Sternkunde der Persi'er und Chaldäer. r6r
werk, und bey ändernder Ackerbau erblich: die dritteKlasse mar bloß zu den Künsten und andern Geschäftenbestimmt.
Die Priester eigneten sich mit einem ausschließendenRechte die Wissenschaften zu, und keiner, als ein Prie-ster, durfte sich ihre heilige Schrift zu erklären unterste-hen. Daher gierigen auch ihre vornehmsten Bemühun-gen bloß dahin, diejenigen, welche etwa von ihnen indergleichen Dingen unterrichtet seyn wollten, sogleich ab-zuschrecken: sie erdichteten geheimnißvolle Lehren, die siefür göttliche Wahrheiten verkauften; und diese fandenbey dem gemeinen und neugierigen Volke desto mehrBeyfall, je wunderbarer und alberner sie waren. Frey-lich konnten die Priester dergleichen Märchen dem gemei-nen Volke nicht erklären: denn sie verstanden sie selbstnicht. Also ist es kein Wunder, daß sie ihre Wissen-schaften keinem fremden Volke bekannt gemacht haben.
Unterdessen muß man doch gestehen, daß angeführ-te babylonische Sternwarte sowohl, als die Einrichtungder gedachten geistlichen oder gelehrten Gesellschaft, fürden Fortgang und Flor der Sternkunde sehr vorteilhaftwar; wenigstens konnte die Astronomie bey dieser Na-tion nicht wieder rückgängig werden: denn jeder Vaterprägte seinem Sohne die nämlichen Grundsätze ein; unddiese wurden auf dem nämlichen Fuße immer fort un-terhalten.
Diese Menschen, welche also den Gottesdienst unddie Astronomie behandelten, waren auch zugleich Wahr-sager und Hexenmeister. Wir dürfen aber die Stern-kunde deswegen nicht bedauern, daß sie, vermöge derheydnischen Religion', mit so viel thörigen Jrrthümemverunreinigt worden ist: denn dadurch, daß die Astrono-mie mit den Lehren der Religion und Hexerei) .verknüpftwurde, kam sie selbst in ein großes Ansehen. Sie wardaher für die damaligen Gelehrten eine einträgliche Wis-
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