Druckschrift 
1 (1777)
Entstehung
Seite
167
Einzelbild herunterladen
 

Sternkunde der Persier und Chaldaer. 167

Die Hypothese von jenem flüßigen Wesen, welchesden unermeßlichen Raum der ganzen Welt erfüllen soll,ist sehr alt. Man halt dafür, daß auch die Benen-nung des Oceans von dem Namen dieser flüßigen Ma-terie hergeleitet worden sey: denn dieses Wort bedeuteteursprünglich den wässerigen Grundstoff des großen All;und die alten Weltweisen sagten: der unermeßliche Ae-lher trägt in seinen feuchten Schoost alle Wesen*, undder Ocean ist weiter nichts, als der irdische Aether. Alsdie Gelehrten das Schwimmen der Gestirne in dem flüs-sigen Wesen des Weltraums erkannt hatten: da ließ dergemeine Mann die Sterne gar zu Schiffe gehen. Manmuß sich daher nicht übereilen, Meynungen zu verwer-fen, die, nach den Worten genommen, abgeschmacktscheinen: denn sie können demohngeachtet philosophischgenug auSgedacht seyn.

Die Chaldäer lehrten auch die wahre Natur desMondenscheins; sie sagten: der Mond hat sein geborgtesLicht von der Sonne, und dieß verliert er, so bald er inden Schatten der Erde tritt. Die oben angeführte Mey-nung von der Natur des Mondenscheins läßt sich mit die-ser letztem gar nicht vereinbaren; gleichwohl war Berosus, der diese Meyn^ng äußerte, auch ein Chaldäer:und man sichet hieraus, daß Berosus lange Zeit vor-her gelebt haben muß.

§> 9 - . ^

Da den Chaldäern die Periode von rr; Mondcn-monathen oder von 6585 Tagen und einem Drittel be-kannt war: so konnten sie zwar die Mondfinsternisse vor-her verkündigen: allein von den Sonnenfinsternissen hat-ten sie nur eine unvollkommene Kenntniß. Sie wag-ten es nicht, diese letztem voraus zu bestimmen: denn

L 4 die

* I' /ckbc te ökem. cle 1' ^.caä. cles Inlcrixt.

lom. XXVll. x. 2Z7.