268 Sternkunde bey den Pythagoraern, '
Er lehrte ferner die Natur eines großen Jahres, wel-'ches aus 59 gemeinen Jahren und 2 r Schalkmonakhenbestand. Und hieraus erhellet, daß er die Zeit einerMondrevolukion auf 27 Tage i z Stunden, die Zeitdes Sonnenjahres hingegen, auf z6z Tage geschaht ha-ben muß.* Der Irrthum, daß er den Fehler seinesSonnenjahres nicht kannte, rührt ohnfehlbar daher, weildie Aegyptier dem Pythagoras, aller seiner Bemü-hungen ohngeachtet, doch die wahre Größe ihres Son-nenjahres , welches sie, wie oben gezeigt worden ist, aufZ65 und einen ViertelStag schaßten, nicht bekannt ge-macht hatten.
§- 9 -
Was den PHLlolaus noch in den spatesten Jahr-hunderten berühmt machen wird, ist feine Meynung vonder Bewegung des Erdballs um die Sonne. Aber wirhaben schon errinnert, daß die Entdeckung dieser Wahr-heit allerdings eine schon sehr erhabene astronomischeKenntniß, welche weder bey dem phrlolaus, noch beydem Pythagoras, noch bey den ägyptischen Sternkun-digen existirte, vorausseht. Es ist daher wahrscheinlich,daß Pythagoras diese Idee etwa mit aus Indien ge-bracht Hot, wo sie vielleicht als ein Ueberrest jener altengrößtentheils verlohrnen Sterkunde, durch die Tradi-tion fortgepflanzt wurde. Pythagoras hat dieserMeynung ohnfehlbar seinen Beyfall nicht versagt; denner hatte Genie genug, um deren Werth und Wahrheiteinzusehen: aber er mar vorsichtiger als sein Schüler undverbarg sie, um nicht in Ungelegenheit zu gerathen, Vör-den Augen der profanen Welt, phrlolaus wurde be-kanntermaßen, da er diesen Sah, ohne Furcht, öffent-lich lehrte, der Verratherey gegen die Götter beschuldigt:er mußte deswegen aus seinem Vaterlande fliehen. UndGalliläus verlohr wegen dieser Lehre auch seine Frey-
heit.