Sternkunde key den Aegyptr'ern. 199
Nach der Meynung des Herrn Court de Geberlaiumachte man den!Vogel Phönix zum Sinnbildeder gedachten Periode. Nun haben wir zwar oben ge-zeigt , daß die Fabel von diesem Vogel weiter nichts alsdie jährliche Revolution der Sonne lehret: allein viel-leicht wandten die alten Aegyptier dieselbe aus einem^ Mißverständnisse auf die Revolution ihres großen Hunds-jahres an.
In ihrer Fabel von dem Phönix hieß es zwar: die-ser Vogel ziehet allezeit nach Arabien, und kömmt ver-gnügt wieder daher: allein man begreift leichte daß die-se neuern Aethiopier oder die jetzigen Aegyptier nicht nuraußer Arabien wenig fremde Länder gekannt, sondernauch diese von ihren ältesten Vorfahren ihnen überliefer-te Erzählung von dem Phönix schlecht verstanden habenmüssen. Daher ließen sie ihn allerdings bloß in ein frem-des Land ziehen und nach seiner Verwandlung wieder zu-* rück kehren; sie kannten den Ursprung dieser Fabel nicht
mehr: denn sie paßte nicht einmal mehr auf ihr Klima,so, wie vorher bey den nordischenjVölkern. Unterdessenhatten sie doch das wesentliche dieses Sinnbildes ziemli-maßen unverändert beybehalten: denn der Vogel zogbloß nach Arabien, um aus dem Altäre der Sonnever-brannk und aufs neue gebohren zu werden. Die Sonneregierte die oben angeführte Hundsternperiode; Heliopo-lis oder die Stadt der Sonne war der Sitz aller ägyp-tischen Astromen; zu Heliopoliö war gleich anfangs dieSchule der ägyptischen Priester: und man wird den Zu-sammenhang gedachter Fabel mit der Sonne, die dochohne Zweifel von den heliopolischen Priestern so verhunzt» worden ist, leicht einsehen.
Also widerspricht auch diese Gewohnheit der Aegyp-tier, vermöge welcher sie durch diese Fabel ihre Hund-N 4 stern-
* MIcgor. orientales. Mercure. x. 124.