Secunden unterschieden.* Also ist das erstere allerdings ein Sternjahr gewesen, und die alten Chaldäer haben die Bewegung der Firster- ne gekannt. Bey den Persiern, die ohnfehlbar alter als die Chaldäer sind, findet man ebenfalls Spuhren von dieser allerdings feinen astronomischen Kenntniß. ** UebrigenS begreift man leichte, wie die Chaldäer in dieser Wissenschaft von dem Fortrücken derFirsterne eben so gut, als die Chineser, epcelliren konnten. Denn da sie sich über neunzehen Jahrhunderte lang mit Beobachtungen der Sterne beschäftigten und den Tag, in welchem ein jeder merkwürdiger Stern ans den Sonnenstra- len hervorkam, anmerkten: so mußten sie nothwendig wahrnehmen, daß dieses nach neunzehen Jahrhunderten ben einem jeden Sterne um etwa zwanzig Tage später geschah. Sie hatten ferner die Sterne in ihre Bilder abge- theilet und deren Stellung am Himmel mit den Colu- ren der Sonnenwenden und Nachtgleichen verglichen. Nun veränderten sich diese Stellungen in einer Zeit von fünfzehn oder zwanzig Jahrhunderten viel zu merklich, als daß sie hierauf nicht sollten aufmerksam geworden seyn: 1 * tvlr. 7c- 6e»rr7. äs I'/Vc»äemie ä« Lclsn. 177?- * * 2ten Band. 4. Absch» §. 44- Sternkunde der Persier und Chaldäer. i8r seyn. Und die Fm'cht dieser einfachen Bemerkungen war, wie leichte zu erachten, die Kenntniß von jener Bewegung der Sterne in Rücksicht auf die Punkte der Nachtgleichen. So vereinigen sich Beweise und Wahrscheinlichkeiten, um den Chaldäern sowohl als den Indianern, diese Entdeckung zuzuschreiben. §. 16. Da nun die Chaldäer so fleißige Beobachter waren: so fragt sichs billig, ob sie auch astronomische Werkzeuge hatten Man findet, wie bereits aus dem obigen erhellet, sichere Spuhren eines überaus hohen Alters der Kreisku- gcl; auch die Einführung derselben oder die Gewohnheit, vermittelstdieseö Werkzeugs astronomische Ausgaben aufzulösen, ist ohnstreitig älter als die Chaldäer; und diese Nation bediente sich derselben allerdings. Aber dieß ist nicht genug: die Chaldäer verbesserten dieses Werkzeug sogar bis zu einem beträchtlichen Grade der Vollkommenheit. Denn ihre Sphäre war so groß, daß sie den g6osten Theil eines solchen kupfernen Kreises derselben in rg. sehr sichtbare Theile abtheilcn konnten:* und ohne mathematische Werkzeuge konnten sie die Kreise gedachter Sphäre ohnmöglich zu deren astronomischen Gebrauch richtig genug abtheilen. Denn mit der bloßen Hand wäre doch nichts kluges herausgekommen. Wenn man übrigens annimmt, daß der rg-ste Theil eines Grades einer pariser Linie breit gewesen ist: so folgt, daß der Halbmesser gedachter Sphäre ohngefehr zehen Fuß groß gewesen seyn muß; und wer findet diese Größe der Verhältnisse des Gebrauchs gedachter Sphäre nicht angemessen? M z §. 17. * rten Band. 4. Absch. h. 40. 182 Sternkunde der Persier und Chaldäer. §-' r?. Aus diesem allen erhellet hinreichend, daß man, um die Verdienste der Chaldäer zu beurkheilen, weder auf jene alberne Meynung von der Aehnlichkeit des Erdballs mit einem Schiffe, »och auf jene sonderbare Erklärung des abwechselnden Mondenschcinö Rücksicht nehmen darf; denn diese abgeschmackten lehren sielen bloß in die ersten Jahrhunderten der chaldäischen Nation auf den Be- rosus; nnd zu dieser Zeit war die Sternkunde bey den Chaldäern noch in dem Stande der Kindheit. Man muß den Werth ihrer Bemühungen vielmehr aus den zuletzt angeführten Arbeiten ohne alle Partevlichkeit schätzen. Können wir wohl diese so sehr verschiedene Lehren der Chaldäer mit Recht unter einander werfen oder ihnen ein gleiches Alter zueigencn? dürfen wir wohl deswegen, weil man nicht wenig abgeschmackte Märchen in diesen Lehren der Chaldäer sindet, alles verwerfen? Sind wir nicht selbst durch unser Untereinanderwerfen schuld, daß uns das ganze System ihrer Sternkunde ganz einfältig scheinen muß? Wie würde es unfern heutigen Philosophen gefallen, wenn inan dereinst nach ver- lohrnen Denkmälern unserer itzigen Welkweißheit, zum Beyspiele einige abgerissene Gedanken des Herrn Abt von CondlUac gegen einige Lehren der scholastischen Philosophie halten und dadurch ihren Werth bestimmen wollte? Was würden die Nachkommen wohl von unserer Naturlehre und Meßkunst halten müssen, wenn sie unter andern albernen Hypothesen auch die Streitigkeiten von dem leeren Raume und der Quadratur des Zirkels sinden sollten? würden diese von uns so unbillig, wie wir don den Chaldäern denken: so würden ohnfehlbar BüffoN/Clai- raut, d' Alembert und alle die Matadoren in das Reich der kleinen Geister hinab wandern müssen. Will man daher von dem Flore der Wissenschaften einer Nation, deren Geschichte wenig bekannt ist, gehörig Sternkunde der Persier und Chaldäer. i8z rig urrheilen: so muß man aus allen Hypothesen oder Meynungen, die sie gehegt hat, die schicklichste wählen; man muß aus allen Entdeckungen, welche mau ihr zuschreibt die scharfsinnigste auöheben: und auf solche Art wird Man die Grenzen ihrer Kenntnisse und das Maaß ihrer Einsichten richtiger bestimmen. Allein, nun giebt es überhaupt zwo Arten, nach welche» man eine jede Nation in Rücksicht auf ihre Gei- stesfähigkeiten betrachten kann: denn man untersucht ent« weder blosi den in einen? bestimmten Jahrhunderte gegenwärtigen Zustand der Wissenschaften, oder man nimmt auch zugleich auf die Länge der Zeit, in welche sie sich dieselben erworben hat, Rücksicht; eine Nation kann vigl Wissenschaften, und dennoch, wenn sie lange Zeit daran gelernt hat, wenig Genie besitzen. Was die er- stere Art anbetrisst: so weiß man, aus den? vorhergehenden, daß die Chaldäer die Perioden des Mondlaufs, die scheinbare Bewegung der Fixsterne, die Rückkehr der Kometen und andere wichtige astronomische Wahrheiten gekannt haben; und hieraus sollte man nun schon, wenn mau sein Augenmerk nicht auch auf den zwecten Gesichtspunkt richten wollte, auf das große Genie der Chaldäer schließen: allein dieser zweete Gesichtspunkt ist ihnen nur gar nicht günstig. Denn man findet die Früchte ihres astronomischen Genies auf eine Zeit von zwanzig Jahrhunderten in einer sehr geringen Anzahl. Wie weit werden wicEuropaereS nicht nach rooo Jahren gebracht haben? und man stehet leicht, daß die Chaldäer eben nicht mit großen Geistesfähigkeiten begabt gewesen sind. Sie waren mit den Lehrsätzen, die ihnen ihre Vorfahren überliefert hatten, zufrieden: die wenigen hinter- lassenen Entdeckungen, waren bloß schwache Funken ihrer Kenntnisse , die bey dieser Nation, ohne weiter um sich zu greifen, gar bald wieder verlöschten. Unterdessen gehören doch diese Arbeiten gedachter Nation als ein M 4 Eigen- >84 Sternkunde der Persier und Chaldäer. Eftenthum zu. Und die Chaldäer müssen ihrer Irrthü- mer ostngcachtet, als das gelehrteste Volk, das man aus den alten Zeiten kennet, betrachtet werden. §- i8> Man beschuldigt diese Nation vorzüglich des Aber. glaubenS und der Stcrndeuterey: und dieß ist nicht zu lä gnen; diese Nation war hiervon so sehr angestcckt, das' in der Folge jede Gattung von Astrologen und Wahrst''''!! Chaldäer genennet wurden: allein dieser Zrr- t -n.in ivar auch allen übrigen asiatischen Völkern gemein. Die Chinese»', welche doch in di r That gelehrt und aufgeklärt heißen können, beschafftigel! siech noch heut zu Tage mit Prophezeihungen aus dieser vermeinten Kunst; und es ist noch nicht gar lange, daß wir selbst erst das Z. h dieser Gattung von Aberglauben abgeschüttelt baben. Man muß also den Chaldäern den Arrtchnn aller Nationen nicht allein beymessen. C's kann seyn, daß sie zu der allgemeinen Ausbreitung dieser Jn-khünier vieles bcy- gekragen haben; es kan» senn, daß sie ihre astronomischen Kenntnisst-, in diesen abergläubischen Zeiten, auf eine unrechtmäßige Weise verschwendeten: allein dieß alles ist ein Beweiß, daß die Wissenschaft der Sternkunde bcn dieser Nation sehr alt gewesen seyn muß, und daß die chaldäischen Priester das genieine Volk bloß aus Geiz oder Wollust und ans Herrschsucht betrogen haben. Uebrigenö muß mau nicht glauben, daß diese abergläubische Denkungsart unter den chaldäischen Priestern allgemein gewest» seo; denn gleichwie sie sich alle der Leichtgläubigkeit und Einfalt des gemeinen Volks zu Nutze machten: eben so erkannten es viele unter ihnen, daß sie den gemeinen Mann an dem Narrenseile herumführten. Gcrabs spricht: »Es giebk unter den Chaldäern gewisse Leute, die den Menschen, ans dem Stande der Gestirne in ihrer Geburtsstunde, ihr zukünftiges Se! ickstal weissagen: allein, einige derselben billigen diese Betrü- gerey Sternkunde der Persier und Chaldäer. 185 gerep selbst nicht. Es wäre ungerecht, die Chaldäer einer Unwissenheit oder eines Jrrthnms, welchen sie nach dem Aussprüche des Scrads selbst erkannten, zu beschuldigen. Oominrcus Easstm war anfangs ebenfalls sehr für die Astrologie eingenommen: und hieraus stehet man, daß auch sogar große Männer, ehe ste zn einer gründlicher!, Einsicht gelangen, in dergleichen Jrrthü- mer verfallen können. Wie leichte können stch also nicht J-rthümer bey einem Volke erhalten, dessen Denkungs. art sich nie aus dem kindischen Ader empor schwang. Daher muß man nicht glauben, daß diese Leute alle entweder Thoren, die ihre eigene Nation beschimpften, oder unverschämte Betrüger gewesen scheu. §. 19. Noch müssen wir der Phrygier mit drey Worten gedenken. Diese Nation glaubt noch vor der Existenz des Mondes cxistirt zu haben. Und einige neuere Schriftsteller haben aus dieser Lehre der Phrygier geschlossen, daß der Mond in der That später als die Erde entstanden sch. Man halt insgemein dafür, daß die alten Phrygier geschickte Astronomen gewesen scheu: und es scheint, als ob ihnen diese Ehre mit Recht erzeigt werde. -Aerku. les, als das Sinnbild der Sonne, wurde bey ihnen schon um das Jahr r zoo vor dem Ezerod^cus, oder 2700 Jahr vor Christi Geburt unter die Zahl der Götter gesetzt. ** Run ist es überhaupt nicht wahrscheinlich, daß man den -Jerkules oder die Sonne, vor einigen erworbenen astronomischen Kenntnissen von diesem Gestirne, ben irgend einer Nation vergöttert Haber denn man konnte die sonderbaren und wohlmätigen Eigenschaften der Sonne, ohne zugleich auf ihre Bewegung oder auf ihren verschiedenen Stand am Himmel sorgfältig M 5 " Acht * Ueo^r. IÜV. XVI. ** H Is. ,86 Sternkunde der Pcrsier und Chaldäer. Acht zu haben, nicht bemerken. Also könnte man schon hieraus schließen, daß die Sternkunde bey den Phrngi- ern wenigstens um das Jahr zooo vor Christi Geburt betrieben worden sey. Vielleicht können sich die Phönicier diese Erfindung mit größeren Rechte zueignen. Sie sind, unter allen uns bekannten Nationen, die ältesten Kaufleute. Sie schickten Pflanzvölker nach der Insel Gaulos,* nach Spanien, nach Irland und fast nach allen Gegenden von Europa. Daher mußten sie es in der Schissahrks- kunst sehr weit gebracht haben. Man halt sie daher in der That für die Erfinder der Sternkunde und Rechenkunst. Ihre Wegweiser waren die Sterne des kleinen Bäres, welcher auch den Beynamen des phrngischen Bares erhalten hat. Allein, obgleich nicht zu laugnenist, daß sich ihr Nationscharakter, welcher eigentlich die Handlung zum Gegenstände hatte, mit den Wissenschaften sehr gut ver- tragen haben mag; zumal, da eine so weit ausgcbreitete Handlung weder ohne astronomische Kenntnisse noch ohne Mathematik überhaupt eingerichtet werden konnte: so darf man deswegen doch weder die Phrygier noch Phönicier für die Erfinder gedachter Wissenschaften halten; es ist vielmehr wahrscheinlich, daß sie, wie bereits oben gezeigt worden ist, mitten in Asien geboren und sodann nach und nach gegen die Ufer des Meeres ausgebreitet worden sind. Die Phönicier sahen den Nutzen, den ihnen diese Wissenschaften leisten würden, gar bald ein und bemü- heten sich dieselben zu erlernen. Daher muß man dieser Nation doch die Ehre widerfahren lassen, daß sie gedachte Wissenschaften zuerst gehörig und nützlich angewandt haben: und man kann ihnen wenigstens die Erfindung * Das heutige Gozo. Ucbersetzer. Sternkunde der Persier und Chaldäer. 187 stndung des Gebrauchs derselben zueignen. UebrigenS ist es wahrscheinlich, daß sie ihre ersten Gründe gedachter Wissenschaften von ihren Nachbarn, den Chaldäern, erhalten haben. Aber da sie dieselben, so wie ihren Handel, über den ganzen Erdkreis verbreiteten: so geschah es, daß man in der Folge die Erfindungen ihnen selbst zucignete. Denn ihre Lehrer, die Chaldäer, blieben den fremden Nationen unbekannt. Sechster Abschnitt. Ueber die Sternkunde bey den Aegyptiern. §. r. ^ ifte Aegyptisr rühmen sich ebenfalls die älteste Na- tion der Welt zu seyn und sehen ihren Ursprung, wie bekannt, in den Schlamm des Nils. Allein, wenn man die Aegyptier als Bewohner des Landes dieses Namens betrachtet: so wird ihr Alter ohnfehlbar dem Alter aller Nationen, mit welchen wir uns bisher beschäftigt haben, bey weiten: nicht gleich kommen. Daher müssen wir vielmehr ihre Vorfahren, die Aethiopier, die in der That ein sehr altes Volk sind, aufsuchen. Das LandAethiopien liegt ziemlich hoch, und ist überaus fruchtbar: daher lief das Wasser nach jener großen Ueberschwemmung hier vor vielen andern Gegenden, am bequemsten ab; die Sümpfe und Pfützen vertrockneten bald: und das Land war eher, als viel andere, bewohnt zu werden geschickt. Aegypten hingegen, welches viel niedriger liegt, blieb noch lange Zeit ein unbewohnbares Schlammloch. Denn die Aethiopier behaupteten selbst, daß Aegypten anfangs ein bloßes Meer gewesen sey: aber der Nil, habe nach und nach sehr viel Erde aus Äthiopien in das gedachte Meer hinabgeführet und dasselbe voll gefüllet, so, daß endlich gar zwischen den Schen- 183 Sternkunde bey den Aegyptiern. Schenkeln des Nils ein großes Land entstanden sey. * Es ist aber auch aus andern Gründen gewiß, daß wenigstens Niederagypten sehr spat angebauet worden sein, muß. Denn die Überschwemmung des Nils war noch lange Zeit darnacb daselbst viel zu groß, als daß man sich von dem Ackerbaue einigen Nutzen hatte versprechen können. Also schickten die Aethiopier ihre übcrstüßigen Menschen, nach deren Vermehrung bloß nach Oberägnp- ten. Und diese Pstanzvölker wurden endlich selbst eine große Nation. §. r- Ettcian, welcher seine uns hinterlastene Nachrichten ohnsehlbar aus mündlichen Ueberlieferungen gesammlet und ausgezeichnet hat, behauptet dieses höhere 'Alker der Aethiooier vor den Asgnptiern, ausdrücklich, und macht die erstem zu altern Philosophen als die letztem. Wir müssen hierbei) die Anmerkung machen, daß Luciau die Wissenschaften beynahe aus eben die Art, wie wir, entstehen und von einem Volke zum andern forkgehen läßt. Er führt die Philosophie redend ein und diese spricht: „Anfangs gieng ich zu den Indianern: diese überredete ich, daß sie von ihren Elephanten Herabstiegen und meine Bekanntschaft suchten. Dann besuchte ich die Aethiopier. Aus diesem Lande zog ich nach Aegypten hinab und unterrichtete die Priester und Propheten dieses Landes in göttlichen Dingen. * *„ Der indianische Name, mit welchen ehemals Äthiopien belegt ward, wie auch die Gynnosophisten oder die Braminen, die man daselbst eben so wie in Indien an- trifft, geben deutlich zu erkennen, daß diese so weit von einander abgelegenen Völker einen gemeinschaftlichen Ursprung * O.-Ot/oE p.it>. III. gzy. ** IrsLI. cls ^ckrologls. und Xlemoires äe cles Inlcriprion«. 1'. XXXI. p. Hg. Sternkunde bey den Aegyptiern. 189 sprung haben müss'n; auch findet man in Aethkopien eine Menge Landschaften und Städte, deren Namen, mit Pen Benennungen der indianischen Städte und Landschaften Übereinkommen. * ** Dieser gemeinschaftliche Ursprung erhellet ferner aus der großen Ähnlichkeit des Thierkrei- ses der Aegvpkier und Indianer. Von dem ersiern hat uns der Pater Rirker Nachricht erhellet; und man findet die Beschreibung davon in den londoner philosophische» Abhandlungen Man hat zwar diesem Thier- kreis der Aegnpner oder vielmehr die Benennung der zwölf Thiere für ein? bloße Erdichtung, von welcher man bey den alten Aegyptiern keineswegeS einige Spuhren finde, halten wollen: allein dieser Verdacht fallt wegen seiner angeführten Ähnlichkeit mit dem indianischen völlig weg; und diese war freylich dem gedachten Pater nicht bekannt. Wir wollen zum Beyspiele nur ein einziges Zeichen beyder Thierkreise, nämlich das Zeichen des Steinbocks, anführen. Die Indianer mahlen an dessen Statt einen Widder und einen Fisch: die Aegyptier hingegen machen aus diesen zwei) Thieren ein einziges; dieses bestehet aus der »ordern Halste eines Widders und aus der hintern Hälfte eines Fisches. Also mahlen die Aegyptier den Steinbock gerade so, wie wir in unfern Himmelscharten noch itzt zu thiin pflegen. Uebrigenö erhellet aus dieser Uebereinstimmung zugleich dieses, daß die Bilder des ägyptischen Thierkrei. seö spater, als die indianischen müssen ausgedacht oder abgeandert »Orden styn. Denn es würde wider die Natur der Ideenzusammenshung streiten, wenn man an- nehmen wollte, daß man aus einer Mißgeburt zwey voll- komme- * äc> I'^Lscl. äkü Inlciipr. 1 °om. V. p. 2^0. ** Auf das Jahr 1-772. ?. z;z> und aten Band. 190 Sternkunde bey den Aegyptiem. kommene Thiere gemacht habe: man pflegt allezeit lie- ber, aus den einzelnen Theilen verschiedener vollkommener Thiere, Mißgeburten zusammen zu sehen. Das rothe Meer ist ohnstreitig durch einen Einbruch des großen Weltmeeres in das feste Land entstanden; * und Scrabo meldet, daß die Meerenge Babelmandel ehemals Land gewesen sey, und daß Arabien an Äthiopien gegrenzt habe. - Also sind die Araber ohne Zweifel auch ursprünglich aus Äthiopien gekommen. Uranus machte viesesVolk, wie wir oben schon gezeigt haben, gesitteter und brachte ihm die ersten astronomischen Kenntnisse bey. Atlas erfand die Kreiskugel; und man weiß, daß ihn die Fabel zum Himmelstrager gemacht hat: aber sie gründet sich augenscheinlich auf die Erfindung des gedachten astronomischen Werkzeugs. Sollte man nicht etwa auch durch die große Last, die man ihm tragen ließ, die mühsamen Beobachtungen und schweren Arbeiten, mit welchen er sich Tag und Nacht beschäftigte , haben anzeigsn wollen? Es scheint in der Thak, als ob er die ganze Welk auf seinen Schultern getragen habe. Es wäre daher wider alle Wahrscheinlichkeit, wenn man annehmen wollte, daß die Äthiopier eine andere Geschichte als diese, in gedachte Fabel eingehüllet hatten: denn diese ist unter allen die glaubwürdigste. Atlas erfand die Kreiskugel, das heißt, er verfertigte metallene Kreise, dis er in eben der Lage, in welcher man sich gewisse Kreise am Himmel vorstellen muß, zusammenseh- te. Diese Kreiskugel konnte er füglich von einem Orte zum andern tragen. Man bewunderte dtA sonderbare Erfindung; die Aeltern erzählten die Begebenheit ihren Kindern; und da die Wahrheit durch dergleichen Tradi. tiouen allemal sehr leidet: so sagte man in der Folge bloß: * tütloii'S nsrurslle äs lVlr. äs LrFo«. in 12^0. 1 °. II. p. 124. Sternkunde bey den Aegyptiern. 191 bloß: Atlas hat die ganze Welt auf seinen Schultern getragen. §- Z- Was die Zeitrechnung anbetrifft: so war diese beiden Aegyptiern überaus viel Abänderungen unterworfen. Denn sie machten bald Tage, bald Monathe und bald Jahre zur Einheit. Aber die größte Schwierigkeit liegt dech vorzüglich darinne, daß sie sich in ihren Geschichtsbüchern, oder vielmehr in den Auszügen derselben, ganz verschiedener Arten von Jahren, untereinander gemengt, bedienen. Es scheint daher, als ob jede ägyptische Provinz nicht nur ihre eigene Religionsversaffung, sondern auch ihre eigene Iahezahl gehabt habe. Sie hatten Jahre von zween, drey, vier oder auch von sechs Monatheii. Die monathlichen Jahre waren Mondrevolutionen, oder die Zeiten von einem Neumonde bis zu dem andern; die zweymonathlichen hingegen gehörten zu den, in Asien allgemein bekannten Perioden von sechzig Tagen; die dreymonathlichen entstanden aus der, beynahe gleich langen Dauer einer jeden, der vier Jahreszeiten; die sechsmonathlichen bezogen sich endlich bloß auf die Zeiten von einer Nachtgleiche bis zur andern : diese letztere Art siiidet man noch itzt bey den Indianern und Tartarcn. Allein, was die Jahre von vier Monathen anbetrifft: so sind diese von einer ganz besonder« Natur. Denn ob uns gleich die Schriftsteller des Alterthums benachrichtigen, daß einstmalen nicht mehr als drey verschiedene Jahreszeiten gewesen siyen; und ob man gleich auf solche Art den Ursprung gedachter vier- monathlichen Jahre leichte konjekturiren könnte: so wissen wir doch, daß sich die Ausmessung oder die Vestim- munq einer jeden Art von dergleichen Zeitrevolutionen allezeit auf gewisse astronomische Beobachtungen gegründet haben muß : und da begreiffen wir nicht, welcher Um- stand in irgend einer Gegend der Erde zu der Erfindung dreyer »9L Sternkunde bey den Acgyptiern. drever Jahreszeiten hätte )lnlaß geben können. Merku- riuS bewegt sieb zwar ohngefehr in drey Monathen um die Sonne: allein ist es wohl nur im geringsten wahrscheinlich, daß man die Revolution dieses Planeten, welchen man so selten zu sehen bekömmt, zu einem An maße gemacht haben sollte? Man halt übrigens dajür, daß der Nil durch sein periodisches Aufschwellen und Niedersinken zu der Bestimmung, desstlbe» Gelegenheit gegeben habe; denn dieser soll abrzcit vier Monathe lang steigen, dann in einer eben so langen Zeit fallen, und endlich auch drey ganzer Monathe hindurch ruhig fern: allein V diese Meynung würde vielleicht einigen Verfall ve> dienen, wenn man nur darthun könnte, daß dieses Steigen und Fallendes Nils in der That alle Jahre sogleichförmig erfolgt jey. Also bleibkuns keine andere Erklärung übrig, als die, welche wir bereits oben im fünften Abschnitte, gegeben haben Sie ist unter allen die wahrscheinlichste und setzt den Ursprung dieser Art von Jahren ohngefehr unter den 78sien Grad nördlicher Breite. * Horus, der Cohn des Vst'ris war, wie einige dafür halten, der Urheber des dreymonakhlichen Jahres oder der Zeitrechnung nach den vier Jahreszeiten. Es ist ferner bekannt, daß alle Nationen die Zeit einer jeden Mondrevelution, nach Maßgabe seiner veränderlichen Gestalt, in vier Theile oder Vierteln einge- theilet haben. Diese Vierteln gedachter Zeit, deren jedes ohngefehr sieben Tage enthält, sind die Wochen. Nun hält man insgemein dafür, daß die Aegnptier die Tage der Woche mit den Namen der Planeten, oder der Götter, die sie sich unter den Namen derselben vorstellten, belegt baben. Allein man findet diese Benennung auch schon bey den Indianern und Chinesen,. Und hier- * 2ten Band. 4. Absch. §. iv. Sternkunde bey den Aegyptiern. 19z hieraus schließen wir, daß diese Benenung der Tage aus einer gemeinschaftlichen Quelle herfließen muß. Uebrigens erhellet aus verschiedenen Gründen, daß die alten Aegyptier ebenfalls Jahre aus 50 Wochen oder z 50 Tagen gehabt haben müssen.* §. 4. -Hermes, der Chaldäer, dessen Geburtsort Calo- vaz war, gieng wahrscheinlicher Weise um das Jahr zz6r vor Christi Geburt nach Aethiopien. Hier legte er den Grund zu allen nachmals daselbst florirenden Wissenschaften. Er führte die orientalische ReligionSverfas- sung bey dieser Nation ein, und,lehrte ihnen die zwölf obersten Götter anbeten; denn die Aethiopier hakten bisher nur den sieben Planeten göttliche Ehre erwiesen. Er brachte ferner die morgenländischen Hieroglyphen, in welchen die Grundsätze der Religion und Sternkunde ein- gehüllet waren, mit dahin, und legte, mit einem Worte, in den Tempeln der Aethiopier Asiens Geheimnisse nieder. Dann hieng er an dergleichen heiligen Orten steinerne Tafeln auf, und grub in dieselben die vornehmsten Grundsätze der Religion. Diese Tafeln nannte man in Aethiopien Stelas, in Aegypten hingegen Thoith: denn Hermes hieß bey den erstem Sceles, bey den letztem hingegen Thoth. Hierauf gab er den Aethio- piern den Herkules, das Sinnbild der Sonne, zum Gott. Daher entstanden die Städte DiospoliS und Hi- liopolis: und die« bloßen Namen geben schon zu erkennen, daß man daselbst diesen Gott oder die Sonne zuerst angebeket hat. Er machte den Aethiopiem ferner die Buchstaben oder das Alphabeth bekannt. Endlich war er auch der erste Astronome unter den Aethiopiem. Aber er hatte ohne Zweifel, die aufdei, asiatischen Monumenten zurückgebliebenen Trümmer der Sternkunde jenes alten i94 Sternkunde bey den Aegyptiern? alten ausgerotteten Volkes gesammlet, und den Grund zu seinen astronomischen Kenntnissen gelegt. Daher zeig, te er den Aekhiopiern die verschiedene Einteilung des Thicrkreiseö: er wicß ihnen nämlich, daß man ihn aus verschiedener Absicht, bald in zween, bald in vier, zwölf, oder auch in sechs und dreyßig Thsilc theilen konnte; denn die letzte Eintheilung beziehet sich, wie leichte zu erachten auf die dritte, indem sie jedes der zwölf himmlischen Zeichen wieder in drey Theile zerfällt. Ueberdieß zeigte er ihnen auch die Nothwendigkeit der astronomischen Beobachtungen : er war selbst ein Beobachter; denn die Alken benachrichtigen uns wenigstens von einer einzige», die er angestellet hat: ich meyne die Beobachtung der Entfernung des Ochsenauges von dem Punkte der Früh- lingönachtgleiche^. 'Auch scheint es, als ob er das Mon- denjahr verbessert und berichtigt habe. Denn er durfte nur zu dem gemeinen Mondenjahre »och fünf Tage, wel- che während zwölf Monden übrig blieben, Hinzuthun. Die äthiopischen Priester, welche, wie bereits gesagt worden ist, ihren Ursprung und ihre vortheilhaften Aem- ter dem Hermes zu verdanken hatten, pflegten in der Folge die Resultate ihrer neuern astronomischen Beobachtungenebenfalls in dieStelen oder in die steinernen Tafeln zu graben: also wurde das Andenken dieses Hermes oder Stcles stets unterhalten; man eignete alles was auf diesen Tafeln geschrieben war, dem Hermes zu; die Acgnptier hielten diese Nachrichten und Lehren alle für Erfindungen des Thoth: lind man sichet leichte, warum inan dem Thoth, Hermes oder Merkurürs eine so erstaunende Menge von Erfindungen großer Dinge und Bücher, die sie geschrieben haben sollen, zueignet * §. s. * atcn Band. 4. Ab sch. §. 4. ** Ebendas. Absch. 2. §. iz- - 4 - Sternkunde bey den Aegyptiem. 195 A»s Aethispien wandte sich sine Colonie nach Ober- agnpten. Diese baucte daselbst die Stadt Thebeö, welche wegen ihres hundert Thore und wegen ihrer Religionsverfassung berühmt war. -Herkules oder die Sonne war ihre Gottheit und die Stadt selbst wurde aus dieser Ursache Hcliopolis genannt. Es scheint auch, als ob inan daselbst dem Jahre, um die jährliche Revolution der Sonne zu bezeichnen, z 6 o Tage gegeben habe. Allein da die Thebanier die Astronomie betrieben: so konnten sie bald gewahr werden, daß dieses Jahr, um der gemeldeten Sonnenrevolution gleich zu kommen, noch einen Zusatz von ohugefehr fünf Tagen erhalten mußte; uno da sie nur zwölf dreyßigtägige Monathe eingeführk hatten: so schalteten sie am Ende des zwölften, allemal gedachte fünf Tage ein. 'Die Zeit, in welcher dich Sonnenjahr bey den Acgyptiern eingeführet worden ist, haben wir nach unserm chronologischen Grundsätzen sorgfältig berechnet, und das 2887 Jahr vor Christi Ger burt gesunden. §- 6 . Aus folgenden Bemerkungen erhellet noch deutlicher, daß die Aegyptier den Fehler ihres SonuenjahreS, welches noch um eig^n Viertelstag zu klein war, gar bald wahrnehmen mußten. Nämlich: als sich diese äthiopischen Pstanzvolker aus Oberaqypten zuerst gegen das ro- khe Meer herab wagten, mußten sie zuweilen ihre Hütten fortschwimmen, ihr Vieh ersaufen und vielleicht viele von ihnen selbst in dem ausgetretenen Nil umkommen sehen; die Zeit, in welcher dieses geschehen würde, konnte» sie anfangs nicht vorausbestimmen; ihnen mußteeine solche Begebenheit ein bloßer Zufall zu seyn scheinen; und es wurde allerdings einige Jahre Zeit erfordert, ehe sie einsahen, daß diese Ueberschwemmung periodisch abwechselte, und daß sie sich bey Zeiten von den Usern ent- N 2 fernen ly6 Sternkunde bey den Aegyptiern. fernen und auf die Hügel flüchten mußten. Als man aber dieß Aufschwellen ein paar Jahre hinter einander erlebt hatte: dann schloß man auch auf die Zukünftigen: und um die Zeit seiner herannahenden Ueberfchwemmnng voraus zu bestimmen, war man auf gewisse Kennzeichen bedacht. Man betrachtete den Himmel fleißig: und man bemerkte, daß allemal ein großer Heller Stern kurz vor dieser Ueberschwemmung in der Morgenröthe erschien und kurz darauf von den hervorstechenden Sonnen- stralen verdunkelt wurde. Da nun dieser Stern um diese Jahreszeit alle Morgen verschwand, indem er kaum erschienen war: so glaubten sie, daß er dadurch bloß die Ueberschwemmung des Nils, wie die Hunde durch ihr Bellen, anmelden wollte. Daher nannten sie auch die. sen Stern, Taaut, oder Hund.* Man nennete ihn aber auch den Stern des Nils, den Sihor oder Siris: und aus diesem lehtern Namen ist das Wort Sirius, wie wir ihn noch heut zu Tage nennen, entstanden. Also machte man die Erscheinung dieses Sterns zum allgemeinen Kennzeichen der nahe bevorstehenden Ueberschwemmung ; man brachte das Vieh und die eingeärn- deten Früchte des Landes auf die erhabenen Gegenden: und so erwartete man die Zeit, nach welcher sich der Nil in seine Ufer wieder zurück senkte, und die oft etliche Monathe lang dauerte, geruhig. Hieraus läßt sich nun leichte begreifen, daß die Erscheinung dieses Sterns von den ineisten Aegyptiern oft und sorgfältig beobachtet worden seyn muß. Folglich werden wenigstens einige derselben bald eingesehen haben, daß dieser Stern nach etlichen Jahren keinesweges mehr in dem nämlichen Tage ihres Jahres, wie anfangs, die Ueberschwemmung anmeldete: denn nach vier verlaufenen züztägigen Jahren mußte er schon um einen Tag später * lgilioire äu Oel. 1*. I. p. ZT» ek luivrmrer. Sternkunde bey den Aegyptiern. 197 spater erscheinen. Also bemerkten die Aegyptier den Irrthum ihres Sonnenjahres allerdings, und schalteten alle vier Jahre vermuthlich einen Tag ein. §. 7 - Auf solche Art entstanden nun schon bey de» Aegyptiern zweyerley Jahre: denn sie behielten die ersiere Art von z6) Tagen bey. Dieses nannten sie das bürgerliche, und jenes, von Z65 und einem Viertelstage, das natürliche Jahr. Das erstere wurde also aller vier Jahre um einen Tag zu kurz und, da sich ihre Festtage auf dieses bürgerliche Jahr gründeten: so sielen dieselben, nach etlichen Jahrhunderten, schon um etliche Monathe spak'r, und daher in eine ganz andere Jahreszeit, als anfangs. Dieser Abweichung suchten die Aegyptier kei- neswegeS vorzubeugen: denn hieran wurden sie durch einen gewissen Glaubensartikel, welcher alle Arten von Einschaltungen fürsündlich erklärte, verhindert*; siever- abscheueten dieselben und glaubten, daß diese Beweglichkeit der Feste ihrer Göttin der Isis, so gefällig sey. Und sie scherten damals bloß das Fest dieser Göttin und das Fest des Hundsterns. Dieses Zurückweichen gedachter Feste, welches man gleichsam eine ordentliche oder reguläre Unordnung nennen könnte, war in ihren Augen so verehrungswürdig und so heilig, daß die Priester sogar ihre neuen Könige, bey deren Krönung und Einweyhung, in den Tempel der Isis führten und ihnen daselbst den Eid, daß sie das eingefühte Religionsjahr nicht abschaffen, die Beweglichkeit der Feste beschützen, und niemals weder Tage noch Monathe einschalten wollten, unter großen Feyer- lichkeiten abnahmen;* * und da sich die Persier, von N z wel- * VrsnolnAion. p. ZZ. UNd klim»- r>s k!xerc. p. Zyv. ** He-ek. Oek. äs la Lkron. p. 6z. 198 Sternkunde bey den Aegyptiern. welchen die Aegypticr zuweilen unterrichtet wurden, der gedachten Einschaltungen, auch bey ihrem Religionsjah- ren bedienten: so bemühetcn sich die letztem aus allen Kräften eine solche Einführung in ihrem Lande, die sich von ihren Nachbarn leichte hätte herüberschleichen können, sorgfältig abzuwenden. Ans solche Art konnten sich denn in der Folge die Aegyptier dieses Jahres sreylich nicht zum Anordnen ih. rer Feldarbeiten bedienen. Die Zeit der Aussaat und der Aerndke richtete sich nach der Ueberschwemmung des Nils; diese Zeit verkündigte, wie bereits gesagt worden ist, der Hundstern; und so hatte man in Aegypten zweverlev Jahre: nämlich das bereits gedachte bürger- liebe und das natürliche, oder das Jahr des Ackerbaues, dessen Anfang ihnen allezeit Sirius oder der Hund entgegen boll. §. 8 - Da man nun zugeben muß, daß der Anfang dieser zwey verschiedenen Jahre allezeit nach ohngefehr viermal Z6s Jahren zusammen gefallen ist: so entstand daraus eine Periode von 1460 Sternjahren oder 1461 Reli- gionsjahrcn. Diese Periode war bey den Aegvpkiern in großen Ansehen: man nannte sie das große Jahr, dos Jahr Gottes oder des Thorh, wie auch das sothische oder Hundojahr. Das reiste Jahr war daher bey ihnen ein Jahr der Wiederbringung des UeberflusseSund des Vergnügens? Sie hofften in diesem Jahre deswegen eine reiche Aerndte zu halten, weil der Hund nun nach so viel zurückgelegtcn Jahren die Ueberschwemmung des Nils in eben der Jahreszeit, in welcher dieses vor 1461 RcligionSjahren geschehen war, anmeldete, und weil überhaupt die vier Jahreszeiten in diesem Jahre mit den Jahreszeiten des Bauerjahres durchaus über- einsiimmten. Nach Sternkunde key den Aegyptr'ern. 199 Nach der Meynung des Herrn Court de Geber laiumachte man den!Vogel Phönix zum Sinnbilde der gedachten Periode. Nun haben wir zwar oben gezeigt , daß die Fabel von diesem Vogel weiter nichts als die jährliche Revolution der Sonne lehret: allein vielleicht wandten die alten Aegyptier dieselbe aus einem ^ Mißverständnisse auf die Revolution ihres großen Hundsjahres an. In ihrer Fabel von dem Phönix hieß es zwar: dieser Vogel ziehet allezeit nach Arabien, und kömmt vergnügt wieder daher: allein man begreift leichte daß diese neuern Aethiopier oder die jetzigen Aegyptier nicht nur außer Arabien wenig fremde Länder gekannt, sondern auch diese von ihren ältesten Vorfahren ihnen überlieferte Erzählung von dem Phönix schlecht verstanden haben müssen. Daher ließen sie ihn allerdings bloß in ein fremdes Land ziehen und nach seiner Verwandlung wieder zu- * rück kehren; sie kannten den Ursprung dieser Fabel nicht mehr: denn sie paßte nicht einmal mehr auf ihr Klima, so, wie vorher bey den nordischenjVölkern. Unterdessen hatten sie doch das wesentliche dieses Sinnbildes ziemli- maßen unverändert beybehalten: denn der Vogel zog bloß nach Arabien, um aus dem Altäre der Sonnever- brannk und aufs neue gebohren zu werden. Die Sonne regierte die oben angeführte Hundsternperiode; Heliopo- lis oder die Stadt der Sonne war der Sitz aller ägyptischen Astromen; zu Heliopoliö war gleich anfangs die Schule der ägyptischen Priester: und man wird den Zusammenhang gedachter Fabel mit der Sonne, die doch ohne Zweifel von den heliopolischen Priestern so verhunzt » worden ist, leicht einsehen. Also widerspricht auch diese Gewohnheit der Aegyptier, vermöge welcher sie durch diese Fabel ihre Hund- N 4 stern- * MIcgor. orientales. Mercure. x. 124. 2OO Sternkunde bey den Aegyptiern. sternperiode von 1461 Jahren abbilderen, unserer Konjektur von dem nordischen Ursprünge derselben keineöive. ges: die Aegyptier ahmten sie, weil sie selbst keine an« dere erdenken mogten, nur nach. Unten werden wir darthun, daß gedachte Hundsternperiode ohngefehr um das Jahr 2782 vor Christi Geburt festegefeht worden ist. * Da nun dieselbe eine Kennt- uiß von dem Ueberschuß des Sonnenjahres über ;6; Tage vorauSseßt; da ferner zu der Bestimmung dieses Überschusses wenigstens eine hundertjährige Reihe astronomischer Beobachtungen nöthig war; und da man zu Anfänge dieser Beobachtungen schon eine Kenntniß von dem z6s tägigen Jahre haben mußte: so folgt, daß wir die Einführung des ReligionsjahreS von z6s Tagen, ohne Bedenken auf das Jahr 2887 zurücksehen können. ^ § 9 - Die Aegyptier machten auch verschiedene Mondperio- den. Anfangs pflegten sie lauter Perioden von fünf lind zwanzig zSstägigen Jahren zu zählen; und jede dieser Perioden enthielt genau zoy Vollmonden. Also fiel der Neumond nach Verlauf einer jeden solchen Periode gerade in dem nämlichen Tage des gedachten Religions- jahres. Unterdessen mußten diese ägyptischen Astronomen doch leichte bemerken, daß der Vollmond deswegen doch keincöwegeö an dem nämlichen Orte des Himmels oder bey eben dem Sterne fallen konnte, bey welchen sie ihn zu Ende der nächst vorhergehenden Periode beobachtet hatten: sie sahen also, daß die Sonne iht ebenfalls nicht bey den nämlichen Sternen stehen konnte, bey welchen sie zu Anfänge dieser Periode gestanden hatte. Um nun eine neue Periode zu erfinden, nach deren Verlauf die Sonne und der Mond an eben dem Orte, von * 2ten Band. ;. Absch. §. io. Sternkunde Key den Aegyptiern. 201 von welchen sie zu Anfänge derselben beyde zugleich weg- gelaufen waren, Zusammentreffen mußten, multiplicir- ten sie ihre Hundsternperiode mit der gedachten Periode des Neumonds: das heißt, sie multiplicircen 1461 mit 25: und so erhielten sie eine große Periode von 36515 Jahren, nach deren Verlaufe sich die Erscheinung des Sirius, der Anfang des astronomischen Jahres und der Neumond zugleich an einem und eben demselben Tage ihres ReligionsjahreS ereigneten. * Man begreift leichte, daß .diese Periode, wegen ih. rer außerordentlichen Lange nicht sonderlich brauchbarwar. Einige Gelehrte haben zwar dafür gehalten, als ob sich diese Periode der alten Aeqyptier auf die scheinbare Bewegung der Fixsterne aus Abend gegen Morgen beziehe und die Zeit ihrer ganzen Revolution ausdrücke; allein gesetzt auch, daß sie sich nicht auf angeführte Art so deutlich, genau und leichte erklären lasse: so werden wir doch unren weitlauftiger zeigen, daß gedachte Konjektur von der Scernrevolution hierbey nicht Staat sin, den kann. * * §. io. Es ist nicht zu läugnen, daß ihnen die Erfindung der Hundsternperiode auf gedachtes Fortrücken der Fixsterne hatte führen, und ihnen eine schickliche Verbesserung des Sonnenjahres an die Hand geben können. Denn gesetzt, Sirius je» einst zu Anfänge dieser Periode in zwölf Tagen nach der Frühlingsnachtgleiche aus den Son- nenstralenchervorgetreten: so mußte er zu Ende derselben, oder nach i461 Jahren, vermöge gedachter scheinbaren Bewegung der sammtlichen Fixsterne, erst in vier und zwanzig Tagen nach der Frühlingsnachtgleiche erscheinen. Allein, da bey ihnen 1460 Sternjahre oder Bauerjahre, N 5 nur * 2ten Band. 5. Absch. §. lg. ** Ebendaselbst. §. 12. 2O2 Sternkunde bey den Aegyptiern. mir 1461 Religionsjahre ausmachten: so mußte das Sternjahr schon an und für sich um ohngesehr cils Minuten zu kurz werden; und da das Sternjahr überhaupt nur etwa zwanzig Minuten länger als das tropische ist: so konnten die Jahreszeiten, welche aus ihren Besiim- mungen folgten, von den; wahren Eintritte derselben nach Verlauf einer Hundsternpericde um nicht mehr als um etwa zehen Tage abweichen. Auf solche Art konnten die Aegyptier wegen des Gebrauchs einer solchen Periode, den Jrrthum, um welchen ihr Jahr von Z65 und einem Viertelskage zu lang war, nicht bemerken. Hieraus scheint demohngeachket zu folgen, daß die Aegyptier selbst eigentlich weder die jährliche scheinbare Bewegung der Sonne, noch angeführtes Fortrücken der Sterne beobachtet oder bemerkt haben: denn wäre das Gegentheil wahr: fo hatten sie ohnfehlbar wahrgenom- men, daß weder Sirius noch die Sonne am Ende gedachter Periode eben soweit, wie zu Anfänge derselben, von dem Punkte der Frühlingsnachkglciche abstanden. -Es ist also klar, daß sie ihre astronomischen Kenntnisse, die sie schon 2800 Jahr vor Christi Geburt hatten, in der Folge nicht erweiterten. Damals war ihnen die Zeit von einem Viertelstage, welche eigentlich einem jedem Religionsjahre zugefeHt werden mußte, schon bekannt. Sie bekümmerten sich niemals um die Bestimmung des tropischen Jahres: denn sie kannten dasselbe nicht einmal; sie verglichen niemals, wie die Bewohner der ersten Welt, um jene angeführte Svojährige Periode zu bestimmen, eine bestimmte Menge von Sonnenrevolutionen mit einer andern Menge von ganzen Revolutionen des Monds; und da sie nicht, wie etwa dieJn- dianer,.ihre Zuflucht zu den übrig gebliebenen Monumenten der alten Welt nehmen konnten: so erstreckte sich ihre Kenntniß von dem wahren oder tropischen Jahre frey« »ich nicht sehr weit. §. n. Sternkunde bey den Aegyptiem. 20z §. i l. Wir müssen hier noch zwo sonderbare, aber auch fabelhafte Traditionen der ägyptischen Priester aus dein -Herodonrs* auführcn. Sie sagten: Man hat in einem Zeiträume von uz40 Jahren vier merkwürdige Abänderungen von dem gewöhnlichen taufe der Sonne wahrgenommen: nämlich, man hat bemerkt, daß die Sonne, während dieser Zeit zweymal an eben dem Punkte des Horizonts aufgicng, an welchem sie nur allererst uukergegangen war, und daß sie an eben dein Orte wieder uutergieng, an welchem sie vorher aufgegangen war; übrigens setzten sie noch hinzu, daß damals die Ekliptik den Aeguator rechtwinkelicht durchschnitten habe. Was nun das erstere anbetrifft: so weiß man sreylich nichtgewiß, ob in ihr irgend eine Wahrheit verborgen liegt: oberes ist doch wenigstens wahrscheinlich;** die zwote Tradition hingegen scheint allerdings eine Kennkniß von der Verminderung des Neigungswinkels der Ekliptik gegen den Aeguator anzuzeigen. Denn gesetzt, die Aegyp- tier nahmen, wie sich dieses aus andern Momenten ihrer Geschichte vermachen laßt, diese Verminderung wahr: so mußten sie sreylich schließen, daß gedachter Neigungswinkel einstmalen 90 Grad gewesen seyn könnte, Und dieser Schluß wurde in der Folge für eine in der That beobachtete Erscheinung gehalten. §- Sie kannten die Gestalt der Erde, wie auch die Ursache der Veränderung des MondenscheinS und der Mondfinsternisse; ja man seht sogat hinzu, daß sie die Mondfinsternisse sowohl als die Verfinsterungen der Sonne zu berechnen gewußt haben. Allein da Thales, der dergleichen Erscheinungen voraus zu bestimmen bey den Ae- gyptiern gelernt hakte, eben kein großer Held in diesem Fache 5 In ** 2tcn Band. 5. Absch. §. 14. u> f. 204 Sternkunde bey den Aegyptl'ern. Fache war: so schließt man billig, daß entweder die Wissenschaft seiner Lehrer nicht weit her gewesen seyn mag, oder daß Thales seinen Lehrern wenig Ehre gemacht habe. Man eignet den Aegyptl'ern ferner eine große Menge astronomischer Beobachtungen zu: nämlich Z7g Beobachtungen von Sonnenfinsternissen und Zzr von den Verfinsterungen des Monds; und dieß ist wirklich die wahre Verhältniß zwischen den Finsternissen der Sonne und des Monds, die in einem bestimmten Zeiträume unter einerley Horizonte erscheinen können. Daher bemerkt auch schon Momücla in seiner mathematischen Geschichte, daß angeführte Beobachtungen keinesweges erdichtet, sondern allerdings von den Aegyptiern beobachtet worden seyen: denn es sey gar nicht wahrscheinlich, daß ein blindes Glück eine so große Uebereinstimmung mit der Wahrheit habe hervor bringen können. Nun ist aus den heutigen Grundsätzen der Astronomie bekannt, daß zu angeführter Zahl von Finsternissen, in einem hei. tern Lande wie Aegypten und Chaldäa ist, ohngefehr zwölf bis i z oc> Jahre nöthig gewesen find; und da diese Beobachtungen noch vor Alexandern hinaus fallen: so erstreckt sich der Anfang des gedachten Zeitraums ohn- gefehr bis auf das Jahr 1600 vor Christi Geburt, oder bis auf die Lebzeiten des dritten -Hermes. Allein wir werden unten darthun, daß diese Beobachtungen demohngeachtct keinesweges den Aegyptiern, sondern vielmehr den Chaldäern zugeeignet werden müssen: sie sind die Quellen, aus welchen pcolsmäus und Hip- parch geschöpft haben; und ihr Anfang fällt gerade auf die oben angezeigte Epoche der Wiederherstellung der Sternkunde bey den Chaldäern * Sternkunde bey den Aegyptiern. 205 Uebrigenö sollen auch die Aegyptier, nach der Mey« nung einiger Geschichtschreiber, die rechtlauftge und rückgängige Bewegung der Planeten fleißig beobachtet und astronomische Tafeln auf undenkliche Zeiten verfertigt haben. Aristoteles * behauptet gar, daß ihnen einige mal verschiedene Fixsterne von den Planeten bedeckt erschienen seyen. Allein alle diese Beobachtungen von Finsternissen und von Bedeckungen der Fixsterne, wie auch ihre astronomischen Tafeln, sind, wenn sich auch alles in der That so befunden hatte, niemals aus ihren Tem- peln hervorgezogen, sondern unter deren Schutt begraben worden. Es ist auch wahrscheinlich, dasi die Aegyptier schon den Gedanken von mehr als einer Welt, weichen Fon- tenelle so sinnreich zu verneuern wußte, gehegt haben: denn sie nannten den Mond eine ätherische Erde; und es ist bekannt, daß die Pythagoraer sowohl als die Phi- losophew.der jonischen Sekte das nämliche lehrten. Pythagoras und Thaies hatten diese Lehren in Aegypten geholet. Was die Fixsterne anbetrifft: so hielten die Aegyptier dieselben für brennende Fackeln, welche verniöge ihrer , mit einander vermischten Ausdünstungen, alle verschiedene Gattungen der Körper auf unserer Erde erzeugten. * * UebrigenS waren die Aegyptier freylich durchaus mit jener astrologischen Seuche angesteckt: und es wäre zu wünschen, daß sie ihre brauchbaren astronomischen Kennt- , nisse eben so, wie ihre astrologischen Irrthümer, zum allgemeinen Besten anzuwenden gesucht hatten. Manethon, dieser ägyptische Priester, hat sechs Bücher von dergleichen astrologischen Offenbarungen geschrieben und * 2ten Band. Absck. §. 19. 22. 2z. * 2tcn Band. 5. Absch. §.2;. 2O6 Sternkunde bey den Aegyptkem. und in diesen allen den albernen Kram aus den ägyptischen Tempeln zusammengetragen: jene brauchbare und zahlreiche Beobachtungen, auf die er sich beruft, hat er im Gegentheile gänzlich liegen lassen und der Vergessenheit nicht entrissen. §- 'Z. Dann versuchten es auch die Aegyptier den Abstand der Himmelskörper von der Erde zu bestimmen, pli- nius benachrichtigt uns, daß petostris und Necep- sos einen Grad der Mondbahn ans ;z Stadien, den Grad der Bahn des Saturns hingegen auf 66 oder doppelt so groß, und den Gradcher Sonnenbahn 49 bis so Stadien geschaßt habe: und hieraus würde folgen, daß Saturn nicht weiter als 264, dis Sonne 12z und der Mond 82 französische Meilen von der Erde entfernt waren. Dergleichen Bestimmungen sind nun sreylich absurd und wir würden sie nicht angeführt haben, wenn die Jrrthümer in der Geschichte von dem Fortgange und Erhöhung der Fähigkeiten deö menschlichen Geistes nicht auch unter die wahren Erfindungen eingeflochten werden müßten. Unterdessen muß man doch zur Entschuldigung der Aegyptier noch dieses gedenken, daß dergleichen seltsame Ausmessungen ohnfehlbar in den allerersten Zeiten ihrer Existenz unternommen worden seyn mögen. Man pflegt sie in die Zeiten des Sesostris * zu sehen: und vielleicht sind sie noch älter. Die Wissenschaften waren ebenfalls einmal, wie alle Menschen, in dm Stande der Kindheit. Wenn man einen erwachsenen starken Menschen schnell dahin lausen siehet: so bedenkt man nicht, daß er sich ehemals, da er allererst die Wiege verließ, überall, um nicht zu fallen, anhalten mußte; und wenn man auf die ersten Entwickelungen der Fähigkeiten des menschlichen Geistes Rücksicht nimmt: so muß Sternkunde bey den Aegyptiern. 227 man ihm dergleichen sonderbare Jrrkhümer verzeihen; denn er mußte ebenfalls zuweilen ausgleiten lind fallen, ehe er gut laufen und so einen so großen Preist, wie itzt davon kragen konnte. Arbeiten von Jahrhunderten werden wie die Steine bey einem Gebäude über einander gelegt; die Steine, welche im Grunde liegen, tragen eben so viel zu dem Wesen des Gebäudes bey als die Vcrziegerungen des Gebäudes selbst: und das letzte Jahrhundert würde das erste mit Unrecht tadeln. §. 14. Unter allen Entdeckungen der Aegyptier ist die, von Verwahren Bewegung des Merkurs und der Henris, die merkwürdigste. Was die Ordnung und Lage der fünf übrigen Welkkörper unsers Sonnensystems anbetrifft: so stimmten die alten Aegyptier mit einigen andern alten Nationen darinne überein, daß sie den Saturn zu aus- serst, dann den Jupiter, hierauf den Mars und die Sonne, und zunächst der Erde den Mond setzten: allein in Rücksicht auf die Venus und dem Merkur weiß man, daß sie einige naher als die Sonne, und andere weiter von der Erde entfernt zu seyn glaubten: und die Aegyp. kier entdeckten die wahre Lage und Bewegung dieser Welt- körper. Daher nennt auch Cicero* diese zween Planeten nach dem Beyspiel der Aegyptier comitez soll--. Null konnten die Alten zwar dieses leichte bemerken, daß sich gedachte Sterne niemals weit von der Sonne entfernten : aber da die Aegyptier auch auf ihre wirkliche Bewegung um die Sonne, die sie keinesweges wahrueh- men konnten, schlossen: so machte ihnen dieses unendliche Ehre. Sie wußten überdieß auch, daß die Bahn des Vlerkurs kleiner ist, als die Bahn der Venus und daß die erster«? vcn der letzkern gleichsam eingeschlosten oder umgeben wird. Daher sagten sie: wenn sich diese Pla- * Lcs/u'o«» Lvmnium. 2v8 Sternkunde bey den Aegyptiern. Planeten auf der hintern Seite ihrer kreisförmigen Bahnen befinden: so sind sie weiter als die Sonne von der Erde entfernt; befinden sie sich an der vordem Seite: so sind sie ihr naher. §.i5« Nun sind die Aegyptier unter den Alten zwar die einzige Nation, bey der man gedachte Wahrheit findet: allein es fragt sich, ob sie wirklich die Erfinderin derselben gewesen ist, oder ob sie diese Kenntniß aus einer filtern Quelle geschöpft hat: und dieß ist ein Problem, welches das tiefe Stillschweigen aller Geschichtschreiber aufzulösen verbietet. Man hat aber auch überhaupt gezweiselt, daß diese Kenntniß eigentlich bey den Aegyptiern gefunden worden sey: und dieß deswegen, weil ptolomäus in seinem großen Allmagest nichts davon gedenkt, und weil plaro, der doch von den ägyptischen Priestern unterrichtet worden ist, den Merkur und die Venus weiter als die Sonne von der Erde hinaus seht. Sie können aber diese Kenntniß nirgends her, als aus Asien erhalten haben: denn es scheint, daß jenem alten Volke die wahre Natur des Weltsnstems bekannt gewesen sey. Allein wenn man dieses annimmt: so fragt sichö noch immer, warum sich die Aegyptier nur einen Theil dieses Systems und nicbt das ganze zugeeignet haben ? Ihre Lehre von der Bewegung des Merkurs und der Venus um die Sonne ist nur ein Theil des Ganzen: und hieraus wird es wahrscheinlich, daß diese Erfindung den Aegyptiern selbst zugehärek. Es scheint bloß, als ob es ihnen an Genie und mehrern Beobachtungen, um gedachte Idee auch auf die übrigen Planeten auzuwen» den, gemangelt habe. Die Quelle aller Mißverständnisse und aller abgeschmackten Meynungen der Alten war ihre geheime Schreibart oder die Hieroglyphen, in welche die Nationen Sternkunde key den Aegyptienr. 209 nen des Alterthums überhaupt und insbesondere die Ae- gyptier ihre Wissenschaften einhülleten. Sie hatten zwo Gattungen der Philosophie: eine war verständlich, deutlich, plan und wurde allen, die es verlangten, helehret: die andere hingegen wurde geheim gehalten, sie wurde unter lauter Sinnbildern vorgetragen, und niemand konnte dieselbe erlernen, als die geweyheten Priester.* Die letztere enthielt ohne Zweifel die wichtigsten lind erhabensten Kenntnisse und Lehren über die Natur der Welt, über die Ursachen der Veränderung und Entstehung der natürlichen Dinge, über die Ursachen der himmlischen Erscheinungen u. s. w: und die Priester be- müheten sich, alle andere Menschen von der Erlernung einer solchen Wissenschaft abzuhalten, sorgfältig. Man muß- te in der That von den ägyptischen Königen, um alsein Schüler dieser Wissenschaft ausgenommen zu werden, empfohlen seyn. Und es ist demohngeachtet wahrscheinlich , daß die Priester einem solchen Schüler den Grund ihrer Geheimnisse nicht ganz entdeckt haben. Diese Geheimnisse sind in Aegypten von einem sehr hohen Alter: aber in Asien müssen sie ohnstreirig noch älter seyn; zu Eleusis hatte man bloße Abschriften: und gleichwohl fallt die Einführung derselben, welche man dem Orpheus, dem Emnolpus und Erichthäus zuschreibt, über vierzehen Jahrhunderte vor Christi Geburt hinaus. * * Sie können aber keinesweges lächerliche Kindereyen enthalten haben, oder bloß wegen ihres hohen Alters verehrungswürdig und heilig, vielweniger ein bloßer Kunstgriff für das Interesse der Priester gewesen seyn: denn warum sollte man ste nicht für eine Frucht * 8lr. 5. />oc/«5 in Umseo. I.il>. III. kroleA. p. 144. Iäl). XV. * * O/o^o»'«5 I.. V. ?»1crn. äe l' -Vcsll. ller Inicr, lom. XXI. x>. 84. io;. O 2io Sternkunde bey den Aegytiern. Frucht des Genies und der Gelehrsamkeit dieser alten Nation halten? Die Menschen sind oft gegen diejenigen, welche etwas neues lehren, und ihre Nation aus der Unwissenheit heraus zu ziehen suchen, sehr undankbar. Wie viel große Genies sind nicht deswegen aus ihrem Vaterlande verwiesen und unglücklich gemacht worden? Hatten sie sich eines geheimen Vortrags, wie die ägyp- * tischen Priester bedient: so hatten sie vielleicht zufrieden in ihrem Vaterlande sterben können. Man muß die Produkte des Geistes zuweilen, so wie die guten Empfindungen des Herzens, lim das Leben zu erhalten, nach dem Beyspiele der Alten unterdrücken, und die Wahrheit erst nach dem Tode bekannt machen lassen. Solchergesiallt haben diese Geheimnisse der Aegyp- tier freylich einige unserer neuen Schriftsteller auf die Gedanken gebracht, als ob die Aegyptier gar keine gegründeten Wissenschaften besessen hatten. Man halt insgemein dafür, daß sie dem Herodoms, ^welcher , ohngefehr um das Jahr 400 vor Christi Geburt in Aegypten aufhielt, und sich von den dasigen Priestern unterrichten ließ, ohne Zweifel etwas voll den oben angeführten Unterschiede ihrer Jahre gesagt hätten, wenn er ihnen selbst bekannt gewesen wäre:* und man sagt, dieser Geschichtschreiber melde davon nichts. Allein geseht auch, daß Herodorus in der That nichts davon gedenkt : so wissen wir doch aus der Epoche ihrer Hundsternperiode, daß sie jenen Viertelstag, um welchen ihr z 65tägiges Jahr zu klein war, schon 2782 Jahr vor Christi Geburt gekannt haben müssen; und man muß, umbergleichen Dinge gehörig zu beurtheilen, auch auf diese unumstößliche Beweise Rücksicht nehmen. , §. ick. * 6o^«er. OnA äes I.oix äer Lciences er äes /^rr§. 1'. III. x. 98. Sternkunde öey den Aegyptiern. 21 r §. iS. Die Aegyptier beschäftigten sich auch mit Ausmessungen des Durchmessers der Sonne. Sie bedienten sich hierzu zwoer verschiedener Versahrungsarten, welche ohnfehlbar zu sehr verschiedenen Zeiten auSgedacht worden sind. Ihre Könige bedienten sich hierzu der Geschwindigkeit eines geübten Pferdes. * Da sie nun wußten, wie viel Stadien dasselbe in einer Stunde durchlaufen konnte : so bemerkten sie, wie viel Stadien es während des Ausgangs der ganzen Sonnenscheibe, durchlief: und dieß drückte den Durchmesser der Sonne in solchen Theilen aus, deren der ganze Tagezirkel der Sonne r4 hatte. Nachdem sie aber die Sonnenzeiger und Wasseruhren erfunden hatten: dann bemerkten sie den Weg, welchen die Spitze des Schattens an dem Sonnenzeiger, wahrend des Ausgangs der Sonne, beschrieb und verglichen diesen Weg mit dem Raume, welchen er in einer Stunde zurück legte. Endlich bedienten sie sich auch, um das Verhältniß der Zeit des Aufgangs der ganzen Sonnenscheibe gegen die Zeit einer Stunde zu bestimmen, der Wasseruhren. Aber in diesen beyden Fallen verglichen sie diese Zeit doch allemal mit einem ganzen Ta, ge, oder mit dem scheinbaren kreisförmigen Wege der Sonne. Man stehet leichte, daß diese Versahrungsarten, theils wegen der ungleichförmigen Stralenbrechung, theilö wegen der Schiefe des Sonnenweges gegen den Horizont und überhaupt wegen der Unvollkommenheit gedachter Werkzeuge, sehr fehlerhaft ausgefallen seyn werden. Unterdessen fanden sie doch für den Durchmesser der Sonne durch die letztere Verfahrungsart ohne Zweifel den 72oten oder den Kosten Theil des Umfangs ih- O r res * L^clic» lAeons. I.. H. c. i. 2,2 Sternkunde bey den Aegyptiern. res Tagezirkelö, oder ohngefehr den z i sien Theil einer Stunde; und dieß stimmt mit der Wahrheit hinreichend überein. prolomäus verwarf zwar diese Verfahrungsarten allerdings aus gegründeten Ursachen: allein dich waren auch nur Versuche, die in der Folge zu glücklichem Erfindungen Anlaß gaben; und eö ist immer angenehm, wenn man stehet, wie sich die Fähigkeiten des menschlichen Geistes nach und nach entwickelten. Denn alle menschliche Kenntnisse werden bloß mit dem Alter der Welt vollkommer; und die Gelehrten bilden gleichsam eine besondere Republik, welche seit dem Anfänge der Welt beständig an ihrer Einrichtung etwas auszubessern gefunden hat. plurarch* meldet, daß die Erde, nach den ägyptischen Berechnungen 72 mal größer, als die Erde sey. Aber soll man dieses von dem körperlichen Inhalte oder von seiner scheinbaren Scheibenfläche verstehen? Wäre das letztere: so würde der Diameter deü Monds wenigstens acht mal kleiner, als der Durchmesser der Erde seyn müssen; wäre aber das erstere: so kam der Durchmes. ser des Monds beynahe viermal kleiner, als der Diameter der Erde heraus; und dieß wäre der Wahrheit,nach den neuern astronomischen Ausmessungen, allerdings ziemlich gemäß. Denn LlairaM * * fand den körperlichen Inhalt des Monds 67 mal, und BernouUi** *** " 71 mal kleiner, als die Erde. Ob wir nun gleich selbst zugebcn, daß dergleichen Bestimmungen aus der alten Sternkunde bloß durch zweifelhafte Traditionen auf uns gebracht worden sind; und ob wir gleich nicht behaupten, daß ihre Ausmessungen auf mathematischen Grundsätzen be- * Oe facie in orb. lunae- ** cie I '/Icgäemie clez 8cien. 1754 - p- 559' *** klr. sie /a ^üronoin. O. III. src. Z41Z. Sternkunde bey den Aegyptiern. 21 z ruhet haben: so halten wir es doch für unsere Pflicht, auch dergleichen Kleinigkeiten mit unfern ihigen Kenntnissen abzumessen und deren Uebereinstimmung aufzusuchen. §. l?. Auch die Sonnenzeiger und Wasseruhren scheinen in Aegypten von einem sehr hohen Alter zu seyn. Wir wollen hier nicht untersuchen, ob die Sonnenzeiger in Aegi p- ten selbst erfunden, oder aus Asien dahin gebracht worden sind: aber dieß ist auö verschiedenen Ursache» wahr- scheinlich, daß man sich der Sonnenzeiger daselbst eher als der Wasseruhren bedient habe: denn dieses erhellet aus ihren angeführten verschiedenen Verfahrungsarten, den Durchmesser der Sonne in Theilen des Himmels, oder in Graden, zu bestimmen; die Verfahrungsart mit den Wasseruhren ist weit akkurater, als jene mit dem Sonnenzeiger:* und hieraus folgt, daß auch ihr Gebrauch sowohl als die Wasseruhren selbst später als die Sonnenzeiger eingeführt worden sind. Unterdessen darf man doch nicht glauben, als ob das Alter der Wasseruhren nicht auch sehr weit hinaus fallen kann: denn die ägyptische Fabel von dem Kynoke- phelos, welcher sein Wasser täglich zwölf mal lassen mußte und dadurch den Tag in zwölf Theile theilte, beweist das hohe Alter der Wasseruhren hinreichend; und man weiß, daß dergleichen Fabeln bloß in den allerälkesten Zeiten aus wahren Begebenheiten entstanden sind. Die Aegyptier pflegten daher auch, um das Andenken dieser Tradition beyzubehalten, allezeit einen Kynokephalos auf ihre Wasseruhren zu sehen. Herr Goguec hält dafür, daß die ägyptischen Py. ramidcn der Nation ehemals zu Gnomonen oder Son- nenzeigern gedient, haben.** Wir haben aus einigen bereits angeführten Gründen gezeigt, daß der Gnomon O z älter * rten Band. 5. Absch. §. 26. 27. ** Ebendaselbst. 2 I 4 Sternkunde bey den Aegyptl'em. älter als die Wasseruhr ist: und dieß erhellet auch daraus, weil ihnen die Baume und Gebäude ganz natürlicher Weise hierzu die erste Gelegenheit geben mußten. Daher durften sie der Natur bloß zu Hilfe kommen und dem Gnomon eine schicklichere Gestalt geben. Und hieraus sind die hohen zugespitzten Steinhaufen, die man Obelisken nennet, entstanden. Also sind diese Pyramiden keinesweges ohne alle Absicht in gedachter Gestalt und Größe aufqesühret worden. Man mußte ihnen eine Gestalt, eine Größe und Masse geben, die dem Wetter und der Zerstörung am längsten zu widerstehen geschickt war. Diese Eigenschaften besitzen gedachte ägyptische Pyramiden allerdings, und geben der angeführten Konjektur des Herrn Gotzuet ein beträchtliches Gewicht. Man setzt aber die Erfindung der Obelisken in die Zeit des Gesoftuis, welcher, nach Freuet, im sech- zehenten Jahrhunderte vor unserer Zeitrechnung regiert haben soll*. Aber wenn es wahr ist, daß man auf Befehl der Semiuamis, an dem Wege nach Babylon, einen pyramidenförmigen Gnomon aufgerichtet hat: so muß das Alter der Sonnenzeiger bey den Chaldäern weirer als bey den Aegyptiern hinaus fallen.** Also sind die Pyramiden nicht nur Beweise der Größe und des Stolzes der ägyptischen Könige, sondern auch Denkmäler ihrer alten Sternkunde. Die größt: derselben stehet mit ihren vier Seiten genau gegen die vier Welkgegenden; und dieß bezeugt de (LhazeUes, der diese Pyramiden wahrend seiner Reise in Aegypten im Jahre 169z sorgfältig untersucht hat.*** Da nun diese * Origin. cler I.oix. 1. II. x>. IZI. Oek. de 1a Lkronol. x. 242. 24Z. ** O/o-io--«? I.. II. p. 2z8- der Pater pezron setzt das Jahr der Regierung dieser Königin auf 22Z4 vor Ehrijii Geburt. ^Nl'lg. recadl. p. p. 147. ***L1ogs cls dl. -ie Iclem. 6e 1'^caä. äe§> 8cienc. 1710. Sternkunde bey den Aegyptlern. 215 diese Richtung durch ein blindes Ohngefehr nicht so genau hatte ausfallen können: so müssen die Aegoptier damals die Mittagslinie allerdings zu ziehen gewußt ha- ben; und dich ist meines Erachtens der deutlichste Beweis, welchen man von dem hohen Alter der ägyptischen Beobachtungen angeben kann. Diese entschlichen Steinhaufen scheinen daher aus keiner andern Ursache so groß, so bewundernswürdig, und so feste ausgeführt zu feyn, als weil man ewige Denkmäler der astronomischen und mathematischen Wissenschaften aufrichten wollte. Der ftcilianische Diodor merkt an, daß sie zu sei- „er Zeit, zufolge einiger Traditionen Z4oo und nach andern, i OOo Jahr alt waren; das letztere scheint zwar in Rücksicht auf das, aus andern Momenten der Geschichte bestimmte, Alter derselben allerdings unrichtig:* ** *** aber vielleicht können beyde Bestimmungen zugleich Statt finden. Denn man darf nur annehmen, daß sie sich auf die verschiedenen Pyramiden bey Memphis und Theben beziehen; und dann werden die bey Theben alter als jene seyn. §- 18 Die Mahomedaner glauben fast einhellig", daß diese Pyramiden von Gran—Ben —Gian, dem allgemeinen Monarchen der Welt, noch vor den Zeiten Adams aufgeführet worden sind: und man kann ihnen freylich kein größeres Alter zueignen, als wenn man ihren Bau in die Zeit setzet, da noch nichts sein Daseyn hatte. Die Copter schreiben die Entstehung derselben einem gewissen Könige Saurid * * vor der Sünd- fiuth zu, und dieses suchen sie durch eine auf einer die- O 4 ser * aten Kand. 5. Absch. §. 29. ** -Hcrbelor. bcnm Worte Lhram. x. zir. *** Allgemeine Geschichte, aus dem englischen übersetzt. Th. I. 2i6 Sternkunde bey den Aegyptiern. ser Pyramiden eingegrabene Jnnschrift zu beweisen.* Man sichet hieraus, daß sie zur Zeit des sicilianischen Diodorus wirklich ein Alter von Z40O Jahren gehabt haben mögen; und man kann hieraus sogar einen son« derbaren Synchronismen, nach welchem diese Zeit genau auf die Epoche des zweeten -Hermes fallt, folgern: und diese fallt, wie oben gezeigt worden ist*auf das Jahr zz6r vor unserer Zeitrechnung. Diese Pyramiden endigten sich oben in eine Horizontalebene, und auf dieser sollen, nach der Meinung des Proclus, f die Priester ihre astronomischen Beobachtungen angestellet haben. Allein, es ist fast unwahrscheinlich, daß man in einem ebenen und aller Orten offenem lande, wie Aegypten war, Gebrauch von so hohen Sternwarten gemacht haben sollte, f f Denn gleichwie das Hinaufstci- gen sehr langweilig und beschwerlich gewesen wäre: so konn- te man ja auch auf der platten Ebene, oder wenigstens auf andern gemeinen Gebäuden den ganzen Himmel leicht übersehen. Auch muß man nicht glauben, als ob man vielleicht diese erhabenen Gegenden um den Aufgang der Gestirne desto eher zu erblicken, gewählt habe: denn in diesem heitern lande ist der Horizont stets mit dichten Dünsten begrenzt; und man kann die Sterne daselbst demohngeachtet nicht eher sehen, als bis sie eine Höhe von etlichen Graden erreicht haben, fff ' §- iS- Unter der Pyramide bey Theben soll das Grabmal des Königs Gsimanduas gewesen, und jjene berühmte überaus große goldne Krone, welche im Umfange ;6; hielte * vesiuixt. ok rbe p^rsmiclr. ** Oben. Absch. §. 2 . f ln limseo. ff Eie sind 466 pariser Fuß hoch. ölem. äe l'^csä. äez 8cien. 1761. p. 16.2 fff Niebtchr. Neisebeschreibung nach Arabien. Th. I' Sternkunde bey den Aegpptiern. 217 hielte, aufbewahret -worden seyn: allein man hat die Unmöglichkeit, eine so große Menge von diesem kostba- ren Metalle zusammenzubringen, allerdings erkannt; und man behauptet aus gegründeten Ursachen, daß diese Krone bloß übergoldet gewesen seyn mag. Gedachte Krone hatte einen, in die Sternkunde einschlagenden, Nußen: denn jede Elle ihres Umfangs bezog sich auf einen Tag*. Auf ihrem Umfange war der Auf- und Untergang der Gestirne, und auch die astrolo. gischen Bedeutungen, welche man hieraus zu folgern pfleg, te, bemerkt. Man har die ehemalige Existenz dieses astronomischen Werkzeugs für erdichtet gehalten; und man muß gestehen, daß sich ein küpferner Kreis von Z65 Ellen nach unserer Einsicht fast unmöglich zusam- men schmieden laßt: unterdessen hatten doch die Araber fast eben so große astronomische Gerätschaften**. Warum sollten nun die alten Aegyptier nicht eben das haben leisten können, was doch die Araber erst nach ih. nen geleistet haben? Diese Ungeheuern Kreise scheinen in der That eben nicht wunderbarer, als die Pyramiden, die sogar ein ganzes Stadium hoch, und unten eben so breit und dicke sind. Die Könige wollten in diesen Werken bloße Monumente ihrer Macht und ihres Reich- thumS errichten: und so entstanden diese großen Maschi. nen, ohne auf ihre Brauchbarkeit Rücksicht zu nehmen; denn die ungeheure Größe dieser Werkzeuge verhinderte den Gebrauch. Unterdessen wollen wir doch für die ehemalige Existenz jener Krone eben nicht stehen; wir wol- len nur so viel sagen, daß sich zwey historische Momente auö der alten Sternkunde auf keine andere Ärt als durch den Gebrauch dieses Werkzeugs erklären lassen. Nämlich : wir pflegen noch heutiges Tages die Durchmesser O 5 der * Ororio^»5 A'c«/«§. I.ib. I. keÄ. 2. p. roz. ** Geschichte der neuern Sternkunde. s l 8 Sternkunde bey den Aegyptl'ern. der Sonne und des Monds in zwölf Theile oder Zoll zu Heilen; und der Ursprung dieser Gewohnheit ist leicht zu finden. Die Alten Heilten den Grad in 24 Zoll: * es war also natürlich, daß sie den Durchmessern der Sonne und des Mondes, welche beyde ohngesehr einen halben Grad betragen, deren 12 zueigneten. Allein, es bleibt noch immer die Frage übrig: warum Heilten denn die Alten den Grad in 24 Zoll? Welche Aehnlichkeit hat denn dieses Maaß, das von der Breite eines Fingers hergenommen ist, mit den himmlischen Körpern? Alle Völker des Alterthums, die Indianer, Chaldäer, Persier, und selbst die Aegyptier pflegten den Grad in H2 Theile zu Heilen. Warum bedienten sie sich nun in der Folge der Eintheilung in rr Theile? Die gemeine Elle oder der Ellenbogen hatte in Asien, so wie in Aegypten 24 Zoll oder Fingerbreiten: und es ist klar, daß die Eintheilung der Elle auf den Grad angewendet worden ist. Nun halten wir dafür, daß man diese Anwendung auf keine andere Weise natürlich und wahrscheinlich machen kann, als wenn man den Gebrauch eines kreisförmigen astronomischen Werkzeugs, an welchem jeder Grad eine Elle lang war, vorausseht; und dieses Werkzeug ist genau der Zirkel oder die Krone des Osimandue. Auch andere Nationen pflegten den Himmel nach Ellen abzumessen. Die Chineser, welche noch ißt nur 2 O Zoll auf ihre Elle rechnen, geben folglich dem Durchmesser des Monds und der *** ?rek. clu Laral. — Sternkunde bey den Aegyptiern. 219 man nun diese Gewohnheiten verschiedener Nationen ge- gen einander halt: so scheinen sie allerdings der Wahrscheinlichkeit von der ehemaligen Existenz jenes großen Werkzeugs des Ostmanduas zu entsprechen, und führen uns zugleich auf einen allgemeinen Ursprung dieser verschiedenen Völker zurück. Aber be» den Aegyptiern hat dieses Werkzeug wohl niemals existirt: denn, um dieses zu verfertigen, hatten sie bey weitem nicht genug astronomische Beobachtungen ; und ob man es gleich unter angeführter Pyramide gefunden haben will: so können sich doch die Aegyp. tier, die es etwa aus einer alten Tradition her kannten, zugecignet haben; und seine wahre Existenz wird wohl weit über das Alter der Aegyptier hinaus fallen. Die-. seS erhellet auch daraus, weil pocoke, der die Ruinen des Osimanduasischen Grabmahls in Augenschein nahm, keinen so großen Raum daselbst fand, wo dieses Werkzeug hätte stehen können. Es ist daher wahrscheinlich, daß dieses Werkzeug an einem ganz andern und bequemem Orte horizontal gestanden und zu einem Azimuthalwerkzeuge gedient hat. Denn in dieser Stellung konnte es jenem alten Volke allerdings ungemeine Vorkheile verschaffen und zu vielen Beobachtungen gebraucht werden. §. 20. Gegen den Anfang unserer Zeitrechnung war die Sternkunde bey den Aegyptiern sehr in Verfall gekommen. Man zeigte dem Stxabo, bey seinem Auffent- halte in Aegypten, den Ort, wo die Priester zu Helio- polis die Sterne beobachtet hatten; allein diese Astronomen waren nicht mehr: er fand bloße Priester, die einzig und allein dem Dienst der Religion gewidmet wa- ren; und doch sprachen sie von dem griechischen Philosophen Lhäremon, der ein großer Kenner der Astronomie war und den Aelius Gallus nach Aegypten Leglei- 22o Sternkunde bey den Aegyptier«. tete, verächtlich: denn sie waren selbst in dieser Wissenschaft große Ignoranten und bloß auf die Kenntnisse ih-/ rer Vorfahren stolz. Sie wußten, daß die alten Aegyp- tier ein aufgeklärtes Volk und gleichsam die Quelle des Lichts aller europäischen Nationen waren. Sie zeigten ihm mit besonderer Gefälligkeit die Hauser, wo Eu- doxus und Plato, welche sich von ihren Vorfahren dreyzehen Jahre lang unterrichten ließen, gewohnt hat- ten. Aber sie konnten sich iht auch weiter nichts, als dieser großen Schüler, die sie ehemals gezogen hatten, rühmen. Scrabo führt zwar keine Ursache dieses Verfalls der Wissenschaften an: aber es läßt sich vermuthen, daß jene alte Gewohnheit, vermöge welcher sie keinen als einem Priester den Zutritt verstattcten, zu dieser Vergessenheit viel beygetragen habe. Uebrigens ist auch bekannt, daß sich selbst die Natur des menschlichen Körpers oder die Empfindsamkeit und Kraft der Nerven durch die Länge der Zeit und andere Umstände sehr verändert. Daher folgte auch vielleicht auf den bisherigen Eifer der Aegyptier aus eben den Ursachen ein gewisses un- empfindsames Wesen. Wahrscheinlicherweise hatten sie kein Wörterbuch von ihrer heiligen Schrift; und da man die Bedeutung jener Hieroglyphen nur dem menschlichem Gedächtnisse anvertrauet hatte: so verlohr sich dieselbe nach und nach unmerklich. Dann urtheiltendie Aegyptier von gedachten Hieroglyphen, wie der Blinde von den Farben, und verstanden die Inschriften jener astronomischen Denkmäler nicht mehr. Und hieraus erhellet, daß sie itzt die Sternkunde gar nicht mehr kultivirten und nicht mehr beobachteten. Denn widrigenfalls würden sich auch die Kenntnisse der Hieroglyphen erhalten haben. Außerdem ist auch zu vermuthen, daß die Eifersucht, welche sich zwischen diesen Priestern und der Alex- andri- Sternkunde bey den Aegyptt'ern. 221 andrinischen Schule ereignete, alle Wege zur Erweiterung der Kenntnisse und Einsichten verschloß. Die Priester waren von den alten ägyptischen Königen privilegirt: folglich mußten sie die Stiftung der Alexandrinischen hohen Schule, wo auch Ausländern der Zutritt von den ägyptischen Königen erlaubt war, nur mit Verdruß an- sehen; und die Aegyptier pflogen ohnfehlbar gar keine Gemeinschaft mit den Gelehrten zu Alexandrien. Sie verdoppelten ihre Wachsamkeit, um das Wenige, was sie noch wußten, geheim zu halten. Aber die Alexan- drier kehrten sich daran nicht: sie verlangten nicht einmal mehr ihre geheimen Sinnbilder, welche die Priester vielleicht selbst nicht mehr recht erklären konnten, zu wissen; und in kürzet Zeit erwarb ihnen das erhabene und vortrefliche Genie eines Erarosthenes und Timocha- ris großes Ansehen, und der Ruhm jener astronomischen Priester verschwand. Diese letztem wurden einer Wissenschaft, die ihnen nicht mehr die vorherige Hochachtung erwarb, gar bald überdrüssig; und durch die darauf folgende Nachlässigkeit verloren sich auch die Kenntnisse selbst alle auf einmal. Wir haben hier alles vorgetragen, was man in den Schriften der Alten von der ägyptischen Sternkunde hin und wieder zerstreut findet. Nun haben wir zwar nur etliche wenige Momente, aus welchen sich der Zustand dieser- Wissenschaft bey den Aegyptiern beurtheilen laßt, anführen können; denn eS giebt deren nur wenig, die gewiß und unläugbar sind: allein, wenn mir den ganzen Zusammenhang auf einmal übersehen, und ein Unheil entweder zum Ruhme oder zum Nachtheile der Aegyptier fällen sollen: so müssen wir dieses dem Leser selbst überlassen. Unterdessen kann man doch behaupten, daß sie in den ältern Zeiten mit den Chaldäern mit großem Beyfall gewetteifert haben : aber 222 Sternkunde key den Aegyptier». aber die Chaldäer verdienen demohngeachtet vor den Aegyptiem unsere Hochachtung. Geschiehet hierinne den Aegyptiem unrecht: so sind sie selbst Schuld: war. um verschlossen sie ihre Erfindungen, wenn sie sich einiger rühmen konnten, in die Tempel? Man findet in der Geschichte nichts, woraus man aus ihre gegründeten Kenntnisse in der Sternkunde schlies- sen könnte, als erstlich die winkelrechte Stellung ihrer Pyramiden gegen die vier Weltgegenden; dann ferner die sehr alte Kenntniß des Jahrs von z6; und einem ViertelSkage; und endlich die Entdeckung der wahren Bewegung des Merkurs und der Venus. Vergleicht man diese Erfindungen mit dem, was die Chaldäer in dieser Wissenschaft geleistet haben: so können diese den Aegyptiem den Vorzug durch ihr hohes Alter, durch die lange Dauer ihrer ununterbrochen fortgesetzten Beobachtungen, durch die genaue Bestimmung des tropischen Jahres und der ungleichförmigen Bewegung des Monds, durch die Erfindung ihrer Mondsonnenperiode und durch ihre Kenntniß von der scheinbaren Bewegung der Fixsterne und dem Laufe derKomcten, streitig machen. Demnach verdienen die Chaldäer und überhaupt alle oben angeführte morgenländische Nationen vor den Aegyp- tiern einen nicht geringe» Vorzug; und wenn diese letzter» in der alten Geschichte eben so berühmt, oder gar noch berühmter, als jene sind: so rühret dieses von einem Vorurtheile der Griechen her. Die Griechen legten den Grund ihrer Wissenschaftessin Aegypten und kannten keine andere gelehrte Nation, als die Aegyptier. Sie ließen zwar die Aegyptier in ^ der Folge weit hinter sich; und auf solche Art hätten sie wohl alles auf ihre eigene Rechnung schreiben können: allein die eiteln Gesinnungen einer Nation äußern sich zuweilen auch darinne, daß sie eine andere mit großen Lobeserhebungen herauöstreichk, welche sie, in Rücksicht auf ihre Aufklärung und Wis- Sternkunde bey den Aegyptiern. 22z senschaft, weit übersiehst. Die Griechen waren die er. sten Geschichtschreiber und sahen wohl, daß diese Nation in künftigen Jahrhunderten nur noch in ihren Schriften existiren würde. Haben nicht oft ganze Nationen allgemeine Schwachheiten? Siebenter * Abschnitt. Ueber die Sternkunde bey den Griechen, und von den Philosophen der jonischen Sekte. §. r. ey den Griechen fand die Sternkunde weit spater, als bey andern morgenländischen Nationen ihre Verehrer. Die Griechen waren anfangs ganz unwissend und wurden erst von den phönicischen sowohl, als ägyptischen Pfianzvölkern, die sich mieden Griechen vereinigten und ihre Götter ihre Künsie und Wissenschaften mit dahin brachten, aufgeklärt. Was linsern Gegenstand, die Sternkunde, anbekrift: so hielt diese ihren Einzug bey den Griechen erst im vierzehnten Jahrhunderte vor der christlichen Zeitrechnung : denn damals erlangten sie eine Kenntniß von der künstlichen Himmelskugel; und es ist wahrscheinlich, daß diese Kenntniß eine Frucht jener berühmten Reise der Argonauten war. Alcäus, welcher nachher auch -Her. kules hieß, brachte die Wissenschaft von der Sphäre, die er bey den Persiern und Chaldäern in Asien gelernt hatte , nach Griechenland. Daher sagt man von ihm: er habe die Welt auf seinen Schultern getragen; und der sicilianische Diodor spricht dieses ausdrücklich *. Vermuthlich hat dieser Alcauö auch die Allegorie von dem morgenländischen Herkules, als dem Erfinder des Sonnen- * 2tcn Band. Absch. 6. §. 6. 7. Z. 224 Sternkunde bey den Griechen, Sonnenjahres, und der zwölf himmlischen Zeichen des Thierkreiseö von seiner Reise mit nach Griechenland gebracht : und ihm dem Alcäus, wurde der Nonne -Her. nies ohne Zweifel aus Erkenntlichkeit für die Nachricht und Beschreibung gedachter Himmelskugel, beygelegt; denn in Rücksicht auf Griec^nland war er gleichsam der Erfinder dieses nützlichen Werkzeugs. Auf gleiche Art wurden auch Ehiron und Musäus als Erfinder befiel- ben verehrt: denn Lhiron hatte den Gebrauch befiel, ben erklärt und Musaus die Geschichte der Götter un. ter gewissen Sternbildern an den Himmel und daher auch auf diese Kugel gesetzt. Die Sternbilder der griechischen Sphäre behielten zwar fast eben die Gestalt, die sie auf der chaldäischen hatten: allein da diese, wie oben gezeigt worden ist, bloße Figuren der Menschen und Thie- re ohne Namen waren: so suchte Musäus die alte Geschichte seiner Nation besonders aber die Reise der Argonauten und die damit verknüpften Begebenheiten in diesen Bildern zu verewigen. Auf solche Art errichtete er den Helden seines Vaterlandes ein ewiges Denkmal, und nationalirsirte gelichsam diese Himmelskugel bey den Griechen. Musäus warein Dichter, und die Dichter pfle- gen sowohl ihre Helden als Mädchen zu vergöttern: daher wurde auch Herkules, wegen angeführter Einfüh- rung der Himmelskugel und Sternkunde, nicht vergessen; und diese glückliche Idee gefiel den Griechen unendlich. DenN dieß war ein angenehmes Futter ihrer eiteln Gesinnungen, wenn sie ihre Vorfahren und die Geschichte ihrer Helden gleichsam am Himmel erblickten. Da übrigens Musäus soviel Veränderungen mit der chaldäischen Sphäre vorgenommen hat: so kann man ihm die Erfindung der Himmelskugel, deren wir uns noch ihr bedienen, einigermaßen mit Recht zueignen. und Philosophen der jonischen Sekte. 225 §. 2. Zu eben der Zeit wunderten auch verschiedene andere astronomische Kenntnisse aus dem Orient nach Griechenland. So weiß man, daß Orpheus gewisse Lehren der Sternkunde und eine Göttergeschichte, in welcher er die morgenländische Religion und Astronomie als Dichter besang, nach Griechenland gebracht haben soll. Auch behaupteten die gelehrten Griechen zu allen Zeiten, daß die Verse des Orpheus lauter philosophische Wahrhei- ten und astronomische Grundsätze lehrten. Orpheus war ein Reisegefährte der Argonauten: und er muß seine astronomischen Kenntnisse Ln Aegypten oder Asien gelernt haben. Dichterisch mahlte er diese Wissenschaft deswegen, weil die Dichtkunst damals der einzige Weg, merkwürdige Begebenheiten und brauchbare Entdeckungen zu verewigen, war. Und dieß ist das Buch, in welchem man die Quellen aller jener, zum Thsil sonderbaren, Ideen der Griechen über die Bildung der Welt, über die Veränderungen, welche sie erlitten hat, über die verschiedenen Arten ihres Grundstoffs, über die Verschiedenheit ihrer Bewohner, und über die verschiedenen astronomischen Erscheinungen unter verschiedenen Himmelsstrichen, aufsuchen muß. Die Griechen waren damals, um dergleichen Erscheinungen aus eigenen Geisteöfähigkeiten zu berechnen, oder solche Kenntnisse aus der« Quellen ihres eigenen Geistes zu schöpfen, noch viel zu roh und unwissend. Also konnten sie diese Berechnungen nicht gemacht haben: sondern diese Kenntnisse mußten ihnen bloß aus der Tradition bekannt seyn. Das Gedicht von den Argonauten, welches 750 Jahr vor Christi Geburt * verfertigt worden ist, nennt die Cimmerier, einein die ewigen Finsternisse verdammte Na- * klemolres cle l'^c»ä. cler Inlcrrpnons. 1°. IX. p. ^ 5 . P 226 Sternkunde bey den Griechen, Nation*: unddieß sagt eigentlich Orpheus, welchen Viismakricus redend einführt. Man stehet aber leichte, daß er unter den Cimmeriern die nordischen Nationen, welche jährlich des Sonnenlichts einige Monathe lang beraubt sind, bezeichnet haben muß: denn die Traditionen, auf welche sich Oiiornakrims bezog, waren noch aus den Zeiten des Homers; und dieser sagt fast das nämliche von den Cimmeriern. Jenes Volk, welches nach dem Herdoms*", jährlich sechs Monathe lang den Sonnenschein entbehren inußte, war augenscheinlich jene Nation, die nahe um den Nordpol wohnte. Dieß alles war schon, wie aus den Unternehmungen der Argonauten erhellet, vor den Zeiten des Pythias , welcher unter allen Griechen zuerst eine Reise nach den mitternächtlichen Gegenden wagte, bekannt: und Pythias lebte ohngesehr fünfzig Jahr nach dein Hcro- dorus, und roo Jahr nach dem Onomakrirus. Die Nachrichten von den Unternehmungen der Argonauten scheinen zwar bloß das Werk eines Dichters zu seyn: allein man würde demohngeachket sehr übereilt schließen, wenn man diesen antiken Romanen die wahre Geschichte, die der Dichter zum Grunde gelegt hat, absprechen wollte; der Dichter suchte sein Werk bloß durch das Wunderbare und durch die eingefiochteren sonderbaren Bilder und Episoden zu verschönern. Und das wesemli- che bleibt, ohngsachtet der eingestreueten Fabeln, eine unumstößliche Wahrheit. Also müssen die alten Griechen schon vor dem Pythias die Natur der Nordländer gekannt haben; aber es fragt sich nur: wie sind sie zu dieser Kenntniß gelangt? und wir antworten: die Griechen erlangten sie von * klsmoü'SZ cle 1 '^caä. cier Inü.'1'ipr. 1 °. XII. x. 125. und Philosophen der jonischen Sekte. 227 von irgend einer asiatischen Nation, die durch jenes alte Volk der Welt, welches ehemals unter dem Kosten bis 6osten Grade wohnte, aufgeklärt worden war. Frey» lich suchten nun die Griechen den Ursprung ihrer Sternkunde in dem Orient: denn sie wußten es nicht besser. Orpheus besang sie; und sie ward der Keim von der ganzen griechischen Weltweishrit. §- Z- Linus , der ein Schüler des Orpheus und auch Dichter war, schrieb ein Buch über die Entstehung der Welt und über den kauf des Monds: * allein man begreift leichte, was an dieser Schrift gewesen seyn mag. Denn es war überhaupt vor den Zeiten des Thüles ganz und gar nichts, als nur höchst wunderbar ausgedachte Märchen, in der sogenannten Sternkunde bey den Griechen zu finden. Die Ursache dieser seltsamen Gestalt der Astronomie war ohne Zweifel die morgenländische Bildersprache. Man trug diese Bilder da sie ohnedem der Dichtkunst sehr günstig waren, in die noch uuauögebil- dete Sprache der Griechen über, und da das Wunderbare überhaupt bey jeder Nation am ersten Beyfall findet: so gefiel auch jene fabelhafte Göktergeschichte den Griechen ungemein; die damit umhüllten astronomischen Wahrheiten wurden vergessen: und so verlohr sich die wahre Bedeutung dieser Fabeln nach und nach gänzlich. Unterdessen blieb ihnen doch noch von allen diesen verstümmelten Nachrichten aus dem Orienr die Kennkniß von ei» rügen astronomischen Perioden in ihrer wahren Gestalt übrig: ich meyne, die beyden Perioden von i ro und 10800 Jahren, deren Erfindung man dem Orpheus und Linus zuschriebErstere ist die obenangeführte P 2 Schalt- * Lexicon. unter dem Worte lkrÄm. und AÄA- tt. p. 8. ** 3ten Band. 8> Absch. §. i;. 228 Sternkunde bey den Griechen, Schaltpcriode det Persier: und letztere die drei,mal genommene morgenländische Periode von zöoo Jahren. Man führt zwar auch, mn ein hohes Alter der Ster- kunde bey den Griechen zu beweisen, insgemein den Sohn des vTepcuns, den Aricäus, wie auch die Tochter des Chirons, oder die-Hjppo, und dieUlüuftk, oder die Tochter des Alkmous an; letztere soll Ulysses in der Kenntniß von den Kreisen der Himmelssphäre unterrichtet haben: allein die ganze Sternkunde war damals bey den Griechen überhaupt weiter nichts, als eine ziemlich seichte Kenntniß jener künstlichen Himmelskugel. Tirestas, dieser berühmte Astrologe, hielt die Sterne für belebte Wesen männlichen und weiblichen Geschlechts*; und diese Meynung ist eben nicht sonderbarer als jene, nach welcher die alten Griechen die Quellen, oder den Ursprung irgend eines Flusses, zur heiligen Wohnung wohlthätiger Gottheiten machten: denn die ersten Menschen hielten überhaupt alles, was sich bewegte, für beseelt; und diese, ursprünglich orientalische Idee, war auch mit nach Griechenland gewandert. Uebrigens ist bekannt, daß Tlresias deswegen, weil er den Geheimnissen der Götter nachforschte, von diesen mit Blindheit bestraft worden seyn soll* *. Man stehet aber leichte, daß sich dieser Astronome durch das öftere Beobachten die Augen verderbt haben mag. Dem Galliläns widerfuhr das nämliche Schicksaal auf gleiche Art, und wenn dieser zu den Zeiten des Tirestas gelebt hätte: so würde man diese Begebenheit ebenfalls von dem Zorne der Götter hergeleitet haben; aber verfolgt hätte man ihn damals gewiß nicht so, wie ihm im vorigen Jahrhunderte, das doch auch schon aufgekatt hieß, leider in vollem Maße widerfuhr. §. 4. * >I)'rbolog. 1' III. p. zzy. ** lgilk. cle Is kbilolopble. 1 . I. p. 2lt>. und Philosophen der jonischen Sekte. 229 §. 4 - Man pflegt den Ursprung der griechischen Götterlehre auf verschiedene Art aus der Sternkunde herzuleiten: und mir wollen hiervon einige Beyspiele, ohne diesen Erklärungen beyzupflichten, anführen. Den Prometheus ließen die Dichter auf dem Kau- kasuS anschmieden, und ihm einen Geyer seine Leber, die stets aufs neue wuchs, unaufhörlich aus dem Leibe frcs. sen. Allein nach der wahren Geschichte soll Prometheus, der, als ein tapferer Fürst, die Insel Kreta beherrschte, von seinem Vetter, dem Jupiter, verjagt worden seyn. Er floh nach Scyrhien auf den Kaukasus und, beobchtete daselbst die Sterne. Um nun entweder sein unermüdeteö Bestreben nach dieser Wis» senschaft, oder den Kummer über den Verlust seiner Herrschaft abzubilden, schuf man einen Geyer, der ihm die Leber fraß". Lndymion, Dianens Liebhaber soll ein Astrono- me gewesen senn, der durch tiefes Nachdenken die ungleichförmige Bewegung des Monds entdeckt und die Ursachen davon erklärt hat* **. Phaeton, welcher nach den poetischen Beschreibungen der Kutscher des Titans war, und, nachdem er mit seinem umgeworfenen feurigen Wagen die Erde angebrannt hatte, in den Po gestürzt worden seyn soll, war nach der Meynung deS plucarchs s ein Astrono- me und Fürst der Molosser, welcher ein große Dürre, die sein ganzes Reich verwüstete, voraus verkündigt haben soll. Aber nach der Meynung des Lucians f f soll Phaeton bloß den Lauf der Sonne fleißig beobachtet, P z und * La-m/e»-. ^kk. 1°. I. x. 120. ** IVr'»r»5. l.. II. c. Y. k LebanSbeschreibung des pyrrhus. j z Abhandlung über die Astrologie. 2z« Sternkunde bey den Griechen, und über deren Natur philosophirt haben. Da er nun sehr frühzeitig starb und seine unternommenen Arbeiten nicht vollendete: so sagten die Dichter: jchhaeron konnte den Wagen de6 Trcans nicht bis aa das Ende seiner Laufbahn bringen; er warf ihn um: und so mußte er denn freylich die Erde anzünden. Aber dies war vorzüglich eine ganz sonderbare Fa- bel, daß die Sonne, aus Schrecken vor jenem grausamen Mahl des Acretto in ihrer geraden Bahn aufgehalten wurde, und furchtsam zurück lief. Euripides und einige andere Schriftsteller eigneten dem Arreus die Entdeckung des eigenkhümlichen Laufs der Planeten, aus Abend gegen Morgen, zu. * Andere sagen: er habe die Ursache der Finsternisse gekannt; und da dieSon- ne bey ihrer Verfinsterung verschwindet, oder gleichsam unter zu gehen scheint: so hatte man durch gedachte Fa. bel diese natürliche Begebenheit, deren Ursache dem Arreus damals allein bekannt war, andeuten wollen. Allein ist es wohl wahrscheinlich, daß die Dichter der- gleichen nützliche Entdeckungen unter einem so entsetzlichen Bilde verstellten? Arreus schlachtete seine eigenen Kinder und setzte sie seinem Bruder dein Thyc- sta zu essen vor. Was hat nun diese grausame Handlung, vor der die Natur erzittert, mit dem periodischen Umlaufe der Planeten für einen Zusammenhang? §- Sophokles eignete dem palamedes, einem der vornehmsten griechischen Helden vor Troja, die Ein- theilung der Nacht in verschiedene Nachtwachen zu: und diese Abtheilnng soll ^alamedas nach den korrespon- direnden Sternböhen eingerichtet haben. Auch habe dieser palamedcs, wie Sophekles behauptet, den grie- * tnüiu'i. c. 2 ;g. Kn-rK". 6sv!;r I.. I. p. 2 Z. dritte. VrrmoloZ. c. I. p. 122. und Philosophen der jonischen Sekte. 2zi griechisches Steuermännern, sich bey ihrer Fahrt nach dem Gestirne des großen Bares, und nach dem Untergangspunkte des Sirius zu richten gelehret. * Auf solche Arc erwarb sich Griechenland seine ersten Kenntnisse durch die Reise der Argonauten, und wurde durch den langen Auffenthalt seiner trojanischen Helden in Asien aufgeklärt. Dann ertheilte man diesen Wissenschaften das Bürgerrecht, und die ersten Gelehrten unter ihnen wurden für die Erfinder der Wissenschaften selbst gehalten. Ihre ersten astronomischen Kenntnisse erstreckten sich bloß auf die Begriffe von dem drei) monathlichen und halbjährigen Zeitmaße: aber sie bedienten sich doch anfangs vorzüglich nur des Mondenjahres; sie kannten demohngeachtet auch das Sonnenjahr einigermaßen. Denn dieß erhellet daher, weil sie, um ihr Mondenjahr mit dem Laufe der Sonne zu vergleichen, zuweilen drey- zehen Mondenmonathe auf ein Jahr rechneten. Allein man begreift leicht, wie wenig genau dergleichen Ein- schaltungen, bey einem Volke, das selbst den Himmel nicht beobachtete, gewesen seyn mögen. Der Einfluß dieser unordentlichen Lange des Jahres erstreckte sich noth- wendiger Weise auch auf den Ackerbau, und sehte den Landmann wegen der Aussaat und Aernde in Verlegenheit. Daher wurde endlich für gut befunden, die Zeit der Aussaat, nach dem Beyspiele der orientalischen Völker durch die Erscheinung merkwürdiger Sterne anzuzeigen. Denn die Griechen hatten auf ihren verschiedenen Reisen nach Chaldäa und Aegypten diese Gewohnheiten daselbst bemerkt und führten sie nun auch in ihrem Vaterlande ein. Der Einfluß der verschiedenen Polhöhen dieser verschiedenen Länder, war in Rücksicht auf die Erscheinung des Sirius für nichts zu achten. Also mach- P 4 ten * läerer. vek. äe 1s Lbronol- p- 16. 2Z2 Sternkunde bey den Griechen, ten sie aus gedachten Bemerkungen der Gebrauche fremder Nationen einen Kalender zu Behuf des Ackerbaues in ihrem Vaterlande; die Griechen wurden nunmehro selbst aufmerksam auf die vorgefchriebenen Erscheinungen gewisser Sterne gemacht: und auf solche Art bestand die Sternkunde in Griechenland lange Zeit in dieser angeführten Art von Beobachtungen zum Behuf des Ackerbaues. Anfangs bestimmten die Griechen die Punkte der Nachtgleichen und Sonnenwenden durch das Hervorrücken veisschiedener Sterne aus den Soonenstrale». Denn so sagte man zum Beyfpiel: der Hundstern erscheint den vierten Tag nach der Sommersonnenwende zuerst in der Morgenröthe. Allein da sich die Punkte der Nachtgleichen und Sonnenwenden in Rücksicht auf die sämmt- lichen Fixsterne stets gegen Abend bewegen: so siehet man leicht, daß diese Bestimmung nach einigen Jahrhunderten bey weitem nicht mehr passen konnte. Da nun die Griechen in den folgenden Zeiten ebenfalls fremde Lander, in welchen die Sternkunde eifriger betrieben wurde, besuchten: so brachten sie auch ißt die neuesten astronomischen Bestimmungen mit nach Hause, und verbesserten dadurch ihre alten Regeln. Denn Beweiß dieses Saßes könnten wir aus verschiedenen alten Schriftstellern , die dergleichen Regeln anführen, ohne große Mühe herholen. Denn da einige derselben die Sommerson- uenwende auf den vierten Tag vor der Erscheinung des Hundsterns, und andere den Zwecken oder den ersten Tag vor dieselben setzten: so kann man daraus nicht nur auf die verschiedenen Verbesserungen ihres Kalenders schlies- sen, sondern auch die Zeit bestimmen, in welcher dergleichen Berichtigungen angebracht worden sind. Die erste griechische Zeitabtheilung beruhete auf den Gründen der Sphäre des Lhiron und Musäus: und diese und Philosophen der jonischcn Sekte. 2zz diese ward in den kriegerischen Jahrhunderten, wo die Tapferkeit der einzige Weg, berühmt und groß zu werden, war, wenig geachtet: man war auf keine Verbesserung bedacht. Man bemerkte, bis auf die Zeiten des Hcstodms, mit welchem sich die Epoche einer neuen Zeitbestimmung ansieng, nicht einmal die Unrichtigkeit der erstem. §. 7- Letzt gedachter Dichter scheint ganz gute astronomische Kenntnisse besessen zu haben. Denn die Nachrichten , die er in seine Gedichte von dem Hervorücken der Sterne aus den Sonnenstralen eingewebk hat, passen nicht nur sehr genau auf sein Zeitalter, sondern man er- kennet auch daraus, daß man damals dergleichen Erscheinungen mit der größten Genauigkeit beobachtet haben muß. * -Homer hatte weniger astronomische Kenntnisse, als Hestodus , und wußte sie noch dazu nicht gehörig anzuwenden. Denn es war ihm zwar nicht unbekannt, daß die Sonne in gewissen Ländern im Sommer gar nicht unkergieng und im Winter hingegen einige Monathe lang gar nicht über den Horizont herauf stieg: allein er wußte nur nicht, daß dieses eigentlich bloß nahe um den Pol Statt fand. Er sagte dieses von dem Lande der Cimme- rier, welche uin den mästischen See herum wohnten. Da nun Homer einer der gelehrtesten Männer seines Jahrhunderts war: so folgt, daß die Sternkunde und Erdkenntniß iooo Jahr vor Christi Geburt wenig oder gar nicht kultivirt gewesen ist. Sie waren daher damals noch nicht, um die Wissenschaften zu erlernen, in fremde Länder gereist; und ihre ganze astronomische Kenntniß gründete sich auf verstümmelte Traditionen, die P 5 selbst * 2tm Band. Absch. 6. §. lZ. 14. 2Z4 Sternkunde bei) den Griechen, selbst der Nation, von welcher sie zu den Griechen gebracht wurde, nicht eigenthümlich gewesen seyn mögen. Dieser Umstand beweist abermals, daß die Stern- künde und überhaupt alle Wissenschaften anS den Nordländern durch Asien nach Griechenland gebracht worden sind. Die Namen der Länder und nördlichen Nationen waren vergessen: man wußte von diesen nördlichen Erscheinungen des Himmels nur noch wie im Traume zu reden. Und die Griechen setzten dergleichen Begebenheiten deswegen in das Land der Eimmerier, weil sie keine andere Nation, die näher gegen den Pol wohnte, kannten. §- 8 . Zu den Zeiten des Homers und Hestodus bestand das griechische Jahr aus zwölf Monathen oder aus z6o Tagen': ^ das Mondenjahr hatte man ohnfehlbar deswegen , weil es von dem jährlichen Umlauf der Sonne zu weit abwich, abgeschafft. Aber, da die Griechen hierinne ganz zum Erstaunen unwissend unwissend waren: so half ihnen auch diese Verbesserung des Mondenjah- res nicht nur nichts, sondern sie gab noch dazu zu grös- sern Jrrthümern Anlaß. Nämlich: sie pflegten von gedachter Verbesserung 'nach jeden zwey Mondenjahren einen ganzen Monakh einzuschalten; und nun wurde auch diese Gewohnheit nach gedachter Verbesserung nicht abgeschafft : denn man fand sie noch zu den Zeiten des He- rodorus und Hippokraces. Gedachte Schaltperiode von zwey Jahren hieß Dieteris. Sslon bemüheke sich zwar dieser Verwirrung abzuhelfen und führte die vollen und abgekürzten Monathe, von 29 bis ;o Tagen ein: allein auf diese Art entstand aufs neue ein bloßes Mondejahr, und die Griechen wollten nicht nur ihr z6okägiges Jahr, sondern auch die Gewohn- * 2kn Band. 6. Absch. §. 16. und Philosophen der jonischen Sekke. 2zz Gewohnheit, allen zwei) Jahren einen ganzen Monath hinzu zu thun, schlechterdings beybehalten. UebrigenS wurde dieses Gesetz des Solons nur zu Athen befolgt. Das übrige Griechenland behauptete für dießmal noch immer fort seine alte Gewohnheit. Solchergestalt würde die griechische Zeitrechnung, ohne di,' olympischen Spiele, gar bald ganz zernichtet und verwirrt worden seyn. JphitUS, der König zu EliS, welcher gedachte Spiele erfand, oder wenigstens diese Gewohnheit aufs neue einführte, befahl, daß sie allezeit nach vier Jahren in der Mitte des ersten Mo- naths nach der Sommersonnenwende gefeuert werden sollten. Nun hatte das olympische Jahr nur z6r oder e;e> i Tage: * also würde sich der 'Anfang einer jeden Olympiade um vierzehn Tage von der Sommersonnenwende entfernt haben, wenn die Griechen dieses Fest nicht durch die Erscheinung eines gewisten merkwürdigen Sterns bestimmt hatten: denn widrigenfalls hätten diese Spiele nach so Jahren mitten im Winter gehalten werden müssen. §- 9 - Lasten Sie uns bey dieser Gelegenheit einen Blick auf Welschland werfen: und wir werden itzt daselbst einige sonderbare Seltenheiten der Sternkunde bemerken. Die alten Bewohner dieser Halbinsel richteten sich, wie Solinus, steusorimls und piurarci) berichten, nicht nach dem Laufe des Monds oder der Sonne: sie hatten vielmehr zwo Gattungen von Monathen, deren eine sechzehn, und die andere fünf und dreyßig Tage enthielt; und wenn uns angeführte Gelehrte die Wahrheit überliefert haben: so ist dieses ohnsehlbar das einzige Beyspiel eines Zeitmaaßes in der ganzen Geschichte, welches nicht auf astronomischen Gründen beruhet. Auch 2tcn Band. 6. Ab sch. §- 17. 2Z6 Sternkunde bey den Griechen, Auch dieß war ein sonderbarer Fall, daß Romu- lus zehnmonathliche Jahre, deren also jedes nur Tage enthielt, cinführte: * und man sichet gar den Grund nicht davon ein. Den Kamschatalen wird doch )>omulus diesen Einfall nicht etwa abgeborgt haben? diese rechnen ebenfalls nur zehn Monathe auf das Jahr: allein die Kamschatalen hatten auch gegründete Ursachen dieser Eintheilung. Denn sie richteten sich hierinne nach ihren Feldarbeiten und rechneten für den Winker oder für die Zeit des Müssggangs, die ohngefehr drey Monathe dauerte, nur einen einzigen Monath, ** Unterdessen weiß man doch, daß die Römer den Gebrauch des Mondenjahres von Z55 Tagen gar bald einführten: und man halt dafür, daß Evander, der den alten Dichtern zufolge, einige Zeit vor dem trojanischen Kriege nach Weschland gezogen seyn soll, die Aborigc- ncS nicht nur im Lesen und Schreiben, wie auch in der Wissenschaft das Feld zu bestellen, unterrichtet, sondern ihnen auch den Gebrauch des gedachten Mouden- jahres gelehrt habe. Einige eignen auch diese Verbesserung des Jahres dem Aeneas zu:*** allein es ist noch allerdings ungewiß, ob Aeneas den Rest seiner Trojaner in der That nach Welschland geführt und zu- gleich einige morgenlandische Kenntnisse aus der Sternkunde mit dahin gebracht hat.s Evander hingegen soll der Sohn einer Sibylla gewesen seyn. II Nun haben wir oben gezeigt, daß die rumänische Sibylle, eine Tochter des Berosus war; also könnte man leichte so schlief, sen: Evander war ein Enkel des Berosus, der die .> astrono. * oten Band. 6. Absch. §. 18» ** XI r. 1'^bbe Vo^LAS en 8^berie. 1. XVI. *** Oe Omen6srioneremp.I.tb. IV. psg. 2Fo. f Xlem. cle I'/^crul. äes Inle- 1- XVI. p. qiz. ff I.. I. c. 5. 7- und Philosophen der jonischen Sekte. 2Z7 astronomischen Kenntnisse seines Großvaters aus Asien nach Griechenland und dann nach Welschland brachte. LTunia, der zweete römische König befahl ebenfalls, das Jahr nach dem Laufe der Sonne einzurichten: er ließ daher aller zwey Jahre einen ganzen Monath von 22 Tagen einschalten. Allein Numa kannte die Größe des Sonnenjahres ziemlich genau; er wußte, daß eS um eils und ohngefehr einen Viertelstag größer, als das Mondenjahr war: daher multiplicirte er, um 90 Tage heraus zu bringen, diese Eils und ein Viertel mit 8; dann theilte er die 90 Tage in zween rrtagige und zween 2 ztägige Monathe: und von diesen wurde sofort aller zwei) Jahre wechselsweise einer eingeschaltet. Die Griechen waren zu dieser Zeit in Rücksicht auf die Bestimmung der Jahre weit hinter den Römern: denn man findet den Gebrauch gedachter achtjährigen Schaltperio- de des LTuina bey den Griechen erst nach zwey Jahrhunderten. UebrigenS flehet man doch, daß sich auch auf diese Art noch einige Unordnung in die Bestimmung des römischen Jahres eingeschlichen haben muß. Denn das Mondenjahr enthielt nicht z55 Tage, sondern nur zz4 und noch etwas weniges darüber: aber Numa veränderte diese Größe deö Mondenjahres, wegen der ungeraden Zahl, die ihm heilig war, nicht. Und auf solche Art war sein Sonnenjahr doch beynahe um einen ganzen Tag zu lang. Doch diesen Fehler suchte er auf folgende Art abzuhelfen. Er ließ in der dritten achtjährigen Periode nur drei) rrtagige Monathe einschaltcn: denn diese machten zusammen 66 Tage aus; und da auf solche Art noch 24 Tage von jenen vier Monathen übrig blieben: so war dieß beynahe gerade die Zeit, um welche der Anfang ihres neuen Jahres in 24 Jahren, oder nach drei) Perioden vorwärts gerückt war. Und durch das Wegwerscn der gedachten 24 Tage würde der Anfang des Jahres wieder in die gehörige Ordnung ge. bracht. 2 Z8 Sternkunde bey den Griechen, bracht. * Man darf sich aber eben nicht wundern, daß dieser weise König, der so heilsame Gesetze entwarf, und die Bewegung der Himmelskörper so gut kannte, seiner Idee von der sonderbaren heiligen Natur, einer ungeraden Zahl, das allgemeine Beste seiner Römer, in Rücksicht auf die Ordnung ihrer Geschäfte und Bestimmung der Zinsen aufopferte: denn man findet dergleichen Bey- spiele von ähnlichen Vorurthcilen, die man gleichsam zu Glaubensartikeln gemacht hat, auch noch bey den aufgeklärtesten Nationen unserer Zeiten; die Finsterniß der Nacht fliehet zwar vor den Stralen der ausgehenden Sonne schnell dahin: aber hinter dem dicken Walde, durch den sich auch nicht einmal einzelne Stralen hindurch stehlen können, und hinter jenen herüber Hangenden Ungeheuern Felsen, da bleibt doch noch viel Schlagschatten zurück. So lange als noch finstere Körper existiren werden: so lange wird man auch neben dem Lichte Schatten antreffen; und wo Menschen seyn werden: da wird sich auch Jrrthum und Thorheit unter die Wahrheit und Weisheit incngen. Uebrigenö sagt man auch: Nuina habe sogar das wahre Weltsystem gekannt, und die Sonne mitten in unser Planetensystem gesetzt. Aber, wo er alle die Kenntnisse her hatte, wissen wir nicht und gehen wieder nach Griechenland. §. IO. Thales, der zuerst den Grund der Sternkunde bey den Griechen legte, ward im Jahre 641 vor Christi Geburt zu NNlcttlö von erhabenen Aeltern gebohren: denn sie waren Nachkommen der phönicischen Könige. Als Jüngling gieng er, um sich in der Religion unterrichten zu lassen, nach Creka: dann führte ihn, bey rei- ferm Alter, sein Geschmack an den Wissenschaften, auch nach * I.ll>. I. c. lg. und Philosophen der jonischen Sekte. 259 nach Aegypten. Hier ließ er sich anfangs von den Priestern in der Sternkunde unterrichten: und dann legte er diesen verschiedene Ausgaben vor, die sie selbst nicht auf- zulösen mußten: denn er lehrte ihnen die Höhen ihrer Pyramiden, aus der Lange des Schattens bestimmen." Als er wieder in sein Vaterland zurück gekommen war: dann lehrte er auch diese erworbenen Wissenschaften seinen Landsleuten. Er zog eine Menge würdiger Schüler, und diese wurden in der Folge die Philosophen der jonischen Sekte genannt. Seine vornehmsten Lehren waren folgende: die Sterne sind der Erde ähnlich: nur mit diesem Unterschiede, daß bey jenen vorzüglich das Feuerelement die Oberhand behauptet; der Mond ist ein undurchscheinender Körper wie die Erde, und entlehnt sein Licht von der Sonne; der Mond tritt zuweilen vor die Sonne und verursacht eine Sonnenfinsternis; eine Mondfinsterniß entstehet, wenn der Mond in den Schatten der Erde kömmt; die Erde ist kugelförmig und vermittelst etlicher Parallelkreise, oder vermittelst der beyden Polarzirkel, Wcndezir- kel und Mittellinie in fünf verschiedene Erdgürtel abge- theilt; und die Mittellinie wird von der Ekliptik schief, von dem Meridian hingegen rechtwinkelicht durchschnitten. Also brachte Thüles, die Keunkniß von der Ein- theilung der Himmelssphäre und Erdkugel zuerst nach Griechenland: denn vor ihm war die Sphäre der Griechen weiter nichts als eilt Verzeichnis; der Sternbilder. Aber diese nützlichen Lehren fanden demohngeachtet keinen allgemeinen Beyfall. Denn dies erhellet daraus, weil -Herodorus noch zweyhundert Jahr nach dem Thalcs von dem allen nichts wußte: und doch war er einer der größte!, griechischen Gelehrten. Wären ihm die Lehren des Thales bekannt gewesen: so hatte er als Gcschicht- schrei- * 2ten Band. Absch. 6 . §. 22. 240 Sternkunde bey den Griechen. schreibet von einer Sonnenfinsterniß gewiß nicht sagen können: die Sonne verschwand und die Nacht setzte sich an die Stelle des Tages. Thaies machte sich, besonders durch die Vorherbestimmung einer großen Sonnenfinsterniß, unter seinen Griechen berühmt. Allein da Thaies diese Kunst bey den Aegyptiern gelernt hatte; und da diese dergleichen Erscheinungen nur nach gewissen Perioden berechneten: so begreift man leichte, daß diese Bestimmung des Thüles eben nicht sehr genau zugetroffen haben mag *. Man saqtauch: Thaies habe den scheinbaren Durch- Messer der Sonne in Theilen deö Zirkels bestimmt und ihn auf den 72osten Theil des ganzen Kreisumfangs, oder nach unserer Eintheilung auf einen halben Grad gesteht. Nun konnte Thüles diese Bestimmug frenlich nicht selbst gemacht haben; denn er hacke nicht die dazu nöchigen Werkzeuge: und man sichet wohl, daß er die mittlere Proportionalzahl aus jenen zwo ägyptischen Bestimmungen, deren eine den 7ooken und die andere den 7;osten Theil des ganzen Himmels für den Durchmes. ser der Sonne gab, genommen haben muß**. §. ir. pherecydes, der auch zu den Zeiten des Thaies lebte, soll auf einer Insel nahe bey Syrien ein Werkzeug gebauet haben, welches die Sonnenhöhen abzumessen diente*** Allein dieses Werkzeug, welches ohne Zweifel weiter nichts als ein Gnomon war, wurde in Griechenland erst durch den Anaximandeu, der ein ähnliches zu Sparta errichten ließ, bekannt. Dieser Philosoph und Nachfolger des Thaies ward im Jahre 6io vor unserer Zeitrechnung zu MiletuS geboren. Die alten Schrift- * 2ten Band. 6. Absch. §. 24. ** Ebendaselbst. §. 2;. und Philosophen der jonischen Sekte. 24k Schriftsteller eignen ihm zwar auch die Erfindung der Sternbilder und die Einkheilung des Thierkreiscs in seine zwölf Zeichen zu: allein diefi alles war ja auch schon dem Thales und den noch altern Griechen bekannt? Anaximander wird daher diese Kenntnisse wohl nur in Lacedamon, wo sie vorher noch immer waren zurück gewiesen worden, eingeführt haben. Uebrigens errichtete Anaximander in dieser Stadt auch einen Gnomon. Aber dieser Gelehrte verdient besonders, wegen seiner Erdbeschreibung und wegen seines Entwurfs einer Gattung von Landcharten, unsere Dankbarkeit; denn ob gleich nicht zu laugnen ist, daß schon eine gewisse Kennt- niß der Lander existirt haben muß: so sammlete doch Ariaximander diese zerstreueken Nachrichten zuerst, und machte sie zu einem allgemeinen Gebrauche geschickt; man weiß nämlich, daß noch itzt einige amerikanische Nationen ihre Marschrukhen auf Thierhaute mahlen, da dann diese Verzeichnisse fast wie unsere Landcharten beschaffen sind*: und dieß werden die alten asiatischen Völker auch gethan haben. Die Alten hakten daher schon vor den, Ariaximander eine Menge von dergleichen Reisen ausgezeichnet, und bedienten sich derselben zu ihrem Unterrichte. Und derjenige, welcher sie sammlete, oder aus diesen einzelnen Verzeichnissen ein zusammenhängendes Ganze entwarf, muß allerdings für den Erfinder der Landcharten gehalten werden. Auch ist es wahrscheinlich, daß diese Arbeit schon von den Aegyptiern unternommen worden seyn mag: denn Gesostris soll zu Ara in Colchis gewisse Säulen errichtet haben, auf welchen die bekannten Lander und Meere in ihrer Lage abge- mahlt waren. Vielleicht haben die Griechen dieses Verzeichniß benutzt, und die Nachahmung Mit tnihr Vaterland zurück genommen. Vielleicht findet man auch hier die * kvlosuis äes LLavaZer« 1. II. x, 22;. Q 242 Sternkunde bey den Griechen, die Quelle, aus welcher -Homer, der sich auch wegen seiner geographischen Kenntnisse so vortrefiich auszeichnet, geschöpft hat. Aber Anaxünander bleibt deswegen demohngeachtet der erste Geograph. Der berühmte Damville schließt aus einer Stelle des Drogenes Laerrms, daß Anarimander auch den Erdball ausgemessen habe*: allein unsers Erachtens ist dieser Gedanke demAnapimandcr niemals eingefallen; und man hat hier gedachte Abzeichnung der bekannten Länder ohnstreitig mit deren Ausmessung verwechselt. Auch findet man, daß einer so wichtigen Arbeit, wie die Ausmessung der Erde ist, von den alten Geschichtschreibern allemal mit Ruhm sehr ausführlich gedacht wird. Sollte denn nun diese allein die Aufmerksamkeit der Nation nicht auf sich gezogen haben ? Man kennt ja den Nario. nalstolz der Griechen, und sie würden dieses Unterneh. men ohne allen Zweifel nicht nur in ihren Geschichtsbüchern, sondern auch auf ihren Jnnschrisccn und selbst in den Gedichten verewigt haben. Aber das Verzeichniß der Erde war damals in sehr enge Grenzen eingeschränkt: denn man wußte nicht nur von der ganzen südlichen Halbkugel nichts, sondern man war auch der sämmtlichen Nordländer ganz unkundig. Daher blieb ihnen nichts, als ein langer Strich Landes, der sich etwa von dem caspischen Meere, bis an das westliche Ende Europens erstreckte, übrig. Die Ausdehnung dieser Landcharte erstreckte sich also aus Morgen gegen Abend viel weiter, als aus Mitternacht gegen Mittag. Und dieß ist auch die Ursache, warum inan die erstere Ausdehnung noch heut zu Tage die La rge, letztere hingegen, die Breite nennt. Uebrigens muß das Verzeichnis; dieser wenigen Län. der bey dem Griechen demohngeachtet auf einer sehr grossen * ller d>1elui'Si üinsrairer. x- 8Z- und Philosophen der jonischen Sekte. 24z sen Fläche entworfen gewesen seyn: denn man weiß, daß es dem Sokrates in Vergleichung feines Vaterlandes überaus groß vorkam, und daß er den Alcibiades, um seinen Stolze zu demüthigen, auf die Betrachtung die» ser Landcharte verwieß. §. 12 . Das wäre doch ganz sonderbar, wenn Aiiapiman- der wirklich gesagt hatte: die Erde hat die Gestalt einer Säule; die Sonne und der Mond hingegen sind hoh» le, mit Feuer angefüllte Walzen; diese Walzen haben auf ihrer Oberstache ein Loch, durch welches das Feuer herausfahrt; und wann dieses Loch durch irgend einen Zufall verstopft wird: dann entstehet eine Finsterniß* ** '. Thales kannte die wahren Ursachen der Finsternisse: also mußte sie sein Schüler auch kennen. Und die Neigung des Menschen, nur etwas neues zu sagen, kann ihn doch nicht so weit verleitet haben. Diogenes La» errms und Eudemus bringen uns ganz andere Ideen von dem Anaximander bey * * ? Und man muß überhaupt von großen Männern nichts, als was mit ihrem einmal erworbenen Ruhme übereinstimmt, glauben. Er behauptete, daß die Sonne ein reines Feuer sey, und daß sich die Erde um den Mittelpunkt der Welt bewege; über die Natur des Monds dachte er fast eben so wie Thales: aber er nahm doch auch ein eigenes Licht in dem Monde, welches aber ungemein schwach sey, an. Man sollte fast schließen: Anapimander habe den blassen Schein oder die Milchfarbe des Monds, welche man kurz nach dem Neumonde auf seiner dunkeln Seite stehet, beobachtet. Dieses schwache Licht ent» Q r stehet * Oe plscüis pbilolopk. I-. II. c. 20. 2l. 2 ;. l.. III. c. 10. ** In * 2ttn Band. 8 - Abfch. §. 1«. 244 Sternkunde bey den Griechen, stehst von den zurückprallenden Sonnenstralen, die sich von der lichten Hälfte der Erde auf den finstern Theil des Mondeö hinabsenken, und von da aufs neue, fast wie die Lichtstralen zwischen zween Spiegeln, gegen unsere Erde zurückprallen: aber Anatzimander sah dieß freylick nicht ein. Daher glaubte er ganz natürlich: der Mond habe, nebst dem von der Sonne entlehnten Lichte auch sein eigenes, welches aber viel schwacher als jenes wäre. Allein vielleicht sah er auch das röthliche Licht, welches der Mond bey gänzlichen Verfinsterungen noch zuweilen behält und welches, wie bekannt, von der Stra- lenbrechung in dem Dunstkreise der Erde entstehet. Doch ihn mag nun die erster? oder die letztere Erscheinung zu angefühtec Idee von dem eigenthümlichen Lichte des Monds veranlaßt habe»,: in beyden Fällen macht ihm wenigstens die Bemerkung dieses Phänomens viel Ehre. Die Ursache desselben wissen wir itzt freylich besser: aber es giebt doch auch noch andere Erscheinungen, die wir vielleicht auch nicht besser erklären würden. Ana,rimander lehrte auch die Vielheit der Welken. Denn diese, in den Gedichten deö Örpheus enthaltene Meynung, wurde von allen griechischen Philosophen, welche die Größe und Anständigkeit derselben in Rücksicht auf den Urheber der Natur empfanden, durchgängig angenommen. §- 'Z- ^ . Aach Anaxrmandern wurde Anaximenes, der ebenfalls zu Miletus im Jahr 554 vor der christlichen Zeitrechnung geboren war, Rektor der jonischen Philosophen. Dieser lehrte nicht viel neues, sondern blieb dem Thaies und Anarimüllder, in allen ihren Meinungen in den meisten Fällen getreu. Aber man eignet ihm, so wie seinen Lehrern, lächerliche Meinungen zu. Man sag!', zum Deyspiel: er habe die Erde für eine Ebene gehalten; aber diese Beschuldigung wird dadurch, weil und Philosophen der jonischen Sekte. 245 sein Lehrer Thaies ihre kugelförmige Gestalt allerdings kannte, vollkommen widerlegt*. Vielleicht brachte das Verzeichniß der Länder des Anapimander, welches den Unwissenden in diesem Fache eine Idee von der ebenen Gestalt der Erde beyzubringen schien, einige Gelehrte auf den Irrkhum, als ob gedachte Philosophen die Erde in der That für eii cn Teller gehalten hatten. Aaaximems war der erste, der den Himmel für einen festen Körper hielt, plmarch** sagt: er habe sich den Himmel aus reiner Erde, oder aus einer dichten und zugleich höchst feinen Materie zusammengesetzt, vorgestellek. Damals konnte man freylich noch auf die Gedanken kommen, als ob die Sterne wie goldene Zwacken in das saphirne Gewölbe deö Himmels geschlagen waren. Er soll auch die Sonnenuhren erfunden haben. Allein, ob man ihm diese Ehre, wegen des Gnomonö, den Anapiinander zu Lacedämon errichtet hatte, eben nicht sehr hoch anrechnen dürfte: so fallt doch der Ruhm sowohl dieser als jener Erfindung wahrscheinlicherweise gar nicht auf die griechisch Philosophen zurück. Bero- sns jener große Astronome brachte den Gnomon, dieEin- theilung deö Tages in zwölf Stunden und ohnfehlbar auch die Sonnenuhren aus Asien, wo diese Kenntnisse überhaupt schon langst zu Hause gewesen waren, nach Griechenland. Allein damals bekümmerten sich die Griechen um dergleichen babylonische Neuigkeiten wenig: ihnen gefiel bloß die Einteilung des Tages in zwölf Thei- le, ohne sich um eine sonderliche Genauigkeit dieser Thei« le zu bekümmern; man vergaß den Gnomon und den Sonnenzeiger des Berosns ganz. Aber Anaximan- der und sein Nachfolger spaheten diese nützlichen Werk- e Q z zeuge * Os plrcitiz kbllok. O. III, c. IO. ** Ibiäem. I.. II. c. II, 246 Sternkunde Key den Griechen, zeuge ohnsehlbar wieder aus; sie entrisstm üe der Unwis. senheic: und machten diese Kenntniß von neueni brauchbar. Man keimt übrigens die Gerechtiqkeitöliebe der Griechen schon, vermöge welcher sie sich die Ehre fremder Erfindungen selbst zueigneten. Ehe Auaximenes die Sonnenzeiger erneuerte, da richteten sich die Griechen in der Bestimmung ihrer Thei- le des Tages bloß nach der Länge des Schattens irgend einer Säule. So war es bey ihnen Mittag, wann die Länge dieses Schattens zehen oder zwölf Fuß betrug u. s. w. Und die Aufsicht über dieses Fortrücken des Schattens war gewissen Sklaven, welche von der bestimmten Längen des Schattens zu verschiedenen Zeiten des Tages Nachricht ertheilen mußten, anvertrauet.* §. ,4. Dann folgte Anaxarzsras von Clazomena, der im Jahr 500 vor unserer Zeitrechnung geboren war. Die- ser vemachläßigte alle feine eigenen Angelegenheiten sowohl als die öffentlichen Geschässte des Staats und betrachtete bloß die Erscheinungen der Natur. Als man ihn erinnerte, daß er doch auch auf das allgemeine Beste seines Vaterlandes Rücksicht nehmen sollte, da gab er zur Antwort: meine Augen, sind stets gegen mein Vaterland gerichtet und wicß gen Himmel. Man fragte ihn ferner: worinne bestehet die natürliche Bestimmung des Menschen? und er antwortete: darinne, daß er die Sterne betrachtet. Dergleichen enthusiastische Gesinnungen dürfen uns eben nicht befremden. Aber wir wollen ißt seine Lehrsätze anführen. Er sagte: dis obere Gegend der Welt nenne ich Ac- ther, und dieser bestehet aus einem reinen Feuer; der Ae- kher bewegt sich mit einer undenklichen Geschwindigkeit in einem Kreise um die Erde herum; er hat ehemals schon * Kiew. äsl'^csZ. äez Inkerixrion5, 1. IV. x. IZ 7 > und Philosophen der jonischen Sekte. 247 schon große Felsen und Stücken Landes durch seinen entsetzlichen Schwung von der Erde losgerissen und mit sich in die obern Gegenden geführt; diese Felsen haben sich daselbst entzündet: und diese brennenden Körper sind es, die wir noch iht Sterne nennen *. Diese Meynung des Anapagoras hat einen sonderbaren Ursprung. Man weiß nämlich, daß im zweyten Jahre der 78sten Olympiade ein Stein be» Hellem Tage von dem Himmel in den thracischen Fluß Argos gefallen seyn soll. Das angezsigte Jahr dieser Begen- heit fällt nach dem Verzeichnisse der athenienssschen Merkwürdigkeiten auf das Jahr 111 z der attischen oder cekropischen Jahrzahl. Und man zeigte diesen Stein noch zu den Zeiten des plinius den Reisenden als ein großes Wunderwerk. Nun hatte unser Philosoph freylich nicht so albernes Zeug glauben sollen: aber er schloß daraus, daß der Himmel aus großen Steinen gewölbt seyn müßte, und daß dieses Gewölbe, da die Steine nicht mit Mörtel zusammengemauert waren, vermöge der Schwungbewegung in seiner Lage und Gestalt erhalten würde; denn widrigenfalls müßte es zusammen fallen. Nun wollen wir die Geschichte von dem gedachten Steine zwar nicht ganz laugnen; denn er kann vielleicht von einem Vulkan cnlsgeworfen worden seyn: allein es ist doch sonderbar, daß dergleichen Begebenheiten sogar die Philosophen zu solchen sonderbaren Hypothesen verleiten konnten, plinms selbst muß sich ganz wunderbare Begriffe von diesem Steine gemacht haben: denn dieser behauptet sogar: Anapagorashabe die Ankunft dieses Steins von dem Himmel, vermöge seiner astronomischen Kenntnisse, vorher verkündigt.** O. 4 Anaxa- ** ?//». I.. II. c. 58. ^lem. äs l'^csä. äes Inkciipr. 1 . V. p. 421. * Oe kbiloloxb. O II. c. 2Z. io. 24F Sternkunde bcy den Griechen, Anaxagoras behauptete ferner, daß die Sonne ein feuriger Körper und größer als die Halbinsel Pe- loponnesuS wäre, piurarch spricht: Ana,ragoras Habs die Sonne für einen glühenden Stein gehalten; und Diogenes Laernus behauptet; erhabene vielmehr mit einem glüenden eisernen Berge verglichen. Allein man hak die wahre Meynung des Anaxagoras ohnfehlbar sehr übel verstanden und verdrehet. Denn man stehet leichte, daß dieser Philosoph weiter nichts hat sagen wollen, als daß die Sonne ein wirkliches Feuer sen; uudj Aenophon machte sich über den Anaxago- ras, deswegen, weil er die Sonne für einen wirklichen Feuerklumpen ausgab, überaus lustig. .Lenophoil war zwar in seinem Fache ein großer Gelehrter: aber von der Sternkunde verstand er nichts, und er hatte nicht über die Lehrer desselben spotten sollen. §. - 5 . Was die Bewegung der Erde um ihre Ape anbe« trifft: so glaubte Anaxagoras, daß dieselbe anfangs sehr unordentlich gewesen wäre. Er sagte: Die Erde hatte anfangs gar keinen bestimmten Pol; denn sie dre- hete sich bald aus Abend gegen Morgen, bald aus Mitternacht gegen Mittag und umgekehrt um ihren Mittelpunkt; endlich aber erhielt die Erde eine gleichförmige Bewegung und eine schiefe Lage ihrer Axe gegen die Sonnenbahn; und dieß geschah deswegen, weil die Vorsehung den Erdball bewohnbar und, vermöge der vier Jahreszeiten, fruchtbar machen wollte. Anaxaczoras war also kein Atheist. Nun könnte man zwar sehr wahrscheinlich schließen, daß jene allgemeine Idee der Griechen von dem Chaos, oder von dem Urstoffder Welt, den Anajragoras auf angeführte Meynung von dem unordentlichen Umdrehen der Erde geleitet habe; denn die Griechen philosophir- ten über diesen Gegenstand oftmals sehr sonderbar: allein, und Philosophen der jonischen Sekte. 249 kein, vielleicht hat ihn eine alte' Tradition der Chaldaer auf diese Gedanken gebracht. Wir haben oben gezeigt, daß die Chaldäer jene überaus langsame Bewegung des Pols, oder welches gleichviel ist, die stets abnehmende Größe des Neigungswinkels der Sonnenbahn gegen den Aequator, lange Zeit vor der Existenz unserer griechischen Philosophen kannten. Ob nun aber diese Bewegung des Pols und daher die schiefe Lage der Erda,re ge- gen die Sonnenbahn gleich überaus regelmäßig geschie- het; und ob dieses gleich die Chaldaer selbst bemerkt haben werden: so hat Anaxagoras diese Dinge, wegen unzureichenden Nachrichten vielleicht doch nicht völlig eingesehen und die Bewegung des Pols überhaupt für ganz unregelmäßig gehalten. Aber, wenn man den Nachrichten des plurarcho*, der die Meynungen der Philosophen freylich sehr unter einander geworfen und ohne Beurtheilung vorgctragen hat, Glauben beymessen dürfte: sowüßte inan fast nicht, was man von dem Anaxagorcrs denken sollte, wenn er die Ursache der Sonnenwenden wirklich auch in der Undurchdringlichkeit und in dem Widerstande jener dich, ten Lust, die sich in dem Nord und Süd befinden sollte, gesucht hatte. Er war ja ein Nachfolger des Tchales; er hatte sich zu dessen System bekannt: und Thales wußte ja, daß die. Sonne bloß wegen der Schiefe ihrer Laufbahn niemals über die Wendezirkel ausschweifen konnte? §. 16. Die Milchstraße hielt Anapagoras anfangs für einen Schein des Sonnenlichts; aber in der Folge sagt er: die Milchstraße ist weiter nichts als eine Menge kleiner Sterne, die am Tage von dem Hellen Sonnenlichte O. 5 vrr- * Oe klacius klüloloxborum. O. H. c. 2Z. 2zo Sternkunde bey den Griechen, verdunkelt werden." Die Kometen entstanden nach seiner Meynung aus verschieden Irrstirne», die sich durch ein Oyngefehr mit einander vereinigten * *. Er war der erste Grieche, der über dis Ursache des veränderlichen MondsnscheinS und über die Verfinsterung desselben schrieb. Auch kam er auf den Gedanken von der Ähnlichkeit des Monds mit der Erde, von den Gebirgen und Meeren und von den Bewohnern des Monds"**. Es ist allerdings, lobenswürdig, daß der Scharfsinn dieses Philosophen unfern neuern Entdeckungen mit den Fernrohren in verschiedener Rücksicht zuvor gekommen ist. Und es ist überhaupt zu merken, daß die Griechen selbst niemals ordentliche astronomische Beobachtungen über die Finsternisse oder über die Erscheinung der Sterne, wie andere Nationen, eingestellt haben : sie philoso- phirten bloß, und ihre etwannigen Beobachtungen mögen ohnfehlbar überaus schlecht gewesen seyn. Aber wir wollen diesen Abschnitt mit nützlichen Anmerkungen, die diesen Philosophen angehen, beschließen. §. l7- Einst fragte ein Wißbegieriger den Anaxagoras, ob nicht die Gebirge bey LampsakuS dereinst in das Meer versenkt werden würden? Ja! sagte der Philosoph, sie werden es, wenn die Zeit noch lange genug exisiirenwird. Der Mann muß von dem Genie des großen Büfson erleuchtet gewesen seyn. Demoknms war ein Feind des Anaparzorag. Daher beschuldigte er ihn: er habe sich verschiedene Leh. ren über die Natur der Sterne und der Welk, die viel alter als Airaracroras waren, unbescheidener Weise Zuge- * E. Östron, p. 87 - 'v; ** I)e >>leksorologHs. I. I- c. IZ, **.* De xl->c. Ickul. I-. ll- c. 25. 26. und Philosophen der jonischen Sekte. 251 zugeeignet*. Allein von einem Feinde muß man keine aufrichtige Nachrichten erwarten. Und Demokrit hat sich ja auch, wie die andere Griechen dieses Verbrechens schuldig gemacht. Arraxagoras wurde auch deswegen, weil er die wahren Ursachen der Monfinsternisse gelehret hatte, ver- folgt. Denn man sagte: du willst der Macht unserer Götter vorgreiffen und Wirkungen, die sie allein Hervorbringen, aus natürlichen Ursachen erklären?** Man beschuldigte ihn ferner der Gotteslästerung und des HochverrathS, weil er die Existenz eines einzigen Gottes lehrte. Da ihm das Todesurtheil gesprochen wurde, sagte er: die Natur hat mich langst dem Tode bestimmt; und was meine Kinder aubetrist: da zweifelte ich, als ich ihnen das Leben gab, ebenfalls nicht, daß sie einmal sterben würden. Allein sein Schüler pe- tiklcs verthejdigte ihn und machte sein Todesurtheil un- giitig. Daher wurde Anapagoras, nebst seinen Kindern nur aus dem Lande verwiesen. Des Archelaus, des letzten Philosophen der jonischen Sekte, müssen wir nur deswegen gedenken, weil er eins Ähnlichkeit zwischen der Sonne und den Sternen behauptete: denn nach seiner Meynung war die Sonne nur größer als die übrigen Sterne. AnaxaMras und Ar che laus verlegten ihre Schule nach Ach^m. Und Achs» wurde von nun au der berühmte Sitz so vorkres- licher Philosophen. ** /'/«rsrcörtt. In §. 9. Achter 252 Sternkunde bey den Pythagoräern, Achter Abschnitt. lieber die Sternkunde bey den Pyrhaaoräern, bey den Stoikern und einigen andern Philosophen. ald nach dem Tode des Thales errichtete Pythagoras eine philosophische Sekte in Welschland, und diese storirke mit der jonischen beynahe zu gleicher Pythagoras, einer der größten Gelehrten des Ak- terthums, ward im Jahre 580 vor der christlichen Zeit, rechnung geboren. Aber sein Ursprung ist nicht genug bekannt: denn einige halten ihn für einen Toskaner und andere für einen Toner. Er war noch nicht völlig achtzehen Jahr alt, als er sich nach Jonien, um bey den Thales über die Philosophie zu hören, begab.* Dieser gab dem Pythagoras auch in Rücksicht auf den rechten Gebrauch der Zeit seines Auffenthalts bey ihm, und auf die Enthaltsamkeit von allen Ausschweiffungen, vortrefllche Lehren. Auf diese Lehren des Thaies gründete sich also der Ruhm der pythagorischen Sekte, die nian vorzüglich wegen ihrer mäßigen Lebensart, welche die vornehmste Stühe der Fähigkeiten des Geistes ist, so sehr bewunderte. Dann gieng er auf Reisen: er besuchte verschiedene Länder, um seine Wissenschaften noch immer mehr und mehr zu erweitern; denn da die Gelehrten damals ihre Lehren der Welt nicht in den Büchern vorlegen konnten: so mußte man selbst zu ihnen gehen, und mündlichen Unterricht nehmen; man mußte damals in der That einen sonderbaren innerlichen Ruf fühlen und keine Schwierigkeiten scheuen, wenn mangelehrt werden wollte. Zeit. pyrha- ReMLrgue v. Stoikern u. einigen andern Philosophen. 25g Pythagoras gieng nach Phönicien, nach Chal- däa und nach Indien; und bey den Indianern blühet sein Ruhm und das Andenken seiner Gegenwart noch itzt:* denn sie führen den Namen des Pythagoras sowohl als des Zoroastcrs und die Zeit ihres dösigen Aus- fenthaltS noch immer in ihren Jahrbüchern fort. Dann kam er nach Aegypten, wo er sich zwey und zwanzig Jahr aufgehalten haben soll:** allein dießist nicht wahrscheinlich; denn er hätte doch in der That, für einen so langen Auffenthalt in diesem lande, zu wenig astronomische Kenntnisse erworben, pslykrates, Beherrscher der Insel Samoö hatte ihn dem agvptischen Könige Ama» sss empfohlen; und dieser gab ihm zwar ein Empfehlungsschreiben an die ägyptischen Priester: allein, als er nach Heliopolis kam, schickten ihn die Priester dieser Stadt, um seiner los zu werden, nach Memphis, und sagten: die dortigen Priester sind alter und gelehrter als wir; und die Priester zu Memphis schickten ihn unter eben dem Vorwände nack Diospolis und diese schickten ihn nach Theben. Die Thebaner wagten es nun frey- lich nicht, ihrem Könige ungehorsam zu seyn und den Pythagoras ganz und gar wieder nach Hause zu schicken ; denn in Aegypten war er nun herum: allein sie nahmen sich vor, ihn durch überaus beschwerliche Arbeiten, die sie ihm vorlegten, von seinem Unternehmen abzuschrecken. Sie sagten: wenn du dich in die Geheimnisse unserer Wissenschaften einweyhen lassen willst: so muß du auch vorher unsere Religion annehmen. Und da nahmen sie die die seltsamstenGebrauche, die einem Griechen allerdings entsetzlich scheinen mußten, mit ihm vor; denn sie waren ohnfehlbar eben diejenigen, deren sich die Persier bedienten. Diese Vorbereitungen bestanden in 80 ver- * //o/rL-e/. än HhkS — Hiski. ** Vs vir» k^rbsZor. I.. I. c. 4. 254 Sternkunde Key den Pythagoraern, verschiedenen leiden oder Martern, die man zur Probe anshalten mußte. Also wurde ppthaIoras zuerst beschnitten; dann mußte er einige Tage hinter einander durch einen beträchtlichen breiten Fluß schwimmen; er mußte durch das Feuer laufen; hierauf mußte er einige Zeit in der Wüsten ganz allein leben; auch mußte er einige Zeit lang fasten und zugleich schwere Arbeiten verrichten u. s. w: diejenige», welche alle diese Proben aus- gehalren hatten, wurden nun frcylich in ihre Gesellschaft ausgenommen. Man stehet aber leichte, daß diese Priester, um ihre Geheimnisse für sich zu behalten, alle, welche sich unter sie zu begeben erkühnten, gern ermorden wollten: denn selten war einer, lim dergleichen Martern geduldig auszuhalken, beherzt genug. * Aber Pythagoras überwand alle diese beiden mit der größten Standhaftigkeit, und die Priester sahen sich gcnöthigk, ihm ihre Geheimnisse zu entdecken. Diese Ehre war vor dem Pythagoras noch keinem, der nicht von den Priestern abstammte, widerfahren. Als Pythagoras nach Samos in sein Vaterland zurückkam, war er schon im Stande, andern die Wis. senschaften zu lehren: aber er fand daselbst keine Zuhörer : daher verließ er sei» Vaterland und gieng nach der stcilianischen Stadt Cordona in dem tarentinischen Gebiet und hier erwarb er sich in kurzer Zeit großen Ruhm und viel Zuhörer. Er war der erste, welcher sich aus Bescheidenheit nicht mehr einen Weltweisen, sondern einen Liebhaber der Weltweisheit nennen ließ**. Den jünger» Römern war dieser Philosoph besonders verehrungs- würdig. Sie machten sogar die Sittenlehre und die Ge- sehe des PIluma zu pythagorischen Lehren, obgleich Pythagoras wenigstens hundert Jahr spater, als Nunra gelebt * ksiubeon. kroleZ, p. 142. ** Lrce»v. (Luseck. I'uckul. V> Stoikern u. einigen andern Philosophen. 255 gelebt hatte*. Und als das Orakel den Römern im Jahr 4 > l, nach Erbauung ihrer Stadt, zwo Statuen, eine dein tapfersten, und die andere dem gelehrtesten Griechen zu sehen befahl: da wurde Alcibiades und Pythagoras gebildet.** §. 2. Pythagoras hatte sich auf seiner Reife nach Asten die Kenntniß von der Schiefe des Sonnenweges erworben : in Welfchland lernte er den Hesterns und Lucifer als einen einzigen intern, unter dein Namen der Venus kennen: und in Aegypten hatten ihm die dastgen Priester ohne Zweifel auch die wahre Bewegung der Venus lind des Merkurs um die Sonne gelehrt: denn cö war in Italien damals eine allgemeine bekannte Sache, daß diese Kenntniß aus Aegypten nach Europa gebracht worden sey. Er laugneke die abwechselnd geschwinde oder langsame Bewegung der Planeten: st denn er glaubte, ein so unordentlich Herumirren wäre diesen erhabenen und göttlichen Wesen höchst unanständig; zumal da er in Asien gehört hatte, daß die Planeten die Wohnungen der Götter waren. Die alten Griechen hielten den Kreis und die Kugel unter allen übrigen Gestalten für die vollkommenste: und dieß deswegen, weil man einen jeden Punkt der Kugelflache oder des Umfangs eines Kreises für den Anfang, das Mittel und Ende annehmen kann, und weil diese Gestalten in ihrem Umfange in der Thak weder Anfang noch Ende haben, oder weil ihr Anfang und ihr Ende überall seyn kann: also war bey ihm der Kreis das Bild unendlich mal verneuernder ganzer Perioden, st st Und hieraus * 7 r>. l.. XI.. c. 29. ^ir. ?) lb. Xemsr- oue. II. ** !>//«/«/. I.id. XXXIII. c. 6. -j- 6cm/«»/. jc. I. II Lm^>//c/«/. Vs coelo. I.. I. c. IZ. 256 Sternkunde bey den Pythagoräern, hieraus erhellet, daß man den Ursprung des Vorurtheils der Griechen von der Nothwendigkeit eines gleichförmigen Kreislaufs der Himmelskörper dem Pythagoras zueignen muß. Denn jene philosophische Berrachtun- ^ gen des Kreises und der Kugel sind auch von ihm auf die Bahn gebracht worden. Es scheint aber, als ob überhaupt jene abstrakte ' Ideen von der Schönheit und von der größten Vollkom» menheit gewisser mathematischer Figuren bloß in Grie» chenland zuerst entstanden seyen: denn die altern gelehr- ^ ken Nationen sammleken lieber Beobachtungen, und grün. deten ihre Kenntnisse bloß auf Grundsätze ans der Er- fahrung : die Griechen hingegen waren von Natur bloß auö einigen, oftmals ganz falschen Erfahrungen, ganze Jahre hindurch zn philosophiren, aufgelegt. Unterdessen hat doch IVHiston schon dafür gehalten, als ob diese «i" Idee von der sonderbaren Vollkommenheit des Kreises ^ und von dem kreisförmigen Lause aller Planeten längst M vor der Sündfluth existirk habe, und daß die Tradition irr! dieser Meynung nur sehr lange verunstaltet und dunkel >M geblieben sey. nch Uebrigens muß man doch auch aus dieser Meynung m schließen, daß die ältesten Menschen überhaupt keine an- ltt dere krumme Linie, die in sich selbst zurücke läuft, als chß die Kreislinie gekannt haben können: von der Ellipse, in welcher sich die Planeten eigentlich bewegen, wußten sie nichts. Die Akademiker, oder die Nachfolger des Plato fanden hierauf zwar unter den Kegelschnitten ^ auch angeführte Ellipse; aber gesetzt auch, man habe die- se den Bahnen der Planeten angemessener, als die Kreis- dtW linie gefunden: so würde man es doch wegen jener ein- ' gewurzelten hohen Idee von dem Kreise, die Bahnen der Planeten für Ellipsen zu hal en, nicht gewagt haben. pychagoras behauptete zwölfverschiedene Himmels. spharen: Stoikern u. einigen andern Philosophen. 2^7 Sphären: nämlich die Sphäre der Fixsterne,des Saturns, des Jupiters, des Mars, des Merkurs, der Venus, der Sonne und des Monds; ferner die Sphäre des rei- nen Aechers oder des Feuers, der Luft, des WasftrS und endlich die Sphäre der Erde, oder den Erdball selbst. * Pythagoras gieng also von jener alten Mey- nung, vermöge welcher die Sterne gleichsam an das sa- phirne Himmelsgewölbe angeheftet seyn sollten, zu dieser über, die nun einem jeden Planeten seinen eigenen Himmel, an dein der Planet selbst befestigt styn sollte, zu- eignete; denn er konnte sich gar nicht einbilden, daß ein Stern ganz im Frepen, ohne von einem andern Körper unterstützt zu seyn, oder an ihm feste zu hangen und ohne zu fallen, durch einen leeren Raum so regelmäßig bewegt werden könnte." * Auf diese Art entstand also die Idee von jenen durchsichtigen krystallinischen Sphären, welche sich koncentrisch um einander herum walzen sollten. Freylich sollte man denken: Pythagoras wird doch be- merkt haben, daß es ebenfalls wunderbar genugzugehen müßte, wenn sich ganze Sphären um einander herum walzen sollten; und daß dieses mit jedem einzelnen Planeten doch viel leichter angehen müßte: allein die wahren, die einfachen, die natürlichen Systeme gebahr der mensch- liche Geist, auch in andern Fallen, allemal zuletzt. Pythagoras hatte diese alberne Lehren mit aus Ästen gebracht ; denn die Persier behaupteten drey verschiedene Himmel: nämlich den Mondenhimmel, den Sonnenhimmel und den Sternhimmel*". Auch lehrte Pythagoras seinen Schülern im geheim, daß sich die Erde um ihre Axe täglich einmal herum drehet und zugleich um * ^uLlor anonymur vicse spuä dl. -'V p. 8 6. ** Km/i/r'c/rm Oe coel». dib. II. c. 46. **'* 2ten Band. 4. Adsch. §. Z- nnd Lenä— -k. II. x. Z64. R 258 Sternkunde bey den Pythagoräern, um die Sonne geschleudert wird: aber öffentlich sagte er, um nicht den Lehren der Religion zu widersprechen: die Erde ruhet im Mittelpunkte der Welk. Was die philosophischen Ideen, di? Pythagoras über die Entstehung der Welt in Indien geholt hatte, anbetrifft: so waren es folgende; er sagte beym Anfan. ge aller geschaffenen Wesen wurde dasausgedehnte Chaos in die verschiedenen Weltkörper zerthcilt; und dies; geschah in einer Zeit zwischen der ursprünglichen Nacht und der Entstehung des Lichtes; aber im Mittelpunkte der Nacht war der Anfang des Lichtes in der Gestalt eines Feuerfunkens; dieser Funke zog nach und nach mehrere ihm ähnliche Theilchen an sich, und wuchs so groß, daß er endlich die Finsterniß nach allen Gegenden, in Verhaltniß ihrer Ausdehnung und Abstand von ihn:, erleuchtete; und auf solche Art entstand mitten im Reiche der Finsterniß das Reich des Lichtes, dessen sphärische Grenzen sich bis an jenes auSgehölte und blau gefärbte Wesen, das man den Himmel nennet, erstreckten. Herr Abbe'' le Batteux, von dem wir diese Mey- nung des Pythagoras entlehnt haben, macht ben angeführter Stelle die Anmerkung, daß dergleichen Ideen den Pythagoras selbst auf die Gedanken, von dem Stande der Sonne im Mittelpunkte der Welt, haben leiten müssen: denn es sey ganz natürlich, daß er die Residenz dieses Gestirns, oder des Königs der Welt, mitten in seinem Reiche angenommen und das allsehends Auge, an einen Ort, welcher von allen Grenzpunkten der Welt gleichweit abstehet, feste gesetzt habe. * Allein uns scheint dieses nicht wahrscheinlich. Denn Pythagoras hatte seinen Schülern den Satz, daß die Sonne mitten, in unserm Planetensystem schwebet, schon vorher, * Ictem. äs I'^csä. äs» InlAixlicns. lom. XXVH. Stoikern u. einigen andern Philosophen. 259 vorher, ehe er noch angeführte Gedanken von der Entstehung dieses großen 'Alleröffnete, gelehrt: underbildeke sich diese Ideen bloß deswegen, damit er seinen geheimen Sah von dem Stande der Sonne im Mittelpunkte der Welk einigermaßen erklären konnte. Es ist vielmehr wahrscheinlich, daß man den Saß, der den Ort der Sonne für den Mittelpunkt der Welt auögab, ehedem aus akkuraten Beobachtungen gezogen harte: denn der hohle und blau gefärbte Himmel schien ja schon dem Auge des Pöbels allerdings die Grenze der Lichksphare zu seyn. Er durfte also nur die Idee von dein Chaos hinzu khun: und so entstanden seine angeführten kehren, von dem ursprünglichen Feuerfunken im Mittelpunkte der Welt und von seiner Ausdehnung, ohne große Schwierigkeit. Pythagoras würde sogar aus angeführter Idee haben schließen müssen, daß sich die Sonne bewege und daß die Erde ruhe: denn dieses centralischs Feuer war ja, zufolge seiner Hypothese, stets in Bewegung? Die Sonne hakte ja, wie ein weiser Regent, stets in ihrem Reiche herum gehen und alles selbst sehen, alles anordnen, alles mit ihren? Geiste beseelen und alles in Bewegung sehen müssen? UebrigcnS waren zu den Zeiten des Pythagoras jene alten Beobachtungen, aus welchen die Vorfahren feiner morgendländischen sehrer auf die wahre Beschaffenheit des WeltgebaudeS ehedem etwa geschlossen hatten, ohnfehlbar schon verloren gegangen; und Pythagoras hatte hiervon bloß einige Ideen, die stch etwa noch in jenen orientalischen Traditionen erhalten hatten, erhascht. Und die Idee des pycha- goras von dem Stande der Sonne im Mittelpunkte des WeltgebaudeS, gründete sich ohne Zweifel auf eine unglaubliche Menge überaus akkurater Beobachtungen jener ältesten Sternkundigen. Pythagoras behauptete auch die Vielheit der Welten; und plurarch benachrichtigt uns, daß die Be- R r wohner 260 Sternkunde bey den Pythagoräern, ivohner des Monds, nach der Meynung des pythago- ras und seiner Schüler, fünfzehn mal größer als die Bewohner unsers Erdballs seyn müßten, und daß im Mond auch eben so, wie bey unö eine Abwechselung des Tages und der Nacht Statt fände*. Nu» weiß man, daß die Nacht auf dem Monde ohngefehr vierzehn Tage und eben so lange die Nacht dauert. Also fragt ßchs: hat man etwa auch ehedem gewußt, daß sich der Mond innerhalb seines periodischen Umlaufs um die Erde ein- mal um seine Axe drehet? Dieß ist zwar nicht wahrscheinlich: aber wir wollten doch diese auffallende Lehre des pvthagoras, welche, so viel uns bewußt ist, bisher allen Geschichtschreibern entwischt ist, als etwas merkwürdiges nicht unberührt lassen. Die Kometen hielt Pythagoras für Planeren, die nur zu gewissen Zeiten, oder in gewissen Gegenden ihrer Bahnen auS der Erde gesehen werden können und nur nach bestimmten Perioden erscheine». ** Und dieß alles hatte Pythagoras aus dem Munde der asiatischen Philosophen. §- 4 - Dem Pythagoras scheint vorzüglich die sonderbare Meynung von der tönenden Harmonie der Gestirne eigen zu seyn; und ihm gebühret auch überhaupt die Ehre der Erfindung unserer Theorie über die Tonkunst: denn er behandelte die Töne mathematisch, und gründete die Natur der Harmonie des Akkords auf die Lehren von den Verhältnissen der einfachen Grundtöue. Nun war er über diese Entdeckung so voll Freude , und die philosophische Unbesonnenheit, vermöge welcher die griechischen Philosophen überhaupt ihre, in gewisser Rücksicht, richti- gen Lehren auf alle nur mögliche Erscheinungen der Natur * Oe klscir. kbilok. I.. II. c. zo. ** ^»-i/kore/ev. klereoroloZ. I.. I. e. 9. Stoikern u. einigen andern Philosophen. 261 tur allgemein anwenden wollten, verleitete ihn so weit, dag er die nämliche Harmonie auch in dem Himmel zu finden glaubte, und daß die Bewegung der Gestirne oder Sphären, in Ansehung auf ihren Abstand von einander verhältnißmäßige Töne Hervorbringen, oder ein himmlisches Concert spielen müßte. * Aber er sagte: dieses Concert höre man deswegen nicht, weil dergleichen Töne für unsere schwachen Gehörwerkzeuge, viel zu Helle und hoch wären: es werde bloß den feinem Geistern und Göttern zum Vergnügen aufgeführt. Und gleichwie das menschliche Auge weder die gar zu großen, noch die allzu kleinen Gegenstände sehen kann: eben so könne das Ohr weder die unendlich sanften, noch die allzu heftigen Töne empfinden. Für den Abstand des Monds von der Erde, den er auf 126000 italienische Stadien schätzte, nahm er einen ganzen Ton an; für die Entfernung des Merkurs von dem Monde setzte er einen und einen halben, und eben so viel für den Raum zwischen dem Merkur und der Venus; die Sonne und Mars machten ebenfalls einen ganzen Ton, Mars und Jupiter hingegen nur einen halben; Jupiter und Saturn erzeugten ebenfalls nur einen halben ; und von dem Saturn bis zu den Fixsternen wurde wieder ein ganzer und ein halber Ton hervorgebracht: und so entstanden sieben Töne, oder die Oktave. Man stehet übrigens hieraus, daß Pythagoras die Planeten, in Rücksicht auf diese Hypothese, in einer andern Ordnung, als die, in der vorhergehenden Pra- graphe angeführte, ist, betrachtete. Vielleicht glaubte er anfangs an die Ordnung der Aegyptier, dann aber an die Ordnung der Chaldäer oder Indianer. R z §5. * /VüMl'c/E. Oe lVluücs. Le coelo. O. II. c. 9. lHüc»'oö. 8omn. x. >49. Oe äis nak. c. IZ. 262 Sternkunde bey den Pythagoräem, §- 5 > Pythagoras sagte ferner: bey Entstehung der Welt entstand zuerst das Feuerelement * ** . Er eignete Melden Elementen selbst die Gestalten der geometrischen re- gnlären Körper zu. Dem Elemente des Feuers gab er die Figur gleichseitiger Pyramiden; das Element der Erde war bey ihm würfelförmig; den Lufttheilchen gab er eine oktaederische Gestalt; das Ikosaeder bildete nach seiner Mennuug die Wasssrkheilssen, und das Dodekaeder war endlich ben ihm die Gestalt der obern Sphäre des Weltraums oder des Aschers:" denn er hakte sich nun einmal in die Geometrie verliebt, und glaubte überall dergleichen Figuren und Verhältnisse in der Natur zu stnden; er bedachte nicbk, daß dergleichen reguläre Gestalten, welche in der Geometrie betrachtet werden, eigentlich bloß in dem Verstände des Mathematikverständigen eristiren und nur die Hilfsmittel sind, durch die man zur Ausmessung und Kenntniß aller wirklich geschaf. fenen Ausdehnungen gelangen kann. Unterdessen wollen wir nicht entscheiden, ob die feinsten Bestandtheile der Materie, oder die Elemente nicht ihre bestimmte Gestalt haben können; denn der Schcidekünstler weiß fast alle Materien unter solche Umstände zu bringen, daß sie sich von selbst krystallistren: und diese Krystallen haben bey jeder Materie ihre eigene bestimmte Gestalt. Vielleicht war die Chymie zu den Zeiten des Pythagoras ebenfalls schon mit gutem Erfolgs bearbeitet, und die verschiedene Gestalt der Krystallen bemerkt worden. Vielleicht war die Wissenschaft der Schcidekünst ler eben * Ids Iggc. ?b!In!opb. I>. II. c. 6. ** ir cc/o/tt§ führt zwar in seinem rVImüg. I. p 4V. einen gewissen Thaercs. der ein Freund des Plato gcwe. sen sch» soll zum Urheber dieser Meinung an: allein plus rarch eignet sie allerdings dem Pvrhagoras zu. Stoikern n. einigen andern Philosophen. 26z eben so, wie die ölte Sternkunde, durch jene allgemeine Revolution der Erde verlohren gegangen, so, daß sich nur diese wenigen Ideen von der Krystaüisution bis auf die Zeiren des Pythagoras erhalcen hatten. Es war auch eben nicht nvthig, daß Pythagoras einem jedem Elemente gerade diejenige Gestalt, die es in der That hat, geben inußce: er durfte nur aus der Chymie wissen, daß den Elementen diese oder eine andere Gestalt eigen sey: und dann konnte seine Einbildungskraft das übrige hin- zufttzm. Allein wir wollen uns bey dieser kaum wahrscheinlichen Konjektur nicht langer verweilen. H- 6. Pythagoras lehrte auch, daß die Erde kugelförmig und rund herum bewohnt sey. Denn er behauptete Antipoden und sagte: es giebt ein Land oder eine Gegend ans der nns entgegen stehenden Halbkugel dieses Erdballs, wo die Menschen ihre Füße gerade gegen die unsrigen kehren und doch aufrcchtS stehen. Pythagoras war also der erste Philosoph, der diese Wahrheit lehrte; und wenn ihn nicht die altern Astronomen des Orients, sondern seine eigenen Kenntnisse lind Genie auf diesen Schluß geleitet haben: so macht ihm dicß ohn- sireitig sehr viel Ehre. Denn um das Vomrthcil von der Richtung der Schwere, die dem Anscheine nach von oben herab gegen die Erdflache parallet wikt, zu überwinden, wurde dock in der That eine große Herzhaftigkeit und Gegenwart des Geistes erfordert. Und dieser Betrug unserer sinnlichen Empfindungen oder vielmehr, der aus ihnen hergeleitete Schluß hatte von je her bey den Un- wissenden so tiefe Wurzel geschlagen, daß OassilaUS zwanzig Jahrhunderte nach dem Pythagoras dieser Wahrheit wegen, die er ebenfalls behauptete, in den Bann gcthan wurde. Geschrieben hat Pythagoras nichts: er suchte viel- mehr seine wahren Lehren vor der Welt sorgfältig zu ver- R4 stecken. 264 Sternkunde bey den Pythagoraern, stecken. Seinen Zuhörern, die hauffenweise aus frem- den Ländern zu ihm eilten, trug er seine Lehren unter lau- ter Bildern vor, und die darunter verborgene Wahrheit entdeckte er bloß seinen auserwählten Schülern. Denn darinne, daß man die nackende Wahrheit nicht dem ge- meinen Volke ohne zweydeutige Hüllen vorkragen müsse, stimmen alle Philosophen des Alterthumö überein: nicht deswegen, als ob die Wahrheit in ihrer natürlichen Gestalt zu erröthen Ursache habe, sondern weil die Augen des Pöbels den Hellen Glanz derselben nicht vertragen können. Diese sonderbare Standhaftigkeit, mit der die Py- thaqoräer ihre Geheimnisse versiegelten, war vielleicht auch die Ursache des Hasses und der Verfolgung, deren sie oft auSgeseßt waren. Sie wurden in der Folge nicht nur ans Cortona, sondern auch auö ganz Welschland verjagt. Also ist es nicht nur gefährlich, nützliche und erhabene Wahrheiten in ihrem blendenden Lichte ohne Hüllen vorzukragen, sondern es ist auch aus der andern Seite eben so unsicher, wenn man sie vor den kleinen Geistern unter die Decke der Bilder versteckt: denn diese glauben bald Lehren, die der Religion, bald Grundsätze, die dem Staat gefährlich sind, unter dergleichen Bildern zu finden. Man liehet aber übrigens leichte, warum bloß die Pythagoraer und nicht die Aegyptier, Chaldäer und Indianer, deren Beyspiele sie folgten, so vielen Widerwärtigkeiten auögesetzt waren: denn bey angeführten Nationen existieren dergleichen Wissenschaften bloß bey den Priestern selbst und erregten daher keinen Verdacht gegen die Religion. Und gleichwie dem Volke die Religion selbst und ihre Götter lauter Geheimnisse waren, die sie den Priestern zu erklären gern überließen : eben so glaubten sie auch in den übrigen Wissenschaften der Priester lauter göttliche Geheimnisse zu finden. Einige Stoikern u. einigen andern Philosophen. 26z Einige sagen, Pythagoras habe achtzigJahre ge- lebt, und andere schätzen seine Lebenszeit auf , 04 Jahr. Was seine letzten Stunden anbetrifft: darinne sind die Geschichtschreiber ebenfalls verschiedener Meynung. Einige lassen ihn eines natürlichen Todes auf seinem Bette sterben; andere behaupten, er sey in seiner eigenen Wohnung verbrannt worden; noch andere sagen, ihn habe ' ein Zuhörer von ihm, den er nicht in sein geheimes Collegium aufnchmen wollte, ermordet; und endlich sagt man auch, daß er von den Cortoniern, welche ihn in dem Verdacht hatten, als ob er sich des Ruders ihrer Regierung bemächtigen wollte, meuchelmörderischer Weise aus dein Wege geräumt worden sey.* §. 7. Der erste Schüler des Pythagoras war Empe- dokles. Und dieser Philosoph, der vorzüglich wegen seiner Wißbegierde, die ihn endlich gar in den Schlund des Aetna hinabstürzte, so sehr berühmt ist, ward zu Agrigant in Sicilien gebohren: aber man weiß nicht, in welchem Jahre; man weiß bloß, daß er ein auserwählter Schüler Schüler des Pythagoras war. Allein Empedokles machte seinen, Lehrer eben nicht viel Ehre. Denn nach der Meynung des Empedokles sähen vir die wahre Sonne oder das Centralfeuer niemals; das Licht, welches wir Sonne nennen, wäre weiter nichts als die zurückprallenden Lichtstralen, oder das Bild der ihr gegen überstehenden Sonne, die sich zwar ebenfalls bewegte, aber von uns nie gesehen werden könnte. Dieser Philosoph hatte sich auch, die Ursache derNes- gung der Erdaxe gegen die Fläche der Ekliptik zu ergründen, bemühet und sagte: anfangs, da die Sonnen- stralen Mit ihrer ersten Kraft gewaltig an die Erde sties- sen, da äußerten sie ihre Wirkung vorzüglich in der um R 5 den * /tt'r. ?^tb. kcmsi gue. 0.. M 266 Sternkunde bey den Pythagoräern, den Polen befindlichen Luft; nun stießen sts aber beson. ders sehr stark an die Lust des NorpolS; daher mußte sie daselbst weichen und nach dem Südpol, wo sie weniger Widerstand leiden durfte, gehen: also wurde die Luftmaste um den Südpol angehaust, unter dem Nordpol hingegen vermindert; die südliche Halbkugel der Erde wurde schwerer als die nördliche: und so mußte jenerhin- ab sinken oder in eine schiefe Lage gegen die Ekliptik ge- rathen *. Er sagte ferner: anfangs bewegte sich die Sonne so langsam, daß ein Tag so lange als itzt zehen Monathe, dauerte: aber dann verminderte sich diese Dauer nach und nach bis auf sieben Monathe ; und daher kömmt es auch, fügt plucarch hinzu, daß die Zeit, zwischen der Empfängnis; eines Menschen und seiner Geburt, sie. ben bis zehn Monathe dauert**. Dieser Schluß ist sonderbar genug. Aber daß die alten Philosophen dafür gehalten haben, als ob sich die Gestirne anfangs allerdings viel geschwinder, als heut zu Tage bewegt hatten, davon überzeugen uns auch andere Momente der Geschichte. Die Priester des Jupiters Ammon sagten: die Lange des Jahres vermindert sich nach und nach ohne Unterlaß, s Uebrigens muß man die sonderbaren Meynungen dieser Philosophen, welche die Wahrheit oft mit Fleiß verdunkelten , eben nicht nach aller Strenge beurthsileii. Empedskles war anch Poetc: und inan eignet ihm ein Gedichte zu, welches die Sphäre heißt, s s Einige sagen, Empedskles sey keinesweges in den Schlund deö Aerna gestürzt: andere hingegen wollen behaupten, * Oe ?>ac. ?bilok. I.. II. c. 2O. * * Oe ?!ac. pbllos. O. V. c. lg- s Ebendaselbst von den Orakeln, welche nicht mehr existircn. s f IH'rcuu. Lidl. Zraec. I.. II. O. x. gl. Stoikern u. einigen andern Philosophen. 267 haupten, er habe sich dieses Grab freywilliq, um seinen Leichnam zu verbergen, und um für einen Gott gehalten zu werden, gewählt; allein man sagt ja auch: er habe die Krone, die man ihm anbot, großmuthig ausgeschlagen? sollte nun der Mann, der ben seinen Lebzeiten nicht König seyn wollte, nach seinem Tode göttliche Verehrung gesucht haben? §- 8 . Um das Jahr 450 vor Christi Geburt lebte philolaus , ei» Schüler des Pythagoras und des taren- tinischen Architas. Dieser Philosoph floh, als die Py- thagoraer aus ganz Italien vertrieben wurden, von Mc- taponk nach Heraklea*. Er hatte Erläuterungen der Naturlehre geschrieben, welche Plato den Erben des philolaus, nach einiger Meynung um rooo und nach andern, um 100 Minen abkauste: und dicfi zeigt, daß sie dem Plato schätzbar, das heißt, vortrestieh gewe. sen sein, müssen. Man hält auch dafür, daß Plato aus diesen Schriften des philolaus seine meisten philosophischen Ideen geschöpft und seinem Ti maus ein- verleibet Habe. Damals, da man bloß Handschriften hatte, war freylich das Plagium nicht leichte zu entdecken. Man sagt: philolaus habe dis Sonne für einen großen GlaSklumpcn gehalten, der die, durch den ganzen Himmel ausgebreiteten, Lichtsiralen gegen dis Erdezurück- würfe. * * Allem es ist zu merken, daß diese Nachrichten von Geschichtschreibern, die dergleichen astronomische Lehrsätze nicht verstanden, auf uns gebracht worden sind. Vielleicht hat man diese Ausdrücke nach dem buchstäblichen Sinns beurtheilt und nicht bedacht, daß der Philosoph in Bildern redete. Er * Oe rnASiiio §, 15. ** Oe klac. kbilot. O. H. c. 20. 268 Sternkunde bey den Pythagoraern, ' Er lehrte ferner die Natur eines großen Jahres, wel-' ches aus 59 gemeinen Jahren und 2 r Schalkmonakhen bestand. Und hieraus erhellet, daß er die Zeit einer Mondrevolukion auf 27 Tage i z Stunden, die Zeit des Sonnenjahres hingegen, auf z6z Tage geschaht haben muß.* Der Irrthum, daß er den Fehler seines Sonnenjahres nicht kannte, rührt ohnfehlbar daher, weil die Aegyptier dem Pythagoras, aller seiner Bemühungen ohngeachtet, doch die wahre Größe ihres Sonnenjahres , welches sie, wie oben gezeigt worden ist, auf Z65 und einen ViertelStag schaßten, nicht bekannt gemacht hatten. §- 9 - Was den PHLlolaus noch in den spatesten Jahrhunderten berühmt machen wird, ist feine Meynung von der Bewegung des Erdballs um die Sonne. Aber wir haben schon errinnert, daß die Entdeckung dieser Wahrheit allerdings eine schon sehr erhabene astronomische Kenntniß, welche weder bey dem phrlolaus, noch bey dem Pythagoras, noch bey den ägyptischen Sternkundigen existirte, vorausseht. Es ist daher wahrscheinlich, daß Pythagoras diese Idee etwa mit aus Indien gebracht Hot, wo sie vielleicht als ein Ueberrest jener alten größtentheils verlohrnen Sterkunde, durch die Tradition fortgepflanzt wurde. Pythagoras hat dieser Meynung ohnfehlbar seinen Beyfall nicht versagt; denn er hatte Genie genug, um deren Werth und Wahrheit einzusehen: aber er mar vorsichtiger als sein Schüler und verbarg sie, um nicht in Ungelegenheit zu gerathen, Vörden Augen der profanen Welt, phrlolaus wurde bekanntermaßen, da er diesen Sah, ohne Furcht, öffentlich lehrte, der Verratherey gegen die Götter beschuldigt: er mußte deswegen aus seinem Vaterlande fliehen. Und Galliläus verlohr wegen dieser Lehre auch seine Frey- heit. Stoikern u. einigen andern Philosophen. 269 heit. Also hatte diese Wahrheit vorzüglich dieß Sonderbare mehr als zwanzig Jahrhunderte lang an sich, daß sie denjenigen, der sie lehrte, ins Unglück stürzte. Es gab aber auch noch mehrere griechische Philosophen, die ohngefehr um die Zeit des s)hilo!aus lebten, und die Bewegung der Erde behaupteten. Der ery- khraische Gelcttkus sagte: die Erde bewegt sich wie ein Rad um seine Ape." ^eraklid aus Pontus, sowohl als Ekphancus sagten: die Erde bewegt sich stets oh. ne ihren Ort zu verändern; und dieß schien, als wollten sie nur gern mit ander» Philosophen über den Begriff von der Bewegung disputiren: aber sie verstanden ohne Zweifel darunter die Bewegung der Erde um ihre Are und gaben zugleich zu erkennen, daß sie ihre Bewegung um die Sonne iaugneken * **; doch hat sich keiner so deutlich als Nicecas aus Syrakusa über die tägliche Bewegung der Erde herauSgelassen. Theophrast beym Cicero spricht: Niceras glaubte, alle Sterne stehen unbeweglich und die Erde bewege sich nur allein; und vermöge dieser Umdrehung der Erde um ihre Ape muffen alle die Erscheinungen des Himmels so, wie wir sie in der That sehen, nothwendig erfolgen, f Roper- nikus hatte dieses nicht bestimmter sagen können. Man glaubt auch, daß diese Stelle des Cicero dem Roper- nikus die erste Idee von dem wahren Weltsystem, welches er wieder auf die Bahn brachte, rege gemacht habe. §. kO. (Denoprdes, aus der Insel Chio, sehte das große Jahr, wie philolaus, ebenfallsauf 59 Sonnenjahre, deren jedes z6s Tage und etwa 9 Stunden enthielt sich Aber * (siinett. ?Isr. §. 8- " Vs ?Iac. ?>u>of. l.. III. c. lZ. s (^usetl. ^caci. I.. IV. c. Z 9 - f c. 19. »7O Sternkunde bey den Pythagoräern. Aber die dieses von dem Venopides behaupten, sagen nichts wahrscheinliches: denn die andern alten Astro- nomen schaßten das Jahr alle entweder auf z6; oder auf Z65 und einen Viertelstag; und diese Größe über, stiegen sie, um sich der wahren Größe des Jahres zu nähern, niemals. Daher scheint es, als ob sich hier ein Schreibefehler eingeschlichen habe, oder sonst ein Mißverständnis; vorgefallen sey. Angeführte 59jährige Periode wurde, um eine Zeitrechnung festzuseßen, in einer Versammlung bei) den olympischen Spielen vorgeschlagen: * aber aus verschie- denen Umständen erhellet, daß man sie nicht annahm. Man sagt auch: L>enopides habe die Milchstraße für den ehemaligen Sonnenweg, welchen die Sonne so weiß gebleicht oder gleichsam verkalcht habe, gehalten?* Er glaubte ferner: im Mittelpunkte der Erde existire ein beständiges Feuer oder eine Wärme, die von der Sonnenwärme ganz unabhängig sey. Und daraus erklärte er, warum es Winterszeit in den Kellern so warm zu seyn scheint, und warum das tiefe Brunnenwasser im Winter raucht, wenn man es heraus schöpft.*** Daß im Innersten der Erde stets eine gewisse Wärme herrscht, ist zwar richtig s: aber L>enopldes machte hiervon nur eine unschickliche Anwendung. Mit dem Denopides verlosch zugleich die phytha- gorische Sekte, die nun neunzehn ganzer Generationen hindurch geblühet hattes s: denn die Schule des Sokrates schwang sich itzt schon auf den höchsten Gipfel ihres Ruhms und trug ohnfehlbar zum Untergange der pytha. * ^e/ra«»5. V-->r. tlickor. I.. X. c. 7, ** c. 24. *** K»eca. (chi^eti. Xsr. l.. IV. c. 2. 4 tttarea». lvlem. 8cien. ?nne. 1764. liick. nsrurelle cles ^lineraux. -sf Drohen» ii. /). p- 95- Stoikern n. einigen andern Philosophen. 27? pythagorischeu m'cht wenig bey. Sokrates suchte die Trümmer der jonischen Schule wieder zusammen, und zog die Sittenlehre als die allerwichtigste Wissenschaft der Naturlchre vor: er beschäftigte sich bloß mit der Scin- selbsikenntniß und zweifelte nicht, daß in dieser die wahre Weltweisheit zu finden sey. Also mußte die pythagoreische Sekte ihren Ruhm sinken sehen! Aber die vornehmsten Ursachen ihres Falls waren ihre geheimnißvolle Lehren, durch welche sie sich so verdächtig gemacht hatte, und die gänzliche Trennung derjenigen Anhänger, die man nicht unter die Eingeweyhetcn aufnahm; denn die Trennung einer Gesellschaft seht allemal gewisse Miß-Helligkeiten voraus und gebierst den bittersten Haß. Aber die Haupkursache der Aushebung einer an sich nützlichen Gesellschaft ist gemeiniglich der Stolz und die Verachtung, mit welchen sie andern, die nicbtzu der Gesellschaft gehören, etwa begegnen. Die Pythagoräcr nannten alke andere Menschen Verstorbene: und diese toden Menschen verjagten endlich selbst die Pythagoräer aus dein Lande der Lebendigen. §. Rleostrates, aus Tenedos, lebte um das Jahr 5zr vor Christi Geburt. Von diesem glaubt man, er habe die Punkte der Sonnenwenden und Nachtglek- chen auf den achten Grad der zugehörigen Sternbilder bestimmt:* allein diese Bestimmung scheint eher aufdaö achte Jahrhunder vor Christi Geburt als auf das sechste zu paßen **; und hieraus erhellet aufs neue, daß alle diese vorgebliche astronomische Arbeiten der griechischen Philosophen nichts als Erfindungen der Chaldäer oder anderer morgenländischer Nationen gewesen find: sie * Oe Omenäsklone Oemp. O II. x. 62. ** 2ttn Band. 6 . Absch. §- 12. 2yr Sternkunde bey den Pythagoräern, sie paßten nicht einmal mehr auf die Zeiten der griechischen Philosophen. Rleostraces beschäftigte sich ferner mit einer Verbesserung der griechischen Zeitrechnung und war der Er. sinder der Oktaeteride, oder der achtjährigen Periode. Denn nachdem man die, beynahe wahre, Größe des Son- nenjahreö von z6s und einem Viertelstage in Griechenland, entweder von dem Thales oder von einem andern Philosophen angenommen hatte, da bemerkte Aleojtra- tes noch überdieß, daß zwölf Mondenrevolutionen eilf und einen ViertelSkag weniger, als angeführtes Sonnen- jahr, enthielt; denn er schätzte jede Mondrevolution auf 27 und einen halben Tag: daher mulkiplicirte er in Tage und ein Viertel mit 8 , und bekam solchergestalt 90 Tage, die drei) dreyßigtägige Monathe ausmachten. Also hatte er die achtjährige Periode, die aus 5-6 Mon- denmonathen und drey dreyßigtägigen Schaltmouarhen bestand. Und der ganze Jrrthum dieser Periode erstreckt sich etwa auf zt, Stunden. Naucelcs, Mnesiftracus, Dostrheus, von welchen eö hieß, daß sie die Sterne beobachtet hätten, nahmen einige Veränderungen mit dieser Periode in Rück- sicht auf die Schaltmonathe vor*. Andere fanden es für gut, am Ende'zwoer achtjährigen Perioden noch drey Tage einzuschalten: und so entstand auss neue eine Periode von fechzehen Jahren, die Hekkädekaeteris ge- nannt wurde. Allein, gleichwie sie sich dadurch der wahren Bewegung des Monds näherten: eben so entfernten sie sich auf der andern Seite von der richtigen Länge des Sonnenjahres. Harpalus war ebenfalls in seinen Bemühungen nicht glücklicher. Er bemerkte, daß zwo Tetraeteriden, oder Olympiaden nebst einem dreyßigtägigen Schaltmo- nath * Le»/»»-/««,, c. IZ. Stoikern u. einigen andern Philosophen. 27z nathe, 2924 Tage enthielten; eine Oktaeterids betrug deren nur 2922 und daher zween Tage weniger als jene : also folgte, daß der Neumond nach dieser Zeitrechnung niemals wieder auf den ersten Tag des ersten Monaths ihres Sonnenjahres fallen konnte; und gleichwohl sollte nach ihrer Einrichtung alle vier Jahre der Neumond, der Neujahrskag und der 'Anfang gedachter olympischen Spie- le auf einen Tag zusammen fallen. Daher fetzt er dieser Oktaeteride zween Tage zu viel hinzu und entfernte sich ebenfalls noch weiter von der wahren Größe des Sonnenjahres. * Nun vermehrten sich angeführte zween Schalttage aller acht Jahre einmal aufs neue und der Irrthum betrug nach sechzig Jahren schon funfzehen Tage: und itzt unterzog sich einer neuen Verbesserung der Schüler des phänus, Mecon, der zu Leukonea ohnweit Athen gebohren war * *. Dieser schlug eine neue Periode, welche aus neunzehen Mondenjahren nebst sieben Schaltmo- nathen, oder aus 19 Sonnenjahren bestand, zu dem Gebrauche bey Bestimmung der Olympiaden vor. Gedachte Schaltmonathe wurden allezeit dem zten, 6ten, 8ten, i i ten, i4ken, l7tenund 19ten Jahre zugefeßt. Auch nahm er eine Veränderung mir den Monathen selbst vor. Denn vorher bediente man sich der ^tägigen und zotagigen Monathe wechselöweise: er aber gab seiner 19jährigen Periode, die aus 2Z5 Monathen bestand, nur n o, 29tägige und l 2;, dreyßigtägige Monathe. Und auf diese Art wurde denn die Bewegung der Sonne und des Mondes hinreichend genau vereinbaret, so, daß sich beyde am Ende dieser Periode beynahe an eben dem Orte des Himmels befanden, wo sie zu Anfänge dersel- * Oe emen6slwne Oernx. II. psZ. 64. ** Oxercit. klinsn- x>. 519- §. . 2 . ben S 274 Sternkunde bey den Pythagoräern, ben mit einander weggelaufen waren. Denn i y Son- nenjahre enthalten 69z 9 Tage, 14 Stunden und 25 Minuten: rz; Mondrevolutionen hingegen betragen 69Z5)Tage, r6 Stunden und Z> Minuten. Uebri- gens war die Abweichung von zwo Stunden und sechs Minuten in Rücksicht auf diese Zeitrechnung nicht sonder- lich zu achten. §- rZ> Die Erfindung gedachter Periode ward von den Griechen mit allgemeinem Beyfall ausgenommen: dovn cs war, eine bequemere zu finden, unmöglich; und sie wurde um das Jahr 4z 2 vor Christi Geburt eingeführt. Keine andere chronologische Erfindung ist von einem so gutem Erfolge und mit so vollkommenen Beyfall, wie diese Erfindung des Meron, begleitet worden. Alle griechische Städte und Colonien nahmen sie einstimmig aus, und belegten diese Periode mit dem Namen der goldenen Zahl, um ihre Vortreflichkeit anzuzeigen. Und die. sen Namen führt sie noch bis diese Stunde bey den meisten europäischen Nationen. Nach dem Tode des Meton pflegten die Astronomen in den vornehmsten Städten Griechenlands, nach dem Beyspiele des Ufleron, noch immer gewisse Tafeln auszustellen, aus welchen sie alle Jahre die Zahl der bereits verflossenen ganzen goldenen Zeitzirkel sowohl als deren einzelne Jahre, wie auch die bevorstehenden Wer- terveranderungen und ohne Zweifel auch die Tage ihrer Feste anzeigten. Dieß waren also die griechischen Ca- lender. §. 14. Aber uns scheint es demohngeachtet nicht, als ob Meron der wahre Erfinder dieser goldenen Zahl, welche wegen ihrer sonderbaren Genauigkeit ohnstreitig unserer neuern Sternkunde selbst viel Ehre machen würde, gewesen seyn kann. Denn die Griechen hatten bisher noch Stoikern u. einigen andern Philosophen. 275 noch keine so akkuraten Beobachtungen angestellet, durch welche sie den Lauf der Sonne und des Monds so genau hatten bestimmen können. Man weiß ja, worinne die erste astronomische Beobachtung der Griechen bestand? nämlich Eukcemon und Meton selbst beobachteten zuerst im Jahre g;r vor unserer Zeitrechnung die Sommersonnenwende. Es ist aber leichte zu begreiffen, wo Mecon diese guten Einsichten von dem Lause gedachter beyden Weltkörper hergeholet haben mag. Denn man behauptet: er habe sich einige Zeit in Aegypten aufge- halten *; und warum den nicht auch in Chaldäa ? Wer einmal, um die Wissenschaften zu erlernen, auf Reisen gehet, der gehet doch wohl auch zu der Quelle derselben? Also hatte Meron diese Idee sicher bey den Chaldäern oder Aegyptiern erhascht. Er durfte nur von jener i jährigen Periode, die beynahe bey allen oben angeführten alten Völkern im Gebrauch war, benachrichtigt seyn: und er war verschlagen genug, sie in seinem Vaterlands, nach dem Beyspiels anderer Griechen, für seine eigene Erfindung auszugeben. Uns scheint diese Konjektur allerdings viel wahrscheinlicher als jene lange Reihe von Ideen und Vernunstschlüssen, durch welche nach Sca- ligers Meynung, Mecon seinen goldenen Zeitkreis erfunden haben soll.** Aber gesetzt: er habe von jener 19jährigen Periode der Alten nichts gewußt: so muß ihm doch die Periode der Chaldäer von 22z Mondrevolutionen , oder 18 Jahren und ohngefehr i o Tagen bekannt gewesen seyn. 'Also durfte er nur noch ein Mon- denjahr von Z54 Tagen und etlichen Stunden hinzuse- Hen, um auf den Gedanken von seiner l yjahrigen Periode zu kommen. Und wenn der letztere Fall statt findet: so wird er dem Mecon noch immer Ehre genug S r machen. * 2ten Band. 7. Absch. H. 7. ** äca/r^e?-. Oe Lttisuä. ssemp. l.. II. p. 74. 276 Sternkunde bey den Pythagoräern, machen. Denn es ist übrigens bekannt, daß die Griechen in dieser Wissenschaft wenig oder nichts selbst erftin- den, sondern nur den. Ueberrest jener alter; erhabenen Sternkunde aus den Morgenländern nach Hause getragen, und aus ihrem Grund und Boden ein neues Gebäude daraus aufgesührk haben. Aber, um wieder auf den Faden unserer Geschichte zu komme«;: so entstanden auf solche Art in Griechenland die Ephemeriden oder Tafeln, auf welcher« die Festtage, die Jahreszeiten, die Erscheinung der Sternein der Morgenröthe u. s. w. ausgezeichnet waren: und diese nannte man überhaupt die Ephemeriden des Mecon.* Aber unter allen diesen Bestimmungen, gehörte ihm eigentlich weiter nichts, als gedachte goldne Zahl, zu; das übrige war schon zu den Zeiten des Hestodus und noch vorher üblich. Man weiß übrigens nicht, zu welcher Zeit Meron, der sich doch in Griecheirland so großen Ruhm erwarb, qebohren worden ist, und eben so weiß man auch nichts von den Umständen seines Todes. Man weiß bloß, das er den Griechen seine Periode im Jahre 4 ;r vor Lhri, fti Geburt vorgeschlagen hat und daß sie auch noch in den nämlichen Jahre eingeführt worden ist * *. §. 15. Wir müssen nun auch einen Blick auf die noch älter» Zeiten der griechischen Geschichte werfen, und die Lehren der Philosophen zu Elea, beleuchten, welche, wie bekannt, vorzüglich die Dialektik studirten, und deren ganze Astronomie in einige» größtentheilö sehr lächerlichen Hypothesen bestand. Teriophanes, der Stifter dieser Sekte, lebte ums Jahr 6;o vor Christi Geburt, und hatte gar nicht die gesun- * Oe re rutiica. und 2 ten Band. Msch. 7» §- 9- ** Vsr. Olli. I.1d. XIII. e. 2 » Stoikern u. einigen andern Philosophen. 277 gesunden philosophischen Begriffe, die man ihm insgemein andichtet. Wenn man dem plucarc!) * hierinne trauen darf: so glaubte Lenophanes , die Sterne verlöschten des Morgens und würden am Abende wieder angezündet; er sagte ferner: die Sonne ist eine bren- ncnde Wolke;** die Sonnenfinsternisse entstehen, wenn gedachte brennende Wolke irgend einmal verlöscht und und sich sofort von selbst wieder entzündet; 7 im Monde find Menschen, aber er ist auch achtzehn mal größer als die Erdess; und cS giebt viel Monden und viel Sonnen in der Welk, welche die verschiedenen, weit von einander entfernten, Gegenden des Erdballs erleuchten. Wenn man dergleichen alberne Meynungen, die dem Xeno- ppanes zugeschrieben werden, liest: so kömmt man fast auf die Gedanken, als ob sich der Geschichtschreiber gar über ihn lustig machen wolle und die größte Unwahrheit rede. Denn es ist doch sonderbar, daß dergleichen Ideen in dem Gehirne des .Lenophanes noch hundert Jahre nach dem Thales auSgeheckt worden seyn sollen. Er glaubte ferner, die Sonne bewege sich in einer geraden Linie, und die Erscheinung, als ob sie sich in einem Kreise um die Erde herumwälze, entstehe bloß wegen ihres große», Abstandes von der Erde ; und man hat ehedem die scheinbar kreisförmige Bewegung der Kometen auf eben diese Hypothese zurück zuführen gesucht: allein es ist schlechterdings unmöglich, daß sich ein Kör- per, der in einer geraden Linie bewegt wird, kreisförmig zu bewegen scheinen kann, wenn man das Auge des Beobachters ruhend annimmt; und man hat diesen Philosophen ohnfehlbar wieder unrecht verstanden. Vielleicht betrachtete er die Ekliptik, oderden Kreis überhaupt, wie S z die * Os klaciii? pbilokopbormn. O. II. c. IZ. ** Ebendaselbst, c. 20. 7 Ebend. c. 24. s 7 OsetanrE. Oivin. Institut. I.. III. c. 2Z. 278 Sternkunde bey den Pythagoraern, die Mathematiker, als ein Unendlicheck: und dann konnte er freylich mit mehrerm Rechte annehmen, daß sich die Sonne in jedem unendlich kleinen Zeiträume, durch eine unendlich kleine gerade Linie bewegte. Der klügste unter allen Gedanken, die Tenopha» lies geäußert hat, ist der, daß die Erde emstmalen über, all von dem Meere bedeckt gewesen sey. Und diesen Sah bewies er aus der Gegenwart verschiedener Seethicre und Meergewächse auf den Bergen sowohl, als in dem Inn- ern der Erde selbst*. §. 16. Diesem folgte parmenides. Der theilte den Erd- ball, wie Tbales, in fünfZonen ab, ** und war der erste, der das Vorurtheil hegte, als ob die Erde bloß in den temperirten Erdstrichen bewohnbar wär. f Die Erde hielt er für eine Kugel, die im Mittelpunkte der Welt läge und sehte hinzu, daß sie deswegen in die Mitte gesetzt worden wäre, weil sich ohne einen zureichenden Grund überhaupt nichts bewegen könnte: und in dem Mittelpunkte der Welt finde die Erde allerdings keinen zureichenden Grund einiger Bewegung ff Ob nun diese Erklärung des parmenides gleich nicht vollkommen auf unsere ißigen astronomischen Begriffe von der Erde paßt: so ist sie doch gut philosophisch ausgedacht. Denn es ist nicht zu längnen, daß auch die größten Astronomen, ehe Newtons Attraktion be- kannt wurde, darüber, was doch wohl die Welrkörpec in ihrerLage gegen einander erhielte, allerdings viel spe- culirten. Also erklärte parmenides die Sache aus dem zureichenden Grunde, dessen sich in der Folge auch Archimed und Lerbnirz mit gutem Erfolge in andern Wissenschaften bedient haben. §. r?' * O/oFcnej ** c. ZI. f De placikis kbilok. D. III. c. Z. ff Ebendaselbst, c. 15. Stoikern u. einigen andern Philosophen. 279 §. 17. Lencippus ist wegen seiner Körperchensphilosophie, deren Urheber er gewesen ist, berühmt; ihm folgte De- mokricns: und dieser, der auch der Philosoph von Ab- dcra hieß, ward in der 8osten Olympiade, oder 456 Jahr vor Christi Geburt gebohren; er lebte also mit dem L 77 eton zu gleicher Zeit. Daherist es zu verwun- dem, daß er sich einen Zirkel von 8r Jahren, der doch in der That unvollkommener als jener neunzehnjährige war, vorzuschlagen unterstand. Demokritus gieng auch auf Reisen, um bey den Aegyptiern, Chaldäern und Gymnosophisten, oder Brammen die Wissenschaften zu erlernen. Er hat viel Bücher über die Metaphysik, Moral, Arzeykunde, Naturlehre, Ackerbau, Kosmographie, Sternkunde, Geometrie, Tonkunst, Grammatik, Dichtkunst u. s. w. geschrieben, welche aber alle verlohren gegangen sind: aber wir wollen uns nur auf seine Lehren, die unfern Gegenstand , die Sternkunde betreffen, einschranken. Und da hat er ein ganzes Werk über die Planeten, ein anderes über die Natur des Himmels und eine Abhandlung, die das große Jahr oder überhaupt die Astronomie hieß, geschrieben. Auch ist er ohne Zweifel der Verfasser jenes CalenderS ,in welchem das Erscheinen und Verschwinden der Sterne unter den Sonnenstralen angezeigt wurde. Demokrirus ist auch der Urheber des Systems von den Atomen, von welchem jedoch sein Vorgänger, Leucippus, verschiedene Gedanken geäußert hat. Man weiß nicht, was Laertius sagen will, wenn er bey dieser Nachricht hinzufügt, daß diese Atomen, sowohl in Rücksicht auf ihre Menge als Größe, unendlich seyn sollten: es wäre eine absurde Meynung, die sich von diesem Philosophen nicht denken läßt. Aber Ließ ist wieder ein Beweis, daß die Geschichtschreiber die Lehrsätze S 4 der 28c> Sternkunde bey den Pythagoraern, der Philosophen oft sehr schlecht verstanden und verdrehet haben. §. i 8 Unter allen philosophischen Ideen des Demokrirus hat uns die von der Milchstraße am besten gefallen. Er war der erste, der sie für eine Menge nahe beysammen- stehender Sterne, die wegen ihrer erstaunenden Entfer. nung dem Auge nicht deutlich erschienen, und deren ver- mischteö Licht bloß diesen weißlichen Schein verursachte, ausgab*. Die neuern Astronomen haben in dieser Mennung nichts unwahrscheinliches gefunden und cs ist bekannt, daß sie alle von der Milchstraße eben so, wie Demokrimo denken**. Aber Demokrirus machte auch eine Anwendung dieser glücklichen Idee auf die Ko. meten und glaubte diese waren ebenfalls aus dem Zusammenstuß verschiedener Planeten entstanden?** Aus dieser Ursache hat er auch behauptet, daß man die wahre Anzahl der Planeten nicht bestimmen könne: denn es sey wahrscheinlich, daß eine große Menge derselben existire und, vermittelst eines ohngefehren Zusammenflusses, zweener oder mehrerer derselbe», allemal einen Kometen bilde. Und in dieser Mcynung wurde er dadurch noch mehr bestärkt, weil er zuweilen an dem Orte des Himmels, wo ihm ein Komet zu verschwinden schien, ei- nen neuen Stern zu sehen glaubte. Denn so mußte es ihm freylich so Vorkommen, als ob die Kometen nicht nur in andere Sterne verwandelt würden, sondern auch daraus entstanden. Aber Aristoteles widerlegte den Demokrittts dadurch, daß sich doch dergleichen Er- scheinungen mit jedem Kometen ereignen müßten, wenn die * Oe ?Iacilir pbilolopb. I.. III. c. I. ** Or klein- äe 1'^esciemie Ü68 8ciencer. 17-;-;. p- '04. *** Nm. I.. VII. c. 2. Stoikern u. einigen andern Philosophen. 281 die Meynung des Demokricus gegründet seyn sollte. * Uebrigens ist es nicht wahrscheinlich, daß Demokricus und die andern Griechen seiner Zeit, die doch seit dem dem Thüles mit den Aegyptiern und orientalischen Nationen in Verbindung standen, die bekannte Zahl der Planeten nicht sollten gekannt haben. Der berühmteste Schüler des Demokricus war Mecrodorus. Dieser behauptete ebenfalls, wie jener, die Vielheit der Welten. Dieser Meynung haben wir deswegen bey dem Demokricus nicht gedacht, weil sie allen Griechen überhaupt gemein war. Aber in Rücksicht auf die Meynung von der Milchstraße verließ Me- rrodorus seinen Lehrer und folgte dem Venopides, der sie für den ehemaligen und gleichsam verkalchten Son- nenweq hielt. Vielleicht hatte er was von jenen oben angeführten ägyptischen Traditionen, daß die Ekliptik einst, malen den Aequator fast rechtwinkelicht durchschnitten habe, erschnappt. Und da er sah, daß der Aequatvr mit der Milchstraße einen weit großem Winkel als mit dem ihiqen Sonnenwege machte: so schloß er vielleicht, daß dieß der Weg seyn könnte, welchen ihn die ägyptischen Traditionen bekannt gemacht hatten. Neunter Abschnitt. Ueber die Sternkunde bey den Akademikern. P §. i. I^laco war der Mann, der Epoche machte und ein Helles Licht über seine Nation ausgoß. Dieser kon- centrirte all das Gute, was vor ihm die Pykhagoraer in der Naturlehre, die jonischen Philosophen in der Sternkunde, Sokrates in der Moral, und die Weltweisen S s zu * Oe >lereorc»I. O. l. c. lv. 2Z2 Sternkunde bey den Akademikern. zu Elea in der Dialektik, gestiftet hatten: und sein Grundsatz , nach welchem er keinen Unwissenden in der Geometrie seinen Vorlesungen beyzuwohuen verstattete, war ohnfehlbar die Ursache, daß die Platoniker deutlich und richtig denken konnten. Plato ist, wie bekannt, wegen seiner Beredsamkeit, Philosophie und Meßkunst berühmt: aber Astro- nome war er selbst nicht: doch schätzte er diese Wissen, schaft hoch, und er suchte sie auf alle nur mögliche Wei- se zu befördern. Er sagte: der Mensch hat deswegen zwey Augen, daß er die vortrefliche Regelmäßigkeit jener unaufhörlichen Bewegung der Weltkörper bewundern, und von ihnen die Ordnring seiner eigenen Geschäfte und die regelmäßige Einrichtung seiner Handlungen lernen soll.* Nach der Meynung des Gregory** glaubte Plato, die Weltkörper hätten sich anfangs bloß in geraden Linien bewegt, aber daun hätte sie dis Schwere eine kreisförmige Bewegung anzunehmen genöthigk. Die Ursachen der Finsternissen kannte er vollkommen. Und was die Ordnung der Planeten anbetrifft, die ließ er in folgender Lage auseinander folgen: Saturn, Jupiter, Mars, Venus, Merkur, Sonne, Mond und Erde: die letztere setzte er in den Mittelpunkt der Welt * **. Nun setzten die Chaldäer wie auch Pythagoras den Merkur und die Venus unter die Sonne, f und gleichwohl that pla- ro das Gegentheil? Vielleicht hat er diese Idee mit aus Aegypten gebracht: denn er war bloß in diesem Lande und nicht im Orient gewesen. Aber man glaubt: Plato habe zuletzt noch seine Meynung geändert, und die Erde selbst für beweglich gehalten; denn plucarcl) ff spricht: * De bis, gui lero a numiue puniuntur. ** prklofar. .^Kion. kb^s. *** I. c. s,. II. c. i;. t Oben. Absch. 8- §. 4> äk In Rum». Sternkunde bey den Akademikern. 2§z spricht: »Plato glaubte in seinem Alter selbst noch, daß die Erde keinesweges im Mittelpunkte der Welt schwebte: denn der Mittelpunkt der Welt wäre für die Erde eine viel zu erhabene und ehrwürdige Stelle: und diese müßte ohne Zweifel von einem weit hohem Wesen, als die Erde ist, bewohnt werden." Er kannte die Bewegung der Erde, um ihre Axe sowohl, als um die Sonne ganz gewiß. Und wir dürfen nicht zu bemerken vergessen, daß dieser Philosoph die Gestirne überhaupt mit dem schönen Namen der Zeitmesser belegte. * plaro soll auch, da die Griechen keine andere Uhr ren als Sonnenzeiger hatten, ein hydraulisches Werkzeug, um die Zeit bey trüben Tagen und in der Nacht zu bestimmen, erfunden haben.** Aber man stehet leichte, daß er bloß den Gebrauch der agvptischen Wasseruhren in seinem Vaterlande eingeführet haben mag. §- 2. Man findet eine Stelle in der Epinomis des Plato, aus welcher sich die ganze Beschaffenheit der griechischen Sternkunde von den Zeiten des -Hesiodus bis auf den Plato, ergiebt. Dieser Philosoph sah wohl ein, daß die, von dem Hestodus überlieferten astronomischen Beobachtungen, um auf sie die Sternkunde zu gründen, nicht hinreichend waren. Er sagte: „die wahre Sternkunde ist eine Wissenschaft, welche ein göttliches Genie erfordert. Nicht der, welcher nach dem Hestodus die Erscheinungen der Gestirne und andere dergleichen himmlische Begebenheiten beobachtet, ist ein Astronome: sondern der, welcher die Bewegung der acht Sphären kennt, und weiß, wie sich die sieben kleinern innerhalb der aus- sersten größten um einander herumwälzen, oder nach welchen Gesetzen jede derselben ihren Umlauf vollendet. Aber zu * sten Band. 8 Abfch. h. r. äo/nr. x. 45V- 28 4 Sternkunde bey den Akademikern. zu diesen Betrachtungen wird viel Nachdenken und erhabene Weisheit verlangt. Man muß missen, was den Mond so schnell und sicher in seinem Gleise dahin leitet und regelmäßig wieder .urückebringt: Man muß begreifen können, warum die Sonne ihre Wendungen und die Nachtgleichen oder die Abwechselung der Jahreszeiten bewirkt; auch muß man den wunderbaren Lauf der Planeten und die Revolutionen der übrigen Jrrsterne bestimmen können: und eö ist schwer, dieß alles vollkommen einzusehen; aber es ist demohngeachtet nicht unmöglich. Denn man darf nur den Verstand erstlich durch die Erlernung der Geometrie und hernach durch eine lange Reihe von Beobachtungen scharfen und erweitern. Uebri- gens ist es lächerlich, daß man die Wissenschaft von den Größen, oder die Mathematik, init dem Namen der Geometrie belegt hat." plaro will hiermit ohne Zweifel bloß so viel sagen, daß es deswegen, die Mathematik mit dem Namen der Erdmeßkunst zu belegen, unschicklich sei), weil man doch damals die Erde auözumessen noch nicht verstand. Man flehet übrigens aus dieser Stelle, daß die Sternkunde bey den Griechen, wie bereits gesagt worden ist, noch nicht hoch gestiegen war. Aber Plato sah doch sehr wohl ein, woran es eigentlich fehlte. Er kannte die Hilfsmittel, deren sie benöthigt war, und die, aus ihrer Bearbeitung zu erwartenden Vortheile für die übrigen Wissenschaften. §- P Aus einer Stelle des Gimplicius* erhellet, daß Plato den Astronomen die Frage, wie der Rücklauf, der Skillestand und das Vorwärtsgehen der Planeten, mit ihrer kreisförmigen Bewegung übereinsiimme, aufzulösen vorgelegt hat: und diese Wißbegierde fleht dem plaro ähnlich. Aber diese Aufgabe, die sich Eutoxus aufzu- * Os coelo. O. II. Lomment. 6. Sternkunde bey den Akademikern. 285 aufzulösen bemühete, gab auch in der Folge zu allen den seltsamen Verwirrungen mit jenen kleinern Kreisen, oder Epicykeln, in welchen sich die Planeten an ihren Hauptbahnen radsörmig herumwalzcn sollten, Anlaß. Man behandelte die Sternkunde in Griechenland nunmehro überhaupt als eine ordentliche Wissenschaft. Denn vor dem bestand sie bloß aus einigen einzelnen Bemerkungen, die ihre Weltweisen aus fremden Landern geholet hatten, und aus einigen unter einander geworfenen schlechten Beobachtungen. Eudozmo, der größte griechische Astronome vor den Astronomen zu Alexandrien, war ein Freund des Plato : aber er bekannte sich doch eigentlich zu der py° rhagorischen Sekte. Daher ist es kein Wunder, daß Sexrus Empirikus'" den Lndopus und ^ipparch, als die berühmtesten griechischen Astronomen, auführc: und dieß macht dem Eudopus ohnstreitig viel Ehre, daß ihm Gexnrs Empuikus den -Hipparch zum Collegen giebt. Seine Begierde, die Wissenschaften in ihrer Quelle aufzusuchen, führte ihn, nach einiger Mey- nung ** mitdem ArzteChrysi'ppUS,nach andern hingegen, mit dem Plato selbst nach Aegypten * Nach der Nachricht des Srrabo, hat er sich dreyzehen Jahre, nachdem LaertLus hingegen, nur 16 Mcnathe lang daselbst aufgehalten. Aber dieß ist gewiß, daß ihm Agesilaus ein Empfehlungsschreiben an den ägyptischen König LTIekcanebus mitgab: und dieser empsohl ihn den Priestern zu Heliopoliö. Hier hatte er nun die Quelle lieber gar auSgetrunken, wenn es möglich gewesen wäre: so begierig dürstete er nach Wissenschaften. Er sammelte auf dieser Reise die in Asien, Welschland, Sicilien lind * ^clverkus XtsrbemsncnL. I.. V. *"* L'r-'s/-s. üeoZraxli. I.. XVH. 286 Sternkunde bey den Akademikern. und Aegypten ehemals gemachten Beobachtungen über das Hervorrücken der Sterne aus den Sonnenenstralen, und verfertigte einen Kalender, der nach seinem Namen genannt wurde.* §» 4 - Aber zuerst erwarb sich Ludoxus auf seiner Reise die Kenntniß von der wahren Größe des Mondenmo- naths: denn er setzte ihn nach unser» gewöhnlichen Ausdruck, auf 29 Tage 12 Stunden, 4z Minuten und Z8 Sekunden** *** Er brachte ferner die wahre Größe . des Sonnenjahres von z6; und einem Viertelstage aus Aegypten mit nach Griechenland. Dieß ist das Jahr, welches in jener kleinen griechischen Periode viermal enthalten war. Und im ersten Jahre dieser Perioden sollte, nach der Meynung des Ludoxus, die Witterung alle Tage eben so, wie vor vier Jahren erfolgen. ** * Die Griechen nannten diese Periode Tetraekeris des Lu- doxus. Und sie ist die gemeine Periode unserer Schaltjahre. Man eignete ihm auch die Erfindung der oben angeführten Oktaeteride des Rleostracus zu: allein es ist wahrscheinlich, daß er sie nur etwa genauer bestimmt und berichtigt hat. Denn wie könnte der Vorschlag einer neuen Oktaeteride des Ludoxus Beyfall gefunden haben, da ihn doch die weit vollkommenere neunzehen- jahrige Penode des Meton weit zuvorgekommen war? Gemüms f gedenkt auch eines 16ojahriqen Zeitkrei- ses, ohne deren Erfinder zu nennen; und Gcaliczer ff macht den Ludoxus ebenfalls zum Urheber derselben; aber er sagt nicht, woher er dieses weiß. Die * Oe »ppsrenrils inerranrium. p. yz. ** OeLmenclsrione lemp. I.. III. p.. 67. *** O II. c. 47. f In VtsnoloA c. 6. ff Os emeuäsr. remx. I. s. Sternkunde bey den Akademikern. 287 Die Griechen waren überhaupt, wegen der Olympiaden, vor die Perioden, die sich durch du Zahl 4 ohne Bruch theilen ließen, sehr eingenommen; und diese Eigenschaft hakte die Metonische nicht: daher kann wohl seyn, daß sic einige Neigung gegen die Oktaeteride des Zxlesstraces hegten. untersuchte dieß und bemühete sich, sie zu verbessern. Er sah, daß 99 Mon- denmonathe 291g und einen halben Tag, acht Sonnenjahre hingegen , jedes auf z6; lind einen Viertelstag gerechnet, zyrr Tage enthielen. Also waren 99 Mon- denmonathe um einen und einen halben Tag größer als acht Jahr, und Eudopus durfte nur nach 20 verlaufenen Oktaeteriden einen dreyßigtagigen Monath einschalten. Acht mal io gab die Periode von 160 Jahren, die ScaliFer dem Eudoxus zueignet, und die ohnfthlbar dazu, daß man den Eudopus auch für den Erfinder der Oktaeteride selbst halt, Gelegenheit gegeben hat. Unterdessen haben doch die Griechen von dieser r 62jährigen Periode niemals Gebrauch gemacht. Denn sie wurde ohne Zweifel von der, bald hernach erfundenen -76jährigen Periode des Ralippus, weil sie sich durch die goldene Zahl 19 sowohl, als durch die vierjährige Periode der Olympiaden theilen ließ, verdrängt. §- 5 - Archimed * spricht: Ludoxus habe den Durchmesser der Sonne*'-'neunzehen mal größer als den Durchmesser des Monds geschäht. Nun findet man in der ägyptischen Geschichte nichts, das mit dieser Ausmessung übereinstimmt und den Eudopus auf dergleichen Ge- * In ^isnklrio. ** Arckimeo führt zugleich noch einen gewissen Nd.iclE ^ccupsrei- an, der den Durchmesser der Sonne rwölf mal größer, als den Di-nncter des Monds angenommen haben soll. Aber von diesem findet man weiter nirgends einige Nachricht. 288 Sternkunde bey den Akademikern. Gedanken gebracht haben kann: daher muß ihm diese Meinung wohl eigenthümlich zugehören. Er muß also gewußt haben, daß die Sonne weiter von der Erde ent. fernt ist, als der Mond. Aber Eudoxus äußerte über. Haupt eine recht brennende Begierde nach einer vollkom» menen Kenntniß dieses großen feurigen Sterns: denn er wünschte sich oft, phaeron zu seyn, daß er die Sonne nur einmal in der Nahe betrachten und dann mit phae- kon sterbe» könnte*. Vitrrw** *** eignet dem Eudoxus auch die Erfindung der Aranea zu. Aranea ist eine Gattung ebener Sonnenuhren. Denn die vielen, auf der ebenen Flache gezogenen Linien, die beynahe wie das Neh einer Spinne aussahen, verursachten die Ähnlichkeit dieses Werkzeugs mit der Aranea und gedachte Benennung. Man hatte die Ssnnenzeiger, wie aus dem vorhergehenden erhellet, zwar schon langst erfunden: aber diese alten Sonnenuh- ren waren nicht eben, sondern in hohle Halbkugelflä- chen verzeichnet. §. 6 . Be» dem Seneca ließt man, daß Eudoxus die Anfangsgründe der Wissenschaft über die Bewegung der Planeten nach Griechenland gebracht habe. Aber man muß unter dieser Wissenschaft wohl die Kenntniß des periodischen Umlaufs der Planeten und etwa die Dauer ihres Rücklaufs, Stillstandes und Rechtlaufö verstehen: denn was eine ordentliche Theorie der Planetenbewegung anbetrifft: da sind Hlpparct) und prolomä die ersten Erfind r. Unterdessen ist doch nicht zu laugnen, daß auch Eudoxus um diese sonderbarscheinende Bewegung der * Inder, guoci lecunäum H>r'c«r«m luavirer vivi non poreck. ** ^rcdirecd I.. IX. c. 9. *** (Duselt, iiarur. I.. VII- c. Z. Sternkunde bey den Akademikern. 289 der Planeten zu erklären, einige Versuche gewagt hak, ob man gleich in der astronomischen Geschichte überhaupt wahrnimmt, daß die Menschen sehr spat auf die Untersuchung der Ursachen natürlicher Begebenheiten gefallen sind; denn die Chaldäer, die Aegyptier, und alle andere Völker des Alterthums haben sich damit gar niemals beschäftigt. Dergleichen Untersuchungen waren bloß den Griechen und den neuern Europäern aufbehalken, und dieß vielleicht aus doppelten Ursachen: erstlich erforderte es die Natur der Sache, daß man vorher eine große Menge von dergleichen Erscheinungen sammeln und zu einer reifem Kennkniß derselben gelangen mußte, ehe der Geist zu den Untersuchungen ihrer Ursachen fortschreiten konnte ; und dann ist auch zu bedenken, daß zu dergleichen Arbeiten aufgeweckte Köpfe und glückliche Fähigkeiten des Geistes, oder griechische Genies, die den orientalischen Nationen und ägyptischen Priestern gänzlich mangelten, nokhwendig erfordert wurden. §- 7 . Es kann dem !eser nicht unangenehm seyn, wenn wir im Vorbeygehen unser Augenmerk auf die artige Ordnung, in welcher einige astronomische Ideen bey den Griechen auf einander gefolgt sind, richten. Ana- xinienes glaubte noch, daß die verschiedenen koncentri- schen Himmel aus Krystall oder überhaupt aus einer festen Maste über einander herum gewölbt wären. Pythagoras gab jedem Planeten seinen eigenen Himmel von dieser Art, und ließ, durch die Bewegung gedachter koncentrischen hohlen Kugeln das himmlische Concert spielen. Eudsxus, der den Rücklauf, das Stillstehen und die Rechtläustgkeit der Planeten kannte, sah wohl ein, daß die großen Sphären, welche sich mit ihren daran befestigten Planeten, vermöge des Grundsatzes von der Vollkommenheit, gleichförmig herumwälzten, nicht auch jene Ungleichförmigkeit des Planetenlaufs bewirken T konn- 290 Sternkunde bey den Akademikern. konnten: daher setzte er die Planeten an kleinere Sphären , die sich an ihren 'zugehörigen großen Himmeln hcr- umwälzten Aber er gab auch selbst der Sonne drey koncenkrische Himmel: der erste drehere fick) täglich einmal aus Morgen gegen Abend um die ?lre des 2lequa- Lors herum und führte die daran befestigte Sonne so mit sich fort, daß Tag und Nacht entstand; der zweete dra- hete sich um die Axe der Ekliptik in einem Jahre herum und verursachte die Abwechselung der Jahreszeiten; und der dritte bewegte sich überaus langsam gerade aus Mitternacht gegen Mittag und verringerte auf solche Art den Neigungswinkel der Ekliptik gegen den Aegnator, von Zeit zu Zeit, um einen sehr geringen Theil. Eben so bekam auch der Mond seine drey Sphären, die ihn auch in seiner dreyfach zusammengesetzten Bewegung erhielten. Jeder von den übrigen Planeten hatte vier Himmel: nämlich dreye für die tägliche Bewegung und für dis Bewegung der Lange und Breite, wie bey dem Mond: und der vierte kleinere Himmel wurde noch, um den Rücklauf und Stillstand derselben zu erklären, hinzugesetzk. Noch ist zu merken, daß die durchsichtige Masse dieser Himmel sehr dicke war, und daß sich die Planeten, bloß wegen der überaus großen Dicke dieser Himmel, die mit ihren Flachen allerdings einander berührten, in verschiedenen Entfernungen von der Erde befinden mußten. Diese Hypothese ist freylich sonderbar genug ausgedacht. Sie fand bey den Griechen vielen Beyfall. Aristoteles bewunderte ihre Schönheit und war mit dem Ett- doplis einerlei) Meynung. §. 8 . Rallippus, der Autor einer bereits oben angeführten berühmten Periode, und Polemarch, des erstem Lehrer, den Eudoxus gebildet hatte, unternahmen bloß des- * d.. XII. L. 8, Sternkunde key den Akademikern. 291 deswegen eine Reise nach Athen, um sich mit dem Aristoteles, wegen einigen Veränderungen, die man mit dein Weltsystem des Eudoxus vernehmen wollte, zu berathschlagen. Aber diese Abänderung machte jenes System erst recht verworren. Denn außer jenen r6 Sphären, die Ludoxus Angeführt hatt, setzte Ra. lippus deren noch zg in das Weltsystem. Dem Mars, der Venus und dem Merkur gab er, außer jenen vier Himmeln des Eudoxus, noch den fünften, vermuth- lich um deren Rücklauf und Stillestand desto besser zu erklären. Und da inan eine neue Ungleichformigkeit, von welcher man weiter nichts BestimirtteS ausgezeichnet sin- det, in der Bewegung des Monds bemerkt hatte: so setzte er zu den drey Sphären desselben noch zwo neue hinzu. Es ist wahrscheinlich, daß sich diese neue Bemerkung auf die Bewegung der Knoten bezogen hat. Die Sonne wurde auch nicht vergessen: er versah sie mit zwo neuen Himmeln, um die von Euktemon und Meto!» bemerkten Abweichungen des Sonnenlaufs zu erklären. Diese Abweichung bestand ohnfehlbar darinne, daß die Sonne um die Zeiten ihrer Wendungen etwa 8 Tage lang die Deklination nicht merklich verändert, da doch diese Veränderung um die Zeiten der Nachkgleichen täglich bemerkt werden konnte. Und diese zwo Sphären haben ohnfehlbar gedachte Eigenschaft des Sonnenlaufs bewirken sollen. Allein da sich alle diese, in einander herumlaufende, Sphären, wegen der Berührung ihrer Flächen zu sehe gerieben und einander in ihrer Bewegung gehindert hätten : so setzte man allemal zwischen zwo und zwo dersel- ben eine neue, die sich gar nicht bewegte: und so bestand das ganze Weltsystem aus 56 Himmeln, wenn man T r den * Lo»r//ar^ scheint dieß auch wahrscheinlich, ^ür. k!ü- 1o5. ?role§. x. 15 . 292 Sternkunde bey den Akademikern. den Himmel der Fixsterne mitrechnek*. Aber dieß soll- te man kaum glauben, daß diese Verbesserung den Bey- , fall des Arisrsrelcs, dieses zu seiner Zeit so großen Ge- nies, erhielt. Doch man muß aufdie übrigen Umstande seines Jahrhunderts Rücksicht nehmen: und dann ist es eben kein Wunder, so was zu behaupten. §- 9 - Was die oben angeführte Verminderung des Winkels der Sonnenbahn anbekriffk, davon kann Endsxus seine Kenntniß allerdings in Aegypten erlangt haben. Chevalier de Eolwiüe hat vor uns ebenfalls die Gedanken geäußert, daß diese Verminderung den Aegnpti- ern bekannt gewesen seyn muß: denn er schloß dieses auch aus jener oben angeführten Tradition von der ehemaligen rechtwinklichten Lage der Ekliptik gegen den Aequa- ror. Und es ist aus dieser, ohne Zweifel überaus alten, Tradition klar, daß gedachte Verminderung des Neigungswinkels der Ekliptik schon jenem ganz alten aufgeklärtem Volke bekannt gewesen ist. Noch ist zu merken, daß Endtzxus die Bewegung der Knoten des MondeSwegeS gekannt hat. Er wußte sehr gut, daß der Mondenweg mit der Ekliptik spitzige Winkel bildete, und daß diese Winkel oder die Durch- schnittSpunkte durch den Thierkreis stets in verkehrter Ordnung der Sternbilder fortrnckten** *** Eudoxus hatte auch zween Bücher geschrieben: eines hieß, der Spiegel, und das andere, die Erschei- nungen. * ** Nach der Meynung des -Hipparck), zu dessen Lebzeiten gedachte Schriften noch existirten, behandelten beyde Werke im Grunde einerley Gegenstand. Sie bestandet« in einer Anweisung zur Kenntniß des ge- siirn- * Oe coelo. I.. II. Lomm. 46. 2ten Bandes. Absch. g. §.2. ** I. c. *** klomm, in l.. I. p. r/g. Sternkunde bey den Akademikern. 29z stirnten Himmels, die in einem leichten Vorträge abgefaßt war. Das erste Buch enthielt bloß die Beschreibung der Sternbilder und ihre Lage gegen einander: das zweyte hingegen zeigte die Zeit der Erscheinung dieser Gestirne in der Morgenröthe und ihr Verschwinden in der Abenddämmerung an. Uns ist von diesen Werken nichts als einige Auszüge in des ^»ipparchs Commentar über das Gedichte des Ararus aufbehalten worden. Aber diese Fragmente sind doch, wegen der darinne enthaltenen sehr akkuraten Beschreibung der alten Himmelsku- gel überaus schätzbar; und das Gedicht des Aratus, welches ohne Zweifel all das wesentliche jener gedachten zween Bücher enthält, ergänzt die Fragmente derselben vollkommen. Aus diesem Gedicht erhellet sogar, daß Eudorus, dieser berühmte griechische Astronome, kein Beobachter war. Denn, hatte er die Sterne selbst angesehen: so würde er sie nicht, in Rücksicht auf die Punkte der Nachtgleichen, so, wie sie rvOo Jahr vor seinem Jahrhunderte standen, geordnet haben. Uebrigens macht doch dieses dem Eudoxus große Ehre, daß er den albernen Kram der Astrologen wegwarf und die Menschen, vor der Leichtgläubigkeit an die Prophezeyhungen der Chaldäer, warntet Und dieß ist auch die Epoche, mit welcher sich die Trennung der Astrologie und Astronomie anfangt. Beyde sind Töchter einer einzigen Mutter: aber nur die letztere kann auf eine rechtmäßige Geburt Anspruch machen. Ludoxus starb um das Jahr z68 vor unserer Zeitrechnung. ** Aristoteles war eigentlich kein Sternkundiger: aber er war doch unter den Alten ohne Zweifel einer der be- T ; rühm. * Occr'o. De Dlvinsr. I.. II- c. 42. ** k^er-er. Dekenke. de 1 s Lbronol. p. 465. 294 Sternkunde bey den Akademikern^ rübmteste» Philosophen; und wir können ihm ohne Bedenke» wegen seiner Beobachtungen, die er selbst be. scinAbt, auch eine Stelle unter den Astronomen einräu- men. Denn er hat die Bedeckungen des Mars von dem Monde,* und eines Sterns der Zwillinge von dem Jupiter beobachtet.*" Da nun diese Erscheinungen überaus selten Vorfällen: so erhellet, daß der, welcher sie sah, auf den Himmel fleißig Achtung gegeben haben muß. Er beobachtete ferner einen sehr großen Kometen, dessen Schweif sich über den dritten Theil des Himmels erstreckte Dieser Komet, heißt es, lief bis an dem Gürtel des Orions und verschwand daselbst, s« Was die Natur der Kometen anbetrifft: so hielt er sie für die trockenen und feurigen Ausdünstungen der ober» Gegenden, welche sich in einen Klumpen zusammen gezogen und entzündet hatten. Die Meynung morgenländischer Astronomen, daß die Kometen weiter als der Mond von uns entfernt wären, nahm Aristoteles nicht an:. denn sie widersprach den oben angeführten krystallenen Himmeln, welche pcolomäus in der Folge widerlegte und die Planeten lieber in einem sehrseinen flüßigen Wesen hernm- schwimmen ließ. 1 7 Daß man aber in den neuern Zeiten die Meynung des ptolomä wieder verließ, kam daher, weil die Schriften des Aristoteles überhaupt bey den Scho« ^ ISs coslo. I.. I. c. 12. Die Bedeckung des MarS ereignete sich in einem ersten Mondsviertel: denn Aristoteles spricht, Mars scy an der dunkeln Seite des Monds verschwunden und an seiner erleuchteten Seile wieder erschienen. Replcr berechnete die Zeit diestr Bedeckung, und fand für dieselbe das Jahr z;/ vor Christi Eeburtt /tstr. opr p Z07. ** Meteora!. I.. I. c. 10. s Cassini setzt diesen Kometen in das Jahr z/z vor Christi Geburt. X!em. äs 1 ' ^.caä. äos 8cienc. 1702. ix. to8> k s L. XIII. c. 2. Sternkunde bey den Akademikern. 295^ Scholastikern gleichsam für die Bibel gehalten wurden. Auf gleiche Art rechnete Aristoteles auch die Milchstraße, wie die Kometen, zu den bloßen Lufterschcinungen.* Die dunkeln und Hellen Flecken des Monds hielt er für Abbildungen der Lander und Meere unserer Erde, die sich im Monde wie in einem Spiegel, darstellten. ** Auch sah er wohl ein, daß der Erdschasten einen Kegel bildete, dessen Grundfläche an der Erde läge und dessen Lange weniger, als die Entfernung der Erde von der Sonne, betragen müßte.*** UebrigenS soll er auch die Gestirne für beseelt gehalten haben: 7 und es ist wenigstens so viel gewiß, daß er jedem Sterne gewisse Er. kenntniskräfte, wie sich die Metaphysiker ausdrücken, die den Lauf des Sterns dirigirten, zuschrieb.7 f Aber diese Idee des Aristoteles hat sich langer, als man glauben sollte, erhalten. Denn der scharfdenkende Scot spricht: 8i astra non sunt animata, iä oreäitum ests ziotiu-j , guani äsmonlkratnm.fff Und diese Gedanken äußerte Gcoc noch 1502 Jahre nach dem Aristoteles. Zu den Zeiten des Aristoteles benierkte man schon, daß der Mond, die Sonne, und überhaupt jeder Planet nicht stets einerley Abstand von der Erde behielt: und von dieser Abänderung wurden die damaligen Astronomen auf eine sinnreiche Art überzeugt. Man befestigte nämlich einen Teller an einen bestimmten Ort, wo er stets von dem Auge des Beobachters einem und eben demselben Abstand behalten und gerade zwischen der Sonne und dem Auge des Beobachters stehen, wie auch das T 4 Son- * ^lereorolo^. 17. I. c. iZ. 14 - * * Oe lscie in cnde lunss. §. 2 . *** Oe icickeor. I.. I. c. 19. 7 Oe plsc. Piniol, l,. II. c. Z. 77 klelspy.O XII. c. 7. 77k li/ccro/r. MmsZ. nov. 1. I- p- 93- 295 Sternkunde bey den Akademikern. Sonnenbild dem Auge'verdecken konnte: und da sah man, daß in dieser Lage zuweilen ein Heller Rand um den Teller herum hervorragte und daß die Sonne zu an- dcrn Zeiten ganz bedeckt wurde; man sah, daß im Sommer ein Teller, der etwa eilfZoll im Durchmesser hielt, das Sonnenbild, in angeführter Entfernung von dem Auge, ganzzudeckre: im Winter wurde hierzu beynahe ein zwölfzolliger Teller erfordert; auf eine ähnliche Art bemerkten sie auch diesen Umstand bey dem scheinbaren Durchmesser des Monds: und bey den meisten übriqen Planeten konnten sie diese Abänderung dem Augenscheine nach wahrnehmen. Was diesen Umstand bey der Sonne anbetrifft: so wurden sie auch durch die Bemerkung, daß die centralen Sonnenfinsternisse nur zu gewissen Zeiten einen Hellen Sonnenrand um den Mond herum frey lassen, überzeugt. Aber da Aristoteles nun einmal das Eudoxische Weltsystem angenommen hatte: so wollte er itzt seine Meynung- nicht ändern und glaubte: jeder Planet müßte wegen jener koncentrischen Himmel stets gleichweit von der Erde abstehen. Uebrigenö hatte man auch in den damaligen Zeiten bemerkt, daß die Venus bey heitern Abenden, die kein Mondenschcin bedämmerke, einen ordentlichen Schatten, wie der Mond, an den Sonnenuhren bildete.* Hieraus erhellet nun sattsam, daß die Sternkunde damals gute Progressen gemacht hatte. Vielleicht hatte placo die Philosophen durch seine scharfsinnigen Spekulationen hierzu aufgemuntert. Denn vorher glaubte man, die astronomischen Kenntnisse wären in der specu- lativen Philosophie von keinem Nutzen. §. ,l. Wenn Aristoteles die Lehrender Pythagoräer, wes. che die Kometen für Planeten hielten, anführte: so war seine * Oe coelo. O II. Lomm. 46. Sternkunde bey den Akademikern. 297 seine Absicht keine andere, als die Meynung der Pytha- goräer für ungegründet und falsch zu erklären. Auf gleiche Art bemühete er sich auch die Bewegung der Erde, die den Pythagoräern eine ausgemachte Wahrheit zu seyn schien, zu widerlegen: und hieraus sollte man dem Aristoteles fast alle Einsichten in der Naturlehre absprechen. Allein man muß nur bedenken, daß die Py- thagoräer ihr System bloß auf die erhabene Würde des Mittelpunkts der Welt gründeten und deswegen nicht die Erde, sondern ein weit prächtiger Wesen, das Feuer oder die Sonne dahin setzten: und diese Ursache schien dem Aristoteles freylich nicht wichtig genug; daher mußte Aristoteles ein System, das auf so schwachen Stützen ruhete, allerdings übern Haufen werfen. Und hätte wohl das kopernikanische System heut zu Tage so viel Beyfall gefunden, wenn es aufeben so seichte Gründe gebauet wäre? Aristoteles ward um das Jahr gk'4 vor unserer Zeitrechnung gebohren, und starb im Jahre z r i. Also hat er 6 g Jahr gelebt. §. ir. Wir müssen nun auch noch einiger andern griechischen Philosophen mit drey Worten gedenken. Heliko aus der Stadt Lyzikus gebürtig, ist wegen der Vorherbestimmung einer Sonnenfinsterniß, die er dem Könige Dionys vorher verkündigte, bekanntAber es ist überhaupt zu merken, daß man in der Geschichte nicht mehr als drey Griechen findet, die dergleichen Er- scheinunaen berechnet haben: sie sind, Thales, Heiiko aus Cvzikus, und Eudemus, der astronomische Geschichtschreiber. Aber das Werk dieses letztem ist, so wie die Geschichte der Sternkunde des Theophrast, verlohren gegangen. Hätten wir sie noch, wir wollten Ts sie * A^r/kor. De coelo- D. ll. c. 6. 298 Sternkunde bey den Akademikern. sie zum Behuf dieser astronomischen Geschichte gut benutzen. Doch wenn man das ganze Werk des Errdemus aus einem, in unfern Erläuterungen eingerückten Fragmente desselben * bcurtheilen darf: so enthielt es lauter einzelne Begebenheiten, die noch dazu sehr unverdauet unter einander geworfen waren. Rlcanthes, der Stoiker, sagte: die Sterne ha- ben eine kugelförmige Gestalt und die Sonne bewegt sich in Schraubengängen aus Süd gen Norden und umgekehrt.*" Dieß ist ein glücklicher Einfall, welcher lehret, daß man die Geometrie und Mechanik seit den Zeiten des Plato steißig betrieben hat. Angeführter Theophrast lehrte, daß da, wo man die Milchstraße bemerkt, die beyden Halbkugeln des Himmels zusammen geküttet wären: s denn er bildete sich ein, als ob der Raum hinter diesem saphirnen Himmel von einem Hellen Lichte erleuchtet würde und daß die Fugen der beyden Halbkugeln, um all das Hells Licht aufzuhalten, nicht vorsichtig genug verschmiert wären. Actolicus, aus Pitineo, hat uns zwey Werke, über die Himmelskugel und über das Hervorrücken der Sterne aus den Sonnenstralen hintcrlasten. Apollo- nins von Minduö und Epitstnes hatten die Sternkunde bey den Chaldäern gelernt, und jeder hatte eine von den zwo Meynungen der Chaldäer, über die Natur der Kometen angenommen. Philipp Medmäus beobachtete das Hervorrücken der Sterne aus den Sonnenstralen sh. Philipp Gpumius, der Schüler des Plato hatte zwey wichtige Bücher über die Größe und den Abstand der Sonne und des Monds von der Erde, wie * sten Band. 8- Ab sch. §. 12 . ** Loöacrtt. LolleÄ. Lenkentiar. s 8vmn. >5cr/>. I.. l. c. IZ. k k 2 ten Band. 8- Absch. §. 8- Sternkunde bep den Akademikern. 299 wie auch über die Natur der Finsternisse geschrieben. Aber diese Schriften sind ebenfalls verlohren. Uebri- ge»s hat auch dieser Vpumitto die Optik behandelt. Und er war der allererste unter allen Schriftstellern, der diesen Gegenstand bearbeitete.* .§- iZ. Der syzische Nallippus lebte ohngefthr um das Jahr Z2O vor Christi Geburt, und er ist bloß wegen seiner Verbesserung des Meronischen Zeitraums und wegen seiner daraus entstandenen 76jährigen Periode berühmt. Die zwölfte Paraqraphe des vorhergehendsnAbschnitts gab uns von einer Unvollkommenheit der 19 jährigen oder 6940 tägigen Periode des UNcron Nachricht: und dieser Fehler bestand darinne, daß die Sonne bcy der Vollendung der alten Periode die neue schon wieder vor 9 und einer halben Stunde, der Mond hingegen vor 7, und einer halben Stunde, angefangen hatte. Auf solche Art mußte der Neumond nach vier verlaufenen Perioden um ohngefehr ;o Stunden zu früh fallen und daher einige Unordnung, in Rücksicht auf die olympischen Spiele, an- richten. Rallippus bemerkte diesen Fehler, bey Gelegenheit einer Finsterniß, die sich sechs Jahr vor dem Tode des Alexanders ereignete,** und schlug vor, alle 74. Jahre einen Tag wegzuwerfen, indem inan nur den letzten zotägigen Monath, der vierten Periode des^e- rsn, in einen rz-tägigen verwandeln dürfte. Diese 76 jährige Periode, ist eö, die man nach ihrem Erfinder, die Kallippifche nennt: und sie wurde im Jahre gzovor unserer Zeitrechnung, oder im siebenten Jahre der siechsten Periode des Meron eingeführt. Nun sind in dieser 27759 tägigen Periode des Aallippus lauter Jahre von * Oe l'cienr. ^lskbemsk. * * /per-i/e»-. Oill. 6,llrvn. p. HZ Zoo Sternkunde b'ey den Akademikern. ^ von Z65 und einem ViertelStage enthalten; und für jeden Mondenmonalh kommen genau 29 Tage, i r Stunden , 44 Minuten, 12 und dreyviertel Sekunden; daher scheint es nicht, als ob Ralippus die Größe des Monde»mo>raths so genau gekannt und die Metonische goldene Zahl nach dieser Kenntniß verbessert habe: es ist vielmehr wahrscheinlich, daß er, wegen des angeführten zostündigen Fehlers, der sich wahrend vier solcher Perioden, einscheicheu mußte, auf gedachten Einfall gera- then ist. Um von der Genauigkeit dieser Periode einigermaßen zu urtheilcn, darf man nur bedenken, daß 940 Neumonden genau 277^8 Tage, ,8 Stunden und 6 Minuten, 76 Sonnenrevolutioncn hingegen vollkommen 27758 Tage, 9 Stunden und 42 Minuten Zeit erfordern. Also betrug der Fehler, um welchen der Neumond am Ende dieser Periode zu geschwind siel, nur 5 Stunden und 54 Minuten, und der Fehler des Sonnenlaufs war nicht großer, als 14 Stunden und 18 Minuten. Der erste Neumond dieser Periode würde daher erst nach ZO4 Jahren um einen Tag des Sonnenjahres früher, als vor go4 Jahrengefallen seyn, wenn Rallippus auf angeführte Größe des Mondenmonaths Rücksicht genommen hätte. Aber der Fehler war schon nach 152 Jahren größer als ein Tag. Seit dieser Bestimmung haben die Griechen in ihrem Kalender nichts geändert. -Hipparcl.) schlug zwar die z 04 jährige Periode, die aus vier Kallippischen be- stand, vor: aber dieß war nur eine astronomische Grille , und sie ward nicht angenommen. Auch scheint es, als ob mau auch sogar die goldene Zahl des Meton gar bald vernachläßigt habe: den pcolomäus bestimmte seine astronomischen Beobachtungen alle nach der Kallippischen. §. 14. Beobachtungen über das Hervorrücken der Sterne aus den Sonnenstralen hat AaUippus auch angesiellt und Sternkunde bey den Akademikern, ^or und daraus die Wetterveranderungen vorher verkündigt. Aber da wir schon oft von dieser Art Beobachtungen, auf die man sic!) in Asien und Griechenland so allgemein legte, geredet haben: so müssen wir »och bemerken, daß die Philosophen gedachte Erscheinungen der Sterne dem- ohngeachket keinesweges für die Ursachen der Witterung nach Beschaffenheit der Jahreszeiten hielten. Sie sahen zwar wohl, daß die Folge der Jahreszeiten oder die Hauptabwechselungen der Temperatur, mit jenem Hervorrücken gewisser Sterne aus den Sonnenstralen har- monirte, und daß diese Kenntniß zum Behuf des Ackerbaues brauchbar war: allein sie sahen auch wohl ein, daß die wahre Ursache dieser Veränderung eigentlich in dem hohen oder tiefen Stande der Sonne gesucht werden mußte, und setzten zum Uebersiuß den veränderlichen Mon- denschein als eine Ursache der Fruchtbarkeit und des Mißwuchses hinzu. Daß sie aber dergleichen Witterungsregeln für den Landmann auf gedachten Aufgang verschiedener Heller Sterne reducirten, kömmt daher, weil die gemeinen Leute einmal aus diese Erscheinungen acht zu haben, gewohnt waren, und weil sie die Sterne bequemer als die Sonne ansehen konnten. Man kann sich hiervon bey dem Geminus *, der sich über diese Meynung der griechischen Philosophen weitläuftig erklärt, mit mehrerm Raths erholen. Wenn man übrigens bedenkt, daß diese Beobachtungen in Griechenland von der Zeit des Chirons bis auf den Hipparck), welches ein Zeitraum von 120s Jahren ist, ununterbrochen fortgesetzt worden sind; und wenn man überlegt, daß Callisthenes zu Babylon Resultate einer l 900 jährigen Reihe solcher Beobachtungen, die allemal mit Nachrichten von der zugehörigen oder darauf erfolgten Witterung begleitet waren, fand: so können dergleichen Beobachtungen doch wohl einige allgemeine Wirte- * c. 14. ZO2 Sternkunde bey den Akademikern. Witterungsregeln veranlaßt haben. Wir Europäer haben uns erst seit eriva hundert Jahren auf dergleichen Wetterbeobachtungen gelegt: und wir werden cs, unserer Barometer, Thermometer, Hygrometer und anderer nützlichen Werkzeuge ohngeachtet, vielleicht in einigen Jahr- Hunderten nicht so weit bringen, als es die Chaldäer und Griechen nach Jahrtausenden gebracht hatten. §- i;. Dis alten Schriftsteller und vorzüglich die Griechen pflegen immer von einem großen Jahre zu reden; aber dieß große Jahr ist bey einigen von ganz anderer Beschaffenheit als bey andern: kurz, es giebt sehr viel grosse Jahre, und wir müssen von ihrer verschiedenen Länge noch etwas melden. Oden ist gezeigt worden, daß ein großes Jahr allemal in der Dauer einer besonder» Revolutionen gewisser Gestirne bestehet. Aber die Alten verknüpften mir diesem Begriffe eines großen Jahres auch noch andere abergläubische Märchen; und diese entstanden auf folgende Art: die Menschen, welche den Himmel zum Behuf des Acker- j baueö beobachtete», bemerkten anfangs, daß die jährliche ' Sonuenrevolution alle vier Hauptabwechselungcn zwar re- ^ . gelmäßig mit sich brachte, aber die kleinern Abänderungen des Wetters, in Rücksicht auf die Trockenheit und Nässe, folgten nicht in jedem Jahre gleichförmig; nun eigneten sie zwar dem Monde, in Ansehung seines verschiedenen Lichtes einen großen Einstuß zu: allein sie sahen ebenfalls, daß sich das Wetter nicht nach diesen Erscheinungen richtete; und gleichwohl glaubten sie, daß, da die Hauptveränderung der Jahreszeiten periodisch waren , die kleinern Ungleichförmigkeiten ebenfalls nach fest, gesetzten Perioden wieder kommen müßten; sie glaubten ferner, daß alle Veränderungen der Natur von jenen Revolutionen der Gestirne bewirkt würden, und daß die ganze Natur jedesmal zu sepn aufhorte, aber auch wieder von Sternkunde bey den Akademikern, zoz von neuem ansienge, so oft alle Sterne oder überhaupt alle Weltkörper gerade in die iage unter einander zu sichen kämen, in welcher sie beym Anfänge derselben standen: also nannten? die Alten die Zeit, welche wahrend dieser allgemeinen Revolution verstrich, die Periode der Natur. Nun setzten einige die jedesmalige Dauer der Natur in die Zeit, nach welcher sich alle Planeten einmal an einem und eben denselben Ort des Himmels versammelten : andere hingegen, welche die scheinbare Bewegung der Fixsterne aus Abend gegen Morgen kannten, nahmen für diese Dauer die Zeit, nach welcher sich die Fixsterne einmal um den ganzen Himmel herum bewegten, an; noch andere glaubten diesen Zeitraum darinne zu finden, wenn sie angeführte zwo Perioden in einander multiplicirten und daher eine Periode erhielten, nach wel- cher nicht nur alle Planeten, sondern auch alle Fixsterne gerade in den Punkten des Himmels standen, in welchen sie beym Anfänge der Welt, oder dieser Periode, gestanden hatten. Diese Periode wäre nun sreylich fast unermeßlich und die Welt mvgte Myriade» von Jahrhunderten zählen, und sie würde noch an keine Verneuerung denken dürfen. Diese Idee von dem großen Jahre der Welt ward zuerst im Orient ausgeheckt; denn hier inan findet überall Spuhren und Traditionen überden ursprünglichen Stand der Gestirne gegen einander.* Oben haben wir angemerkt , daß Berosus der Erde, bey der nächsten Zusammenkunft aller Planeten, im Zeichen des Steinbocks, eine allgemeine Überschwemmung, bey ihrer Vereinigung im Krebse hingegen, eine allgemeine Fcuersbrunst prophe- zeyhete. Axistoceles sagte ebenfalls: zu Ende des grossen Jahres werden die Sonne, der Mond und die fünf übrigen Planeten an einem Punkte deö Himmels zusammen kommen: und dann wird sich der Winter in eine große * I.. I. c. io. ZO4 Sternkunde bey den Akademikern. große Wasserfluth, der Sommer hingegen in eine allqe. meine Feuersbrunst verwandeln. Und diese letztere Periode ist es, die nian das große Platonische Jahr zn nennen pflegt. Die Alten ließen also die Erde mit Feuer und Wasser zerstören. Die Aegyptier waren zwar auch der Meynung, daß die Erde einst verbrennen würde: aber davon, daß sie diese Begebenheit vermittelst jener Perioden zu bestimmen gesucht hatten, findet man keine Spuhr: ihr großes Jahr, war bloß die astronomische Hundsternperlode und brachte nach ihrer Meynung, vielmehr die Jahre des Ueberfiusses und der Fruchtbarkeit, als den Untergang der Welt, zurücke. Gedachter Einfall, daß die allgemeine Zusammenkunft der Planeten eine sehr wichtige Begebenheit verma chen sollte, ward in der Folge auch auf die Conjunktion zwoer Planeten ausgedehnt: und so entstanden wieder eine Menge großer Jahre, die aber in Rücksicht auf die allgemeine Vereinigung aller Planeten, sehr klein waren, und nur etwa kleinere merkwürdige Vorfälle der Welt mitbringen sollten. Und dieß war auch die Ursache, war. um man sich dergleichen Planetenzusammenkünfte sorgfältig zu beobachten und in die Tagebücher aufzuzeichen angelegen seyn ließ. Daher sind alle die astrologoischeu Perioden über die Zusammenkünfte des Jupiters und Sa» turns in einem bestimmten Punkte des Thierkreises oder der Ekliptik entstanden. Die Bedürfnisse des gesellschaftlichen Lebens derMen» schen hatten gewisse oben angeführte Perioden, die den Lauf der Sonne und des Monds ins Gleiche brachten, geheischt: und man pflegte alsdann auch diese Perioden mit dem Namen großer Jahre zu belegen. So nannte man, zum Bepspiele, die 6c>o jährige Periode der Pakri» archen, die Mondsonnenperioden von rrz und 669Mo» nachm, wie auch den Zeitraum von z6oo, und 60s Jahren Sternkunde key den Akademikern, zoz Jahren der Chaldäer, große Jahre: und so belegten die Griechen, oder die Schüler der Aegyptier und der orientalischen Astronomen, ihre Perioden über die Bewegung der Sonne und des Monds, ebenfalls mit diesem Namen. Aber die Griechen waren von der Beschaf. fenheir des großen Jahres überhaupt sehr übel unterrichtet. Denn sie hatten sich einmal die orientalischen Ideen, daß ein großes Jahr alle Planeten an einen Punkt des Himmels wieder zurück bringen müßte, in den Kopf gesetzt, und fanden sich in dieser Meynung bey ihren großen Jahren, die nur Mondsonnenperloden waren, betrogen^. Hieraus folgt nun, daß man in Griechenland anfangs bloß, um den Lauf der Sonne mit dem Mondlauf zu vergleichen, und um die Zeitrech, nung zu berichtigen, dergleichen Perioden erdacht hat: die 620 jährige war daher ohne Zweifel das erste große Jahr. Aber da man eine gewisse Übereinstimmung zwi- sehen den Revolutionen der Himmelskörper und Rückkunft ähnlicher Wetkerveränderungen wahrzunehmen glaubte: so erfand man in der Folge mehrere dergleichen Perioden. Ob nun diese großen Jahre gleich aus bloßen astrologischen Gründen bey den Griechen angehaust wurden: so setzen sie doch mehr astronomische Kenntnisse, als man vermukhen sollte, voraus. Sie sind die Resultate und Zeugnisse einer weit ausgebreiteken Sternkunde der Chi- neser, Indianer und Chaldäer. Aber wir werden hiervon im zweeten Bande mit mehrerm zu reden Gelegenheit finden. §. 16. Pythias, der berühmte Astronome und Geograph, war aus Marseille, das damals republikanisch, und von den * Kcrr/«.r. I.. XII- p. 22H: in der Note des Herrn Lcrasson. U Zv6 Sternkunde bey den Akademikern. den Phocäern 50c, Jahr vor Christi Geburt erbauet war, gebürtig. Man weiß zwar nicht genau, zu welcher Zeit pyrhias gelebt hat: allein die meisten Schriftsteller sehen ihn. doch in die Zeiten des Alexanders *. Und dieß ist die Ursache, warum wir ihn unter den griechischen Philosophen, vor der alexandrinischen Schu- le, zuletzt auftreken lassen. Man sagt: er habe unter den Alten zuerst eine Reise gegen den Nordpol unternommen: allein es ist wahrscheinlicher, daß dieses schon vor ihm auch andere ge- than haben: doch von dem Pythias weiß man gewiß, daß er bis nach Island gekommen ist. Denn er brach, te diese Neuigkeit von seiner Reise mit nach Hause, daß die Sonne in dieser nordischen Insel um die Zeit der Sommersonnenwende gar nicht untergieng, sondern nur den Gesichtskreis berührte und sofort wieder in die Höhe stieg: und dieß paßt auf Island allerdings. Scra- bo** und pslybius haben ihn daher unrechtmäßiger Weise hierinne einer Unwahrheit beschuldigt, polybius konnte zwar gar nicht begreifen, wie ein Privatmann ohne alle Unterstützung dergleichen Reise habe unternehmen können: allein Montücla bemerkt sehr richtig, daß dergleichen Unternehmungen bey handelnden Nationen, die am Meere wohnten und von Leuten, die eben keine Reichthümer besaßen, oder etwa gar wegen ihren Lehren aus dem Lande verwiesen wurden, allerdings oft aus- geführt worden sind. Die Neichen haben selten so viel Herz."* Eö * p. 120. Xlem. äe 1' äe 5 In- kerlplions. XIX. y. 148- Qeogr. I.. II. p. 102. *** H1K. äer klmliem. I'. I. x. ioZ. Sternkunde bey den Akademikern. 307 Es scheint auch, als ob Pythias selbst astronomische Beobachtungen angestellt habe. Denn er merkt an, daß zu seiner Zeit kein Stern ganz nahe bey dem Nordpole gesehen ward: und dieß ist eine ausgemachte Wahrheit. Aber was die Beobachtung anbetrifft, welch» , seit der neuern Entdeckung von der Verminderung des Neigungswinkels der Ekliptik, vorzüglich berühmt gemacht hat: so war es seine Bestimmung der damall', gen Sonnenhöhe an dem Tage ihrer Wendung im Sommer. Nämlich: er bediente sich hierzu eines sehr hohen Gnomons, und bestimmte die Verhältnisse der Länge des Schattens zu der Höhe des Gnomons, an dem Tage der Sommersonnenwende, sowohl zu Marseille, als auch zu Byzanz. Zu Byzanz soll die Verhältnis; des Schattens zur Länge des Gnomons, wie 6oo zu 209 gewesen seyn. Und hieraus hat man die Schiefe der Ekliptik zu den Zeiten des Pythias auf rz Grad <;o Minuten berechnet, Pythias hatte anstatt der Verhält- niß 600: 209 die wahren Längen 120: 4c, 8 gestßt; und die Bemerkung dieses Bruchs lehret, daß py« rhias in seiner Beobachtung sehr genau verfahren seyn muß. Aber Constantinopel und Marseille liegen doch bey weitem nicht unter einer Parallele: und daher kann auch die Verhältnis; des Schattens zur Höhe des Gnomons an beyden Orten nicht einerlei) gewesen seyn; am allerwenigsten paßt diese Bestimmung aus Constantinopel : denn da verhält sich der Schatten eines senkrechten Stabes, an Mittage der Sommersonnenwende, zur Höhe desselben, wie zy, z: rra; und Pythias hätte sie daselbst, wie 41,8: >20 gefunden? der Unterschied ist zu groß, als daß Pythias um so viel gefeh- let haben sollte, da erden Bruch so genau angab Also hat er diese Beobachtung sicher nicht zu Constantinopel angestellt. Aber nun fragt sichs: ist sie zu Marseille U r gemacht ZOZ Sternkunde bey den Akademikern. gemacht worden? ist Pythias in der Thar ihr Urheber? Dleomedes und -Hipparch bejahen dieß; wir gla». ben es: aber wir wagen es nicht, die Sache zu enkschei. den. Denn eö läßt sich allerdings von dem Orte, wo diese Beobachtung gemacht worden ist, nichts gewisses sagen. Die Zeit hat die bewahrten Urkunden dieser Nachrichten zerstöret und nichts als zerstreuete Fragmente davon übrig gelassen. §. 17 . Dieß wäre also der Abriß des ZustndeS der Sternkunde bey den alten Griechen; und wenn man noch einen Blick auf alle diese Begebenheiten zurückwerfen will: so wird man gewahr werden, daß die Griechen alles, was an ibrer Sternkunde gut und gegründet war, von andern Nationen erhalten, selbst aber nichts erfunden haben. Sie hatten das wahre Weltsystem, die Ursachen der Finsternisse, die Verfahrungsart, sie zu berechnen, den Begriff vom Lucifer und HesperuS als eines einzigen Planeten, die Größe des Sonnenjahres, die Dauer des Mondenmonathö, die goldene Zahl des Meron, die Kenntniß von der Schiefe des SonncnwegeS, die Himmelssphare und alles aus Aegypten geholct. UebrigenS setzten die Griechen bloß der Chaldäer ihre Beobachtungen über die Sterne in den Kalender, die denn gar nicht mehr auf ihr Zeitalter paßten; sie selbst betrachteten den Himmel nicht, wenn man die wenigen Beobachtungen des Mecon, Aristoteles und Enkce- msn ausnimmt: denn die Bemerkung des Hervorrü» ckenS der Sterne aus den Sonnenstralen gehören für den landmann und nicht bloß für den Gelehrten. Die Griechen waren bloß, um zu philosophiren und nicht zum Beobachten gemacht. Sie führten ein. Gebäude, ohne gehörigen Grund zn legen auf; und eö sank. Man muß zuweilen über die absurden Ideen der Griechen crstau- Sternkunde bcy den Akademikern. Z09 nen; denn ob die Geschichtschreiber zuweisen gleich selbst nicht verstanden, was sie von diesen Astronomen sagten: so war doch dieser Fehler nicht allgemein. Ueber- all trug man dergleichen Wahrheiten nur unter zwey- deutigen Bildern vor. Die Handschriften vermoderten. Die Sekten waren neidisch auf den Ruhm ihrer Gegner. Daher arbeiteten sie nicht gemeinschaftlich, sondern suchten bloß einander spihfündig zu widerlegen. Unterdessen muß man dost) auch zugeben, daß sich einige unter ihnen, auch in Rücksicht auf die Sternkunde durch ein glückliches Genie auszeichneten. Die Idee von den Antipoden des Pythagoras, der Gedanke von mehr als einer Welt und von den Bewohnern des Monds, die Kenntnis; von der Bewegung der Erde und der rich. tige Begriff von den periodischen Bewegungen der Kometen sind hiervon giltige Zeugen. Aber diese Kenntnisse hatten die Griechen doch größtentheils aus Asien erhalten. Einige derselben fanden sie in dem Gedichte des Orpheus, in welchem er die Wunder der Natur nach den orientalischen Traditionen besungen hatte. Sie hatten freylich keine Werkzeuge, durch die sie sich von dergleichen Meynungen einigermaßen überzeugen konn- ten. Und wenn man bedenkt, wie sonderbar die Idee von der Bewegung des Erdballs den ganz Unwissenden vorgekommen seyn muß: so begreift man leichte, daß der, welcher so was einfah, damals immer ein großes Genie genannt werden konnte. Aber die Griechen erkannten doch den hohen Werth der Sternkunde nicht eher, als bis die hohe Schule zu Alexandrien gestiftet war. Wie groß müßte nicht das Volk der Griechen und Chaldäer geworden seyn, wenn diese ihren Fleiß und ihre Arbeiten mit dem Genie der Griechen gepaaret hätten? U z Unter- zio Untersuchung über die Entstehung Untersuchung über die Entstehung der Eterndeutung. , ^Dergleichen Thorheiten und Betrngereyen sind zwar weit von dem erhabenen Gegenstände der Geschichte, die wir uns bisher entwickelt zu haben schmeicheln, entfernt: aber diese edle Wissenschaft der Sternkunde erschien doch einstmalen lange Zeit, wegen jener astrologischen Träumcreyen,in einer sehr elenden Gestalt. Die astrologischen Märchen waren es, die den Unter- gang der Sternkunde bey den barbarischen Nationen verhinderten, aber auch viel Beobachtungen her Gestirne veranlaßten": und aus diesem Grunde müssen wir noch mit wenigem von dem Ursprünge der Astrologie reden. Man spricht zwar: die Astrologie ist die Tochter der Unwissenheit und die Mutter der Sternkunde: allein das ist umgekehrt; denn die Astronomie existirke ohnstrei- tig eher als die Skerndeutung. Man mußte vorher die Sterne und deren Bewegung kennen, ehe man aus ihrem veränderlichen Stande auf die Begegnisse der Menschen schloß: aber darinne irrt man nicht weniger, wenn man die Astrologie zur Tochter der Unwissenheit macht. Denn die Astrologie konnte sich zwar bey unwissenden Nationen ausbreiten und wachsen: aber die Unwissenheit selbst war niemals fähig, Kinder zu gebühren: sie ist ganz unfruchtbar. Vorurthcile, Aberglauben und Jrrthümer sind eben sowohl Ausgeburten irgend einer Wissenschaft, als Wahrheit und nützliche Crstn- düngen. Ein einziger Stern vermag durch seine Wärme lind anziehende Kraft, Leben und Bewegung durch unser physisches Weltsystem auszugicsien: und das Genie des Menschen beseelt die politische oder moralische Welt. * Ae/Ar. kiaes. sä labul. kuäolpb. p. 4. der Sterndeutung. z i r Welt. Das Genie allein war es, welches die ersten Originalideen schuf, die, nach Beschaffenheit der Köpft, in welchen sie herum irrten, bald verunstaltet, und bald vollkommener ausgebildet wurden. Oft waren die besten philosophischen Begriffe und dis erhabensten Wahrheiten, starke Quellen, aus welchen andern Menschen und ganze Nationen unverzeihliche Jrrkhümer tranken. Aber Ließ alles wollen wir nun etwas naher beleuchten. Man unterschied zwo Arten der Astrologie: die natürliche und die prophetische. Erstere beschäfftigte sich mit Merkmalen der Sterne, welche die Veränderung der Jahreszeiten, die Witterung, die Fruchtbarkeit, den Mißwachs und Krankheiten, vermöge ihres Einflusses auf die Atmosphäre der Erde, verursachten: diezwo- te hingegen bezog sich auf die Begegnisse, auf den Charakter und dis Fähigkeiten des Geistes einzelner Menschen : und dieß alles suchte man aus dem Stande der Gestirne, den man in der Geburtsstunde eines Menschen bemerkte, herzuleiten. Die natürliche Astrologie beruhete also auf vernünftigen Grundfähen, und Äo^le hat sie nicht ohne Grund vertheidigt.* Alle Veränderungen der Uift sehen ge- wisse vorhergegangene Ursachen voraus; und der Mann, der sowohl diese Ursachen selbst, als auch alle die besonder» Umstände, unter welchen diese vereinigten Ursachen bald die und bald andere Wirkungen Hervorbringen, aus- stndig machen könnte, der würde auch alle die Veränderungen der Atmosphäre auf einige Zeit vorher zu bestimmen im Stande seyn: aber die Menge dieser Ursachen ist überaus groß: fünfzig Jahrhunderte würden vielleicht, um alle nur mögliche Fälle und Verbindung U 4 derfel- * Boyle. Naturgesetz, der Luft. ZI 2 Untersuchung über die Entstehung derselben zu beobachten nicht hinreichen. Vielleicht finden sich die Menschen gar niemals aus diesem Labyrinth. Ob nun gleich die orientalischen Nationen in der Kenntniß von den Lufterscheinungen weit gekommen seyn mögen: so ist es doch nicht wahrscheinlich, daß sie deren periodische Rückkunft auch haben berechen können: sie abstrahirten vielmehr ihre Regeln bloß aus einer langen Reihe von Erfahrungen. Sie sahen, daß sich die stür- mische Witterung bloß in gewissen Monakhen einfand; sie bemerkten, daß einige Jahreszeiten viel Regen oder Wind, und andere wenig mit sich brachten: und auf solche Art schlossen sie, daß alle diese Wetterveranderungen durch den Ort der Sonne in der Ekliptik bestimmt würden; daher beobachteten sie auch den täglichen Stand der Sonne mit Aufmerksamkeit. Allein anfangs inte- ressirten dergleichen Beobachtungen und Witterungsregeln bloß den Landmann, der ohnfehlbar weder die zwölf Sternbilder des Thierkreises kannte, noch den Ort der Sonne in der Ekliptik für jeden Tag aufzusuchen wußte: also mußte man zu einem andern Hilfsmittel, nämlich zu dem Hervorrücken merkwürdiger Sterne aus den Sonnenstralen Zuflucht nehmen, und daraus auf die nächst bevorstehende Witterung schließen. Nun weiß man zwar das wahre Alter dieser Beobachtungen, die in Asien allgemein üblich waren, nicht: aber man hat doch gefunden, daß sich die, auf uns gebrachte, Nachrichten von dieser Sache bey den Babyloniern auf rrz4, und bey den Chinesernauf zooo Jahr vor Christi Geburt hinaus erstrecken. Die Griechen machten ebenfalls Gebrauch davon, und setzten die alten Beobachtungen anderer Nationen in ihre Kalender, die aber freylich, wie aus dem obigen erhellet, für ihr Zeitalter nicht mehr paßten. Man hat noch etwa vier Arten der Sterndeutung. ziz ten von dergleichen griechischen Kalendern: aber diese sind weiter nichts, als Monumente einer überaus grossen Menge derjenigen, die verlohren gegangen sind. Wir haben schon den Gedanken einmal geäußert, daß die Alten, zufolge der so beträchtlichen Menge ihrer großen Jahre, sehr viel Mühe auf dergleichen Bestim- mungen gewandt haben müssen: denn die Erfindung dieser Perioden kann keinesweges der Gegenstand eines bloßen Zeitvertreibs gewesen seyn; und der Kalender war durch die, in Asien längst bekannte 19 jährige Periode schon in einen ganz guten Zustand versetzt worden. Daher fragt sichs billig: warum erfand man denn noch so viel andere und zum Theil überaus lange Perioden? ich meyne die Perioden von 240 und 69a Jahren, welche den Jupiter und Saturn in einet, Meridian zusammen, brachten; ferner die Revolutionen des Saturns, des Jupiters und MarS von ^52625, von 172620 und 120000 Jahren, deren Natur man gar nicht kennt;* dann die Zeiträume von 622 und z6oo Jahren, die nicht nur die Sonne und den Mond in ihrem Laufe vereinbaren , sondern auch tägliche und stündliche Veränderungen der Atmosphäre aufs neue zurückbringen sollten; ferner das große Jahr der Aegppkier oder die Hundsternperiode; den Zeitraum des Diogenes, der aus Jahren und z Monathen bestand: und die großen Perioden von 15022, von 1822 und 28222 Jahren, die vhnfehlbar die Revolution der sämmtlichen Fixsterne aus Abend gegen Morgen enthalten sollten. Einige dieser Perioden wurden in der Folge zum Behuf der prophetischen Astrologie angewandt: aberdieß war vhnfehlbar eine Ausschweifung über deren ursprüng. U 5 war * -ten Band. Absch. 8- §- 16. Z14 Untersuchung über die Entstehung liehen Gebrauch, welcher ohnfehlbar bloß auf die natürliche Astrologie eingeschränkt war. Ein Beyfpiel von diesem Falle findet man in der 2484 jährigen Periode des Arrstarcho, * welche die Vereinigung der Sonne und des Monds an den Punkte des Himmels zurückbringen sollte, von welchem sie ehemals beyde zugleich weg- gelausen waren. Erhellet nun hieraus nicht, daß man bey Bestimmung dieser Periode aus die Wiederbringung aller Aspeckten, die diese zwey Gestirne in Rücksicht auf das Hervorrücken det übrigen Sterne aus den Sonnen- stralen, unter einander bilden, sein Augenmerk gerichtet hat? Unsere Absicht ist nicht, zu erörtern, in wiefern die Erfahrung mit dergleichen Bestimmungen zusammen ge. troffen hat: es ist genug, wenn wir wißen, daß die Al- ten allerdings eine Übereinstimmung zwischen derglei- chen himmlischen Begebenheiten und den Wetterveran- derungen erkannt, und den Himmel aus diesem Grunde fleißig beobachtet haben. Und diese Kenntniß ist frey- lich in gewisser Rücksicht nicht zu verwerfen. Allein diese anfangs zwar philosophischen Ideen wurden gar bald von seichten Köpfen verhunzt. Man hielt in der Folge die Hyaden deswegen für ein wäßriges Gestirn , weil gewöhnlichermaßen, bald nach dessen Erscheinung in der Morgenröthe, Regenwetter eiezusallen pflegte. Sirius erhielt den Namen des brennenden Hundes : denn nach dessen Austritt aus den Sonnenstralen pflegte sofort die größte Sommerhitze einzufallen; dann scheint auch Sirius in Vergleich der übrigen Sterne, sehr brennend. Und man glaubte überhaupt, daß die Sterne, vermöge ihres feinen Ausflusses, Regen und Wärme über die Erde ausgössen. Nun wären die ersten * Man sehe hierüber unsere astronomische Geschichte der neuern Zeiten. der Sterndelltuttg. ziz sten Erfinder solcher astrologischen Märchen zwar zu entschuldigen, wenn sie die wahre Ursache des Regen- wetterS nach der Erscheinung der Hilden, und die größte Hitze im Jahre nach der Erscheinung des Hundsierns, nicht kannten: allein es fragt sich: konnten sie denn nun die Natur des Einflusses der Sterne etwa besser als die ihnen vorher verborgenen Ursachen der Witterung begreifen? Aber so geht es auch noch heut zu Tage vielen unserer Hypothesenmacher. Man wird vielleicht glauben, als ob man aus Unwissenheit von der natürlichen Astrologie auf die prophetische gefallen se» und folgendermaßen geschlossen habe: die Gestirne sind es, die Wind, Regen, Gewitter, Hitze, Kälte, Fruchtbarkeit, Mißwuchs, Krankheiten s. weiter verursachen; die Gestirne hauchen ihre Ausdünstungen in die Atmosphäre der Erde; alle Gewächse werden von diesem Hauch geschwängert, und der Mensch selbst athmet ihn ein: also ist der Mensch eben so, wie die ganze Natur, ihren günstigen und widerwärtigen Aspekten unterworfen; die Gestirne müssen also auf die Denkungsart des Menschen, aufseine Leidenschaften, auf feine Glücksumstände und auf sein Leben und Tod einen großen Einfluß äußern. Allein, wenn man, welches allerdings höchst wahrscheinlich ist, auf diese Art geschlossen hat: so wird man die Nation, die so gut schlics- sen konnte, keincswegeö für unwissend halten können; sie muß schon nicht wenig gelehrt gewesen seyn. Denn so lange ein Mensch gar nicht über die natürlichen Begebenheiten nachdenkt, noch Unterricht von seinen Lehrern oder Vorfahren genießt: so lange kann er, vermöge der kurzen Dauer seines Lebens, weder die Gestirne hinreichend kennen lernen, noch von deren vermeynten Einfluß auf die Erde etwas vermuthcn. Sobald Z16 Untersuchung über die Entstehung Sobald der Mensch einige Kenntnisse erlangt hatte; dann fühlte er sich gleichsam, ein Gott zu seyn und sagte zu sich selbst: ich bin das oberste Wesen unter allen Dingen, die auf Erden sind! Denn es ist zu wissen, daß sich alle Nationen, wenn sie zu ihren Kenntnissen gleich nicht durch göttliche Offenbarungen gelangt waren, stets für die vornehmsten aller Wesen der Welt hielten und bloß, um über alle andere Geschöpfe nach Wohlgefallen zu herrschen, gemacht waren.: also war es die allzu lebhafte Einbildungskraft, und nicht Dumheik, die den Menschen zu den hochtrabenden Ausdrücken: wir sind Götter! verleitete; und die prophetische Astrologie ist eben so wenig, als angeführte stolze Einbildung, aus Dumheit entstanden. Aber die natürliche Astrologie bestehet bloß in den Resultaten einer langen Reihe von Beobachtungen: die prophetische hingegen ist ein ordentliches System. Nun wird der Ungelehrte niemals Systeme erfinden: denn dergleichen Arbeiten kann nur der Gelehrte, der Philosoph unternehmen. Der Uebergang von der natürlichen Astrologie zu der prophetischen oder Sterndeuterey seht die Kenntniß eines unbekannten Principiums des Menschen voraus: und derjenige, welcher, um den geistigen Ausfluß der Gestirne auf den Menschen wirken zu lassen, ihm ebenfalls eine geistige Seele schuf; der, welcher Geist und Materie unterschied und wieder zusammen schmolz: kann der wohl was geringeres, alsein großer Philosoph gewesen seyn? Unterdessen scheint es doch, als ob die Quelle der Sterndeutung bloß in dem Materialismus zu suchen sey: denn da der Mensch auf solche Art von dem Einflüsse der Gestirne regiert wird: so ist er weiter nichts, als eine Maschine, deren Triebfedern die Sterne sind. Man sehe einmal hier den Spinoza unter jenem ältesten Volke auf- der Sterndeutung. 317 auftreten! Der Spinozist spricht: alle unsere Begegnis- se und Bestimmungen sind in jenem großen Buch der Welt vom Anfänge her ausgezeichnet; und dieß spricht der Astrologe auch. Das Verlangen, zukünftige Begebenheiten vorher zu erfahren, ist dem Menschen nicht angebohren: als die Menschen noch in dem Stande der Natur lebten, da dachten sie gewiß nicht an die Bestimmung ihres zukünftigen Schicksaals; ihre Jdeensphare war bloß auf die Befriedigung gegenwärtiger Bedürfniste eingeschränkt; und unsere Unwissenheit zukünftiger Begebenheiten macht zwar uns, die wir ein gesellschaftlich Leben führen und wegen vieler Bedürfnisse bekümmert seyn müssen, oft sehr unruhig: aber die wilden Amerikaner wissen von dieser Vorsorge so wenig, daß sie des Morgens ihre Thierhaut, aus der sie die Nacht über geschlafen haben, verkaufen und am folgenden Abende den Verlust ihres Bettes beweinen. Also muß die Erfindung der Stern- deuterey sowohl, als die Chiromantie, wie auch die Prophezeiungen der Auguren und Harruspicum allerdings von aufgeklärten oder wenigstens sehr erfinderischen Nationen ausgeheckt worden seyn. Auch ist es eine ausgemachte Wahrheit, daß alle diese verschiedenen Arten der künstlichen Divinakion in Nordasien entstanden und von da nach Afrika und Europa gebracht worden sind. Sie sind also einzelne Trümmer einer vielleicht erhabenen Kenntniß und eines vernünftigen Systems jener alleral- testen Nation. Aber sie sind ohne Zweifel sehr verunstaltet und ganz unbrauchbar gemacht worden. Die Sterndeutung ist keineswegeö das Werk einer ganzen Nation: sie ist vielmehr die Ausgeburt einiger einzelner Gelehrten, oder gar nur eines einzigen scharfdenkendem Kopses. Man weiß, daß bey allen Nationen Weltweise waren, welche die Natur zu ihrem Gott und Z18 Untersuchung über die Entstehung und den Menschen bloß zur Maschine, der sich nach dm ewigen unveränderlichen Triebfedern der Natur bewegte, machten. Waren dich nicht die Geheimnisse der ägyptischen und aller orientalischen Priester? Da sich nun die chaldäischen Priester und die Brammen in ihren geheimen Grundsätzen so weit verirrten, daß sie auch dem Menschen sogar den freyen Willen rveglaugneten; und da sie die ganze Welt zu einer Maschine machten, in der alle Begebenheiten nach den ewigen unveränderlichen Triebfedern ihrer Natur nokhwendig so und nicht anders erfolgen mußten: so mußten sie ganz natürlich auf den Gedanken fallen, daß auch die Bestimmung eines jeden Menschen von Ewigkeit her festgesetzt worden sey und aus dem Stande der Gestirne in seiner Geburtsstunde oder aus seinen Gesichtszügen und Linien der Hand bemerkt werden kennte. Hat nicht Leibnitz selbst noch in unserm Jahrhunderte einer Monade all die Veränderungen im Kleinen zugeeignet, die in der großen Welt Statt finden? Eine Monade enthielt all die vergangenen, gegenwärtigen, und zukünftigen Begebenheiten der Welt wie ein Spiegel: dieß waren die Ideen der Monaden und der Seele des Menschen. Liegen in dieser Lehre nicht all die Grundsätze der natürlichen Astrologie verborgen? Aber Leibnitz setzte sehr vorsichtig hinzu, daß niemand als Gott die Jdeenfolge in einer Monade im Kleinen und daher auch die Begegnisse der Welt im Großen übersehen könnte: denn Leibnitz war ein großer Philosoph und sah wohl ein, daß ko ein Problem kein Sterblicher aufzulösen im Stande war*. Da nun Leibnitz in einem schon aufgeklärtem Zeitalter die Un- mög- * Man sehe die Gedachtnißrcde ans ihn, welche die kö« maliche Akademie zu Berlin 1768 mit dem Lorbeer be« kränzt hat. der Sterndeutung. ^19 Möglichkeit solcher Bestimmungen zukünftiger Erangnis- se cinsah: wie vielmehr müssen nicht die alten Chineser oder noch altere Völker darinne haben irren können? Kurz, sie konnten» priori keine Regeln finden; sie machten bloß Beobachtungen; sie schlossen aus einigen Fäl- ' len auf alle: und so entstauben astrologische Regeln, die eben so schwankend, wie ihre Grundsätze von dem Fatum selbst waren. Was die prophetische Astrologie anbetrifft: so fiel man leichte auf den Gedanken, daß die Bcgegnisse und Handlungen des Menschen eben so, wie die Witterung von dein Stande und Lauf der Gestirne abhangen müßten ; man sah wohl ein, daß alle Weltkörper mit der Erde in einer genauen Verbindung standen; und man schloß, daß sich diese Verbindung auch bis auf die kleinsten Eraugnisse ihrer Theile oder Bewohner erstrecken müßte. Denn gleichwie sich die Menschen von je her für die vollkommensten Wesen der Welt hielten: eben so brachte es auch ihr Stolz mit sich, daß sie ihre Wohnung, die Erde, zu den vorzüglichsten Theil der Welt, zu deren Diensten alle übrige Weltkörper da standen, zu machen geruheten; sie handelten hierinne wie die Chine- ser, die auf ihrer Universallandcharte nichts, als ihr eige. neö Reich, erblicken und an andere Nationen nur einige kleine Winkel der Erde aus Gnade und Barmherzigkeit verschenken. Dergleichen Schlüsse können nun allerdings auf keine andere Art, als aus gut philosophischen Ideen, entstanden seyn: und diese Ideen treffen mit dem natürlichen Charakter des Menschen, der immer alles gern groß zu machen pflegt, und die Beziehung der Menschen, Thie- re, Pflanzen und aller Elemente der Erde natürlicher weise nicht bloß auf sich selbst einschranken, sondern gar biö an die Sterne ausdehnen mußte, genau zusammen. Unter- Z 20 Untersuchung über die Entstehung Unterdessen sahen sie doch bald, daß dergleichen Ereignisse im gemeinen Leben nicht alle Jahre, wie etwa die Abwechselung der Jahreszeiten, zurück gebracht wurden ; und man konnte auf solche Art das Hervorrücken der Sterne aus den Soirnenstralen zu deren Besinn- mung nicht gebrauchen: also nahm man seine Zuflucht zu dem Laufe der Planeten, auf ihren besondern Stand gegen einander im Thierkreise, und aus ihre Zusammenkünfte, welche die Bestimmung der Menschen über- Haupt anzcigen sollten; und so erfand man auch lange Perioden, die das Begegniß und die Veränderungen der größten und dauerhaftesten Reiche, Republiken und und Städte, ja sogar der Welt selbst, aufs neue zurückbringen sollten. Man gieng noch weiter: man erfand Constellationen, die sich weit öfterer als andere ereigneten : und aus diesen bestimmte man die Begegnisse einzelner Menschen. Demnach war die Sterndeuterey anfangs eine Frucht des erhabenen Genies großer Geister einer überaus aufgeklärten Nation: denn diese können auch irren, wenn sie sich gar zu weit in die Geheimnisse der Gottheit und Natur vertiefen. Man kann aber auch leichte darthun, daß überhaupt alle irrige Meynungen des gemeinen Volks aus übel verstandenen und durch die Tradition verderbten, an sich aber allerdings vortreflichen, Lehren großer Philosophen entsprossen sind. So waren die Genius, die La, es und Penates anfangs ohnfehlbar nichts anders, als Bilder eines Zusammenhangs nur etlicher wirkender Ursachen, die jvon dem Zusammenhänge der ganzen Natur abhiengen und sich bloß auf einzelne Personen, Familien und Gemeinden bezogen*. Der gute Geist, den die Persier anbeten und der böse, den sie verabscheuen, sind * Xlem. äs I'-Vcsä. äer lnkorixtlonr. lom. XII. p. r;> der Sterndeutung. Z2i sind entweder die Gemahlde der physischen Elemente, welche Meynung der alten Philosophen stets mit einander kämpfen, oder die Abbildung des politischen Interesse der Menschen, oder auch das Sinnbild der ein. ander widerstreitenden Leidenschaften in der moralischen Welt: und diese Idee non einem guten und bösen Gotte der Persier ist ohnfehlbar aus dem Begriffe von der Welt, in welcher alles ohne Unterlaß Krieg mit einan- verführt, entstanden. Die alten Philosophen sahen wohl ein, daß in der Welt nichts verlohren gieng, und daß die allzeit wirksame Natur die Ruinen des einen zum Leben des ander« anwandt: also schlossen sie auf die Seelen der belebten Geschöpfe ebenfalls eine beständige Fortdauer; und so entstand der, allerdings philosophische, Irrthum von der Seelenwanderung. Abt le Barccttp * hat sehr wahrscheinlich bewiesen, daß die Fabel von der Venus und dem Amor, nichts als die physische Entstehung der Welt abbilde: Venus war, nach der Meynung des Herrn Abt, die Nacht, die vor allen geschaffenen Wesen eristirte und zu allererst Licht, Wärme und Liebe gebahr. Diese ursprüngliche Bedeutung gedachter Fabel ist doch ganz außerordentlich gcmis'handelt worden! Aber wie konnte es auch anders geschehen, da sie durch so viel, so verschiedene Köpfe aller Nationen der Welt, die entweder allen Geschmack an den Wissenschaften schon verlohren, oder noch gar keinen erhalten halten, durchwandern mußte? Alle diese im Orient erfundene und ausgebreitete philosophischen Idee» sind Produckre einer gelehrten Nation, die alter als die Indianer, Aegyptier, Chaldäer und Chine- * ölSm. äe ller Inlcrlpnonr. 1 '. XXVll. p. 2^4. X Z22 Untersuchung über die Entstehung Chinesin- gewesen seyn muß: sie war die Urheberin aller der berühmten natürlich astrologischen Perioden und aller philosophisch ausgedachten astronomische» Regeln, welche ihre Nachkommen mit jener Seuche der albernen Sterndeuterey ansteckten. Dieser asiatische Irrkhum war nicht nur einer von den alieraltcstcn, die jemals in der Welt ausgedachk worden sind, sondern er war auch in ganz Asien allgemein, und man muß ihn ebenfalls als einen Beweis jenes gemeinschaftlichen Ursprungs aller Wissenschaften und der Existenz jener großen Nation, welche die Welt vor allen andern uns bekannte» Nationen bewohnte, ansehen. Denn wäre es wohl möglich, daß ein so philosophischer Irrthum, wie die Stcrndcuke- ren ist, bey verschiedenen Nationen so einförmig hätte ausgedacht werden können? Wahrheiten giebt es wohl, die zu gleicher Zeit von verschiedenen Philosophen zugleich erfunden worden sind: aber gekünstelte Hypothesen oder- gar grobe Irrthümer gewiß nicht. Angeführte neuere Nationen hakten also deswegen einerlei) Ideen von dem Einfluß der Gestirne auf die Herzen der Menschen, weil sie die Gründe derselben ursprünglich von einer einzigen Nation gemeinschaftlich geerbt hatten. Unter jenem alten gelehrten Volke konnten die Philosophen eben sowohl, wie unter uns Europäern etwa -Hsbbes und Spinoza, irren;' denn sie verfielen ohnfehlbar auch auf den Materialismum: und so mußte ihnen die Entstehung und der Untergang des ganzen Weltgebaudes, sowohl als die Begebenheiten einzelner Menschen, periodisch, wie die Abwechselung der Jahreszeiten, scheinen; sie glaubten also ohnfehlbar, daß man nur die Konstellationen fleißig beobachten und die Ereignisse unter den Menschen damit vergleichen dürfe: und so ward die Skcrndeutercy erfunden. Uns scheint daher dieser Weg, auf welchem die prophetische Asirolo- drr Sterndcutung. Z2Z gie, von der wahren Sternkunde zu der natürlichen Astrologie und dann gar zur Sterndeuterey fortgewan- dert ist, viel natürlicher als die Meynung derer, die diesen Jrrthum für einen Sohn der Dummheit ausgeben. Wer ganz dumm ist, denkt aufs höchste etwa so: ich bin Herr über alle andere Thicre und über mich selbst; ich stehe mitten unter dem Himmel, wie unter einen Dache: und die Sterne sind nichts als kleine dichter, die bloß mir zu Gefallen da stehen und zuweilen die Nachte ein wenig erleuchten. Man konnte uns zwar vorwerfen, als ob wir uns auf diese Art der Philosophie einen rechten Schandfleck anzuhangen bemühen wollten: allein es ist ein großer Unterschied zwischen dieser Wissenschaft bey ihrem Ursprünge lind dann, als sie schon durch den Mißbrauch, um die Menschen zu hinkergehen und um Reichthümer zu erlangen, verhunzt worden war: letztere ,nennen wir keincsweges; die Erfinder sind an deren Mißbrauch nicht schuld. Dann ist ja auch die Stern- dcurerey überhaupt eben nichts albernes, wenn man sich in die Ideen jener alten Philosophen hinein denkt: sie ist bloß eine nothwendige Folge des Materialismus. Es war zwar unsinnig gehandelt, daß inan zwischen den himmlischen Begebenheiten und den Ereignissen unter den Menschen eine solche Uebereinstimmnng zu finden glaubte: allein, wann sich der menschliche Geist einmal aus dem Staube empor zu schwingen erkühnt, dann verfehlt er sehr oft den rechten Weg, oder ihm schmelzen, wie dein Ikarus die wächsernen Flügel. Man versucht alles, man scheuet keine Schwierigkeiten, man haust Meynungen und Hypothesen durch Iarhunderke hindurch auf einander: und man erkennt die Unmöglichkeit derselben nicht eher als zu seiner Zeit. UebrigenS war auch die prophetische Astrologie, so lange sie bloß bey den Philosophen existiere, nicht einmal so beschaffen, wie Z 24 Untersuchung über die Entstehung wir sie uns etwa vorstellen: denn sie war ohnfehlbar in den Tempeln als ein Geheimnis;, von welchem nur einige abgebrochene Stücke dem gemeinen Volke bekannt worden seyn können, aufbewahret. Diedamaliqen Philosophen mußten ohnfehlbar auch wie die ägyptischen Priester, wie die Pythagoräer, Brammen und andere Philosophen ein Gelübde über unverbrüchliche Verschwiegenheit, wie in unfern Klöstern über die Keuschheit und Ar- muth, ablegen. Die berühmten Geheimnisse dieser angeführten Nationen waren also ohnfehlbar eine bloße Nachahmung jener alten orientalischen Gewohnheit. Der Materialismus, der die Basis der Sterndeu- terey ist, existier noch heutiges Tages bey vielen asiatischen Nationen: der größte Theil von den chinesischeil Gelehrten sind, nach Aussage unserer Apostel, Atheisten. Denn ob die Braminen gleich die Götzenbilder anzubeten scheinen: so stimmen sie doch alle darinne, daß diese Götzen bloße Vorstellungen eines obern Wesen seyen, vollkommen überein *. Nun sagen sie zwar: dieses oberste Wesen ist allein allmächtig und weise: allein ihre übrigen Glaubensartikel nähern sich dem Atheismus gar sehr. Sie glauben, daß der Stoff aller Körper, oder die Elemente, ewig unveränderlich und nur in Rücksicht auf die Gestalt der Körper, die sie bilden, von einander unterschieden seyen, lind diese Elemente, oder die Materie, bringe alle Gestalten, das Heist alle organisirte und gemeine Körper durch eigene Kraft hervor; die Existenz eines reinen Geistes, wie wir ihn uns vorstellen, scheint ihnen unmöglich * *. Bcrnier benachrichtigt uns, daß Gott nach ihrer Meynung, die ganze Welt aus seiner eigenen Substanz hervorgebracht habe; das große * —I'. I. Dike, prelim. p. lzy. und //o/- rrv/. I. c. " —/tr-ess«. I. c. der Sterndelttung. Z25 große Ganze sey eine bloße Ausdehnung der Gottheit, welches mit der Zeit in sich selbst wieder zurück kehren werde. Sie vergleichen die Welt mit dem Faden einer Spinne, den die Spinne bald lang aus ihren Eingeweide» herauswindet und bald wieder in sich frißt.* Alles dieß zeigt nun den Materialismus deutlich genug. Demnach sind diese philosophischen Irrthümer von jenem alten Volke ausgedacht worden, und der Materialismus ist einer von den ältesten philosophischen Irrthümer». Mit dem Untergange dieser gelehrten Nation sieng sich die Astrologie auszubreiten an, ihre Tempel »vurden verlaßen und die Gelehrten zerstreuet. Einige derselben bildeten in der Folge die chinesischen Gelehrten , und andere die indianischen Brammen, noch andere wandten sich nach Babylon und gründeten das gelehrte Reich, welches in der Folge nach ihren Namen, Chal- daa genannt ward. Oben haben wir angemcrkt, daß sich die prophetische Astrologie vorzüglich von den Chaldäern über die jüngere Welt verbreitet hat,"* und daß der erste chal- däische Gelehrte, Berosns, allerdings von einer, den Chaldäern, fremden Nation entsprossen ist;*** da nun diese Fremdlinge, oder die Nachkommen des Berosus in der Folge chaldäische Priester waren: so ist es wahrscheinlich, daß sie nun auch einigen Gewinst in ihren Wissenschaften gesucht, und auf solche Art auf die Neugierde der unwissenden eingebohrnen Chaldäer Abgaben gelegt haben werden. Also wurde das Gesetz der Verschwiegenheit, welches sich auf einen allgemeinen Vortheil der Philosophen gründete, durch das besondere Interesse der Priester eingeschränkt. Man benachrichtigte die T z gcmei- * 'p. III. p. sz;. ** Oben. Ab sch. 5. §. Z. *** p 28. Z26 Untersuchung über die Entstehung gemeinen lenke von dieser sonderbaren Kunst, die Neugierde kaufte sie den Priestern häufig ab, und so ward die philosophische lehre von dem Einst, iß der Gestirne gar bald in Chaldaa allgemein bekannt: aber das ungelehrte Volk konnte sie nicht verdauen, es mengte nun alles durch einander, es gab jedem Menschen und jeder Begebenheit desselben seine eigene Konstellation, sein eigenes Gestirn, und so wurde die ursprüngliche Idee, von dein Zusammenhänge des Ganzen, und von der genauen Beziehung seiner einzelnen Theile aus einander, allerdings sehr verunstaltet. Dann machte man den Saturn zu einem Stern, der Unglück und Traurigkeit über die Menschen auSgöß; Mars stiftete Zwietracht lind Kriege; Merkur bildete Räuber, Venus veranlaßt verliebte Ausschweifungen u. s. w; auf gleiche 'Art trug man auch den Sternbildern des Thierkreises sowohl als den übrigen Gestirnen, nach Beschaffenheit ihres Standes mit den Planeten, mit dem Monde und der Sonne, ^gewisse Verrichtungen aus. Allein die Astronomen märzken in der Folge viel dergleichen Irrthümcr wieder aus: denn zu der Zeit deS Strabo* befolgte» die Chaldäer nur noch etliche astrologische Regeln, lind verwarfen die übrigen alle; auch siel die Sterndeuterey um diese Zeit überhaupt sehr tief hinab: denil die Priester fanden nunmehro ihre Rechnung ben deren Ausübung nicht mehr. Schließlich wäre noch anzumerken, daß zwar die Astrologie in unserm aufgeklärten Jahrhunderte weiter keinem Beyfall findet: aber zu Ende des letzten Jahrhunderts schickte doch noch ein gewisser Italiäner an den Pabst Innoceno den XI eine Prophezeiung von dem Ausgange des Türkenkrieges oder der wienerischen Belagerung : " läb. XVI. p. 7Z9. der Sterndeutung. Z27 lagerung, und diese ward Von dem Pabste noch immer wohl ausgenommen. Auch war nur noch vor wenig Jahren der Graf von Boulamvilliers, der übrigens gute Einsichten hakte, von der Sterndeuters,- so angesieckt, daß er gar verschiedene Bücher darüber schrieb. * Es werden daher auch wohl noch in den zukünftigen Jahrhunderten dergleichen gelehrte Grillen auögeheckt werden: ein Fürst darf nur auf so was fallen, und bald werden sich in seinem Lande eine Menge Astrologen bilden. Aber so geht es mit den Jrrthümern, die unseren Leidenschaften, den unheilbaren Krankheiten der Seele, schmeicheln. Zu wünschen wäre es, daß alle Jrrthü- mer in der Philosophie und Naturlehre nun bald einnial, eben so wie sie entstanden sind, verschwinden und niemals wieder erscheinen mögten. Aber Jrrthümer, die ans den Leidenschaften der Ehrbegierde des Stolzes und Habsucht entspringen, sind eben so unvergänglich als diese Leidenschaften selbst. Also wird man sich auch noch in den künftigen Zeiten die Quadratur des Kreises, das Pcrpetuomobile, den Stein der Weisen, die llniversal- medicin und die zukünftigen Begebenheiten der Welt zu erfinden bemühen. * Eucykkopadie. Art. Astrologie. Zusatze. 22Z Zusätze. i. Zu der Anmerkung Seite 39. jie Meynung von der platten Gestalt der Erde ist ganz gewiß sehr alt und in den Zeiten der Unwissenheit auf das eifrigste vcrtheidigt worden. Lost was Iudoplcttstes, ein Mönch aus dem sechsten Jahrhunderte, verneuerke sie in seiner lopoAi-apküa Lbrcktians und bewies, daß die Erde nicht rund sey: einer von seinen Beweisen ist merkwürdig, daß ich seine Worte hersetzen muß; er spricht „ da die Chaldäer die Sterne alle Tage regelmäßig über den Horizont her. aufsteigen und untergehen sahen, bilderen sie sich ein, daß sie sammt dem ganzen Himmel, den sie sich wie eine hohle Kugel verstellte», herum geführt würden: denn sie kannten die wahre Gestalt der Erde nicht und wußten nicht, daß die' Sterne von den Engeln am Himmel herum getragen werden.« (UleÄio nova katrum. "U. II. p. 161. Er glaubte also mit den Alten, die Erde wäre, wie ein Teller gestaltet und rings herum mit hohen Wanden, die wie ein Gewölbe zusammen liefen, umgeben. An diesem Gewölbe bewege sich die Sonne der Mond und die Sterne. Mitten auf der Erde stehe ein hoher Berg, hinter welchen sich die Sonne täglich einmal verberge und Nacht werden lasse: dieser Berg habe eine kegelförmige Gestalt. Da nun die Sonne im Sommer hoch am Himmel hinlaufe: so werde sie zu dieser Zeit nur von der schmalen Spitze dieses Ber. ges bedeckt: im Winter hingegen gehe sie weit tiefer hinter seinem breiten Fuße vorbei) und verursache die langen Nachte. Auf der t88 Seite des angeführten Wer- Werkes findet man dieß alles abgebildet »nd weitlauftiger beschriebe», Costnas seht hinzu, daß die Erde, welche wir bewohnen, mit dem Weltmeere umgeben sey: aber jenseit des Oceans befinde fich eine andere Erde, die sich bis an die Mauern der Welt erstrecke. Diese Erde jenseit des Oceans sey es auch, wo der erste Mensch erschaffen worden und wo das Paradies gewesen ist. Aber die Sündfluth habe den Noah in seinem Kasten auf diese Erde herüber getragen. Dieses Land jenseit des Oceans kömmt fast mit der tsrra atlantiea der Alten überein, und diese Philosophie stimmt mit den Traditionen aller morgenlan- dischen Nationen zusammen. Denn bis Indianer sehen den Berg Someirah auch in bis Mitte der Erde und lassen die Sonne bey deren Untergange hinter ihn kriechen. //rr-r/c-t. Libl. Orient, j), ^27. Die Muhamekaner und überhaupt alle orientalische Völker jagen: die Erde ist rings herum mit hohen Bergen umgeben, hAter welche sich die Sterne bey ihrem Ün- tergange verbergen: und dieß sind die Mauern oder Wände des Eosmas. KrSe/ot. l. e. zx 2go. Sie setzen hinzu, daß jenseit dieser Berge ein neues Land oder eine neue Erde anzutreffen sen: und dieß stimmt ebenfalls mit jener Tradition der Alten von der terra Atlantiea, wie schon/ArLe/ot bemerkt, zusammen. Aber man stehet doch mit Vergnügen, wie sich diese alte alberne Philosophie durch die Tradition ausgebreitet, verunstaltet und durch tausend Irrthümer bis an die Wahrheit selbst erhoben hat. r. Anmerkung zu den ztcn §. des zken Abschnitts. Die Japonier bedienen sich der Periode von 19 Jahren, in welche sie 7 Monathe einschalten. I lili. AON. äes Vo§. D xl^. zx I 17. 2Z0 Zusätze, z. Anmerkung zu der u ten §. des zten Abschnitts. Das Sternbild des Wassermanns Heist in der chinesischen Sprache: Auferstehung des Frühlings. Da nun die Frühlingsnachtgleiche selbst niemals in den Wassermann gefallen seyn kann; und da die Sonnenwende bey den Chinesern vielmehr ehedem in diesen Sternbilde gewesen seyn muß: so kann man schließen daß die Auferstehung oder der Anfang des Frühlings bey ihnen so viel Heist, als die Rückkehr der Sonne von dem Kreise des Steinbocks: denn da wird in China wieder Frühling. Die Iaponier pflegen den Anfang des Jahres noch ißt in die Zeit, wenn sich die Sonne im i zten Grade des Wassersmanns befindet, zu seßen: denn in der Ick- stoil-o äöii vc> vagen l". XI.. x. Ii6. liest man folgende Nachricht: „Der Anfang ihres Jahres fallt zwischen die Wintersonnenwende und Frühlingsnachkglciche ohngefehr den ;ten Hornung.« Und lim diese Zeit befindet sich die Sonne akkurat in dem i6ten Grade des Wassermanns. Man bemerkt hierinne ferner eine Uebereinstim- mnng der Iaponier mit den Chinesern, welche ihr Jahr stets mit der Wintersonnenwende, die sich nach ihrer Meynung beständig in dem i zten Grade des Wassermanns befindet, anfanqen. Man sehe hierüber die 28ste Paraq. des zten Abschnittes im zweeten Bande. Die Epoche der japanischen gewissen Zeitrechnung fallt nicht weiter als bis auf das66oste Jahr vor Christi Geburt zurück. Hist, gener. äes Vogtes "l?. XI.. p- 54. Aber da die Sonnenwende im Jahre z vor Christi Geburt eigentlich im i^ten Grade des Wassermanns war: so folgt, daß sich diese astronemi- sche, sche Tradition be» den Iaponiern weit länger, als ihre Zeitrechnung answeisct, erhalten haben muß. 4 - Anmerkung zu der ryten §. des gten Abschnitts. Die Bewohner der philippinischen Inseln tragen sich noch mit einer Tradition von dem alten Zank der Sonne mit dem Mond. Der Mond ward in dem Streite von der Sonne überwunden und gebahr aus Schrecken die Erde, welche beym Herabfallen in Stü- zerbrach. Die Indostaner hingegen erzählen einander, daß sich ehemals die Berge gegen die Götter empörten; wie sie sich in die Lüfte erhoben, die Sonne verfinsterten und die Städte mit in die Luft nahinen; daß ein Gott herbey eilete und sich mit den Bergen in eine Schlacht einließ, ihnen ihre Flügel weghieb, und sie auf solche Art wieder auf die bebende Erde zurück stürzte, welche ganz damit bedeckt ward. Man findet in diesen Traditionen die Fabeln von dem Kriege der Riesen mit den Göttern, welche zufolge der griechischen Dichter, den Himmel auf den hohen Bergen stürmen wollten. Xettrss curisuleb et ääilwiitös. N. Xlll- Die Tradition der Chinefer von einer im Meers versunkenen alten Infel; die Mcynung der Griechen von der ersoffenen terra atlantica; die Geschichte deS pe^run, den die Götter liebten und beym Einbruchs der große» Fluch in einem Schiffe dem Tode entrissen Xaem^tckr. Ickilfi ärr Iap>on. X. lll. c. z; die Tradition der alten nordischen Nationen von dein Beicze- rncr, der ebenfalls mit seiner Frau ans der großen Fluch in einem Kahne gerettet ward; und die Geschichte des ehaldäischen A'ismhnrs, der mit seiner Fami- 2Z2 Zusätze. lie. der großen Fluch entwischte: alle diese auf verschiedene Art abgeänderten Kopien der Geschichte des Noah bezeugen genugsam, daß alle angeführte Traditionen von einer einzigen Geschichte entsprungen, und daß alle diese Nationen von einer einzigen adgestamint sind. s. Anmerkung zu der 4ten §. des 4ten Abschnitts. Die Götterlehre der Japonier enthalt zwölf Götter, und e6 ist merkwürdig, daß die Japonier ihre Götter in zwo Klassen theilen: die erste, die aus 7 Göttern bestehet, ist sehr alt, und die zwote, die deren nur 5 enthalt, ist erst in den neuern Zeiten hinzu gesetzt worden. I 4 ilk. ües "l'. Xb.. p. 41. 42. r go. Die Zahl i2, welche mit den Göttern der Aegyptier übereinkömmt, zeigt schon von einer sonderbaren Ueber- einstimmung dieser so weitabgelegenen Nationen; aber, wenn man gar bedenkt, daß die Aegyptier ebenfalls einstmalen nur 7 Götter zahlten, und daß die übrigen 5 in den folgenden Zeiten erst hinzu gekommen sind: so wird diese Uebercinsiimmung noch auffallender. Man kann daher sehr wahrscheinlich schließen, daß die 7 ältesten Götter aus der Verehrung der 7 Planeten, die 5 neuern hingegen, aus der Anbetung der Natur überhaupt, und der vier Thiere, wo sich die Sonnenwenden und Nachtgleichen befanden, entstanden seyn mögen. Hieraus erhellet der Sah, daß die Japonier sowohl als die Aegyptier von einer gemeinschaftlichen Na- tion hergekommen sind, aufs neue. Aber diese Tradition von den gedachten Göttern mußte bey den Aegyp- tiern freylich viel sorgfältiger und akkurater als bey den Japoniern aufbehalten werden. 6 . An- Anmerkung zu der zten §. des 4ter Abschnitts. Die Indianer kommen herüber auf de» Pyr — Pan — Jal, den höhcsten der Berge des Gebirges Kaukasus, wallfahrten. Der Fluß Songary entspringt auf dem hvhesten Berge der großen Tartarey, welcher Chang— pe—- Chan heisi: und die Chine- ser sowohl, als die Tartaren halten diesen Berg für den heiligsten der Welt. Sie erdichten eine unendliche Menge Fabeln von diesem Berge und rühmen sich, daß ihr Geschlecht aus ihm gebohren worden sey. 7 - Anmerkung zu der i2ten §. des 5ten Abschnitts. Cardinal de Cusa spricht: die Chaldäer hatten ehemals auch dreymonathliche Jahre. Vo) L?. kss Oeuvres ^>. l 8 - Anmerkung zu der l yten §. des 6ten Abschnitts. Richardr pocoeke, welcher Aegypten besucht hat, beschreibt den Grabtempel des Königs Vsyman- dllas, der noch gegenwärtig eristirt. Er fand daselbst viel Dinge, die Diodorus Giculus beschreibt, woraus erhellet, daß diese Nachrichten gegründet sind. Oelcriotiou ok tlrs ealk. 1. I. 107. 9 - Anmerkung,welche sich aufdie gr zSeite beziehet. Aufsteiqende Dünste können die Abwechselung des Wetters, Regen, Dürre, Sturmwinde u. s. w. an- zeigen: und man kann schließen, daß die Menschen, welche 2Z4 Zusätze. Ae ein sumpfig ausdampsendesland bewohnten, dergleichen Ereignisse durch eine lange Erfahrung voraus wis- koimten. Auch die ineisten berühmten Orakel des Alter- khlims befanden sich an solchen Orten, die sich vorzüglich durch verschiedene merkwürdige Erscheinungen der Natur auSzeichnetcn. Ein Hirte, an: Fuße des Parnaß, dessen Ziegen zuweilen betäubt z» Boden geworfen wurden, entdeckte an diesem Berge eine Höhle, die dieses durch ihren Dunst verursachte. Diese Erscheinung verschwieg er, sagte aber andern Hirten voraus, daß daselbst ihre Heerde umkommen würde: und alle Welt kam, diesen wunderbaren Propheten zu sehen. Dieß ist, wie Diodorus aus Sicilien XVI. c. ii. berichtet, der Ursprung des berühmtesten Orakels der Griechen. Aosch'sltts meldet, daß anfangs die Erde zu Delphis geweissaget» habe, aber in der Folge habe dieses Amt Apollo über sich genommen. Die Erde bedeutet die Dünste, und Apollo, die Sonne. Also erhellet aus allen diesen Traditionen, daß dis - natürliche Astrologie die wahre und einzige Quelle der Sterndeutung und aller Arten der Wahrsagerey ist. Ner- Errde des ersten Bandes. Verbesserungen» Seils 9. kinie anstatt Welt lese man Werk- S. la.L.ar. Religinn l. Religio». S. 20. L. 29. erstreckte l. erstreckte». S. z6. L. 15. Sara l. Earvs S. 87 - L. ic>. Abyden l. Abydo- S. 40 L. '5- Aniange l Aufgange. S- 4>- L ;>- müßten !. mußten. S-4t- L. 11. denn l. bann. S. 5;. L. 17- an einmal l. aus einmal. S- 74. k. iz. 8 Stunden l. 5 Stunden. S. 8s. k. 1. Sommersonnenwende l- Sonnenwende. S 96. S. 14 ein- genlllr l. eingehnllt. S- >07. L. 9. Damville l. D' Anville. S. 107. L -2. Dalai — Lama l. Dalat — Lama. S. >25. L. 27. Himmelskreise l. Thierkreise. S- >26. L. 10. hat bemerkr an I. har bemerkt- S- --6. 17. daß die sie l- daß sre die- S. 127. L. 22. die für l. für dis. S. i-8. L. >6. von je eher I. von je her. S >42 L-17- dcrStern desDrachens l. derStsrn^desOrachens. S >4; L. hinter dem Worte: ähnlich, muß ein' stehen. S. 144 L. ?o. einmal l. sniik mal. S iso. k. 26. Abergladen >. Aberglauben. S. 102. Anm- ä^qriekill. ?tr>gnLriI llukenon. S- 154. L ls glößrer Entser. I. kleinerer Enrfer. S. Is4. Anm. o II. 1C4 Anm. e") Uicle l. Ilväe. S- Is 7 k 26. diesem l. diesen. G >6;. Anm. (") u. >97. Am». C) Saiiuwise l. Lslmasins. S. 1L8 L. 2s. es ist nicht l. das ist nicht. S. 17;. L. 28. beständige l. beständig. S >74 L >8. Epigens l. Epigeiics. S. 17s. L. ,0. ans irgend eine I. auf irgend eine Art. S 18; L- 8. können I. konnte» S- >89 L- 7. Rirker l. Lircher. S. 199. L- 27. Astromen l Astionowen. S 2,2. ?. >6 als die Erde l. als der Mond S- 21«. L. Gsimandue l.Dsvmandnas. S- 2-4. L. ;. Nonne l- Name- S. 224 L. 21 g-lichiain l. gleichsam. S! -ri. L. 1. griechischeo >- griechischen- S- 242. x. 9. hier l. die. S- 244. L. 26. Aach l- Nach. S- 24s. kl8. Anaximems l. Ana- ximenes. S. 248. L. >6. desselben I. derselbe». S. 2,8- Anm. C') lambligue l- lamdlichus. S. 27Z. L. 8- setz! l. setzte. S- 287. L- 2. vor die l. für die.