260 Sternkunde bey den Pythagoräern,
ivohner des Monds, nach der Meynung des pythago-ras und seiner Schüler, fünfzehn mal größer als dieBewohner unsers Erdballs seyn müßten, und daß imMond auch eben so, wie bey unö eine Abwechselung desTages und der Nacht Statt fände*. Nu» weiß man,daß die Nacht auf dem Monde ohngefehr vierzehn Tageund eben so lange die Nacht dauert. Also fragt ßchs:hat man etwa auch ehedem gewußt, daß sich der Mondinnerhalb seines periodischen Umlaufs um die Erde ein-mal um seine Axe drehet? Dieß ist zwar nicht wahr-scheinlich: aber wir wollten doch diese auffallende Lehredes pvthagoras, welche, so viel uns bewußt ist, bis-her allen Geschichtschreibern entwischt ist, als etwasmerkwürdiges nicht unberührt lassen.
Die Kometen hielt Pythagoras für Planeren, dienur zu gewissen Zeiten, oder in gewissen Gegenden ihrerBahnen auS der Erde gesehen werden können und nurnach bestimmten Perioden erscheine». ** Und dieß al-les hatte Pythagoras aus dem Munde der asiatischenPhilosophen.
§- 4 -
Dem Pythagoras scheint vorzüglich die sonderba-re Meynung von der tönenden Harmonie der Gestirne ei-gen zu seyn; und ihm gebühret auch überhaupt die Ehreder Erfindung unserer Theorie über die Tonkunst: denner behandelte die Töne mathematisch, und gründete dieNatur der Harmonie des Akkords auf die Lehren vonden Verhältnissen der einfachen Grundtöue. Nun warer über diese Entdeckung so voll Freude , und die philoso-phische Unbesonnenheit, vermöge welcher die griechischenPhilosophen überhaupt ihre, in gewisser Rücksicht, richti-gen Lehren auf alle nur mögliche Erscheinungen der Na-tur
* Oe klscir. kbilok. I.. II. c. zo.
** ^»-i/kore/ev. klereoroloZ. I.. I. e. 9.