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Eine Bamberger Baumeisterfamilie um die Wende des 17. Jahrhunderts : Ein Beitrag zur Geschichte der Dientzenhofer
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Zurückhaltung, die nur zu oft an Nüchternheit grenzt, tritt beiSchloss Favorite das Streben nach aufdringlich derber Gesammt-wirkung; die Pilaster werden durch Rundsäulen ersetzt, dasdekorative Detail macht sich im Figürlichen wie Ornamentalenbreit und kann sich in Häufung der Motive nicht genug thun.Der gleichzeitigen Wiener Bauweise 1 * nahe verwandt, herrschtdiese Richtung auch bei den anderen bedeutenderen Main-zer Bauwerken jener Zeit vor; ich erinnere nur an den1715—1721 errichteten Dahlberg’schen Hof (sog. Säukopf), dessenSteinhauerarbeiten von dem Mainzer Bürger und SteinmetzenCaspar Herwarthel ausgeführt wurden. - Jedoch ist diestilistische Uebereinstimmung dieses Werks mit der Favoritezu allgemeiner Art, um daraufhin eine sichere Zuweisung derletzteren an Ilerwarthel zu wagen.

Die Gesammtanlage der Favorite, 3 4 bei welcher offenbarnach dem Vorbild von Marly das System der getrennten, kulissen-artig gruppierten Pavillons zur Anwendung kam, wurde in denJahren 1700—1710 vom Kurfürsten Lothar Franz mit einemKostenaufwand von 93641 fl. 58 kr. errichtet. Der kunstreichePark französischen Stils dürfte wohl, als einer der ersten seiner Artin Deutschland, für die ähnlichen, jetzt sämtlich verschwundenen«Gartenkünste» der Schlösser Gaibach, Wiesentheid und Pommers-felden' 1 das Muster gebildet haben. — Heute erinnert nichtsmehr an die umfangreiche Schöpfung; 1793 fiel sie der Zer-

1 Vergl. Kleiner, Die keyserl. Burg und Lustliäuser 1725. Blatt 24,

Blatt 2ö, Blatt 29.

3 Vergl. den Kontrakt vom 13. April 1715 über 22000 fl. rh. (Stadt-archiv Mainz.) (Abb. bei Gurlitt 1. c. S. 369.") Herwarthel dürfte identischsein mit dem von Schlereth als Erbauer des Schlosses und der Kirche aufdem Johannisberge im Rheingau, (1717—30) genannten Mainzer Hofbau-meister Hörwarth (Buchonia, Fulda 1828. 3. Bd. 2. Hft. S. 30). Er starbim Jahre 1720. s. Scliaal, Geschichte der Stadt Mainz 1841, 2. Bd. S. 202.Daselbst ist er Hof- und Stadtwerkmeister genannt. Dieser Titel entsprichtdem Reskript des Erzbischofs (4. Aug. 1698), wonach er die Stelle desHofbaumeisters durch einen Werkmeister ersetzt wissen will.

3 Die detaillierten Nachrichten und Beschreibung Anden sich beiVelke, Die ehemalige Favorite bei Mainz in «Rheinische Chronik in Wortund Bild» I. Jhrgg. Heft 1—3. 1894/5.

4 Die Grundrisse sind uns erhalten in den Kleinerschen Werken;der des Schlosses Wiesentheid in Johann David Fiilcken, Neue Gartenlustin Verlag von J. A. Pfeffel in Augsburg.