96 Von der Sternkunde vor der Sündfiuth.
Wassers, oder die Hydrophonen; die Saturnalien;die Neumondenfeste; die Wallfahrten der Menschen aufhohe Berge; die Furcht und das Schrecken, welchessich bey großen Finsternissen oder anderen Zusammenkünf-ten der Planeten unter allen Völkern einfand; die Ideevon dem großen Jahre, nach dessen Verlauf alle Dingeaufhören, und aufs neue zu seyn anfangen sollten; dieAehnlichkeit der Feste unter den Chinefern und Aegyp-tiern; die vermeinten Riefen, welchen die Bewohner deswarmen Indiens sowohl, als die Völker des kalten Nordseinen beständigen Streit mit den Göttern andichteten;und endlich auch die Hieroglyphen, in welche die Grün-de der Wissenschaften oder der wahren Philosophie vonden Priestern eingefüllet wurden: denn diese Gewohn-heiten, welche man unter allen Völkern Asiens, von dergroßen Tartarey bis Indien, und von dem Ganges biszum Nil, antraf, lehren allerdings, daß alle diese Na-tionen aus einerley Ursachen von Vorurtheilen eingenom-men, von einem gemeinschaftlichen Stamme.entspros-sen, und von einer einzigen großen Nation entstandenwaren.
Wollte man annehmen, daß diese, in Rücksicht aufihre übrige Gemüthsbeschaffenheit so sehr verschiedenenVölker dennoch durch den bloßen Zufall zu dergleichenübereinstimmendenMeynungen undGrundsahen hakten ge-langen können: so muß man bedenken, daß dieses zwarbey wahren Lehren und richtigen Grundsahen statt fin-den könnte; denn die Wahrheit ist eine einzige, manmag nun zu derselben gelangen, wie man will: aberIrr-thümer, wie doch angeführte Lehren waren, können durchkeinen Zufall so übereinstimmend, so tief eingewurzeltund bey so viel, weit von einander entfernden, Nationenausgedacht worden seyn: denn die Anzahl der Irrthü-mer sowohl, als d'ie Menge der Wege, zu ihnen zugelangen, ist unendlich. Also müssen diese zu einer uns
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