Druckschrift 
Eine Bamberger Baumeisterfamilie um die Wende des 17. Jahrhunderts : Ein Beitrag zur Geschichte der Dientzenhofer
Entstehung
Seite
45
Einzelbild herunterladen
 

45

Thätigkeit des vierten Sohnes von Georg Dientzenhofer, der seinerGeburt nach wahrscheinlich der Drittälteste war, des

Christoph Dientzenhofer 1655—1722.

Mit dieser letzteren Annahme befinde ich mich in Widerspruchzu Schmerber, der einer im Taufbuch des Dorfes Au gefun-denen Notiz zuliebe, diesen Christoph D. einer anderen Familiezuweist; 1 2 demnach wäre er als Sohn eines Wolfgang D. zuAu geboren und am 27. Nov. 1663 dortselbst getauft. Ichhalte gegenüber dieser unbegründeten Zuweisung an dem si-cheren Eintrag in den Registern der Pfarrkirche St. Nikolaus,Kleinseite in Prag, fest, - wonach wie erwähnt Chr. am 20.Juni 1722 im Alter von 67 Jahren gestorben ist. — Da derAufbewahrungsort der Waldsassener Quellenschriften sorgfältiggeheim gehalten wird, so muss ich für die Behauptung, dassChristoph ein Bruder von Georg und Johann Leonhard sei,die Verantwortung den beiden genannten Autoren Brenner undBinhack überlassen. Ueber seine Persönlichkeit wissen wiraus den Waldsassener Pfarrbüchern, dass er als «murarius undBalier» heim dortigen Klosterbau, wie sein Bruder thätig war,Am 7. August 1686 ist er als Trauzeuge eines Philipp Leuthnergenannt. Nach seines Bruders Georg Tode (1689) wird erMaurermeister, leitet aber als solcher, wie es scheint, nur einJahr lang den Bau; 1691 wird der bisherige BaumeisterA. Leuthner durch Bernhard Schiesser 3 ersetzt, der den JakobSchiesser als Maurerpalier aufstellte. Christoph D., der schonvorher Beziehungen zu Prag hatte — er hatte sich dort 16s5verheiratet und 1686 das Bürgerrecht erhalten — wandte sichnach Prag zurück, wo er später mit seinem Sohne KilianIgnatz Dientzenhofer (1689—1751) eine hervorragende Thätigkeitentfaltete. Leben und Werke dieser beiden Meister, die in derdeutschen Architekturgeschichte des 18. Jahrhunderts eine höchstbedeutende Stellung einnehmen, finden sich in eingehenderWeise in der citierten Abhandlung von Schmerber gewürdigt.

1 Schmerber 1. c. S. 15.

2 S. Schmerber 1. c. S. 26.

3 Dieser hatte sich am 29. Augmst 1690mit der Wittwe Georg Dientzen-hofers verheiratet.

4