f
- 37 -
Bei der Hauptabrechnung im Jahre 1711 hatte sich heraus-gestellt, dass dem Baumeister die Summe von 7309 fl. 23 kr.über den kontraktmässig ausbedungenen Betrag von 104995 fl.ausbezahlt worden war. Der Meister konnte die Verwendungdieser Summe nicht nachweisen und noch viel weniger ersetzen.Aus dieser Bedrängnis rettete ihn ein Gnadenakt des Fürst-abts, der ihm im Vertrauen auf seine Redlichkeit die ganzeSchuld erliess. In der That hatte D. auch während seines elf-jährigen Fuldaer Aufenthalts so wenig erübrigt, dass bei seinemWeggange nicht unbedeutende Schulden (1300 fl.) auf ihmlasteten. Abermals wandte er sich an den Fürsten mit derunterthänigen Bitte, er möchte ihm doch zur Abtötung seinerSchulden auf die neu erbaute Behausung 1 1000 fl. anweisenlassen, «umb ihm umb Gottes Willen aus diesem Labyrinthherauszuführen und seine Ehr zu erhalten»« 2
Diesem Wunsche wurde, wie es scheint, erst von Adalberts(f 1714) Nachfolger Constantin von Buttlar entsprochen; dennerst am 12. Januar 1715 stattete D.’s Frau, für ein Geschenkvon 1000 fl., das ihrem Manne «in Ansehung der schönen Ge-bäude» ausbezahlt worden war, ihren unterthänigsten Dank ab.
Diese misslichen Vermögensverhältnisse und das schnelleWeggehen D.’s von Fulda haben vermutlich bei seinen persön-lichen Widersachern das Gerücht entstehen lassen, der Bau-meister habe seiner Kuppel keine lange Dauer zugetraut undsei deshalb noch vor gänzlicher Vollendung des Domes vonFulda weggezogen. Wir können dem, abgesehen von dem heutenoch tadellosen Bestände des Baues, mit voller Bestimmtheitentgegentreten, weil wir den wahren Grund seiner Abreisewissen. «Und grösseres fortun und avancement zu erlangen»,wie es in einem glänzenden Zeugnis heisst, das ihm nach-träglich «zur Widerlegung der ihm durch übelgesinnte Leuthangegebenen OhnWahrheiten» von der ftirstl. Kammer aus-gestellt wurde (3. Mai 1722), begab er sich zu Beginn desJahres 1711, berufen von dem Fürstbischof Lothar Franz, nach
1 Nach «D. Dom in Fulda» wäre dies das Lauckertische Haus, Ritter-gasse Nr. 4, gewesen.
2 Das Gesuch ist datiert 30. Jänner 1712.