Stoikern n. einigen andern Philosophen. 27?
pythagorischeu m'cht wenig bey. Sokrates suchte dieTrümmer der jonischen Schule wieder zusammen, undzog die Sittenlehre als die allerwichtigste Wissenschaftder Naturlchre vor: er beschäftigte sich bloß mit der Scin-selbsikenntniß und zweifelte nicht, daß in dieser die wah-re Weltweisheit zu finden sey. Also mußte die pytha-goreische Sekte ihren Ruhm sinken sehen! Aber die vor-nehmsten Ursachen ihres Falls waren ihre geheimnißvolleLehren, durch welche sie sich so verdächtig gemacht hatte,und die gänzliche Trennung derjenigen Anhänger, dieman nicht unter die Eingeweyhetcn aufnahm; denn dieTrennung einer Gesellschaft seht allemal gewisse Miß-Hel-ligkeiten voraus und gebierst den bittersten Haß. Aberdie Haupkursache der Aushebung einer an sich nützlichenGesellschaft ist gemeiniglich der Stolz und die Verach-tung, mit welchen sie andern, die nicbtzu der Gesellschaftgehören, etwa begegnen. Die Pythagoräcr nanntenalke andere Menschen Verstorbene: und diese toden Men-schen verjagten endlich selbst die Pythagoräer aus deinLande der Lebendigen.
§.
Rleostrates, aus Tenedos, lebte um das Jahr5zr vor Christi Geburt. Von diesem glaubt man,er habe die Punkte der Sonnenwenden und Nachtglek-chen auf den achten Grad der zugehörigen Sternbilderbestimmt:* allein diese Bestimmung scheint eher aufdaöachte Jahrhunder vor Christi Geburt als auf das sech-ste zu paßen **; und hieraus erhellet aufs neue, daßalle diese vorgebliche astronomische Arbeiten der griechi-schen Philosophen nichts als Erfindungen der Chaldäeroder anderer morgenländischer Nationen gewesen find:
sie
* Oe Omenäsklone Oemp. O II. x. 62.
** 2ttn Band. 6 . Absch. §- 12.