Druckschrift 
1 (1777)
Entstehung
Seite
88
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88 Von der Sternkunde vor der Sündfluth.

Haben wir denn etwa unumstößliche Gründe, daßman die Sternkunde einstmalen nicht zu einem sehr ho-hen Grade der Vollkommenheit gebracht haben kann?Wir können von den Wissenschaften der Alten bloß durcheinzelne oder abgerissene Trümmer eines Ganzen einiger-maßen urtheilen: das Ganze selbst bleibt vor unfern Au-gen verborgen: und gleichwohl bestimmt dieß Ganzeden Zustand und die Verfassung einer Wissenschaft. Aberder, welcher itzt eine Geschichte der Sternkunde schreibt,hat keine andern Quellen, woraus er schöpfen kann, alsdie zerrissenen Nachrichten der Alten: diese muß er untereinander vergleichen und da, wo nichts verständlichesherauskömmt, Wahrscheinlichkeiten aufsuchen. Endlichmuß er unter allen Wahrscheinlichkeiten bloß diejenige,welche den wenigsten Widersprüchen unterworfen ist,Wahlen.

Gedachte Ausmessung der Erde ist, weil sie mit sogroßer Genauigkeit bewerkstelliget werden konnte, keinWerk der alten uns bekannten Griechen; auch in Asien fin-den wir keine Nation, der man es zueignen könnte; undwas die Chineser oder Chaldäer in diesem Fache gethanhaben, ist, gegen gedachte Ausmessung betrachtetet, nurein sehr fehlerhaftes Ohngefehr oder Näherung: und wirbegreifen leichte, daß diese Unternehmung einem altenVolke, bey welchen die Wissenschaften überhaupt schonzu einem reifen Alter gelangt waren, zugeschrieben wer-den muß.

Wie

Linien, ^kem.'cle 1'^.crlä. äezlnlcr. 1°. 24. x. 504. OE-r»//e bringt das Stadium durch einige geographische Aus-messungen auf 51 Toisen. kkes. irin. p. 84. Diese zwoBestimmungen würden dem Grade 57148 oder 56667 Toi-sen geben: und dann würde der größte Unterschied vonunfern neuern Ausmessungen doch nur 400 Toisen betra-gen. Aber in unserer Geschichte der neuern Sternkunde wer-den wir hiervon mit mehreren zu handeln Gelegenheit finden.