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2 (1914)
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Die synthetischen Arzneimittel.

Diesen Bestrebungen verdankte das Dermatol (Liebrecht)und die vielen ähnlichen Streupulver und Darmantiseptica, wieAirol, Vioform, Xeroform usw., ihren Ursprung, vor allem aberauch die schier unabsehbare Klasse der Jodoformersatzmittel,mit denen nach den ersten großen Erfolgen des Jodols (Ciamician),des Sozojodols (Trommsdorf) des Aristols und Europhens (Messingerund Wortmann) die Welt überschwemmt wurde. Dies nicht, weilein Bedürfnis vorlag, sondern weil wohl keine chemische Syntheseauf dem Arzneimittelgebiet einfacher war, als die Herstellungleicht jodabspaltender organischer Körper.

Nicht unbedeutend ist die Zahl derjenigen Arzneimittel,deren Entstehen einem Zufalle, einer irrtümlich aufgestelltenKonstitutionsformel, einer Verwechslung oder einer unvorher-gesehenen Wirkung zuzuschreiben ist.

Typisch in dieser Beziehung dürfte wohl die überraschendeBeobachtung der Abführwirkung des Purgens (Zottan v. Vamossy)sein, welches auf den ungewollten Effekt eines zur Steuerkontrollemit Phenolphthalein versetzten Tokayerweines zurückzuführen ist.

Auffallend gering dagegen ist der Einfluß, den die Fort-schritte der wissenschaftlichen Synthese auf die Entwicklungneuer Arzneimittel ausübten. Hier sind eigentlich die ArbeitenSkraups die einzigen von durchschlagender Bedeutung. Sinddoch auf die Skraupsche Chinolinsynthese nicht nur die erstensynthetischen Fiebermittel, das Kairin, Tallin und später dasOrexin, sowie das Anaigen, das Loretin, das Chinaseptol, dasChinosol usw. zurückzuführen, sondern vor allem auf die bequemeSkraupsche Azetylierungsmethode eine große Zahl unserer wert-vollsten Arzneiprodukte. Dagegen sind andere wichtige Methoden,wie die bahnbrechenden Arbeiten von Sabotier und Senderens,ja selbst die Grignardsche Reaktion, die in der wissenschaftlichenSynthese zur Herstellung von Tausenden von neuen Körperngeführt hat, für die Arzneimitteldarstellung lange Zeit bedeu-tungslos geblieben und erst in den letzten Jahren durch Fourneauim Stovain und durch Hofmann im Isopral und vor allem imAlypin zu Ehren gelangt.

Im allgemeinen beruhen gerade die Darstellungen der wich-tigsten Arzneimittel auf relativ einfachen Operationen. Denn beiweitem der größte Teil der ersteren stellt nicht neuartige chemischeKörper von neuartiger Konstitution und neuartigen Eigenschaften,sondern vielfach gleichartige miteinander in nahen Beziehungenstehende und in ihren physikalischen oder chemischen oderphysiolo-

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