22o Sternkunde bey den Aegyptier«.
tete, verächtlich: denn sie waren selbst in dieser Wissen-schaft große Ignoranten und bloß auf die Kenntnisse ih-/rer Vorfahren stolz. Sie wußten, daß die alten Aegyp-tier ein aufgeklärtes Volk und gleichsam die Quelle desLichts aller europäischen Nationen waren. Sie zeigtenihm mit besonderer Gefälligkeit die Hauser, wo Eu-doxus und Plato, welche sich von ihren Vorfahrendreyzehen Jahre lang unterrichten ließen, gewohnt hat-ten. Aber sie konnten sich iht auch weiter nichts, als die-ser großen Schüler, die sie ehemals gezogen hatten,rühmen.
Scrabo führt zwar keine Ursache dieses Verfallsder Wissenschaften an: aber es läßt sich vermuthen, daßjene alte Gewohnheit, vermöge welcher sie keinen als ei-nem Priester den Zutritt verstattcten, zu dieser Verges-senheit viel beygetragen habe. Uebrigens ist auch be-kannt, daß sich selbst die Natur des menschlichen Kör-pers oder die Empfindsamkeit und Kraft der Nervendurch die Länge der Zeit und andere Umstände sehr verän-dert. Daher folgte auch vielleicht auf den bisherigen Ei-fer der Aegyptier aus eben den Ursachen ein gewisses un-empfindsames Wesen.
Wahrscheinlicherweise hatten sie kein Wörterbuchvon ihrer heiligen Schrift; und da man die Bedeutungjener Hieroglyphen nur dem menschlichem Gedächtnisseanvertrauet hatte: so verlohr sich dieselbe nach und nachunmerklich. Dann urtheiltendie Aegyptier von gedach-ten Hieroglyphen, wie der Blinde von den Farben, undverstanden die Inschriften jener astronomischen Denkmä-ler nicht mehr. Und hieraus erhellet, daß sie itzt dieSternkunde gar nicht mehr kultivirten und nicht mehrbeobachteten. Denn widrigenfalls würden sich auch dieKenntnisse der Hieroglyphen erhalten haben.
Außerdem ist auch zu vermuthen, daß die Eifer-sucht, welche sich zwischen diesen Priestern und der Alex-
andri-