2 I 4 Sternkunde bey den Aegyptl'em.
älter als die Wasseruhr ist: und dieß erhellet auch dar-aus, weil ihnen die Baume und Gebäude ganz natür-licher Weise hierzu die erste Gelegenheit geben mußten.Daher durften sie der Natur bloß zu Hilfe kommen unddem Gnomon eine schicklichere Gestalt geben. Und hier-aus sind die hohen zugespitzten Steinhaufen, die manObelisken nennet, entstanden. Also sind diese Pyrami-den keinesweges ohne alle Absicht in gedachter Gestaltund Größe aufqesühret worden. Man mußte ihnen eineGestalt, eine Größe und Masse geben, die dem Wetterund der Zerstörung am längsten zu widerstehen geschicktwar. Diese Eigenschaften besitzen gedachte ägyptische Py-ramiden allerdings, und geben der angeführten Konjek-tur des Herrn Gotzuet ein beträchtliches Gewicht.
Man setzt aber die Erfindung der Obelisken in dieZeit des Gesoftuis, welcher, nach Freuet, im sech-zehenten Jahrhunderte vor unserer Zeitrechnung regierthaben soll*. Aber wenn es wahr ist, daß man auf Be-fehl der Semiuamis, an dem Wege nach Babylon, ei-nen pyramidenförmigen Gnomon aufgerichtet hat: somuß das Alter der Sonnenzeiger bey den Chaldäernweirer als bey den Aegyptiern hinaus fallen.**
Also sind die Pyramiden nicht nur Beweise der Grö-ße und des Stolzes der ägyptischen Könige, sondern auchDenkmäler ihrer alten Sternkunde. Die größt: dersel-ben stehet mit ihren vier Seiten genau gegen die vierWelkgegenden; und dieß bezeugt de (LhazeUes, derdiese Pyramiden wahrend seiner Reise in Aegypten imJahre 169z sorgfältig untersucht hat.*** Da nun
diese
* Origin. cler I.oix. 1. II. x>. IZI. Oek. de 1a Lkronol.x. 242. 24Z.
** O/o-io--«? I.. II. p. 2z8- der Pater pezron
setzt das Jahr der Regierung dieser Königin auf 22Z4 vorEhrijii Geburt. ^Nl'lg. recadl. p. p. 147.
***L1ogs cls dl. -ie Iclem. 6e 1'^caä. äe§>
8cienc. 1710.