Druckschrift 
Eine Bamberger Baumeisterfamilie um die Wende des 17. Jahrhunderts : Ein Beitrag zur Geschichte der Dientzenhofer
Entstehung
Seite
13
Einzelbild herunterladen
 

13

des Pfeilers nur ganz schmale Eckstege übrig lassen. EineVermittelungsform ist die dem Pfeiler vorgelegte Halbsäule.Beliebt ist die Belebung der Pfeilermassen durch Statuennischen,welche bei den abgeschrägten Flächen der Vierungspfeiler fastzur Hegel werden.

Im Chorabschluss findet sich neben dem gewöhnlichenHalbkreisbogen die polygone Form oder der geradlinige Ab-schluss ; die Sakristei und Paramentenkammer sind in der Regelrechts und links vom Chor angelegt und ergänzen den Kirchen-grundriss zur rechteckigen Anlage. Auf das Muster des Salz-burger Domes geht wohl die Dreiconchenanlage zurück. DasSystem des Langhausaufrisses zeigt die gewöhnlicheForm : Zwischen hohen Pilastern öffnet sich eine Arkade alsTrägerin einer mit gestelzten Bogen überdeckten Empore, dienach vorne mit einer Balustrade abgeschlossen ist.

Weit origineller tritt die Begabung der Architekten für denCentralbauzu tage. Ausgangspunkt ist ihnen das Pantheonund ein an Sa. Costanza in Rom erinnernder Grundriss, Vor-bilder, wie sie in den ältesten italienischen Kupferwerken viel-fach zu finden sind. Vom Kreis als Grundform ausgehend,gelangen sie, durch Einzeichnen von vier Conchen (Vier-Pass)oder Ansetzen derselben an die Peripherie, zu verwinkelterenBildungen. Der Kreis muss vielfach der geschmeidigeren Formdes Ovals weichen, das entweder in dieser Bildung auch äusser-lich sichtbar bleibt, oder durch schräg angelegte kleinere Ovaleund Halbkreisräume zu einer rechteckigen Anlage ergänztwird. Reicher Nischenschmuck, üppige Pilaster- und Säulen-stellungen sind die Begleiterscheinungen derartig komplizierterBauideen.

Eine dritte Grundform endlich bietet das griechische Kreuz,wobei eine beliebte Variante in die Ecken der Kreuzarme ge-setzte, äusserlich kreisförmige Kapellen zeigt, die im Innern dieGesammtanlage wiederholen — ein Grundgedanke, der anBramante’s Entwurf für die Peterskirche erinnert. —

In den angegebenen Bahnen bewegte sich zu Ende des17. Jahrhunderts die Phantasie der Baumeister, angeregt durchdie reiche Thätigkeit, die ihnen auf den verschiedensten Ge-bieten der Baukunst winkte. Inwieweit den theoretischen For-