Von der Sternkunde nach der Sündfluth. i n i
Wer findet nun unter diesen beyden Fabeln nicht diegrößte Uebereinsiilnmung? Beyde bezeichnen ohnfehlbareinen und ebendenselben Gegenstand. Man wird sichaber von der Wahrscheinlichkeit bereits angeführter Er-klärung noch mehr überzeugen können, wenn man be-denkt. daß das Wort Phönix, nach der Erklärung desHerrn von (srebelain* in den orientalischen Sprachenso viel als Niedergang, Nacht, Finsterniß bedeutet.
Es ist daher wahrscheinlich, daß die nordischen Völ-ker mit den Aegyptiem einerlei) Ideen mit dergleichenBildern verknüpften; sie malten einerlei) Gegenstand:nur mit diesem Unterschiede, daß die erstem den Vogelgegen Mittag, die letztem hingegen mehr nach Mitter-nacht, als wo ihnen eine dicke Finsterniß zu herrschenschien, reißen ließen. Aber wir wollen sehen, wie manetwa hieraus erkennen kann, welche von beyden Fabelndas Original ist.
Wenn man also annimmt, daß Phönix, um zu ver-brennen und aufs neue geboren zu werden, gegen Mit-tag wanderte: so war dieß ein Sinnbild der Zurückwei-chung der Sonne, welches von keiner andern Nation,als von einer nordischen ausgevacht worden seyn kann:denn die mittägigen Bewohner des Erdballs sahen dieSonne das ganze Jahr hindurch beynahe mitten überden Himmel hinlausen: die mitternächtlichen hingegenbemerkten, daß die Sonne oft sehr weit von ihnen ge-gen Mittag entwich, dann ihre alles belebende Wärmegleichsam verlor und sofort mit jugendlichem Feuer wie-der zurücke kam. Und auf solche Art entstand, nach derdamaligen Art in Bildern zu reden, die Fabel von demNeste, dem Verbrennen oder Sterben, und von demVerjüngendes Vogels Phönix: der Umstand, daß die-ser Vogel allemal zoo Tage gelebt haben soll, bestätigt-
diese
* ^IleZo^er oriemsler.