Von der Sternkunde vor der Sündfiuth. 87
Wir gehen noch weiter: wir halten es nicht für un-möglich, daß eine der berühmtesten Unternehmungen un-serer neuern Jahrhunderte, schon in jenen weit entfern-ten Zeiten ausgeübt worden feyn mag: ich meyne dieAusmessung des Erdballs.
Aristoteles benachrichtigt unö, daß die Mcßkünst-ler zu seiner Zeit den Grad der Erde aus 11 > i Sta-dien schaßten: den ganzen Umkreis derselben berechne-ten sie also auf 400000 Stadien.
Nun kommen die Gelehrten heut zu Tage darinneüberein, daß man hierunter weder das griechische nochalexandrinische Stadium verstehen kann: denn das klein-ste derselben würde die Erde doch wenigsten noch einmalso groß, als sie wirklich ist, angeben. Aber nach ei-ner Bestimmung dieses Stadiums, die uns eigen ist,und an deren Genauigkeit wir fast nicht zweifeln dürfen,findet man, daß ein Grad des Erdballs, oder 11n Sta-dien gerade 57060 Toisen ausmachen: folglich stimmt,die alte Ausmessung eines Grades des Meridians mitden nenern Ausmessungen bis aus sechs Toisen überein:* **eine Genauigkeit, welche allerdings bewundernswür-dig ist. * *
F 4 Haben
* Dieß ist bloß von dem Grade des Meridians in Frank-reich, welchen der Abbe Piccard gemessen hat, zu verste-hen: in Asien, oder überhaupt weiter gegen den Aequatorzu, würde der Unterschied ohnfehlbar größer als nm sechsToisen ausfallen. Uebersencr.
** Wir setzen das gedachte Stadium des Aristoteles ans51 Toisen; einen Fuß, einen Zoll und 0, 92 Linien: und wirglauben , daß diese Bestimmung richtig ist. Wollre mansie demohugeachtct nicht annehmen: so würde unsere Mey-nung doch nichts darunter leiden. Dieses > Stadium warschon vor uns bekannt: Sel'Isle selbst hat mich hierzuveranlaßt, klein. (Zs I'.^caö. 6es Lcienc. 1721. x. 60.Herr Iberer setzt es auf ZI Toisen, 2 Fuß, 6 Zoll und II
Linien.