Sternkunde bey den Aegyptiern. 219
man nun diese Gewohnheiten verschiedener Nationen ge-gen einander halt: so scheinen sie allerdings der Wahr-scheinlichkeit von der ehemaligen Existenz jenes großenWerkzeugs des Ostmanduas zu entsprechen, und führenuns zugleich auf einen allgemeinen Ursprung dieser ver-schiedenen Völker zurück.
Aber be» den Aegyptiern hat dieses Werkzeug wohlniemals existirt: denn, um dieses zu verfertigen, hat-ten sie bey weitem nicht genug astronomische Beobach-tungen ; und ob man es gleich unter angeführter Pyra-mide gefunden haben will: so können sich doch die Aegyp.tier, die es etwa aus einer alten Tradition her kannten,zugecignet haben; und seine wahre Existenz wird wohlweit über das Alter der Aegyptier hinaus fallen. Die-.seS erhellet auch daraus, weil pocoke, der die Rui-nen des Osimanduasischen Grabmahls in Augenscheinnahm, keinen so großen Raum daselbst fand, wo die-ses Werkzeug hätte stehen können.
Es ist daher wahrscheinlich, daß dieses Werkzeugan einem ganz andern und bequemem Orte horizontal ge-standen und zu einem Azimuthalwerkzeuge gedient hat.Denn in dieser Stellung konnte es jenem alten Volke al-lerdings ungemeine Vorkheile verschaffen und zu vielenBeobachtungen gebraucht werden.
§. 20.
Gegen den Anfang unserer Zeitrechnung war dieSternkunde bey den Aegyptiern sehr in Verfall gekom-men. Man zeigte dem Stxabo, bey seinem Auffent-halte in Aegypten, den Ort, wo die Priester zu Helio-polis die Sterne beobachtet hatten; allein diese Astrono-men waren nicht mehr: er fand bloße Priester, die ein-zig und allein dem Dienst der Religion gewidmet wa-ren; und doch sprachen sie von dem griechischen Philoso-phen Lhäremon, der ein großer Kenner der Astrono-mie war und den Aelius Gallus nach Aegypten Leglei-