, 6o Sternkunde der Persier und Chaldäer.
Chaldäern ganz anders, als bey den Aegyptiern. DieVerschiedenheit solcher Hilfsmittel, auf welche sich dochdamals die ganze Wissenschaft der Astronomie gründete,ist, angeführte Vermuthung zu widerlegen, allein hin»reich^id.
Man könnte zwar sagen: es ist doch gar nicht wahr,scheinlich, daß die Wissenschaften bey diesen Nationen,die doch wegen ihrer Nachbarschaft oft Kriege mit ein-ander führen mußten, nicht gemeinschaftlich sollten be-kannt geworden seyn: allein hierauf dient zur Antwort,daß ihre Kriege damals nicht viel sagen wollten: und esscheint überhaut, als ob die Alten den Vortheil, welcheraus einer wechselseitigen Mittheilung der Wissenschaftenfür jede Nation erwachst, nicht gekannt haben. AusUnwissenheit und Stolz glaubte jedes Volk sich selbst ge-nug zu seyn. Eine jede Nation machte sich aus einereitelm Gesinnung zur ältesten der Welt. Daher thatensie alle mit ihren gelehrten Kenntnisien sehr geheimnißvoll: denn die Eifersucht erlaubte ihnen nicht, andere imBesch ähnlicher Kenntnisse zu sehen. Aber dieß warvorzüglich ein Kunstgriff der Priester, welche das Volkaus Eigennutz recht mit Fleiß in seiner natürlichen Un-wissenheit bestärkten.
Es ist aber überhaupt bekannt, daß damals dem ge-meinen Volke nicht der geringste Unterricht ertheilt wur-de: kein gemeiner Mann konnte sich in die Geheimnisseder Wissenschaften einweyhen lassen: denn das Hand«werk der Priester, oder der Gelehrten überhaupt, warerblich: das heißt, die Gelehrten waren bey diesem Vol-ke eben das, was bey den Juden die Leviten waren.*Allein es ist zu merken, daß man damals mit den übri»gen Handwerken oder Beschäftigungen eben so verfuhr:denn bey einigen Familien war bloß das Kriegshand.